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31. ROTTERDAM-MARATHON, 10. April 2011 ¤ AUFBAUKÄMPFE Silvesterlauf Frankfurt (10 km), 31.12.10 Alten-Busecker Halbmarathon, 22.1.11 Mörfelden-Halbmarathon, 13.2.11 Bienwald-Marathon, 13.3.11 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Uhrwerk Orange (2) - Sonne und Wind machten den Nimbus zuschanden Seitdem wir die Großen und Schnellen der »World Majors« gemacht haben, und auch schon in Rotterdam waren, wissen wir, welcher Marathon ohne Zweifel der schnellste der Welt ist. Wer will den starken Nimbus von Rotterdam bestreiten? Sorgen andernorts ein, zwei gekaufte Wunderläufer für eine schnelle Statistik, so redet in Rotterdam eine breite Phalanx von Flinken eine deutliche Sprache. Und das schon seit 1981! Dabei ist Rotterdam beileibe keine Schönheit. Was Rotterdam aber hat, ist ein mitreißendes Publikum, ein Lindwurm aus heiteren Oranjes, und dazu ein leistungsfördendes Teilnehmerfeld über die gesamten 42 Kilometer. Der Läufer ist zu keiner Zeit bedrängt noch allein. Und vor allem: Keine andere bietet solch einen schnellen Asphalt wie die Stadt an der Maas. Wie schon 2010 erlaubten es die Termine und Konstellationen, daß wir nach dem Frühjahrsklassiker von KANDEL vier Wochen später mit viel Vertrauen und bester Ausdauerform in R´dam antreten konnten. Die Erinnerungen waren ganz frisch: Während ich die hoch gelegte Latte von 2:52 Stunden zumindest angreifen wollte, brannte Peanut auf die Tilgung der Enttäuschung aus dem Vorjahr, als ihr der Unglücksrabe die Unterbietung der vier Stunden um einen Wimpernschlag verwehrte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Rotterdam ist platt wie ein Pannenkoeken. An drei Stellen liegt die Strecke sogar unter Seeniveau! Start und Ziel sind auf der Ringstraße Coolsingel. Gleich zum Auftakt erreicht die Route mit der Erasmusbrücke das postmoderne Wahrzeichen der Stadt. Das Wasser der Maas überschritten, geht es durch die Wolkenkratzer von »Maashattan« und »De Kuip«, das Stadion von Feyenoord, wird passiert. Über eine weite Schlinge durch die südlichen Teilgemeinden wird nach 21 Kilometern der Maashafen gestreift und die Strecke führt zurück über die Erasmusbrücke ins Zentrum. Eine Runde im Kralinger Wald im Norden bildet den ruhigen Kontrast vor dem großen Finale. Alles endet, wo es begann: auf der Coolsingel. Dort wird der letzte Läufer vom Sieger als erstem Gratulanten erwartet. Rotterdam steht für eine lockere Atmosphäre mit hunderttausenden Zuschauern und unzähligen Kapellen am Rande. Legendär machen den Wettstreit seine phänomenalen Zeiten. In der ewigen Zehnerwertung der besten Männer war Rotterdam 2010 »Het snelste hardloopwedstrijd« (der schnellste Wettlauf der Welt) vor Berlin und London! Den Streckenrekord hält seit 2009 Kenias Duncan Kibet mit 2:04:27 Stunden. In Rotterdam wurden drei Weltbestzeiten aufgestellt: 1985 - Carlos Lopez (Portugal) 2:07:12 1988 - Belayneh Dinsamo (Äthiopien) 2:06:50 1998 - Tegla Loroupe (Kenia) 2:20:47 Zwei virtuelle Streckenführungen >> Parcours Video >> GPSies | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Rotterdam war die Fortsetzung von Kandel. Der 14wöchige Streifen zum Bienwald-Marathon wurde um vier weitere verlängert. Ohne die Hilfe von Trainingsanweisungen- oder