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36. BIENWALD-MARATHON KANDEL, 13. März 2011 ¤ AUFBAUKÄMPFE Silvesterlauf Frankfurt (10 km), 31.12.10 Alten-Busecker Halbmarathon, 22.1.11 Mörfelden-Halbmarathon, 13.2.11 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Operation Frühlingserwachen (2) - Zurück im Reich der Wildkatze »Also wenn ich diese Bilder sehe: Das macht so Spaß mit dem Marathon laufen, ich glaub ich will gar nicht mehr aufhören!« Das hatte mir Peanut drei Wochen nach AMSTERDAM 2010 geschrieben. Nicht zuletzt dieses Geständnis meiner Laufpartnerin ist der Grund, warum wir uns immer noch da draußen rumquälen (wobei ja einiges wichtiger ist als der Sport!). Noch erlaubten es die Umstände des Lebens, sich weiterhin in den Marathonlauf zu stürzen. Die Bienwaldstadt Kandel war uns vom Vorwinter in guter Erinnerung geblieben. Welche Marathonveranstaltung bietet heutzutage noch Zugläufer, Eigenverpflegung, elektronische Zeiterfassung, Ankommertrikot, Soforturkunde, Andenkenmedaille und ein Weinpräsent zum Spottpreis von 32 Euro auf? Vorwärts zu einem neuen Stelldichein am zweiten Sonntag im März in der Südpfalz! | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Das Kampfgelände lag in der Rheinebene der Südpfalz, dem Grenzland zu Frankreich, die Strecke war über weite Abschnitte asphaltiert, windgeschützt und die Höhenunterschiede gleich null. Nach dem Auftakt in Kandel führte die Strecke erst nach Minfeld, und fast kerzengerade auf Zement durch den dünn besiedelten Bienwald. Mit Schaidt und Büchelberg sollten die Läufer nur zwei weitere kleine Gemeinden streifen - sich aber selber bis zu dreimal im Gegenzug begegnen. Im West- und Südzipfel der Strecke waren zwei Kehrtwenden zu meistern. Das Finale stieg im Bienwaldstadion am Stadtrand Kandels. Den Streckenrekord hielt der Hesse Ralf Salzmann, der in der Qualifikation auf Olympia 1984 in Los Angeles mit 2:14:25 Stunden gewann, und später beim olympischen Marathon 18. wurde. Ebenfalls 1984 stellte Susi Riermeier mit 2:38:13 Std. die Bestzeit der Frauen auf. Manche bezeichnen den Pendelkurs durch den »Bäwal« auch als »schnellste Marathonstrecke der Welt«! | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das direkte Training für Kandel umfaßte 14 Wochen. Alles ERZÄHLENSWERTE vom 6. Dezember 2010 bis 13. März 2011: 1. Wo. (113 km): Die Vorbereitungen begannen mit einem kleinen Trainingslager in den verschneiten Ruinen von Nürnberg. In der Nacht zum zehnten Dezember hatte Frau Holle den historischen Boden rund um die Dutzendteiche knieftief mit weißen Massen eingedeckt. Schon lange waren die Gefühle nicht mehr so ausgelassen, die Gedanken so frei gewesen. 2. Wo. (151 km): Bis zum 16. Dezember, um 15.45 Uhr, lief alles wunderbar. Dann setzte Tief »Petra« ein und begrub nun auch Frankfurt unter Winterweiß. Orga-Mann Schmidt schrieb mir aus Kandel: »Hoffentlich wird es mit dem Schnee nicht so schlimm, damit alle Marathonis genügend km unter die Sohle bekommen.« 3. Wo. (150 km): Und läuft... und läuft... und läuft... Am 22. Dezember 2010 (Winterwende) habe ich meine 1. Weltumrundung (40 024 Kilometer) seit Beginn der Aufzeichnungen mit dem Frankfurt-Marathon am 31. Oktober 1999 perfekt gemacht. Der Punkt war am Grill´schen Altarm, einem Weiher am Frankfurter Niedwald, erreicht. Dort hatte ich zwei Fläschchen Sekt in den Schnee gesteckt, die ich auf dem Rückweg mit meiner Peanut am zugefrorenen Wasser getrunken habe. Zum Julfest wiederum, bin ich bei Werten unter Null und anhaltenden Schneefällen erstmals seit langem wieder 40 Kilometer gelaufen. Vereiste Wege setzten jede Zeitnahme außer Kraft. Und am folgenden Tag, am 25., ist mir bei einem einsamen Lauf über die verharschten Felder unterhalb des Taunus der Strahlengott Sol Invictus erschienen. Ohne Sonne wäre ich an diesem Punkt kümmerlich erfroren. 