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6. WÜRZBURG-MARATHON, 14. Mai 2006 ¤ AUFBAUKÄMPFE Frankfurter City-Halbmarathon, 5.3.06 Nidderauer Waldlaufmeisterschaften (21,5 km), 22.4.06 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Vom toten Rennen der Kenianer, dem Waterloo der Sachsen und einem tapferen Mädel aus Hessen Der Marathon von New York sollte im Herbst 2006 meine Laufkarriere beschließen. Als Brücke sollte ein Marathon im Frühjahr dienen. Was trotz der Vielzahl von Marathonläufen im Lande nicht leicht ist. Zum einen sind viele Veranstaltungen ruckzuck ausgebucht. Andererseits drohen Terminkollisionen mit Interessen fernab des Sports. Aus diesem Grunde kann ein langer Prozeß wie eine Marathonvorbereitung immer zu inneren Kriegen führen und die Seele in Not stürzen. Aber so leicht werden die Waffen nicht gestreckt. Nachdem uns verschiedene Schicksalswege und »Südyssen« in der Vergangenheit immer mal wieder nach Würzburg verschlagen hatten, wollten mein Mädel und ich der Unterfrankenmetropole in diesem Jahr einmal auf dem Wege der mythischen »42,195« huldigen. Würzburg sollte das Marathondebüt von Peanut werden! Ich selber hatte nach meiner Aufgabe in Frankfurt 2005 was gutzumachen. Wir bereiteten uns nach den Anleitungen der Netzplattform My Asics und den Weisungen des Seesener Lauflehrers Greif vor. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Der Stadtmarathon von Würzburg ist ein Marathon von Läufern für Läufer. Zwischen der Festung Marienberg und steilen Weinbergen malerisch im Maintal eingebettet, bestand das Rennen aus zwei identischen Runden, die überwiegend in Sicht zum Main lagen. Vom Mainviertel führte eine Autostraße zuerst flußabwärts in den Stadtbezirk Zellerau. Nach einer Wende ging es zurück zu Start und Ziel, und von dort mainaufwärts an die entgegengesetzte Peripherie bis nach Heidingsfeld, und auf der rechten Mainseite über Sanderau in die Altstadt mit ihren barocken Bauten, darunter der zum Welterbe zählenden Residenz. Mit 30 Höhenmetern war die Runde zwar flach, wegen des teils unasphaltierten Streckenverlaufs - Schotterwege und Kopfsteine inbegrifen - jedoch nicht für Bestzeiten geeignet! In der Wahl zu Deutschlands Marathon 2005 landete Würzburg unter 150 Bewerbern auf dem 11. Platz und im Freistaat Bayern auf Rang 2 (hinter München). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das LAUFTAGEBUCH der 12 Wochen vom 20. Februar bis 14. Mai: 1. Wo. (83 km): Eine Zahnextraktion gleich am ersten Trainingstag, und eine Stoppuhr, die über den Winter ihren Betrieb eingestellt hatte: dies waren zwei Dinge mit Symbolkraft gleich zum Anfang der Vorbereitungen. Dazu kam der Ausfall meines Trainingskumpels, der sich am Knie verletzt hatte und nun an den Folgen der Operation laborierte. Damit mußte ich wieder alle schweren Einheiten allein machen. 2. Wo. (88 km): Kampf bei Flockengewirbel, auf Schneeboden und in knöcheltiefem Matsch. Und dies unter Fieber, Müdigkeit, Leere und schweren Sinnfragen im Geiste Sven Hannwalds. Burnout (chronische Erschöpfung) nennt man das Syndrom, an dem ich schon länger litt. Und am Sonntag ging es dann richtig zur Sache...... | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 1. AUFBAUKAMPF ::. 