gruppen haben wir das alles allein bewerkstelligt. Ein Trainingsbeispiel - die Gipfelwoche vom 10. bis 16. Januar 2011: Mo.: 19 km mit 15-km-Tempodauerlauf Di.: 30 km Dauerlauf, davon die erste Hälfte bergan, die zweite bergab Mi.: 21 km Steigerungslauf in 1:56 Std. Do.: VM: 18 km mit 10 x 400 m bei Dauerregen auf Tartan; NM: 9 km Schützenhilfe für Peanut Fr.: 9 km ruhiger Dauerlauf Sa.: 40 km langer Ausdauer-Lauf mit 15 km Endbeschleunigung in 3:17 Std. So.: 24 km mittlerer Dauerlauf in 2:15 Std. Täglich: 15 Min. Kraft für Rücken, Bauch, seitlichen Rumpf sowie vordere und hintere Oberschenkel, dazu Lauf-ABC (Erwärmung, Koordination und Beweglichkeit). Die bestrittenen AUFBAUKÄMPFE (Klick auf das jeweilige Veranstaltungssymbol öffnet den Laufbericht): | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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32. SPIRIDON-SILVESTERLAUF FRANKFURT, 31.12.10 (10 km) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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34. ALTEN-BUSECKER WINTERSERIE, 22.1.11 (Halbmarathon) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | 34. HALBMARATHON DER SKV MÖRFELDEN, 13.2.11 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | 36. BIENWALD-MARATHON KANDEL, 13.3.11 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Hier Vitus´ 16 TRAININGSWOCHEN vom 20. Dezember 2010 bis 10. April 2011 in der Übersicht: 01. Wo. (150 km): Training 02. Wo. (125 km): 10-Kilometer-Wettkampf (40:58) 03. Wo. (140 km): Training 04. Wo. (170 km): Training 05. Wo. (133 km): Halbmarathon (1:24:30) 06. Wo. (150 km): Training 07. Wo. (160 km): Training 08. Wo. (121 km): Halbmarathon (1:24:08) 09. Wo. (161 km): Training 10. Wo. (150 km): Training 11. Wo. (130 km): Direkte Wettkampfvorbereitung 12. Wo. 0(98 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - BIENWALD-MARATHON (33. in 2:57:02) 13. Wo. (100 km): Wiederherstellung 14. Wo. (140 km): Wiederherstellung und Training 15. Wo. (130 km): Direkte Wettkampfvorbereitung 16. Wo. 0(91 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - ROTTERDAM-MARATHON (332. in 2:56:40) Gesamt: 2149 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER MARATHON ::. 31. ABN AMRO MARATHON ROTTERDAM, 10. April 2011 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Donnerstag, 7. April Unsere Anreise erfolgte früh und wie gewohnt mit der Eisenbahn. Durch Plätze im Ruhebereich, hinter der Kanzel des Lokführers, ergaben sich diesmal jedoch sehr erquickende und keineswegs langweilige Aussichten aufs Tiefland zwischen Hessen und Südholland. Mitunter waren Feld, Wiesen und Tunnel mit über 300 Sachen direkt auf uns zugeflogen. Einmal mit dem Zug quer durch die Niederlande... Am späten Nachmittag waren wir in Rotterdam, das Hotel an der Maas bezogen, und die Versorgung mit Proviant abgeschlossen. Freitag, 8. April Dank eines Mückenstichs war ich um fünf wach. Mit einer kurzen Nacht sollte es aber nicht getan sein. Ich hatte Kleidung eingepackt, in der ich mich nicht nur äußerst plump sondern auch noch optisch stumpf fühlte. Da fährt man zum Höhepunkt und rennt dann wie ein Schandfleck rum. Den Besuch der Marathon Sport Expo mit Abholung der Startunterlagen hatten wir am Mittag hinter uns. Erneut spielte