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30. ROTTERDAM-MARATHON, 11. April 2010 ¤ AUFBAUKÄMPFE Spiridon-Silvesterlauf Frankfurt (10 km), 27.12.09 Alten-Busecker Winterserie (Halbmarathon), 23.1.10 Halbmarathon der SKV Mörfelden, 7.2.10 Seligenstädter Winterserie (10 km), 20.2.10 35. Bienwald-Marathon, 14.3.10 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Uhrwerk Orange - Das Wunder von Rotterdam Folgte in Rotterdam unser 42. Frühling? 42 Lenze hatten wir schon hinter uns. Soviele wie Marathon an Kilometern hat. Mindestens. Eigentlich sollte nach KANDEL Schluß sein. Aber mit dem Siegesrausch (Vitus) und der Lektion (Peanut) aus dem Bienwald, wollten es die jungen Gefühle, daß wir nun doch zum 30. Jubiläum nach Holland fahren! - Rotterdams erster Marathon fand jedoch nicht vor dreißig Jahren, sondern bereits vorm Krieg statt. Schon 1937, und dann noch mal 1950, wurde zwischen der Sintelbaan und Nieuewerkerk längs der Ijssel der niederländische Meister ermittelt. In den Sechzigern lief man den Marathon erst im Kralinger Wald, bis es an einem verregneten Tag im Mai 1981 zur Ausrichtung des bis heute währenden Marathons auf dem Rundkurs durch die Stadt kam. Für Rotterdam mußten wir nichts anderes als das gleichzeitig stattfindende Fest des Doom »Doom Shall Rise« aufgeben. Wir waren innerlich derart zerrißen, das wir wochenlang nur von Göppingen oder Rotterdam? und Rotterdam oder Göppingen? reden konnten. Peanut hat sogar davon geträumt! Und dabei ist die nach einem Damm am Fluß Rotte benannte Stadt gar kein Ort für Träume. Rotterdam ist seit eh und je der buntgemischte Hafen Europas. Nach »Roffa« fährt man nicht für Erquickungen, sondern um ganz pragmatisch blitzschnell zu laufen - und blitzschnell wieder zu verschwinden. Über 20 000 bringen sich jedes Jahr im April vorm einzig kriegsverschonten Gebäude - dem Rathaus an der Coolsingel - in Stellung. Eine Hälfte verabschiedet sich nach zehn Kilometern, die andere (alles flinke Hunde!) will Bestzeit über 42,195 Kilometer rennen. Alles andere zählt nicht in Rotterdam. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Rotterdam ist platt wie ein Pannenkoeken. An drei Stellen liegt die Strecke sogar unter Seeniveau! Start und Ziel sind auf der Ringstraße Coolsingel. Gleich zum Auftakt erreicht die Route mit der Erasmusbrücke das postmoderne Wahrzeichen der Stadt. Das Wasser der Maas überschritten, geht es durch die neuen Wolkenkratzer von »Maashattan« und »De Kuip«, das Stadion von Feyenoord, wird passiert. Über eine weite Schlinge durch die südlichen Teilgemeinden wird nach 21 Kilometern der Maashafen gestreift und die Strecke führt zurück über die Erasmusbrücke ins Zentrum. Eine Runde im Kralinger Wald im Norden bildet den ruhigen Kontrast vor dem großen Finale. Alles endet, wo es begann: auf der Coolsingel. Dort wird der letzte Läufer vom Sieger als erstem Gratulanten erwartet. Rotterdam steht für eine lockere Atmosphäre mit hunderttausenden Zuschauern und ungezählten Musikkapellen am Rande. Legendär machen den Wettstreit seine phänomenalen Zeiten. Den Streckenrekord hält seit 2009 Kenias Duncan Kibet mit 2:04:27 Stunden. Es wurden drei Weltbestzeiten an der Maas aufgestellt: 1985 - Carlos Lopez (Portugal) 2:07:12 1988 - Belayneh Dinsamo (Äthiopien) 2:06:50 1998 - Tegla Loroupe (Kenia) 2:20:47 Zwei virtuelle Streckenführungen >> Parcours Video >> GPSies | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Rotterdam war die Fortsetzung zum Bienwald-Marathon. Nach den 14 Wochen für Kandel haben wir uns die Lungen noch mal um vier weitere