4. FRANKFURTER CITY-HALBMARATHON, 5.3.06 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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3. Wo. (62 km): Auf die 21,1 von Frankfurt folgte die nächste schlechte Nachricht. Nachdem mir zur gesetzten Norm für New York drei Minunten fehlten, traf nun auch die Absage der letzten von drei lizenzierten Reiseagenturen, über die ein Start noch möglich gewesen wäre, ein. NY war restlos ausgebucht und der Traum vom »Big Apple« vorerst gestorben. Aber die Anstrengungen waren nun nicht mehr aufzuhalten... Im Rahmen einer Konzertreise nach Nürnberg folgte ein Trainingslager auf dem historischen Boden rund um die Dutzendteiche. Und zwar mit Zuckerbrot für den Geist (Punk und Spiritualität durch Doom) und Peitsche für den Körper (drei um die Ohren geschlagene Nächte mit schädlichen Getränken, ungesunder Kost und giftiger Luft). Und dies alles bei winterlicher Witterung und keinem Gedanken an den angesetzten Tempowechsellauf oder gar den langen Kanten. Es waren alles nur funktionserhaltende Bewegungen. 4. Wo. (105 km): Eine erneut desaströse Etappe. Wurde mir doch binnen vier Wochen ein zweiter Zahn rausgerissen. Da hat man 43 Jahre ein kerngesundes Mundwerk und dann bricht das Unheil unvermittelt und brutal über einen herein. Der körperlichen Pein nicht genug, wird man auch noch von der bundesdeutschen Krankheitsindustrie zur Kasse gebeten: Wer weder zu den Reichen noch zu den Armen zählt - dem einen löhnt die Privatversicherung, dem anderen die Stütze - sprich wer zum arbeitenden Volk gehört, der wird dreist abkassiert. Im Klartext: Für eine Implantatsbehandlung fordern die verschlagenen Handausstrecker in Weiß minimum 1600 Euro von einem. Und wie war das im maroden, sozialistischen Einheitsstaat? Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle! Es ist was faul im Staate BRD! Aber hier geht´s um Sport. Kurzum: Um größere Katastrophen zu vermeiden, mußte ich erneut zwei Einheiten streichen. Somit blieben als als einzig Konstruktive der 10-Kilometer-Tempolauf sowie zwei Märsche über die 30 Kilometer hinaus, teils mit meiner neuen Trainingskameradin Peanut. Mein Mädel hat am Wochenende die Schallmauer der 30 Kilometer geknackt. Und dies nach nur sechs Monaten Lauftraining. Womit bewiesen war, daß der Marathonlauf der Natur des Weibes artverwandt ist. Durch ihr niedrigeres Gewicht, die günstigere Motorik und ihre Geschmeidigkeit haben Frauen die besseren Ausdaueranlagen! 5. Wo. (111 km): Aus Hoch mach Nieder! Jeder kennt sie, die Zeitgenossen, die das Geldverdienen zu einem Scheißspiel machen. Stinkstiefel, die nur Ärger und Verdruß heraufbeschwören. Arschlöcher, so überflüssig wie ein Furunkel im Gesicht. Bei Greif heißt das Feindbild »Holger Meier«. Bei mir »No Name«. Schließlich geht´s um Nicht-Person(en). Bekanntlich dürfen Sportler keine Vergeltung üben, der Boxer nicht schagen, der Judoka keinen Arm brechen. Aber wer seinen Zorn diszipliniert, das Messer zwischen die Zähne steckt, und einen schnellen Lauf im Freien herunterprügelt, dem können jene Holger »No Name« Meiers auch hübsche Nebeneffekte schenken... wie die Unterbietung eines Uraltrekordes auf der Fremdenlegionseinheit von 3 x 4000 Meter. Vielen Dank, N.N., für diese schöne Nummer! 