sich alles rund um den Marathon im Beurs World Trade Center nah der Startlinie ab. Ferner wurde Peanut vom intensiven Grün der neuen Adidas-Kollektion zu einem Großeinkauf von 210 Euro verführt. Im Grunde wurde meine Freundin auf der Messe vollständig neu eingekleidet. Ich selbst hatte lange über einen frischen Adizero Boston nachgedacht, wegen plötzlichem Reichtums dann aber noch mal auf die alten Botten vertraut. Eine Übungseinheit im Park bedeutete die letzte Anstrengung vorm Kampf. Sonnabend, 9. April Außer Schlafen, Essen, Trinken, etwas Muskelpflege und ausgiebigem Studium von Presse und Fernsehfunk war wenig zu tun. Beherrscht wurden Hollands Schlagzeilen heute aber nicht vom größten eintägigen Sportereignis im Lande - dem Marathon von Rotterdam - sondern von einem bizarren Blutbad mit sechs Toten, das ein junger Niederländer in einem Einkaufszentrum in Alphen angerichtet hatte. Noch vor 23 Uhr haben wir uns hingelegt, die Anspannung legte sich jedoch erst nach Mitternacht... Sonntag, 10. April ... und um 5.45 Uhr war ich schon wieder wach. ROTTERDAM-MARATHON! Wind zerrte an der Leuchtreklame über unserer Kammer. Um sieben habe ich Peanut geweckt und mich etwas eingelaufen. Neben dem Lüftchen von der See war es auch hübsch warm geworden. Der Sonntag sollte ein sonniger, wonniger wie aus dem Bilderbuch werden! In Paris sollten die Funktionäre den Start um eine viertel Stunde auf 8.45 Uhr vorverlegen. Rotterdam mußte hingegen bis 11 Uhr ausharren. Und der Feuerball stand noch nicht mal ganz oben! Die Erinnerung an 2007 wurde wach, als das Rennen wegen extremer Hitze abgebrochen wurde... Los ging´s, wir griffen an! Halb zehn sind wir zur Centraal-Station, die Umkleidehalle in der »Albeda« war um 9.45 Uhr erreicht, und nach einem vierten Dünnschiß zwischen parkendem Blech standen wir in den Blöcken. Die Sonne strahlte aus allen Rohren, Menschen trugen kurze Hemden und die Schänken rund um das stattliche Rathaus waren rappelvoll bis aufs letzte Stühlchen. Nachdem wir 2010 aus der linken Spur der Coolsingel starten mußten, waren wir diesmal den »Startvakken« (Startboxen) rechter Hand zugeordnet. Peanut lief aus Box E an, ich aus C, Seite an Seite mit den schwarzen »Magnifiicient Seven« mit Bestzeiten von 2:05 und 2:06 Stunden. Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Schießerei von Alphen, dem Verklingen von »You´ll Never Walk Alone« und dem Böller der antiken Kanone, machten sich 12 647 Sportler, davon 8020 Marathonläufer, auf die Strecke. Der Statthalter gab den START frei. Dem Ersten im Ziel winkten bei Unterbietung des Weltrekords zum Preisgeld noch 350 000 Dollar Prämie extra. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Erasmusbrücke Rotterdam 2011 (© Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kilometer 0 bis 10: Vom Centrum über die Erasmusbrug vorbei an »De Kuip« nach Feijenoord Von der Coolsingel flutete das Feld zuerst nach Süden zur Maas. Trotz meiner Aufstellung weit vorn, verlief der Auftakt zögerlich. Die Dichte im Pulk mit vielen reingemogelten Langsamen darunter, sorgte für Gefahren und verlangte hohe Wachsamkeit. Gleich auf dem zweiten Kilometer war mit der Erasmusbrücke die größte Steigung genommen und auf dem Südufer der Maas die Teilgemeinde Feijenoord erreicht. Nun