aus dem Leib gerannt. Ein Trainingsbeispiel - die Gipfelwoche vom 8. bis 14. Februar 2010: Mo.: 18 km Steigerungslauf in 2:03 Std. Di.: 31 km Dauerlauf in 3:00 Std. Mi.: 20 km mit 3 x 4000 m auf vereistem Boden zwischen 18:20 und 19:30 Min. Do.: 26 km mit 12 x 1000 m in 4:00 Min. Fr.: 7 km lockerer Dauerlauf Sa.: 40 km langer Dauerlauf mit Endbeschleunigung in 3:23 Std. So.: 20 km mittlerer Dauerlauf in 2:03 Std. Täglich: 15 Min. Kräftigung für Rücken, Bauch, seitlichen Rumpf sowie vordere und hintere Oberschenkel. Dazu Dehnung. Die bestrittenen AUFBAUKÄMPFE (Klick auf das jeweilige Veranstaltungssymbol öffnet den Laufbericht): | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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31. SPIRIDON-SILVESTERLAUF FRANKFURT, 27.12.09 (10 km) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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33. ALTEN-BUSECKER WINTERSERIE, 23.1.10 (Halbmarathon) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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33. SELIGENSTÄDTER WINTERSERIE, 20.2.10 (10 km) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | 35. BIENWALD-MARATHON KANDEL, 14.3.10 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Vitus´ 16 TRAININGSWOCHEN vom 21. Dezember 2009 bis 11. April 2010: 01. Wo. (110 km): 10-Kilometer-Wettkampf (39:08) 02. Wo. (151 km): Training 03. Wo. (130 km): Training 04. Wo. (153 km): Training 05. Wo. (115 km): Halbmarathon (1:25:40) 06. Wo. (143 km): Training 07. Wo. (130 km): Halbmarathon (1:25:09) 08. Wo. (162 km): Training 09. Wo. (134 km): 10-Kilometer-Wettkampf (39:18) 10. Wo. (160 km): Training 11. Wo. (130 km): Direkte Wettkampfvorbereitung 12. Wo. 0(85 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - BIENWALD-MARATHON (35. in 2:56:23) 13. Wo. 0(84 km): Aktive Erholung 14. Wo. (150 km): Training 15. Wo. (131 km): Direkte Wettkampfvorbereitung 16. Wo. 0(88 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - ROTTERDAM-MARATHON (276. in 2:52:47) Gesamt: 2056 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER MARATHON ::. 30. FORTIS MARATHON ROTTERDAM, 11. April 2010 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Donnerstag, 8. April Die Geschichte begann mit einem schweren Entschluß. Göppingen oder Rotterdam? Bis zur letzten Minute war das Ziel unserer Expedition umstritten. Sollten wir zur großen Werkschau des Doom, dem Doom Shall Rise (stets eine heilige Pflicht)? Oder zur 30. Ausgabe des Rotterdam-Marathons (mit seinem großen Fragezeichen am Ende)? Nächtelang hatte ich deswegen nicht geschlafen. Arvid von Space Pilgrim war sowas wie der erste Entscheidungshelfer. »Die Leser meiner Frontberichte würden das Nichtdabeisein in Göppingen zwar schade finden, aber wenn Rotterdam so legendär und somit ein Lebenshöhepunkt sei, wäre der Fall doch klar«, hatte Arvid mich wissen lassen. Pim von den Rotterdoomern Officium Triste munterte mich mit »It's always a good vibe in R´dam« und »Good luck with the marathon« auf. Cindy vom Metalclub »Baroeg« wiederum, auch Doom-Shall-Rise-Besucherin seit 2003, hatte mich informiert, daß ihre Kollegen ein kleines, aber lautes Schlagzeug auf den Spinozaweg (Streckenkilometer 10) stellen würden. Und ich sollte ihr unbedingt von meinem Ergebnis schreiben. Der letzte Sendbote war dann unser Doomkamerad Micha, der uns in Göppingen zwar vermißte aber auch »maximalen Erfolg« für Rotterdam wünschte... Der Krieg der Religionen hatte bis zum Frankfurter Hauptbahnhof getobt. Bis dahin standen für uns in Göppingen Notbetten