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33. BERLIN-MARATHON, 24. September 2006 ¤ AUFBAUKÄMPFE Karbener Stadtlauf (Halbmarathon), 13.8.06 Bruchköbeler Stadtlauf (Halbmarathon), 26.8.06 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Flach, schnell und unauslöschlich (Uns geht die Sonne nicht unter) Central Park? Pustekuchen! Wie ein verfaulter Apfel auf Zement war unser Traum vom New-York-Marathon zerplatzt. Die sportliche Qualifikation (3:05 Stunden) hatte ich um 3:30 Minuten verfehlt und das von Reisebüros bereitgestellte Jedermann-Kontingent war seit anderthalb Jahren restlos erschöpft. Doch im Herbst sollte es endlich mal einer der ganz Großen sein. Warum nicht der in der Heimat, der auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin? Vom SC Charlottenburg 1974 erstmals im Westen der Stadt ausgetragen (damals noch verborgen zwischen Avus und Wannsee im Forst Grunewald), 1981 - als aus Trimm-Trabern allmählich Jogger wurden - in die spektakuläre Innenstadt umgezogen, und nach dem Mauerfall 1990 auch erstmalig durch die Hauptstadt der DDR führend, ist Berlin über die Jahre nicht nur zum wichtigsten nationalen Laufereignis aufgestiegen, sondern auch der drittgrößte und schnellste Marathon der Welt. Zusammen mit Boston, London, Chicago und New York sowie der Weltmeisterschaft, zählt Berlin zum neu geschaffenen Zirkel der World Marathon Majors. Berlin eins der fünf Monumente des Marathonlaufs! Die Preise für eine Startnummer lagen zwischen 55 Euro für die früheste und 95 Euro für die teuerste Verkaufsphase. 40 000 Startnummern wurden offeriert. Angeführt von einem der populärsten Langstreckler aller Zeiten, dem mehrmaligen Weltmeister und Olympiasieger Haile Gebrselassie, sollten diesjahr Sportler aus 105 Ländern der Erde den Kampf aufnehmen. Eine Kette von einer Million auf den Borsteinen würde sie nach vorn peitschen. Konnte es etwas Phantastischeres geben? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Kampf wird auf einem Rundkurs ausgetragen. Der Start liegt westlich des Brandenburger Tores in der Lunge der 3,4-Millionen-Stadt, dem Großen Tiergarten. Auf flachen und ausladenden Asphaltchausseen und nahezu ohne Rhythmusbrechung führt die Strecke durch die Ortsteile Tiergarten und Moabit, dann durch Mitte nach Kreuzberg, weiter über Schöneberg und Friedenau bis nach Schmargendorf, und schließlich über Wilmersdorf und Charlottenburg wieder bis Mitte. Zurück in Tiergarten findet das Rennen nach dem Durchlauf unter der Victoria sein grandioses Finale. Neben den grundverschiedenen Gesichtern der Stadt werden unterwegs solch geschichtsträchtige Orte und Bauwerke wie Siegessäule, Kanzleramt, Reichstag, Fernsehturm, Rathaus Schöneberg, Wilder Eber, Kurfürstendamm, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Philharmonie, Dom und Unter den Linden gestreift. Eine Million Schlachtenbummler tragen die Läufer alljährlich ins Ziel. Daß die Schleife durch Berlin nicht nur sehr ansehnlich, sondern auch äußerst schnell ist, davon zeugen fünf bisher dort aufgestellte Weltbestzeiten und Weltrekorde: 1977 - Christa Vahlensieck (Deutschland) 2:34:48 1998 - Ronaldo da Costa (Brasilien) 2:06:05 (erster Mensch über 20 km/h) 1999 - Tegla Loroupe (Kenia) 2:20:43 2001 - Naoko Takahashi (Japan) 2:19:46 (erste Frau unter 2:20) 2003 - Paul Tergat (Kenia) 2:04:55 (erster Mann unter 2:05) Interaktive Streckenführung: >> SCC Events | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Mangels Möglichkeiten mußte ich mich mit den Kampfplänen von Greif aus dem Vorjahr fitmachen. Mit zwei Änderungen: 1. einem zweiten Halbmarathon-Wettkamp innerhalb der Vorbereitungen; und 2. einer zusätzlichen, sechsten Laufeinheit pro Woche. Das Ziel war, nach 2:59 Stunden die erste Berliner Weiße im Blut zu haben. - Marathona Peanut hatte nach ihrem Einstand in Würzburg endgültig ein Lauf-Problem und übte nach dem Portal My Asics Running für eine Zeit