knickte die Route um den Wolkenkratzer Maastoren auf die stadtauswärts führende Laan op Zuid. Nach einem Wadenkrampf zu Beginn, spürte ich nach wenigen Kilometern einen Schmerz - sowas wie einen Ermüdungsbruch - im Mittelfuß. Aber zumindest das würde alles halten. Unsicher war ich, was die Beine anging. Schließlich lag Kandel nur 28 Tage zurück, und bei meinen schnelleren Läufen danach, hatte sich der linke Oberschenkel verkrampft. Das hatte mich zu einem allzu vorsichtigen Angang verleitet. Zudem hatte ich mich von der Masse einlullen lassen. Entsprechend schlecht fiel die erste Zeitkontrolle aus. Das 4-Kilometer-Schild war das erste, was ich ausmachen konnte, und die Uhr zeigte 17:03 Minuten an. Damit war das Ziel »Marathon unter 2:50 Stunden« eine Minute im Hintertreffen. Das Feyenoord-Stadion passiert und in Lombardijen angelangt, war ich bei Kilometer 10 fast zwei Minuten langsamer als im Jahr zuvor an selber Stelle! Kilometer 11 bis 20: Eine Schlinge durch den Zuiderpark Sehr früh war der Nimbus »Rotterdam« durch äußere Umstände zerstört worden. Dazu zählten auch die hunderte von Firmentrupps mit ihren Angebertrikots und die Pappkameraden der Staffeln, die nur zu viert schaffen, was ein Marathonläufer allein leistet. (Aus Scham hatten manche ihre entlarvende Schärpe in der Hand versteckt, um so auch noch als Marathonkämpfer gefeiert zu werden.) Hinter dem Zuiderpark hatte der Wind eine Lücke gerissen, die niemand schließen wollte. So kam es beinahe zum Kuriosum eines Stehversuchs wie beim Radfahren. Zwei Blitzpuppen aus Oranje opferten sich, nahmen die Führung - und stiegen unmittelbar darauf aus. Fremde Kinderhände griffen nach mir. Vorm 20. Kilometer hatte ich mir auch meine einzige eiserne Ration - ein Tütchen Kohlenydratgel - in den Mund gequetscht (die zweite war früh hops gegangen). Sichergestellt war hingegen der Nachschub mit Flüssigkeiten. Neben dem Zuckerwasser Extran wurden alle paar Kilometer Wasser und Schwämme gereicht. Daß dennoch zweihundert Läufer während und nach dem Marathon medizinische Hilfe benötigten, kann den Machern nicht angelastet werden. Die Organisatoren hatten alles für einen qualitativ hochwertigen und perfekt ausgerichteten Wettkampf getan. Kilometer 21 bis 30: Von Charlois über Katendrecht und die Maas ins Centrum nach Noord Bei Halbmarathon war der Rückstand auf meine Bestzeit aus dem Vorjahr auf drei Minuten angewachsen. Mit hohen 1:28 Stunden war nun gar eine Endzeit unter drei Stunden ins Wanken geraten. Zur eigenen Schwäche gesellte sich die immer stärker stechende Aprilsonne, die vom Beton Rotterdams besonders brutal abgestrahlt wurde. Auf dem Zement der Brieselaan durch das baumlose Viertel hinterm Maashafen habe ich auch an A u f g a b e gedacht. Doch ich hatte keinen weiteren Wettkampf geplant. Rotterdam war das l e t z t e Z i el! Und letztlich findet sich unter vielen Läufern auch immer jemand, an dem man sich neu aufrichten kann. Nach 25 Kilometern schlug meine Stunde, ich begann die Meute von hinten aufzurollen. Die Erasmusbrücke zurück in den Norden der 600 000-Einwohner-Stadt brachte den ersten großen Aufwind. Von hier an rang ich einen nach dem anderen nieder. Der freie Fall von diesem gigantischen Viadukt über die Maas in den Hexenkessel am Löwenhafen gehört