4. Wo. (125 km): | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 1. AUFBAUKAMPF ::. 32. SPIRIDON-SILVESTERLAUF FRANKFURT, 31.12.10 (10 km) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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5. Wo. (140 km): Aus Weiß wurde Schwarz. Im doppelten Sinne: Erst wurde uns die frisch gewonnene Kraft aus dem Silvesterlauf durch Krankheit (Infekt und Medikamenteneinnahme) postwendend wieder zerstört. Und dann tauschte auch noch die Natur ihre Wintervermummung, an die man sich schon so gewöhnt hatte, in wenigen Tagen gegen einen schlammtriefenden Schmuddelpanzer. Die erste Januarwoche begann mit Frost und Mördereis und endete in frühlingshaftem Wetter mit Plusgraden im zweistelligen Bereich. Der lange Lauf (40 Kilometer) wurde gar zu einem meteorologsichen Kuriosum. Während von oben die Sonne herunterbrannte und auf den Wiesen den Müll der Menschheit freilegte, mußte sich der Läufer nach wie vor über eine kreuzgefährliche Schlitterbahn kämpfen. Das Eisband über unseren Laufstrecken war das einzige, was der Feuerball nicht zum Schmelzen brachte. 6. Wo. (170 km): Ein Trainingsbeispiel - die Gipfelwoche vom 10. bis 16. Januar 2011: Mo.: 19 km mit 15-km-Tempodauerlauf Di.: 30 km Dauerlauf, davon die erste Hälfte bergan, die zweite bergab Mi.: 21 km Steigerungslauf in 1:56 Std. Do.: VM: 18 km mit 10 x 400 m bei Dauerregen auf Tartan; NM: 9 km Schützenhilfe für Peanut Fr.: 9 km ruhiger Dauerlauf Sa.: 40 km langer Ausdauer-Lauf mit 15 km Endbeschleunigung in 3:17 Std. (Hausrekord) So.: 24 km mittlerer Dauerlauf in 2:15 Std. Täglich: 20 Min. Kraft für Rücken, Bauch, seitlichen Rumpf sowie vordere und hintere Oberschenkel, dazu Lauf-ABC (Erwärmung, Koordination und Beweglichkeit). 7. Wo. (133 km): | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 2. AUFBAUKAMPF ::. 34. ALTEN-BUSECKER WINTERSERIE, 22.1.11 (Halbmarathon) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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8. Wo. (150 km): Nach zwei Wochen mit großen Anforderungen - erst hohe Umfänge, darauf ein schneller Halbmarathon - waren die Erschöpfungszustände zum ständigen Begleiter geworden. Trotz großem Schlafbedürfnis habe ich auch nachts kaum Ruhe gefunden. Es bedurfte der äußersten Willenskraft, sich zu den notwendigen Wiederherstellungsläufen zu überwinden. Was tun, wenn der Kopf schon lange nicht mehr kann, und man dazu noch an den Bestzeiten von früher zerbricht?... Nach zwei Monaten Training - alles allein und auf den ewig gleichen Strecken - war der Punkt gekommen, wo ich am liebsten alles hingeschmißen hätte... 9. Wo. (160 km). 10. Wo. (121 km): | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 3. AUFBAUKAMPF ::. 34. HALBMARATHON DER SKV MÖRFELDEN, 13.2.11 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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11. Wo. (161 km): Immer wieder dasselbe: Zu hartes Training, Bimsen in Einsamkeit, großer seelischer Druck. Als Resultate standen Schlaflosigkeit, Ausgebranntsein, Zerbrechen an den eigenen Vorgaben und immer wieder Sinnfragen... Aber die Geschichte neigte sich nun zu ihrem Ende hin. 12. Wo. (150 km). 