unter 4:15 Stunden. - Unsere Trainingsrouten verliefen auf dem Niddaradweg und im Frankfurter Grüngürtel - von Bad Vilbel-Dortelweil im Nordosten entlang der Nidda quer durchs Stadtgebiet von Frankfurt bis zur Main-Mündung in Höchst im Südwesten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| An der Nidda (© Vitus) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das LAUFTAGEBUCH vom 3. Juli bis 24. September: 1. Wo. (101 km): Nach siebenjähriger Treue zu Asics habe ich einen Markenwechsel vorgenommen. Die Gründe: Anders als die Marktmacht aus Japan, die in Billiglohnländern produzieren läßt, steht das Werk von New Balance in der Alten Welt (im englischen Flimby), wo noch von Hand gearbeitet wird; NB macht die einzigen Schuhe mit paßgenauen Weiten; NB verzichtet auf großspurige Werbung, so daß die Marke fast »underground« ist. NB gibt´s auch nicht in jeder Laufboutique - wegen dem aufgenähten N und Kunden aus der falschen Ecke wird NB vielfach gemieden -; und nicht zuletzt werden durch neues Material auch immer neue Reize gesetzt. - - Sportlich brachte diese Woche den Halbfinal-K.o. für Deutschland bei der Fußball-WM 2006. Italiens Kicker zerstörten das Sommermärchen und brachten vielen Deutschen ein Trauma. Trotz dem Hochsommer mit viel Ozon und Pollen in der Luft, war dies der beste Einstieg aller Zeiten. Alle Kampfspuren der Nebensaison waren verheilt, die Organe und Glieder unverletzt und gesund, und der Antrieb am Anschlag. Wir waren Feuer und Flamme für Berlin! Resultat: Blitzstart mit sechs Läufen, darunter einem von 31 Kilometern durch den Platzregen des Sonnabends. Nach sechs Hitzeläufen hatten sich die Körper einigermaßen angepaßt. Selbst der von Peanut, die anfangs unter Luftnot litt, in diesem Feldzug durchs glühende Niddatal. Es braucht nur Überwindung. 2. Wo. (109 km): »Ich bevorzuge deine Schwester, die Nutte.« Während Italiens Materazzi dem Franzosen Zidane das Blut im Schädel überkochen ließ (was zugleich die Finalniederlage der »Equipe Tricolore« bedeutete), war es für den Läufer die feuchtheiße Gewitterluft, die totale Dehydration! Ohne Trinken gingen einem nach neunzig Minuten die Lichter aus. Obwohl man tagsüber säuft wie ein Pferd, war selbst drei Stunden nach dem Lauf nichts mit Laufenlassen. (Die NADA bräuchte viel Zeit und Geduld.) Dem nicht genug, wurden die Läufersinne unterwegs auch noch von Bier- und Grilldüften becirct. Die Entsagung vom Leben fiel wahrlich schwer! - Obwohl ich die Beine nun schon deutlich besser strecken konnte, waren Greifs Vorgaben - wie 10 Kilometer in 45:10 Min. - kaum erfüllbar. Eine starke Vorstellung lieferte Peanut ab, die für ihren Konditionslauf von 30 Kilometern nur 13 Minuten mehr brauchte, als ich für 34 Kilometer. Nach den ersten zweihundert Kilometern stellten sich die ersten Zipperlein ein. Lendenwirbel, Hüfte, Adduktoren... 3. Wo. (111 km): In Greifs Rundschreiben fand sich eine Abhandlung zu dessen These von 1986: »Es ist immer der Geist, der aufgibt, niemals der Körper.« Die »Deutsche Zeitung für Sportmedizin« hat sich dem Thema angenommen und ist nach Meßungen von Muskelkontraktionen zum Ergebnis gekommen, daß der Athlet durch Willen und Antrieb zusätzliche Muskelkraft abrufen kann. Dieser Studie folgend müßte Greifs Aussage verifiziert werden, in: »Der Kopf gibt immer früher auf als der Körper.« So die Theorie. Nur haben alle am Ort wo Marathon stattfindet, der Natur, vorbeidoziert. Die Meteorologen vermeldeten den heißesten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Hoch »Bruno« trieb die Werte nach zwei subtropischen Wochen auf tropische 35 Grad und mehr. Dem nicht genug wurden die Lungen von bisweilen 200 Mikrogramm Ozon geflutet. Man muß kein Drückeberger sein, doch unter diesen Umständen hilft selbst der stärkste Antrieb nichts. Selbst wenn im Ziel zwei Podestdamen warteten: In einer Gluthölle kann ich keine Hochform aus mir herauszaubern! Wer schon mal bei 34 Grad im Schatten 34 Kilometer über offenen Acker gelaufen ist, wo es weder einen Luftzug noch Wasser, dafür aber sengende Sonne gibt, der weiß, was ich meine. Da geht es nicht darum, die angewiesenen 5:30 bis 5:12 Min./Kilometer zu realisieren, sondern ums nackte Überleben. Es gibt Situationen, in denen man für einen Schluck Leitungswasser töten würde. Peanut äußerte: »Das ist unmenschlich, das ist mörderisch.