sowieso zum größten Gefühl im Marathon weltweit. Die Zuschauer von Rotterdam sind der Wahnsinn. Es waren bestimmt wieder eine Million unterwegs! Keine Gaffer, sondern Anstachler! Nach viel Gänsehaut und der Welle unter der Coolsingel hindurch, war es die Warande, die eine Neuauflage von 2010 brachte: Erst stürmten mir auf der Gegenspur zwei rasende Kenianer an deren 40. Kilometer entgegen - heute aber nicht Makau und Mutai sondern Chebet und Kiprono - ... und zehn Kilometer später wiederholte sich die spielgelverkehrte Begegnung mit meinem Mädel, als ich nun meinerseits 40 und Peanut 30 Kilometer hinter sich hatte. Kilometer 31 bis 40: Rund um den Kralingensee Nach dem Trubel im Zentrum führte die Route durch den Wald um den Kralinger See, auch Plas (Pfütze) genannt. Hier hatte ich das Glück, mich in einem sehr zielstrebigen Zug wiederzufinden. Es wurde Windschatten gelaufen und man trieb sich gegenseitig nach vorn. Neben einem Dutzend Männer befanden sich darunter auch eine schnelle Blonde sowie eine Kenianerin. Beide sollten sich im Endresultat weit vorn wiedergefunden haben. Auf dem Rückweg vom nördlichsten Streckenpunkt nach Süden über die Straße Boszoom und durch eine kleine Siedlung hindurch, habe ich noch mal richtig aufgedreht. Meine letzten 5-Kilometer-Abschnitte waren mit 20:45 Minuten allesamt eine halbe Minute schneller als der erste im Rennen! Auf der Kralingse Plaslaan - einen Steinwurf entfernt hatten sich tags zuvor die »Kralinger« von Excelsior und De Graafschap im Abstiegskampf torlos getrennt - peitschten erneut Scharen von Menschen und Kapellen nach vorn, und im Tohuwabohu der Warande trafen sich die Blicke mit Peanut. Da ich diese Stelle vier Minuten später als vor Jahresfrist erreichte, konnte ich in diesem Augenblick nur schwere Gedanken für meine Freundin haben. Eine Marathonzeit um die 4:10 Stunden hatte ich für Peanut befürchtet. Aber die Dinge würden sich auf gütige Weise wenden... Kilometer 41 bis 42,195: Von Kralingen zurück zur Coolsingel Derweil Peanut parallel zur nie berührten Rotte in den Kralinger Wald eintauchte, rückte für mich schon der Tunnel unter den postmodernen Kubuswohnungen in Sicht. Die Unterführung brachte den einzigen Schattenwurf auf den gesamten 42 Kilometern! Vorbei am Glas und Beton des »Blaak« war das finale Sperrfeuer der Coolsingel erreicht. Meine Endzeit von 2:56:40 Stunden war enttäuschend und der Gesamtplatz 333 schon der halbe Weg in die Hölle. Daß die zweite Rennhälfte eine Minute schneller war, als die erste, sprach für sich. »Negativer Split«, sagt das Läuferlatein dazu. Aber auch die Topathleten konnten die Erwartungen nicht erfüllen. 25 Kilometer war die Spitze schneller als Haile Gebrselassie 2008 in Berlin. Nachdem zwei der Magnificient Seven früh ausgefallen waren - Kipyego durch Sturz über eine Trinkflasche am Kilometer 10, »Dark Horse« Kiptanui mit Durchfall nach 17 Kilometern (dabei mußte ein Zuschauer der unbekannten Größe aus Afrika auch noch zeigen, wie man Dixiklos öffnet) - streckten im Wald von Kralingen dann auch die letzten Helfer früher als geplant die Waffen. Die hohläugigen Zwerge Kenias erwiesen sich als die zähesten ihrer Art. Chebet und der eigentliche Favorit Kipruto distanzierten den ersten Erzfeind aus Äthiopien - Dechasa - um