6. Wo. (63 km): Herr Greif war mal wieder lieb zu mir: 4 x 2500 Meter in 10:15 Min. Ausgerechnet am Tag der Abstiegsschlacht meines Vereins Dynamo Dresden bei Kickers Offenbach. Statt Anfeuerungen in Schwarz-Gelb im Stadion Bieberer Berg, ein laktatreicher Abend auf der Laufstrecke am Niddaufer. Wer mich kennt, weiß was das bedeutet... Das Gefühl für das Marathonziel »2:59« war kein Gutes. Der Kopf war müde und leer, Hüfte und Knie schmerzten, die Muskeln waren am Dauerschreien, und ab Freitag folgte dann noch die Operation »Apocalypse«: der vorübergehend totale physische Niedergang durch drei Tage Schlafentzug und Dauerbezechung beim Fest des Doom »Doom Shall Rise« in Göppingen (Heilige Pflicht!). Dort ein Steigerungslauf über 10 Kilometer mit einem Dreikämpfer vom Landesleistungszentrum Brandenburg und anderthalb Restumdrehungen. Anschließend war mein Urin voller Blut. 7. Wo. (124 km): Nachdem wir bis Mittwoch noch Besuch vom Doom Shall Rise in Frankfurt hatten und die Gedanken für insgesamt sechs Tage überall waren, nur nicht beim Marathon, und Plan P Gestalt annahm (P wie Aufopferung als Pacer für Peanut und deren Ziel 4:30 Std.), folgte ab Wochenmitte neuer Auftrieb mit den 3 x 3000-Meter-Wiederholungsläufen in 12:21 (für die ganz Harten), einem Lauf über 35 und einem über 40 Kilometer. Eine wahre Tortur aber auch fürs Skelett. Brannten mir doch am Ende dieser Gipfelwoche die Lendenwirbel wie Hölle. Peanut lief erstmals 35 Kilometer (die Marke, an der Baumann scheiterte). 8. Wo. (106 km): Ein Abschnitt gleich einer Gefühlsachterbahn. Mit Ernüchterungen: Weil man die 1000-Meter-Vorgaben nicht schafft und die früheren Zeiten um fünf Sekunden verfehlte; weil einem trotz Bierverzichts - man ist fünf Wochen auf dem Wirklichkeitstrip - Gewichtsprobleme plagen; und weil das Einzeltraining über den tausendmal gesehenen Niddauferweg unendlich zermürbt. Und dann immer wieder unverhofftes Seelendoping: Mal durch einen alten Mann, der sich als New-York-Starter 1984 offenbarte und mich einige Kilometer mit dem Rad begleitete ( »Heute trainieren sie die große Runde für den Marathon!« ); dann wieder durch einen Fußballer vom FV Bad Vilbel, der mich seit Jahren auf dem Rundlauf vorbei am Niddasportfeld beobachtet und mich am Sonnabend erstmals um Lauftipps bat ( »Ein erfahrener Läufer wie du...« ). 9. Wo. (103 km): | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 2. AUFBAUKAMPF ::. 20. NIDDERAUER WALDLAUFMEISTERSCHAFTEN, 22.4.06 (21,5 km) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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10. Wo. (101 km): Der nahe Kampf bringt immer auch eine Zusammenstellung der Ausrüstungsgegenstände mit sich. Grund, sich einmal aller Jubeljahre in die Laufläden vor Ort zu bewegen. Mit lästigem Suchen, Gucken, Gefragtwerden, Ausziehen, Anziehen, Weitersuchen, Ausziehen, Anziehen... Damit nicht genug, wird man auch noch kräftig zur Kasse gebete. Zwei Spandexteile vom Marktführer in Fernost - neudeutsch »Singlet« (Trägerhemd) und »Raceshort« (Kurzbuxe) genannt - waren kaum noch unter 100 Euro zu haben. Das mußte boykottiert werden! Fortan wird meine Rennkleidung von einem Hersteller mit heimischer Fertigung sein. Kein Cent mehr für Ass-x! - - Die sportlichen Glanzlichter setzten der Holger/No-Name-Zerbrösel-Lauf (zehn Kilometer auf Anschlag für diese fiese Type), die 3 x 4000 Meter und natürlich der Lange über 35 Kilometer. Fünfunddreißig Kilometer durch die Unbilden des April. Mit Sonne, Sturm und Eisregen als Peitsche in den Augen, und mit erstarrten Unterarmen und Fingern. Aber man hat überlebt. 