13. Wo. (130 km): Ein B a z i l l u s! Und das zwei Wochen vorm Marathon! Nach Durchfall in der Vorwoche wurde Peanut von Montag bis Mittwoch von Schwindel und Übelkeit geplagt. Den ganzen Dienstag hat sie mit Gliederschmerzen im Bett verbracht und geschlafen. Die ganze Woche war verloren. Durch getrennte Betten konnte eine Ansteckung weitgehend verhindert werden. Aber ich hatte auch zwei Tage eine laufende Nase und Halskratzen. - Beim letzten langen Dauerlauf über 30 Kilometer brachten mir unerwartet zwei Läuferinnen von Spiridon etwas Moralstärkung. Da leidet man sich am Sonnabendmorgen im Rauhreif übers hessische Land, und dann rasen einem plötzlich fünf Äthiopier entgegen, darunter die jungen Frauen Bogale und Haile. (Letzte - Haimanot - wollte ich zu einem Start in Kandel überreden - leider ohne Erfolg.) 14. Wo. (56 + 42,195 km = Gesamt 1952 km). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER MARATHON ::. 36. Internationaler BIENWALD-MARATHON, 13. März 2011 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Freitag, 11. März Der ganze Winter war glimpflich verlaufen, der vorausgeunkte Jahrhundertwinter ausgeblieben, wir sind gesund und unverletzt über die Runden gekommen (zumindest körperlich) - bis Peanut sich erst einen Infekt und dann am Donnerstag vorm Marathon auch noch einen H e x e n s c h u ß einfing! Zu allem Übel hatte die »Gewerkschaft der Lokführer« für den Donnerstag einen S t r e i k beschloßen. Drei Tage vorm Marathon standen im Zugverkehr von Hessen und Rheinland-Pfalz von 4 Uhr bis 10 Uhr alle Räder still. Was würde die Lokgewerkschaft noch aushecken? Wie ohne Auto nach Kandel kommen? Wir sollten mit einem blauen Auge davonkommen. Es war nur ein Weichendefekt, der uns am Freitag vierzig Minuten im Frankfurter Hauptbahnhof schmoren ließ, Folgeverspätung inbegriffen. All das waren aber Nichtigkeiten zu dem, was den Menschen in Japan widerfuhr. Derweil man hierzulande mit der Bahn haderte, hatte sich um 14.46 Uhr Ortszeit im Pazifik Japans schlimmstes E r d b e b e n ereignet, das selbst Tokio schwanken ließ. Der vom Beben ausgelöste, turmhohe T s u n a m i traf und zerstörte den Osten der Insel. Der Unglücke nicht genug, sollte eine Strahlenexplosion im Atomkraftwerk Fukushima auch noch zu einer K e r n s c h m e l z e führen. - - Vormittags waren wir auf dem Bahnhof Kandel angelangt. Dabei kreuzten sich die Wege mit dem Kandler Bürgermeister, der zwei Tage später dem Marathonstart beiwohnte. Um 13 Uhr deutscher Zeit hatten wir unseren alten Stützpunkt im südpfälzischen Minfeld bezogen. Sonnabend, 12. März Auch heute drehte sich alles um die gewaltige Tragödie im Reich der aufgehenden Sonne. Rundfunk, Zeitungen, Fernsehen: Alles berichtete nur vom Ausmaß der Katastrophe in Japan. Ganze Landstriche waren ausradiert, die Großstadt Sendai einfach weggespült. - Wie in einem Anachronismus drehten sich aber die Räder des Bienwald-Marathons in ihrer eigenen Welt. Neben unseren gewohnten Lockerungsläufen hatten Peanut und ich pünktlich mit der Öffnung der Bienwaldhalle um 15 Uhr die Startnummern abgeholt. Wie im Vorjahr, hatte mir Organisationsleiter Schmidt schon lange vorm Marathon Flugblätter und Falthefte aus Kandel zugeschickt, die ich in Hessen zur Werbung verteilt habe. Heute durfte ich den Chef mal ganz in echt kennenlernen. Zurück im Minfelder Quartier haben wir Reis mit Lachs gegessen und uns um 22.45 Uhr zur Ruhe begeben. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Höckerlinie des Westwalls vor dem Bienwald (© Vitus) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Sonntag, 13. März BIENWALD-MARATHON. Nach dem Frühstück sind wir zur Wettkampfstätte gebracht worden. Außer einem Brötchen habe ich mich vorm Kampf nur von ganz schlichtem Trockenobst ernährt: Datteln, Aprikosen und Moosbeeren. Zur eigenen Versorgung auf der Strecke hatte ich vier Pullen Kohlenhydratwasser am Infostand abgeliefert, die ab 9.30 Uhr zu den Verpflegungsstellen befördert wurden. Um 9.50 Uhr waren wir in der Aufstellung. Fast 2200 Läufer tummelten sich zum START am Kandler Stadion. Damit war die Teilnehmerbeschränkung erreicht. Die meisten von ihnen blieben jedoch halbe Helden. Lediglich 600 stellten sich der Langstrecke. Kilometer 0 bis 10: Von Kandel über Minfeld in den Bienwald Niemand dachte an den Dreifachschlag im Marathonland Japan. Nur der Himmel trug grau, dazu fiel leichter Niesel von oben, als der drei Gemeinden entfernt wohnende Ministerpräsident Kurt Beck zusammen mit Kandels Stadtoberhaupt Tielebörger das Laufvolk auf einen guten Weg brachte. Vom Bienwaldstadion ging es über den Westen Kandels und die Saarstraße nach Minfeld. Es war wenig los heute im Dorf nebenan. Neben unserem Gastgeber Fritz - der stets am Marathonwochenende Geburtstag feiert - standen geschätzte zwei Dutzend an der Strecke. Am Ortsende von Minfeld war die erste Verpflegungsstelle aufgebaut, und nach der Überquerung einer Ackerfläche tat sich das Tor zum Bienwald auf. Die Hardtmühle und das traumhaft gelegene »Naturfreundehaus« wurden passiert, der geheimnisumwitterte Otterbach überquert, und die Strecke schwenkte nach rechts auf die »Bildstraße« benannte Autobahn durch den Wald. Vor Kilometer 10 war die Versorgungsstelle »V2« aufgebaut. Beim Beugen nach einem Schwamm wäre mir fast die Hüfte rausgesprungen - die Tische waren definitiv für Zwerge gemacht -, doch zumindest ließ sich wenige Meter weiter meine erste eigene Trinkflasche greifen. Kilometer 11 bis 20: Schaidt, die Wende im Westen Außer einer flotten Biene aus Fürth, die sich in meinem Windschatten festgebissen hatte (die spätere Dritte Bittel), lief ich schon sehr früh mehr oder weniger allein. Auf der Gegenspur rasten mir die Spitzenreiter des Halbmarathos entgegen, die sich am Marathonkilometer 13 schon auf den Heimweg begeben durfte. Mit geringem Abstand folgten die Ironman-Berühmtheiten Lothar und Nicole Leder, die heute auch nur die 21,1 Kilometer bestritten und dafür 1:17 und 1:22 Stunde brauchten. Heerscharen von Halbmarathonis strömten hinterher. Drei Kilometer weiter erreichten die Läufer der klassischen Distanz Schaidt. Hinter der Ortstafel stand die Schepperkapelle, die da immer steht, sowie eine halbe Hundertschaft Zuschauer. Damit war Schaidt erneut der einzige Aufputscher weit und breit gewesen. Nach einem Lauf an der Schaidter Grenze lang in ein Gewerbegebiet und wieder zurück, sowie einem Intermezzo auf der Speckstraße, war man wieder mit sich allein im Walde. Kilometer 21 bis 30: Zum Mittelpunkt des Bienwalds vor der Exklave Büchelberg Im Bienwald regiert allenfalls die Wildkatze, sonst nur das Rauschen der Bäume, der Wind und die Einsamkeit. Den ersten Halbmarathon hatte ich nach 1:26 Stunde hinter mir... ehe mit den folgenden Waldalleen - die mich immer an kleinere Volksläufe erinnern - die Kilometer ins Bodenlose fielen. Verschiedendlich wird ja behauptet, im Bienwald habe man optisch das Gefühl, immer bergab zu laufen. Da würde ich schleunigst den Augenarzt aufsuchen. Die Frau aus Fürth hatte ihr Pulver verschoßen und brach noch heftiger ein. Dafür saugte sich eine Kolonne aus dem Hintergrund an, vorneweg der einstige 2:26-Std.