bereit. Erst mit der Abfahrt des Zuges waren die Würfel gefallen: Der Kopf hatte über das Herz gesiegt, die Reise führte ins Beneluxland. Nach fünf Stunden - wovon wir die letzte wie Landstreicher mit Sack und Pack auf dem Boden eines überfüllten »Sneltreins« durchstehen mußten - war die Nordsee erreicht. Unser Quartier für die kommenden Tage war eine der winzigen Kammern im »Maritime«, das wir vom Dutch Doom Day 2007 kannten. (Vor dem Hotel fand drei Monate später auch die Präsentation der Teams und der Prolog zur Frankreich-Rundfahrt statt.) Nach einem Lockerungslauf über die giftgrün ausgeleuchtete Erasmusbrücke lagen wir noch vor Mitternacht im Bett. Freitag, 9. April Halb vier riß mich die Sehnsucht nach dem Doom Shall Rise aus dem Schlaf. Eine Stunde lag ich wach und dachte über Abreise nach. Wir wären zur rechten Zeit zum Festival in Deutschland zurück gewesen. Höhere Vorsehungen hatten mit mir aber anderes vor... - Mittags haben wir die Marathon Sport Expo im Beurs World Trade Center besucht. Damit waren die Startunterlagen gesichert. Ferner wurde jeder Läufer in das erstmals zur Anwendung kommende Zeitmeßsystem D-Tag eingewiesen. (Hierbei handelte es sich um einen D-förmig zu biegenden Plastestreifen, der den bewährten gelben Chip in der Schuhschnürung ersetzt. Das Teil erzeugte enormes Mißtrauen und die über die Straßen gezogenen Datenschächte waren die reinsten Stolperfallen!) - Ein verdammt guter »Koffie verkeerd« in einem Sonnencafé an der Maas und ein Lauf durch den Park unterm Euromast beschloßen den Tag. Sonnabend, 10. April Mit Unterbrechungen hatte ich acht Stunden Ruhe gefunden. Soviel wie seit Wochen nicht mehr! Neben einer lockeren Vorbelastung über die Erasmusbrücke und dem Richten des D-Tags galt alle Aufmerksamkeit dem letzten Mahl vorm Marathon, daß wir uns traditionell auf dem mitgebrachten Feldkocher zubereiteten. Derweil ich es bei Reis mit etwas Amaranth beließ, hoffte Peanut zusätzlich noch auf die Mineralien aus einer Tomatensoße und einem Rohkostsalat. Eine ungünstige Wahl... Ferner haben wir auf den Hokuspokus der Chemielabore um »Carboloading« und basische Pulver verzichtet. Nieder mit dem teuren Schund! Sonntag, 11. April Heute war es soweit: Nur 28 Tage nach dem Kampf im Bienwald kam es für uns zu einer neuen Schlacht über die Marathonstrecke. Heute war ROTTERDAM-MARATHON! Um 5.45 Uhr war ich wach. 6 ½ Stunden Schlaf: das war bombastisch! Um sieben habe ich meine Freundin geweckt und mich auf einen leichten Morgenlauf gemacht. Am Himmel war Wolkentreiben, die Marathonfahnen knatterten waagerecht und über die Erasmusbrücke brauste ein frostiger Wind. - Bei der Rückkehr aufs Zimmer klagte Peanut über Schüttelfrost, Bauchkneifen und Dünnschiß. Der verdammte Salat... Aber sie wollte in jedem Falle laufen! Zum Frühstück hatten wir Tee und Peijnenburg Groninger Koek (Honigkuchen mit Früchten), der mit Pindakaas (Erdnußbutter), Banane, Moosbeeren und Honig belegt war. Um 9.15 Uhr sind wir mit der Metro von Leuvehaven nach Centraal gefahren, wo es 600 Meter vom Start entfernt in den Colleges von »Albeda« und »Zadkine« Möglichkeiten zum Umziehen gab. Mangels Wegweisern hatten wir uns anderen Läufern angeschlossen und kurz vor zehn Uhr so zu einem Zelt im Hof des Zadkine gefunden. Dort wiederum hat man sein Sporttaschen einfach unter den Bänken im Zelt eingelagert (und es wurde nichts gestohlen). Zwanzig Minuten vorm Start haben wir uns zur Coolsingel aufgemacht. Auf dem Platz Hofplein fand die Trennung nach Start-Sektionen statt. Peanut war Sektion E zugeordnet, ich