drei Minuten. Doch ein Sieg mit 2:05:26 ist heute nichts Außergewöhnliches mehr. So weit sind die Leistungen schon fortgeschritten! Der Weltrekord und der Scheck über 350 000 Dollar waren ebenso verfehlt, wie der Traum des schnellsten Holländers von einer Zeit unter 2:10 Stunden. Raymaekers verfehlte dieses Ziel um drei Minuten. Daß heute nicht viel läuft, hatte Koen schon nach zehn Kilometern gemerkt. Eine Niederlage mußte auch die für Oranje antretende Kenianerin Hilda Kibet einstecken. Eine frühere Landsfrau war besser. Kibet wurde um sechs Sekunden von der erstmals einen Marathon laufenden Ongori geschlagen. Höhere Gewalt vereitelte heute so manches. Nach dem Drama vom Vorjahr, als ihr neun Sekunden zur Unterbietung der Vier-Stunden-Barriere fehlten, wurde heute alles wieder gut für Peanut. Schmerzen in den Oberschenkeln nach 30 Kilometern hatten sie erneut an den Rand einer Tragödie gedrängt. Aber weder die körperliche Tortur, noch gefühlte 28 Grad, und auch nicht die pausenlosen Sirenen der Sankras, konnten sie aufhalten. Peanut ist die letzten zwölf Kilometer um ihr Leben gelaufen. Erst am Schild »400 meter« wußte sie, daß es reicht. Im ZIEL war Peanut 60 Sekunden schneller als im letzten April. Mit 3:59:08 Std. war nicht nur die begehrte Grenze geknackt, sondern auch noch ein Rang im vorderen Mittelfeld besetzt. Und das will bei dem niedrigen Frauenanteil in Rotterdam etwas heißen! Von 12 647 Angetretenen erreichten nur 7346 das Ziel des Marathons! Durch die Eisenzäune und die Massen im Ziel haben wir uns gefunden. In einem Eck hinter der Fontäne des Hofplein ist dann alles aus ihr herausgebrochen. Fünf Monate Vorbereitung, oft bei Schnee und Dunkelheit, dazu der Bienwald-Marathon erst vor einem Monat, und heute der Sekundenkrimi von Rotterdam: Peanut hat Rotz und Wasser geheult! Erstmals wurde in Rotterdam eine Gravur der Medaillen angeboten. Zu diesem Zweck war ein Mann aus München angereist, den wir vom Münster-Marathon kannten. Da sich niemand weiter für den eingeritzten Namen und die Zeit auf der Medaille interessierte, war ich der Erste am Graviererzelt. Dort durfte ich auch die Medaillen der ersten Zehn bestaunen, die den gleichen Messingorden wie wir bekamen. Wilson Chebet 02:05:26, stand da auf einer... Zum Abschied bedachte mich der Mann aus Bayern mit einem zünftigen »Pfiati!« (Behüte dich Gott!) - - Achtung, kein Schreibfehler!: Acht Stunden nach dem Start, konnte Peanut zum erstenmal wieder pinkeln. So ausgetrocknet war sie! FAZIT Strecke: Rotterdam besitzt die flachste und eine der bestpräparierten Strecken der Welt. Das ist unbestritten. Aber was nützt ein schnelles Pflaster, wenn das unbeherrschbare Wetter in der entscheidenden Stunde alles zerstört? Für die bestmögliche Leistung muß alles stimmen, Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit... Vielleicht fällt der Weltrekord im nächsten Lenz... Die Organisation war erneut tadellos. Die Mannschaft um Mario Kadiks erwies sich erneut als äußerst kompetent, zuverlässig und effizient. Ausstrahlung: Rotterdam ist weder ein wohliger noch ein beschaulicher Ort. Aber die Stadt an der Maas hat mit das beste Publikum der Welt. Der Marathon ist ein Volksfest, und die Wirkung des »Heartbeat of Rotterdam« einmalig und noch sehr lange nach dem Kampf zu spüren! Für die Materialinteressierten diese Auskunft: Vrouw Peanut trug den Schuh Asics Gel-3010, Vitus zum fünftenmal den Adidas adiZero Boston von 2009. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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POST-MARATHON-KULTUR Nach den ersten Getränken an der Hotelbar, und nachdem Peanut ihren Sonnenbrand versorgt hatte, waren wir mangels offizieller Schlußfeier wie jedes Jahr zum Ballen-Essen im Hafenkrug »Ballentent«, und ferner auf einer Jazz-Vergnügung im Klub »Rotown«. Marathonkämpfer wurden dort nicht mehr gesichtet. Nur »Szene«-Figuren und viele Blechbläser. Den Bericht gibt´s hier: ...... Monsieur Dubois und Scarlet Mae Montag, 11. April Am frühen Mittag mußten wir die Kammer 723 räumen. Beim Ausbuchen empfohl mir das Hotelpersonal einen »Cut« des alten Zopfes, um so in Rotterdam 2012 eine schnellere Zeit zu schaffen. Die Rückfahrt im ICE durften wir wiederum direkt hinter der Lokführerkanzel mit Ausblicken aufs weite Land genießen. Mit der ersehnten »2« und »3« vorm Doppelpunkt haben wir das Tiefland im Frieden verlassen. Kampfläufer Vitus dankt Marathona Peanut für die große Ruhe und die Übernahme der Unterbringungskosten, sowie dem Medaillengraveur aus München (Name unbekannt). Das war´s. Kampfläufer Vitus, 20. April 2011 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: sonnig und trocken, Temperaturen um 18ºC, mäßiger Wind mit Stärke 4 aus Nordost, 55% Luftfeuchtigkeit Zuschauer: ca. 900 000 (Großrotterdam) Teilnehmer insgesamt: 12 647 aus 55 Nationen (Marathon, 10 km, 5 km, Staffeln) Marathonläufer am Start: 8020 (84% Männer, 16% Frauen) Marathonläufer im Ziel: 7376 10-km-Läufer im Ziel: 6443 05-km-Läufer im Ziel: 1638 Männer: 1. Wilson Chebet (Kenia) 2:05:26 (PB, WJB) 2. Vincent Kipruto (Kenia) 2:05:32 3. Chele Dechasa (Äthiopien) 2:08:46 4. Eliud Kiptanui (Kenia) 2:09:06 5. Alemayehu Shumye (Äthiopien) 2:09:34 6. Michael Kipyego (Kenia) 2:11:01 Frauen: 1. Philes Ongori (Kenia) 2:24:18 (PB) 2. Hilda Kibet (Niederlande) 2:24:26 (PB) 3. Lishan Dula (Bahrein) 2:26:54 (PB) 4. Alessandra Aguilar (Spanien) 2:26:58 (PB) 5. Rita Jeptoo (Kenia) 2:28:08 6. Shetaye Bedasa (Äthiopien) 2:29:49 Kampfläufer Vitus (Deutschland) Startnummer: 3577 Nation: GER Zeit: 2:56:40 Platz: 332 von 7376 Gesamt Platz: 38 von 1247 in Klasse M45 Zwischenzeiten: 05 km: 21:14 (21:14) 10 km: 42:04 (20:50) 15 km: 1:03:02 (20:58) 20 km: 1:23:54 (20:52) HM: 1:28:46 25 km: 1:45:03 (21:09) 30 km: 2:05:50 (20:47) 35 km: 2:26:39 (20:49) 40 km: 2:47:26 (20:47) Geschwindigkeit: 14,330 km/h Peanut (Deutschland) Startnummer: F860 Nation: GER Zeit: 3:59:08 Platz: 3642 von 7376 Gesamt Platz: 54 von 249 in Klasse W45 Zwischenzeiten: 05 km: 26:46 (26:46) 10 km: 53:33 (26:47) 15 km: 1:21:25 (27:52) 20 km: 1:49:23 (27:58) HM: 1:56:00 25 km: 2:18:01 (28:38) 30 km: 2:46:43 (28:42) 35 km: 3:16:23 (29:40) 40 km: 3:46:48 (30:25) Geschwindigkeit: 10,587 km/h Bilanz der medizinischen Sicherung: 95 Läufer wurden von einem Arzt behandelt. 67 bekamen eine Infusion. 15 Personen wurden in ein »Ziekenhuis« (Hospital) eingeliefert, darunter eine mit Herzinfarkt. Ergebnisse: >> Uitslagen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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