-Mann Schweitzer. Nun war meinerseits Biß gefragt. Vor dem zweiten Marathonwendepunkt beim entlegensten Ort der Welt, Büchelberg, hatten wir alle abgeschüttelt. Nach einem Fehlgriff kam ich am Kilometer 30 an mein zweites Getränk, und wenig später gab es auch die zweite Begegung mit meiner Partnerin, der ich die Trinkflasche in die Hand drückt. Was ich nicht ahnte: mein letztes Naß für lange Zeit... Kilometer 31 bis 40: Auf einer Autopiste durch den Wald zurück nach Kandel Mit der Rückkehr auf die Bildstraße ließ Schweitzer reißen, überholte mich dafür aber noch vor dem 35. Kilometer. Alles, was nun folgte, schien wie ein endloser Trugfilm: die sich wie in einer unwirklichen Zeitlupe bewegenden Arme und Beine des Duos voraus - - das aber etliche hundert Meter entfernt war - - und auf der endlosen Gleichförmigkeit der Bildstraße auch keinen Zentimeter näher kam - - sondern eher kleiner wurde! F ü n f t a u s e n d v i e r h u n d e r t Meter auf unelastischem Zement geradeaus durch den Wald. Für manche ist das maximales Tempobolzen und der Grund, überhaupt in Kandel starten. Vielen bricht die Monotonie aber auch den Willen. Und für manche geht der Schuß gar böse nach hinten los. Reine Kopfsache! Ich hab gekämpft bis mir das Licht ausging. Leider war meine letzte Trinkflasche wiederum so ungünstig drapiert, daß sie mir aus den Fingern rutschte. Aus Verzweiflung nahm ich drei Kilometer vor Schluß, am »V9«, ein Fremdgetränk. Zum Schluß war jede Motorik verloren. Wahrscheinlich hab ich nie zuvor so einen unästhetischen Anblick abgegeben. Dazu fühlte ich mich in meiner heutigen Kleidung auch alles andere als »schnell«. Die nigelnagelneuen Lunar Racer, die ich erstmalig trug, umhüllten die Füße zwar wunderbar geschmeidig, boten zum Schluß aber nicht den benötigten Punch. Kilometer 41 bis 42,195: Durchs Marathontor ins Bienwaldstadion Am Drahtzaun des Stadions entlang und durch einige Menschen und Angehörige hindurch, war die Kandler Tartanbahn erreicht. Eine »2:54« wäre durchaus drin gewesen. Im ZIEL fehlte die Winzigkeit von drei Sekunden, um wenigstens in der selben Minute des Vorjahres abzuschließen. Mit 2:57 Stunden hatte ich mich andererseits um zwei Stellen auf den 33. Platz verbessert. Dennoch konnte ich mit Kandel 2011 nicht zufrieden sein. Ein Husarenstreich war unterdessen dem 29jährigen Neuschwander gelungen. Der kleine, an einen Popper erinnende Lauffloh aus Trier, erkämpfte nicht nur seinen ersten Marathon-Sieg überhaupt, sondern gewann ohne ernsthafte Konkurrenz im Alleingang und mit Riesenvorsprung. Der erste Verfolger lag über sechs Minuten zurück! Nach dem Überwerfen warmer Kluft bin ich meinem Mädel entgegengelaufen, um es vom 41. Kilometer ins Ziel zu ziehen. Wie vor einem Jahr mußte ich dabei hilflos das Hinausticken der Stoppuhr über die Vier-Stunden-Marke ansehen. Vom 20. Kilometer an hatten Peanut die Kräfte verlassen. Ab dem 22. Kilometer waren ihre Kilometerzeiten schlagartig von 5:20 auf 5:50 und später kaum noch unter 6:00 Minuten gestiegen. Die zweite Hälfte war um zwanzig Minuten langsamer als die erste! Zwei Wochen Krankheit durch Virusinfekt und Hexenschuß waren zuviel. Dazu hatte sich Peanut im Mittelteil ein Zuckergel in den Mund gequetscht, daß sie erst an einem Wasserstand drei Kilometer weiter runterspülen konnte. Nachdem sie auf der zermürbenden Bildstraße etwas die Gedanken verlor, ist ihr später im Wortsinne die Luft ausgegangen. Peanut hatte massive Atemprobleme und hat nach 41 Kilometern kaum noch Luft bekommen. Aber sie hielt durch und ging nach 4:10 Stunden immerhin als 47. Frau aus dem Stadion. Von den Begegnungen im Zielgelände muß die Befragung durch