der Sektion C. Laut einer Freiwilligen sollten wir uns in der linken Spur einreihen. Derweil Peanut rasch zu ihrer Box durchkam, mußte ich selber noch 300 Meter über den Fußweg weiterziehen. Und der stand voll mit Zuschauern! Panik!... und nur durch robuste Rempler hatte ich vier Minuten vorm Peng den letztmöglichen Eingang zum Starterfeld erreicht. Dies war aber nicht der zur Sektion C sondern zu R. Und dies stand für »Relay«, Staffel! »C« wiederum lag auf der gegenüberliegenden Fahrspur, die aber von einem Zaun versperrt war. Derweil ich schon mit einem Start im falschen Wettstreit haderte, stimmte ein dicker Mann aus einem Kran heraus die Hymne »You´ll Never Walk Alone« an, und viele tausend Kehlen stimmten ein. Rund 23 000 Lopers aus 60 Nationen, davon 12 456 klassiche Läufer, hatten bei kalten Winden Stellung bezogen, als der Bürgermeister zusammen mit Rennleiter Kadiks um 11 Uhr die START-Kanone abfeuerte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Erasmusbrücke Rotterdam 2010 (© Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kilometer 0 bis 10: Vom Centrum über die Erasmusbrug vorbei an »De Kuip« nach Feijenoord Der Mythos Coolsingel war zu schmal. Obwohl auf breiter Front gestartet, verlief der Beginn zäh. Bewegliche Hindernisse - sprich Langsamere - hatten sich vorn reingeschmuggelt. Mit 4:20 Minuten war der erste Kilometer für mich schon um eine halbe Minute verhunzt. Vielleicht sollte das sowas wie eine späte Vergeltung sein. Schließlich wurde Rotterdam im Mai 1940 durch deutsche Luftkrieger in Trümmer und Asche gelegt. Die Bomben auf Rotterdam hatten die Niederlande zur Kapitulation gezwungen. Fast auf den Tag genau 70 Jahre später waren wir nun als deutsche Marathonläufer wieder da, wo 1940 ein Flammenmeer alles verwüstete! Aber heute war die ganze Stadt auf den Beinen um uns anzufeuern. Eine Million soll an der Strecke gewesen sein. Wenn nicht aus Rotterdam, so waren sie aus einer anderen Gemeinde gekommen. So groß ist Holland ja nicht. Der Lauf passierte den Löwenhafen und erreichte auf dem zweiten Kilometer die futuristische - vom Volksmund »Schwan« getaufte - Erasmusbrücke. Nach 800 Längen- und 18 Höhenmetern war die Maas überschritten und der Kop van Zuid (Kopf des Südens) erreicht. Die Einheimischen reden auch vom »Manhattan an der Mass«, denn hier wachsen unentwegt neue Wolkenkratzer aus der Erde. Die Strecke bog um das ganz neu erbaute, höchste Haus der Niederlande, den Maastoren. Auf der Ausfallstraße Laan op Zuid vereinigte sich die linke und rechte Spur der Coolsingel zu einem Heerwurm, und nach fünf Kilometern war das Stadion »De Kuip« erreicht. Mit einem Unentschieden hatte Feyenoord heute auswärts dem PSV Eindhoven den Traum von der Champions League zerstört. Über Stadion- und Olympiaweg war der 10-Kilometer-Punkt erreicht. Für mich ein wichtiger Punkt. Meine Durchgangszeit von 40:27 Min. war ein früher Erfolg, der mir viel Druck nahm und den weiteren Lauf beruhigte. Aus dem Augenwinkel heraus war linker Hand der Klub »Baroeg« zu erkennen, wo wir drei Jahre zuvor das Dutch-Doom-Day-Fest erlebten. Rechts jedoch, waren heute die Versorgungspunkte aufgebaut. Neben Schwämmen und Wasser wurde alle fünf Kilometer das Fliegerbier Extran Refresh verteilt, dazu am Kilometer 20 das höher konzentrierte Extran Energy in orange. (In Kombination mit einem Kohlenhydratgel bin ich damit gut durchgekommen.) Kilometer 11 bis 20: Eine Schlinge durch den Zuiderpark Licht, Luft und Weite: So ließe sich der weitere Verlauf am besten charakterisieren. Die Route lief nun in einer weiten