11. Wo. (86 km): Das Ende der Läuferfreiheit: Mit dem Erwachen des Frühlinga begann auch der Auftrieb der zweibeinigen Schafe. Die Ufer der Nidda wurden nun wieder von fetten Sonntagsradlern, schnatternden Wandertrupps, stolzen Kinderwagenschiebern, unkoordiniertem Kinderpack, penetranten Gassigehern, pubertierendem Jungvolk und dreisten Senioren zersetzt. Es war kaum noch ein systematisches Zeittraining möglich auf dieser vermüllten Autobahn an der Nidda (und jedes Jahr wird dies schlimmer). Die Karambolage mit einem dieser Affen brachte mir einen Bluterguß am Unterarm ein. - - Mein richtungsweisender »15 km-Supertest« und die 6 x 1000 Meter lagen geringfügig über dem Marathonziel »2:59«. 12. Wo. (35 km + 42,195 km = Gesamt: 1108 km): Peanut litt seit einiger Zeit unter einem gereizten Ischiasnerv. Mit der Folge, daß ihr nach 20 Kilometern die Motorik beeinträchtigt wurde. Die Ungewißheit war groß. Handauflegend und gesundbetend hofften wir, daß die Nerven noch einmal 42,2 Kilometer halten. - - Das letzte Vierteljahr war fast wie im Radsport der Siebziger: kein Walkman, kein Pulsmesser, kein Handy, kein Navi, keine Elektroleiche, keine Gels oder Riegel, keine Glucosegetränke, keine Pulver, keine Pillen, keine Nahrungsergänzung, einzig etwas Magnesium (Aberglaube). Ebenso wenig kamen die Textilien der Hochtechnik zum Einsatz. Nur Baumwolle. Es war wie früher: der Mensch allein mit der Natur. Am Ende arbeitete mein Motor mit der Herzfrequenz 45 ruhig wie selten zuvor. Einzig betrüblich: ein um drei Kilogramm höheres Körpergewicht. Aber Blut ist dicker als Wasser, und Muskeln wiegen mehr als Fett! | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER MARATHON ::. 6. iWELT MARATHON WÜRZBURG, 14. Mai 2006 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Freitag, 12. Mai Wie üblich waren wir mit etwas Vorlauf angereist, um uns mit den Zuständen am Ort vertraut zu machen. Würzburg ist anders. Es sind nicht die Banker, Booker und Bürogestalten von Frankfurt, die das Bild der Stadt prägen. Nein, in Würzburg dominieren Studenten, Langhaarige und Kuttenträger! - Unser gebuchtes Appartement lag im besonderen Charme der Altstadt, drei Stock überm »Café Kiess«. Das war schwer, denn wir mußten allen Verführungen widerstehen, während treppab um uns die Welt in einem Duft aus süßem Backwerk und Weissbier versank! - Als Erinnerung an Frankfurt hatte ich einen Hexenschuß mitgebracht. Dazu einen Biß in der Mundhöhle, der mich beim Kauen hinderte. Ja, und dann war da dieses Kreuz mit der Wetterhoheit: 25 Grad waren für die Marathonläufer erdacht. Gift, Gift, Gift! - Für den Nachmittag sah das Programm ein leichtes Training von sechs Kilometern vor, welches wir mit einem Besuch des Messezelts auf dem Freigelände »Viehmarkt« auf der anderen Mainseite verbanden. Den späteren Äthiopienabend mit Folklore und speziellen kulinarischen Köstlichkeiten ließen wir aber sausen, und lagen um elf in der Heia. Nicht in irgend einer. Wir schlummerten im Schatten der zwei Türme und der kolossalen Kuppel der Haug-Kirche. Sozusagen unter religiösen Weihen! Sonnabend, 13. Mai Um fünf wurde ich wach. Vom Trommeln eines Platzregens. Verbunden mit einem Temperatursturz um zehn Grad. Würde Thor Mitleid haben? Vier wichtige Punkte standen heute an: eine lockere Vorbelastung, der Besuch der Marathonmesse mit Abholen der Startunterlagen und Abgabe der Eigenverpflegung, sowie die Ernährung vorm Rennen. Wobei wir uns - entgegen alter