den Münchner Gunther erwähnt sein, der durch »Googeln« auf meinen »Blog« gestoßen war. Ebenso die Unterhaltung mit dem Bruder des Vorjahresdritten Spitzhorn, Oliver, der mir die Schwierigkeiten seiner Vereinskameraden schilderte. (Durch die plötzliche Erwärmung hatten alle Läufer der LG Horsack unter Krämpfen gelitten. Titelverteider Nacke war gar nicht erst angetreten.) In der Bienwaldhalle ergab sich ferner die einmalige Möglichkeit einer Zielmassage von 30 (!) Minuten durch zwei Durlacher Massagetherapeuten! Nach Eintrag in eine Warteliste wurden Peanut und ich ab 14.30 Uhr eine halbe Stunde lang umsonst durchgeknetet! FAZIT Strecke: Flach, flacher, Bienwald: Mehr ist nicht zu sagen. Ausstrahlung: Keine Zuschauer, aber urwüchsig und im Grunde unverzichtbar. Kandel ist Tradition und Faszination seit 1976! Organisation: Neben Zugläufern, elektronischer Zeiterfassung, der Durchsage der Zwischenzeiten und der Möglichkeit zur Eigenverpflegung, wurden unterwegs Tee, Mineralgetränke von Dextro Energy und Bananen angeboten. Dazu kam die familiäre Betreuung vor bis nach dem Marathon. Es war alles liebevoll gerichtet und an alles war gedacht. Neben alkoholfreiem Erdinger wurde zum 125. Geburtstag des TSV Kandel jeder Läufer mit einer Flasche Chardonnay oder Sauvignon von einem Pfälzer Weingut beschenkt. Wirkung: Mit minimalen Mitteln zum maximalen Ziel. Für die Materialinteressierten noch unser Schuhwerk: Frau lief mit Asics Gel-3010, Mann mit Nike LunarRacer+ 2. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Ehrung und Schlußfeier Halb vier wurden in der Bienwaldhalle die Schnellsten des Marathons auf die Bühne gerufen. Neben dem Siegerscheck über 250 Euro durfte Neuschwander für seine Zeit von 2:28 Stunden auch noch 200 Euro Leistungsprämie und 50 Euro Fahrkostenzuschuß einstreichen. Dazu wurden Pokale und Sachpreise verteilt. Neben der Ehrung kam es leider auch zu einem betrüblichen Nachbeben vor Ort: Während sich die Marathonläufer in ihrem Wettstreit befanden, waren Langfinger im Kabinentrakt zugange und hatten einige ihrer persönlichen Dinge und Wertgegenstände beraubt. Schon unsere Gastgeber hatten uns vor den Lumpen gewarnt, die seit Wochen in Minfeld unterwegs waren. Diese Schandtat warf einen Schatten über die Veranstaltung. Ferner das Desinteresse der Läufer an der Ehrung. Nur 200 verloren sich in der großen Mehrzweckhalle. Peanut und ich blieben bei einer doppelten Ration »Fleeschknepp« mit Brot, Meerrettichsoße und Bier bis zum Ende. - Am Abend haben wir noch einige Rieslingschoppen in Minfelds »Weinstubb uff de Bach« gezwitschert. Nur der Wirt und die Sperrstunde bewahrten uns vor schweren Köpfen. KULTURLEBEN Montag, 14. März Am Tag nach dem Marathon waren wir auf Spurensuche im Westen. Unsere Gastgeber hatten uns zu einer Expedition über den im Bienwaldgrenzgebiet errichteten Otterbachabschnitt des Mythos Westwall, gleich Frankreichs Maginot-Linie, gefahren. Ausgangspunkt und 1. Station waren zwei Bunker des Regelbaus 516 in Bergzabern. Hier trafen wir uns mit dem Leiter der Führung, Mizkunaz. In Bunker 2 war die Ausstellung und Aufarbeitung das Westwall-Museums untergebracht, Bunker 1 ist ein spiegelverkehrt gegossener Artilleriebunker im Urzustand. Nach einer zweistündigen Führung durch die Bunkeranlage fuhren wir weiter zur 2. Station nach Dörrenbach, wo sich im Winzental entlang einer Pionierstraße Schützengräben, Bunkerruinen und übererdete Bunker unterschiedlichster Typen und Größen fanden. Die 3. Station war das Deutsche Weintor in Schweigen, welches 1936 als Prachtbau, Arbeitsstätte