Schlinge durch den Zuiderpark. Niedrige Häuserzeilen begrenzten die Strecke zuweilen, und mit dem »Ahoy« wurde die größte Hallenkonstruktion von Europa passiert. Keine Zeit indes für erquickende Betrachtungen! Manchmal blitzte heiß die Sonne auf, doch sobald sie wieder verschwand, war es wieder fast winterlich kalt. Fünf Kilometer mußten auf hartem Asphalt im stillen Grün durchgehalten werden. Allerdings war das Gelände völlig eben, es wies absolut keine Erhöhungen auf. Damit ließ sich auch ein raumgreifender Schritt laufen - der mich in einen vorübergehenden Schwächeanfall stürzte. Erste Schmerzen in den Muskeln hatten mich verunsichert, aber ich war zu keinem Zeitpunkt einsam. Überall standen Musikkapellen und zumindest kleine, helfende Zuschauergruppen. Viele schrien mir »Chicago« zu. Denn Chicago stand auf meiner Brust. Das Trikot hatte ich beim Marathon in Amerika erstanden und trug es heute zur Tarnung. Vielleicht lag im Wort »Chicago« auch ein wenig vom Fernweh nach der Neuen Welt, daß die Niederländer wohl inne haben. Die Zuschauer waren mehr als nur ein Motor für mich! Zwanzig Prozent meiner Leistung gehen auf die Rotterdammer, die im Süden besonders jung schienen. Kilometer 21 bis 30: Von Charlois über Katendrecht und die Maas ins Centrum nach Noord Mit 1:25:37 Stunde hatte ich bei Halbmarathon eine Zwischenzeit abgeliefert, die mir bisher nur bei einem bestens präparierten Halbmarathonrennen möglich war. Aber heute war Marathon und somit lag die selbe Entfernung noch einmal voraus! Die Brieselaan zog sich nun durch ein eher häßliches Viertel. Hinter Handelsgebäuden und abgewrackten Lagerhallen öffnete sich die Aussicht auf den Maashafen und die Halbinsel Katendrecht mit ihrem Rotlichtdistrikt. Weit wichtiger als das Verruchte auf der Brieselaan war aber die Brise aus Nordost. Und die wehte steif von vorn! Gegenwind! Hilfreich kam mir nun die Gegenwart von Mitläufern zu Gute. In Rotterdam wurde Windschattenlauf praktiziert. So, wie er vor allem vom Radrennen bekannt ist: sich im Kreisel und auf der Kante bewegend. Mit 20:55 Min. waren die fünf Kilometer zum Kilometer 25 meine langsamsten im ganzen Rennen, aber durch den Windschatten noch im Rahmen gehalten. Die Erasmusbrücke führte nun zurück aufs Nordufer der Maas. Direkt am Brückenkopf lag unser Hotel - aber keine Versuchung hier die Waffen zu strecken! Der Kurs führte wieder über die Coolsingel und unterquerte selbige nach einer Spitzkehre auf der Promenade Blaak. Im Straßenzug der Warande stürmten mir auf der Gegenspur mit einem Affenzahn die Nummern 3 und 5 auf der Brust entgegen: Kenias Makau und Mutai! Derweil ich dem 30. Kilometer entgegenstrebte, hatte die Spitze aus Ostafrika schon die Marke »40« passiert. Und - ehrlich gesagt - das war ein ziemlicher Dolchstoß in die Moral! Erschwerend bot dieser Punkt auch noch einen milden Anstieg, der wie ein Einstieg in den nun folgenden, grundverschiedenen Abschnitt war... Kilometer 31 bis 40: Rund um den Kralingensee Ganz im Noorden der Stadt verabschiedete sich der Asphalt in die Natur und verlief durch den Wald von Kralingen rund um den Kralinger See (oder »Plas« wörtlich übersetzt: die Kralinger Pfütze). Der Weg lief neun Kilometer weit in landschaftlich schöner Gegend am Wasser, an Sandstränden und Bootsanlegern lang durch einen lichten Wald. Die Straße war flach, sie war kerzengerade und pfeilschnell. Mit dem Erreichen eines kanalisierten Flüßchens und der ersten Siedlungshäuser an der Kralingse Plaslaan waren auch wieder massive Anfeuerungen zu genießen. Rock- und Jazzcombos hämmerten