Prinzipien - breitschlagen ließen und an der Nudelfete teilnahmen. Ganz einfach, weil das Ambiente gepaßt hat. Würzburg erwies sich als gemütlich und frei von Plagen. Plage sollte in anderer Form kommen. Heute war der 34. und letzte Spieltag der Bundesliga. Also freute man sich pünktlich mit dem Abpfiff über grölende Fußballanhänger. Unter unserem Fenster tobte ein Scharmützel aus Bayern-Meister- und Bayern-Haß-Gesängen, dazu Huldigungen an Werder Bremen... und in der Nacht die Invasion der Eintracht... Sonntag, 14. Mai ... »Huuurra, huuurra, die Frankfuuurter sind da.« - »Eiiintracht Frankfuuuuurt!« Erst war es eine Horde Eintracht-Störenfriede, die nach Mitternacht durch die Blöcke zog. Dann - in der zweiten Nachtstunde - ein Klingelrutscher, der mich hochschreckte. Und schließlich ein Alptraum, der mir endgültig die Nacht raubte. Um 4.44 Uhr wurde der Spuk vom Wecker beendet. Es war Regen, noch viereinhalb Stunden zum Start, und noch immer Krawalltouristen auf der Gasse. Drei Stunden Schlaf: Ich fühlte mich wie aus einer Müllgrube gekrochen. Nach einem schlichten Weißbrot vom »Kiess« brachen wir zu Fuß auf die zwei Kilometer über den Main rüber zum Start auf. Wenigstens fiel kein Wasser mehr vom Himmel. In Würzburg präpariert man sich auf den Mainwiesen (und mit Glück unter der Friedensbrücke). Alles war naß. Um 8.45 Uhr rißen wir uns die Klamotten vom Leib, schlüpften in die Trikots und stürmten den Hang zur Aufstellung vorm Festplatz »Talavera« hinauf. Als Strategie hatte ich Peanut mitgegeben, mutig aus dem Mittelblock anzulaufen, um nicht früh in eine Defensive zu geraten, einen Windschatten zu suchen, und sich später an den aus dem Hintergrund aufrückenden Zugläufer mit dem Ballon »4:29« zu hängen. Meiner mit dem Zeitziel »2:59« wartete etwas weiter vorne. Genauer gesagt: auf der Startlinie! Das hatte ich nicht erwartet und mich auf den weiter hinten platzierten Ballon fixiert. Der trug aber die Ziffern »3:29«! Ein Irrtum, den ich erst beim Runterzählen durch den Sprecher bemerkte: »Noch 40 Sekunden... noch 30...« Zum Glück war der Startraum nicht abgesperrt, so daß ich noch mal raus und mich durch die Zuschauer nach vorne kämpfen konnte. »Noch 20 Sekunden...10...« | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kilometer 0 bis 10: Von der Talavera in die Zellerau und zurück bis Heidingsfeld Um 9 Uhr ertönte ein dumpfer Kanonenschlag. START! Eine dichte schwefelgelbe Rauchwolke verhinderte die Sicht. Nichts wie ran an den Pfaff mit dem Ballon! Nach dreihundert Metern durch Aberhunderte beiderseits der Friedensbrücke war ich dran. Ganz ungewöhnlich forsch ging es nach vorne weg. Die Auftaktmeilen zeigten auf eine Endzeit von 2:45 Stunden! Nun zog sich die Strecke durch die schmucklose Zellerau, um nach einem Richtungswechsel am vierten Kilometer wieder auf die Mainaustraße und zurück zum Startplatz zu führen. Auf der Gegenspur rannte mir Peanut entgegen. Nah an ihr noch ein bekanntes Gesicht: der nach einer Meniskus-OP wiederhergestellte Laufkumpel Jockel. »Mario, hau einen raus!