und südlichster Punkt der Weinstraße an der Grenze zum Elsaß eingeweiht wurde. Der 4. und letzte Anfahrtpunkt befand sich vor Niederotterbach, wo sich der zu einem naßen Panzergraben ausgebaute Otterbach und die Höckerlinie des Westwalls als äußerst seltenes Bollwerk kreuzten. Das Unternehmen Westwall währte sechs Stunden. Bewegte Eindrücke finden sich hier: ...... Westwallmuseum und Bunker des Regelbaus 516 ...... Westwallmuseum und Bunker des Regelbaus 516 (2) Dienstag, 15. März Nach einem herrlichen Lauf durch den von Lichtspielen und Spechtgehämmer durchzogenen, milchigen Morgennebel des Bienwalds, erfolgte in den Mittagstunden des Dienstags unsere Abreise aus Kandel. Donnerstag, 17. März Zurück am Wohnort Frankfurt, hielt am Abend des 17. März kein Geringerer als Herbert Steffny eine Rede zum Thema »Fit für den Frankfurt-Marathon«. Die zweistündige Vortragsveranstaltung in einem Laufladen der Mainstadt behandelte folgende Punkte: 19.45 Trainingsgrundlagen (60 Min.) 20.45 Pause mit der Möglichkeit, handsignierte Bücher zu erwerben oder sich von Herbert Steffny Autogramme zu besorgen (15 Min.) 21.00 Trainingspläne, Taktik und Ernährung (45 Min.) 21.45 Diskussion und Fragen Neben 80 Marathonläufern in spe war auch die Geschäftsführung des Textilherstellers Rono anwesend. Vertreter von Ultra Sports hatten zwei Kartons mit Kohlenhydratriegeln zur freien Bedienung spendiert. Währenddessen war es selbstmörderischen Hubschrauberpiloten in Japan gelungen, die Reaktoren im Kraftwerk Fukushima am sechsten Tag der Apokalypse durch den Abwurf von Meerwasser herunterzukühlen. Damit war der drohende nukleare Superunfall abgewendet. Die Zahl der Toten und Vermißten wurde mit über 18 000 angegeben. Um es mit Steffnys Worten zu sagen: »Nicht Wissen ist Macht - Handeln ist Macht!« Für uns war Kandel abgeschlossen - und der Blick richtete sich nach ROTTERDAM. Final ein Dank an Marathona Peanut, Gästehaus »Solana«, das Massage-Paar Sijuma, den Führer Mizkunaz vom Westwallmuseum Bergzabern, die Macher des Marathons sowie Herbert Steffny. Kampfläufer Vitus, 21. März 2011 (Frühlingsgleiche) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: stark bewölkt mit etwas Nieselregen bei 12 bis 16ºC, schwache Brise Läufer am Start: 2143 (Marathon, Halbmarathon) Läufer im Ziel: 1863 (Marathon: 575, Halbmarathon: 1288) Marathonläufer im Ziel: 575 (M: 502 / W: 73) Männer: 1. Florian Neuschwander (PST Trier) 2:28:17 2. Dominik Mages (LAC Quelle Fürth) 2:34:23 3. Hans-Jörg Dörr (TV Hatzenbühl) 2:37:02 4. Michael Sommer (EK Schwaikheim) 2:38:32 5. Martin Fischer (TV Offenbach) 2:38:40 6. Heiko Spitzhorn (RSG Montabaur) 2:40:29 Frauen: 1. Eve Rauschenberg (LC Haßloch) 2:49:34 2. Kerstin Steg (LAC Quelle Fürth) 2:50:53 3. Silke Bittel (LAC Quelle Fürth) 3:03:31 4. Heide Merkel (TG Ötigheim) 3:06:27 5. Myriam Klein (RSG Montabaur) 3:09:15 6. Birgit Glaser (LT Wilhelmsdorf) 3:19:36 Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) Startnummer: 521 Nation: GER Zeit: 2:57:02 Platz: 35 von 575 Gesamt Platz: 33 von 502 bei den Männern Platz: 4 in Klasse M50 Zwischenzeiten: 1. HM: 1:26:57 2. HM: 1:30:05 Geschwindigkeit: 14,3 km/h Zeit pro km: 4:12 min Peanut (Spiridon Frankfurt) Startnummer: 497 Nation: GER Zeit: 4:10:00 Platz: 446 von 575 Gesamt Platz: 47 von 73 bei den Frauen Platz: 7 in Klasse W45 Zwischenzeiten: 1. HM: 1:55:01 2. HM: 2:14:58 Geschwindigkeit: 10,1 km/h Zeit pro km: 5:55 min Ergebnisse: >> Championchip | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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