ihre Vibrationen in den Läuferwurm. Auf keiner Strecke der Welt sind soviele Kapellen zu verorten, wie in R´dam. Die Musikanten, das Publikum und der rasende Puls der Marathonläufer ergaben den H e a r t b e a t o f R o t t e r d a m! Nun konnte ich auch das Maximum an Leistung herausholen. Jetzt wußte ich, daß die Muskeln nach Kandel keine Schäden genommen hatten. Die Standfestigkeit durch den noch frischen Marathon erlaubte mir einen entfesselten Durchmarsch, in dessen Verlauf ich noch zwei Dutzend niedermachte. Darunter auch einen aus dem roten Schnellzug der »Hardloopwinkel«-Männer, der mir dreißig Kilometer zuvor die Hacken gezeigt hatte. Am 40. Kilometer waren die Zuschauer wieder der ultimative Kracher. Wenngleich ich hier auch großes Mitgefühl mit Peanut haben mußte. In der gleichen Art wie die Begegnung mit den Spitzenreitern, verlief in der Warande die Begegnung mit der eigenen Freundin. (Peanut hatte mich im lichten Vorderfeld gleich entdeckt und gewußt, daß ich einen phantastischen Rekord laufen würde. Das gab ihr auch den Glauben in die eigene Kraft.) Kilometer 41 bis 42,195: Von Kralingen zurück zur Coolsingel Mit den gekippten Kubuswohnungen, die wegen ihrer Pfahlform den Spitznamen »Het Blaakse Bos« (der Blakenwald) tragen, sowie der modernen Bahnstation »Blaak« zog R´dam im Finale noch mal alle Register in Sachen Neuer Architektur. Der Spurt durch den Hexenkessel der Coolsingel war für mich der einmaligste weltweit! Eine Bestzeit? In den kühnsten Träumen hatte ich mir 2:54 Stunden ausgemalt. Aber durch den noch jungen Marathon von Kandel wäre ich auch mit jeder anderen, von einer »2« angeführten Endzeit zufrieden gewesen. Daß in Wirklichkeit 2:52:47 Stunden heraussprangen, war ein WUNDER. Rotterdam 2010 war der Marathon meines Lebens! Es müßte Unglaubliches passieren, um diese Leistung jemals zu unterbieten. Unter 12 456 qualitativ hochtrainierten Gegnern landete ich auf dem 259. Platz. In der Nationenwertung war das die achte Stelle von Deutschland. Die Dominanz hatte unterdessen Kenia ausgeübt. Bis zur Halbzeit auf Weltrekord liegend, siegte der Youngster Makau Musyoki mit der viertschnellsten Zeit der Marathongeschichte von 2:04:47 Stunden. Die Landsmänner Mutai (fünftschnellstes Marathonergebnis aller Zeiten) und der letztjährige Paris-Sieger Kipruto vervollständigten den Dreifachsieg. Seit 2010 hat Rottderdam wieder den schnellste Marathonkurs der Welt! Fünf der zehn besten Zeiten wurden auf der Coolsingel erzielt! Nur der Wind konnte diesmal einen Weltrekord verhindern. Bis Halbmarathon hatte eine Starparade von rund 30 Ostafrikanern eng beeinander gelegen. Bis zum Kralinger Wald waren noch immer zehn zusammen gewesen, die schließlich der 20jährige Lelisa aufsprengte. Nachdem der große Favorit James Kwambai nie so recht in Erscheinung getreten war, und Kipruto anhalten und sich seiner Innensohlen entledigen mußte, waren es nur die drei Kenianer, die dem blutjungen Äthiopier als einzige folgen konnten. Schnellster Fliegender Holländer - und damit Meister seines Landes - wurde als Neunter Koen Raymaekers in 2:11:09 Stunden. Kwambai quälte sich nach 2:24:07 Stunden abgeschlagen als Zwanzigster ins Ziel. Bei den Frauen trug sich Kebede aus Äthiopien in die Siegerliste ein. Deutsche spielten keine Rolle. Wie der Siegesrausch, so ist leider auch immer der Seuchenvogel Teil eines Sportlerlebens. Peanut traf er diesmal besonders grausam. Mit Durchfall hatte der Tag schon schlecht begonnen. Später wurde sie in der Start-Sektion von langsameren Läufern eingeklemmt und ist - gewarnt