«, konnte ich gerade noch aufschnappen. Ja, es lief klasse anfangs, im Formationsflug mit Tempomann Schmidt & Gattin, der späteren Vierten Back. Nach einem Ab und wieder Auf über die Mainwiesen ging es in der Folge flußaufwärts. Anfangs über den Asphalt der Saalgasse, und darauf über grobgeschotterte Radwege längs zweier Sportgelände. Über schweres Geläuf, das mir direkt die Kraft aus den Muskeln sog. Zudem belasteten die auf Sommerwerte steigenden Temperaturen und eine unwirtliche Schwüle Kopf und Körper in außergewöhnlichem Maße. Der verdampfende Regen hatte den Würzburger Talkessel zu einem Treibhaus gemacht. Kein Wunder, daß die Reben hier so prächtig gedeihen. Nach zehn Kilometern war ich naß bis auf die Knochen. Und früh war der Punkt erreicht, an dem sich der Kampf zwischen Kopf und Körper entscheiden mußte... Mit dem davoneilenden Blitz aus Würzburg feierte auch die chronische Erfolgslosigkeit ihren Fortbestand. Derweil flitzten im Gegenlicht zwei Schwarze mit einem Affenzahn schon wieder gen Altstadt: die späteren Ersten aus Kenia. Und: In einer Hausunterführung stießen fünf gitarrenquälende Langhaarige mit speedmetallischen Mara-Tönen vorwärts! Kilometer 11 bis 20: Von der Wendeschleife Heidingsfeld mainabwärts in die Altstadt Im gottverlassenen Heidingsfeld, irgendwo im Süden, vermochte ich die Geschwindigkeit zumindest zu stabilisieren. Über den Betonkoloss Adenauer-Brücke wurde der Main hinüber zum Frauenland gequert. Drüben angekommen, windete sich die Strecke durch eine Tunnelröhre unter der Brücke hindurch... und gelangte - wieder im Licht - auf die Endlospiste des Ludwigkai. Außer einigen knutschenden Pärchen herrschte auch in den Straßen des Wohngebiets Sanderau Kahlschlag. Alles maustot. Dafür zog ein Lüftchen auf, die Kilometerzeiten stiegen dramatisch an, und ich verlor Platz um Platz. Der Weg führte runter zum Main und dem Fluß folgend nach Norden. Links öffnete sich die malerische Kulisse aus zum Himmel stehenden Weinbergen mit der Wallfahrtskirche Käppele, der weißstrahlenden Festung Marienberg und etlichen Weingütern auf ihren Höhen. Die Alte Mainbrücke wurde unterquert. Mit ihr setzte es erstmalig Gänsehaut meterdick. Denn in den Mauern der Ahnen wartete ein Heidenspektakel allerersten Kalibers. Menschen lärmten mit Rasseln und Trompeten und entfachten Schlachtengesänge in vielen Reihen. Umringt von diesem Knäuel schlängelte sich die Route in die Altstadt und auf den inneren Ring aus krummen Gassen, schrägem Gewinkel und den wiederaufgebauten Baudenkmälern der Stadt. So der Augustinerkirche, dem Juliusspital, der Fürstbischöflichen Residenz, der St. Michaelskirche, dem Kiliansdom, dem Markt mit der filigranen Rokokofassade »Haus Zum Falken« und der Marienkapelle am Kilometer 20. Daß die Altstadt 1945 eine Trümmerwüste war, konnte man heute kaum noch erahnen. Harter Rock hallte durch die Straßen. Kilometer 21 bis 30: Wieder im Mainviertel, durch die Zellerau mainauf nach Heidingsfeld Nun führten die Katzenköpfe der Alten Mainbrücke mit Blick auf die Marienbergsilhouette wieder aufs linke Mainufer und zum Ende des ersten Halbmarathons auf dem Viehmarkt. Über eine knackige Rampe war wieder die Mainaustraße erreicht. Die zweiten 21 097 Meter waren eine Blaupause der ersten: Kahlschlag in der Zellerau (dafür ein Bekannter im Gegenverkehr: vom »Runtime Error Team« Passtschon98: Achim W.), Rambazamba dann wieder auf den Mainwiesen, und Stille längs der Sportplätze an der Mergenthaler Straße. Schändlicherweise befand sich ausgerechnet der ominöse 30. Kilometer, die sogenannte »Mauer«, auf schwierigem Schotter. Meine Kilometer stiegen über die Fünf-Minuten-Marke. Ein drahtiger Senior mit muskulösen Schenkeln, Fönfrisur und Firmentrikot