von Kandel - zu defensiv angegangen. Dazu hatten die Läufer im Mittelfeld durch das Stoppen ihrer Uhren an jeder Zwischenzeitmarke einen Stop-und-Geh-Effekt verursacht und einen ruhigen, gleichmäßigen Schritt behindert. Auf der Coolsingel war Peanut von einem bizarren Fahrradunfall, und bei Kilometer 39 von einem leblos im Staub liegenden Läufer samt einer Schar aufgeregter Sanitäter in der Konzentration verstört worden. Am 40. Kilometer wußte sie, daß es für eine Zeit unter vier Stunden eng wird. Sie ist den Schlußkilometer um ihr Leben gelaufen. Am Schild »100 meter« hätte sie fliegen müßen. Am Ende fehlten 26 Meter zum Glück. Mit 4:00:08 war die magische Grenze hauchdünn verfehlt. Zu einem Erfolg im Marathon gehört neben dem Willen leider immer auch ein gütiges Geschick. Die amtlich Letzte im ZIEL - Vrouw Pompen aus Rotterdam - bekam nach 5:38:35 Stunden vom Sieger persönlich die Plakette umgehängt. Makau sagte sinngemäß und voller Ehrfurcht, daß »die Zeit egal sei, größer sei das Durchstehen der Distanz.« Unmittelbar nach der Linie konnte ich mein Blitzmädel (und das bleibt es für immer!) durch den Eisenzaun entdecken. Ein schwarzes Plastemäntelchen gegen das Auskühlen, dazu ein Wasser, die Medaille und eine weiße Rose: das war ihr Lohn für die unfaßbare Anstrengung. - Durch Verständigungsschwierigkeiten haben wir uns in all dem Tohuwabohu aus den Augen verloren. Während ich im Zelt auf Peanut gewartet habe, ist sie bei der Kälte in ihrer leichten und durchschwitzten Rennkleidung zu Fuß zurück ins Quartier gelaufen. Als ich nach einer kleinen Ewigkeit unser Zimmer betrat, lag Peanut bitterlich weinend auf dem Bett. Neben ihr die Rose. Dieses Bild gehört zu den ergreifendsten Erinnerungen meines Lebens. Es hat alles ü b e r s c h a t t e t! FAZIT Strecke: Die Bodenerhebungen sind äußerst gering. Die zweimal zu bewältigende Erasmusbrücke ergab 36 Höhenmeter, der Rest der Strecke kam auf 28 Meter. Insgesamt hat Rotterdam also 64 Höhenmeter. Flacher geht´s also kaum. Zudem führt die Route über glatten Asphalt und ist fast frei von Richtungswechseln - aber auch von schützenden Bäumen! Damit können Sonne und Wind alles zunichte machen! Neben der speziellen Zeitmeßung durch »D-Tag« kamen die mit Schwammdeckel bestückten Trinkbecher »Smart Drinking« zum Einsatz. Organisation: Der Geburtstag wurde nicht gefeiert. Die im World Trade Center ausgerichtete Marathonmesse war auf kleinster Fläche im Parterre untergebracht. In den Startertüten lagen nur die Brust- und Rückennummer, acht Nadeln und ein Blasenpflaster. Alle Informationen waren ausschließlich virtuell im Netz abrufbar. Es war nichts auf Papier gedruckt, keine Ausschreibung, kein Streckenplan, kein Programmheft, nichts! Am Abend vorm Rennen war im Euromast eine Pastafete organisiert. »Schlicht« ist noch eine wohlwollende Beschreibung zu den Marathonplaketten. Dafür wurden aber die persönlichen Bilder und Filmsequenzen im Netz gratis bereitgestellt. Bei Startgebühren zwischen 40 und 62,50 Euro sollte man vielleicht auch nicht mehr erwarten? Wirklich auf Zack waren die Uniformierten, die einem fast den Zutritt zur eigenen Kleidertasche verwehrten. (Eine Aussperrung der Zuschauermassen vom Startbereich wäre nötiger gewesen!) Ausstrahlung: Das Publikum machte wett, was die Organisatoren einsparten. Wenn die Majors von Millionen am Straßenrand reden, trifft das auch auf R´dam zu. Zu den 600 000 Rotterdammern kamen noch mal 400 000 Holländer dazu. Wenngleich die Feindseligkeit gegenüber allem Germanischen allgegenwärtig ist - besser nicht als Deutscher offenbaren! - war die Wirkung verdammt elektrisierend und einmalig! Für die Materialinteressierten: Peanut lief mit Asics Gel-3010, ich trug Adidas adiZero Boston. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Lauf in einer BILDERTAFEL... anklicken............ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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POST-MARATHON-KULTUR Gleich nach dem Kampf hatte sich alles im Wind verloren. Eine Schlußfeier gab es nicht. Nach einem Sechserpack »Wieckse Witte« auf dem Hotelzimmer und einem Bier beim Schankburschen Johnny im Seemannshaus sind Peanut und ich noch mal unter die Leute. Erst zu einem Abendmahl in der Hafenkneipe »Ballentent« inmitten der lustigen Niederländer. Danach unter die Schmuddelkinder des Königreichs bei einem Punk-Konzert im Klub »Exit«. »Untermenschen« und »Speckhälse« waren die Antihelden der Nacht. Den Rapport dazu gibt es hier: ...... Subhumans und Speckneck Montag, 12. April Der Tag der Abreise stand im Zeichen eines unerwarteten Wiedersehens. Karsta und Oliver aus Berlin, die wir seit NYC ´08 kennen, waren mal wieder auf den selben 42 195 Metern unterwegs gewesen. Und dies mit ihren Standardzeiten von 2:58 und 3:03 Stunden. Karsta hatte die Kategorie der V45 gewonnen! Wir trafen uns im Andenkenwinkel auf der Coolsingel. Die Vernichtung einiger Biere hat den Abschied und die Rückfahrt ins verregnete Deutschland um einiges erträglicher gemacht. Kampfläufer Vitus dankt den Männern und Frauen, die uns zu ROTTERDAM überredet haben, und Marathona Peanut, die meine Endzeit wie in einer Vorsehung hellseherisch richtig vorausgesagt hatte (auf einer an mich gerichteten Ansichtskarte stand die Ziffernfolge »2:52«)! Treu dem Rotterdamer Wappen Sterker door Strijd (Stärker durch Kampf)... Kampfläufer Vitus, 16. April 2010 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: Sonne und Wolken bei 8 bis 10ºC, dazu eine mäßige bis frische Brise aus Nordost mit Stärke 4, Luftfeuchtigkeit 74 % Zuschauer: ca. 900 000 (ganz Rotterdam und 300 000 mehr) Marathonläufer am Start: 12 456 Marathonläufer im Ziel: 7856 (M: 6598 / W: 1258) 10-km-Läufer im Ziel: 4623 05-km-Läufer im Ziel: 1437 01-km-Läufer im Ziel: 0559 0Staffeln im Ziel: 590 Männer: 1. Patrick Makau Musyoki (Kenia) 2:04:48 (WJB) 2. Geoffrey Mutai (Kenia) 2:04:55 3. Vincent Kipruto (Kenia) 2:05:13 4. Feyisa Lelisa (Kenia) 2:05:23 5. Bernard Kipyego (Kenia) 2:07:01 6. Francis Kiprop (Kenia) 2:08:53 Frauen: 1. Aberu Kebede (Äthiopien) 2:25:29 2. Magdalena Lewy Boulet (USA) 2:26:22 3. Zhu Xiaolin (China) 2:29:42 4. Jewgenia Danilowa (Rußland) 2:31:44 5. Beatriz Ros (Spanien) 2:32:28 6. Alina Istudora (Rumänien) 2:33:36 Kampfläufer Vitus (Deutschland) Startnummer: 1018 Nation: GER Zeit: 2:52:47 (PB) Platz: 259 von 12 456 Gesamt Platz: 36 von 1300 in Klasse M45 Zwischenzeiten: 05 km: 0:20:18 (20:18) 10 km: 0:40:27 (20:09) 15 km: 1:00:34 (20:07) 20 km: 1:20:52 (20:18) HM: 1:25:37 25 km: 1:41:47 (20:55) 30 km: 2:02:21 (20:34) 35 km: 2:23:25 (20:44) 40 km: 2:43:53 (20:48) Geschwindigkeit: 14,652 km/h Peanut (Deutschland) Startnummer: F504 Nation: GER Zeit: 4:00:08 Platz: 4651 von 12 456 Gesamt Platz: 87 von 267 in Klasse W45 Zwischenzeiten: 05 km: 0:27:53 (27:53) 10 km: 0:55:53 (28:00) 15 km: 1:23:51 (27:58) 20 km: 1:51:39 (27:48) HM: 1:58:21 25 km: 2:20:27 (28:48) 30 km: 2:48:45 (28:18) 35 km: 3:17:32 (28:47) 40 km: 3:47:46 (30:14) Geschwindigkeit: 10,543 km/h Ergebnisse: >> Uitslagen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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