von Bosch schloß auf. Einer der Spezies »Vor-Gesetzter«. Und groß war die Schmach: der Zausel war schneller. Auch zwei weibliche Aufziehpuppen ließen mich tänzelnden Schrittes stehen. »Bald kommt die Altstadt, dort denkt man nicht so viel nach«: war dies Trost - oder Stichelei? Kilometer 31 bis 40: Noch mal von Heidingsfeld über Sanderau mainab in die Altstadt Egal, die Heavymetaller von Beyond Tomorrow halfen mir über die plumpen Qualen am 31. Kilometer... und auf dem Rückweg vom Heidingsfeld noch einmal über den vierunddreißigsten Kilometer. Hailsgrüße für den eisernen Einsatz, Beyond Tomorrow! Der lange Ludwigkai war dann so was wie mein totales Waterloo. Halb mit dem zerstörten Motiv hadernd, halb in Gedanken bei Peanut und deren ersten Grenzgang im Leben, fiel meine Geschwindigkeit ins Bodenlose. Bis zwei Meilen vor Ultimo eine schnaufende Dampflok aufschloß - und mich passierte. Nicht der Geist von Emil Zatopek. Nein, ein alter Mann mit jungem Mädel im Schlepp. Das reichte! Mit dem von Greif immer wieder propagierten Endbeschleuniger verschärfte ich das Tempo um eine Minute - und umgehend war die laufende Lokomotive wieder niedergemacht. Zugleich auch die kilometerlang in Sichtweite vor mir hergelaufene Speiche mit dem im Hinterkopf einrasierten »Un tschüs«. Kilometer 41 bis 42,195: Über die Alte Mainbrücke ins Ziel Nun war die Lust auf mehr erwacht: Im Sturm über das Holperpflaster der Altstadt rückte plötzlich auch der schon weit enteilte Graukopf von Bosch wieder ins Visier. Ich kämpfte mich heran... und brachte ihn auf dem Markt zur Strecke. Nun noch der Schlußspurt zwischen den Heiligenfiguren der Alten Mainbrücke hindurch... zwei weitere Enteilte abgefangen... zwei letzte Haken nach rechts... und dann war das Zielbanner erreicht - wo die digitalen Welten auf wundersame Weise bei »2:00:00« angehalten hatten. Weltrekord! Aber für mich nur 3:17:19 Stunden. Neun Minuten langsamer als in Dresden, aber angesichts der Katastrophennacht, der rustikalen Strecke und der schwülen Hitze ging das in Ordnung. Etwa zur gleichen Zeit waren bei Peanut am Kilometer 33 die Ischiasbeschwerden wieder aufgebrochen. Mit der Folge, daß sie den 4:29-Mann nicht mehr halten konnte. Doch sie bewies Standhaftigkeit und Kampfeswillen und biß sich allein durch. Der Leidensweg währte bis zum 39. Kilometer. Dort fielen ihr alle Schmerzen ab, sie bekam die zweite Luft und überholte noch etliche Läufer. Peanut bezwang zum ersten Mal den Nimbus der 42 Kilometer und lief nach 4:32:41 Stunden im Mittelfeld ins ZIEL! Keine andere als die deutsche Kanu-Legende Birgit Fischer hatte für die selbe Distanz in New York 5:12:00 Stunden benötigt... Lange zuvor war der Kampf der Männer zu Ende gegangen. Nach einem Skandal - erst wurde ihnen durch Streckenposten zur Halbzeit der Pacer entzogen (weil der mit Halbmarathon-Nummer unterwegs war), dann wurden sie auch noch vom Führungsfahrzeug, von Krädern und Halbmarathonteilnehmer im Schlußspurt behindert - waren die Kenianer Loywapet und Kurgat in einem toten Rennen salomonisch zu Doppel-Siegern erklärt worden. Die Zeit von 2:16:01 Stunden redet eine deutliche Sprache zu den Bedingungen in Würzburg. FAZIT Licht (abwechslungsreiche Strecke, familiäre Organisation, kurze Wege), und Schatten (tote Abschnitte, teils ruckeliges Geläuf, fehlende Großuhren) gleichermaßen. Von 5358 Angetretenen bewältigten lediglich 1283 die 42,2 Kilometer. Und ncht alle schafften sie in 5:30 Stunden. Manch einer war aus der Zeit gefallen. Wirkung: Für Rekordjagden ist Würzburg nicht zu empfehlen. Aber für 2007 planen die Macher eine völlig neue Streckenführung: nicht zwei Halbmaraton- sondern eine Marathon-Runde von 42 Kilometern! Eine Information zum Material: Wir liefen mit Asics GT-2110 (Peanut) und Asics Gel DS Trainer XI (Vitus). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Neben markanten Medaillen in Form einer 6 (für den sechsten Würzburg-Marathon) gab es im Zielgelände ein Wiedersehen für mich mit einem Bekannten vom Dresden-Marathon. Cornelius Matei, der Berufsläufer (heute von WoW Düsseldorf und Sporthaus Cierpinski unterstützt), hatte nach 3:07 Stunden seinen elften Marathon 2006 beendet. Dazu endlich auch das erste Bier seit fünf Wochen: Erdinger vom Faß. Unechtes. Und Echtes! Und dann das bange Warten... ... auf den Abpfiff des letzten Spieltags der Zweiten Liga. Würde Dynamo Dresden die Klasse erhalten? Nach einem 3:1 Auswärtssieg in Rostock war Schwarz-Gelb auf Schützenhilfe aus Bochum angewiesen. Doch die blieb aus: Die bereits Aufgestiegen schossen das notwendige Siegtor gegen Unterhaching nicht. 17 Uhr war Dynamo abgestiegen. Konnten wir jetzt noch eine Abschlußfeier machen? - Würzburg wurde mit einer ausgiebigen Kneipentour durch die Altstadt besiegelt. Wir haben etliche würzige Frankenschoppen gezwitschert. Was blieb, war eine große Leere. Was tun? Weiterlaufen? Montag, der 15. Mai ... startete mit einem Wein-Kater, ging weiter mit hartem Rock von Whitesnake zum Aufstehen, und stand dann - im Gegensatz zur Magath´schen Erkenntnis: »Finger weg vom Alkohol!« - gleich im Sinne des Nachtankens. Anders wären die Schmerzen nicht ertragbar gewesen. Endlich das ersehnte Weissbier im »Kiess« vernichten, und essen was und wieviel man will - um darauf den schweren Rückzug aus Franken anzutreten. Dank und Respekt an meine neue Marathona Peanut für das eiserne Mitziehen im Vierteljahr zuvor. Es war der blanke Wahnsinn! Kampfläufer Vitus, 17. Mai 2006 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: Sonne und Wind bei Werten um 20ºC und 75% Luftfeuchtigkeit Teilnehmer Gesamt: 5358 (Marathon, Halbmarathon, Sportgehen, Team) Marathonläufer gemeldet: 1444 (M: 1274 / W: 197 / Nationen: 27) Marathonläufer im Ziel: 1283 (M: 1119 / W: 164) Männer: 1. Samson Loywapet (Kenia) 2:16:01 1. Eluid Kurgat (Kenia) 2:16:01 3. Sascha Burkhardt (Deutschland) 2:26:24 4. Christian Sticker (Deutschland) 2:28:22 5. Frank Honold (Deutschland) 2:32:34 6. Marco Diehl (Deutschland) 2:33:00 Frauen: 1. Olga Nevkapsa (Ukraine) 2:39:57 2. Monika Hirt (Deutschland) 2:52:12 3. Esther Heinold (Deutschland) 2:54:21 4. Friederike Back (Deutschland) 2:58:27 5. Julika Fidjeland (Deutschland) 3:04:12 6. Sabine Dollinger (Deutschland) 3:10:21 Kampfläufer Vitus (Deutschland) Startnummer: 898 Nation: GER Zeit: 3:17:19 Platz: 223 von 1283 Gesamt Platz: 212 von 1119 bei den Männern Platz: 41 in Klasse M45 Zwischenzeiten: 1. HM: 1:30:48 2. HM: 1:46:31 Peanut (Deutschland) Startnummer: 897 Nation: GER Zeit: 4:32:41 Platz: 1157 von 1283 Gesamt Platz: 128 von 164 bei den Frauen Platz: 38 in Klasse W40 Zwischenzeiten: 1. HM: 2:14:34 2. HM: 2:18:07 Ergebnisse: >> Championchip | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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