« 4. Wo. (103 km): Cheater im Maillot Jaune! Endlich wurde einem der Doper das Handwerk gelegt. Nachdem EPO-Armstrong erst Jahre später überführt werden konnte, flog ein anderer Lump aus USA, Testosteron-Landis, noch während der »Tour« auf! Ami, go home forever! - Heiße Leiber und Wüstenklima auch hierzulande. 37 Schattengrade ließen auf Hessens Straßen den Asphalt schmelzen! Das Training glich einem Marsch in eine Feuerwand hinein! Triefend naße Trikots waren der Normalzustand. Die Vorgaben für die 4 x 3000-Meter-Wiederholungsläufe von 4:25 Min. pro Kilometer verfehlte ich um 15 Sekunden. Auch die Haut war der Sache nicht mehr gewachsen und warf Bläschen. Nach der Anstrengung schoß mir der Schweiß wie ein Wasserfall aus den Poren und ich transpirierte die ganze Nacht lang nach. Kein Gedanke an einen erfrischenden Schlaf. Wir ersehnten den Herbst so sehr herbei! Ein Glückserlebnis am Sonnabend: Die Fußballer waren in die neue Saison gestartet. Damit konnten wir an den Hähnen auf dem Niddasportfeld in Bad Vilbel wieder Wasser nachtanken. Ein Fakt, der mich den langen Dauerlauflauf auf 38 Kilometer ausdehnen ließ. Berlin vermeldete: »Das Starterfeld der 40 000 Läufer ist komplett!« 5. Wo. (117 km): Ein Wunder! Am Montag war der Sommer verjagt. Temperatursturz um 13 Grad! Klasse! Endlich frei atmen, frei auflaufen, freute ich mich. Konnte die Freude aber nicht auf den Geist übertragen. Denn nun wollte der nicht mehr. Nach den vorangegangen Wochen mit je sechs Übungseinheiten und vegetarischer Ernährung war ich schlagartig ausgebrannt. Von der Ödnis des Alleinübens, den jahrelang wiederholten Wegen die Nidda rauf und runter, und der Leere im Kopf überhaupt. Besonders die mittelschnell zu bestreitenden Dauerläufe um 15 Kilometer bewirkten immer häufiger Befehlsverweigerungen. Langsam ist langweilig! Hoffnung dann aber ab der zweiten Wochenhälfte durch den bestandenen Fremdenlegionslauf über 3 x 4000 Meter und einen Traininingsrekord über 40 Kilometer! Peanut erhöhte ihre Umfänge auf fünf Tage mit insgesamt 80 Kilometern. 6. Wo. (110 km): Eine Sensation! Am 12. August hatte das Rostocker Mädel Ulrike Maisch als krasse Außenseiterin die anabolen Diwotschkas aus Osteuropa aufgemischt. Marathongold für Germania bei der Leichtathletik-EM im schwedischen Göteborg. Tags darauf hatten wir unseren eigenen Einsatz... | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 1. AUFBAUKAMPF ::. 17. KARBENER STADTLAUF, 13.8.06 (Halbmarathon) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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7. Wo. (120 km): Treu der Foster-Regel, wonach auf ein Rennen so viele Tage keine Belastung stattfinden soll, wie es in Meilen lang war - Halbmarathon: 13 Meilen, 13 Tage - stand diese Woche im Zeichen der Erholung. Die vorgesehenen 17 x 400 Meter habe ich gestrichen und nur die 3 x 3000 »für die ganz Harten« durchgezogen. Obendrein bin ich über sechs Kilometer Endbeschleunigung zu einem neuen Trainingsrekord über 40 Kilometer in 3:29 Stunden gerannt. Noch was zur Ernährung: Bommerlunderpunk Campino hatte mal die wissenschaftlich begründete These ausgegeben, daß sich nach sechswöchigem Entzug alle vom Alkohol angegriffenen Hirn- und Leberzellen wieder aufrichten würden. Dementsprechend werde ich sechs Wochen grade durchs Leben gehen - im Hoffen, das Brandenburger Tor nicht als Tote Hose zu durchlaufen! - - Und eine letzte Meldung, vom 20. August, 15.45 MESZ (E-Brief einer hessischen Reiseagentur): »Wegen Storno 5 freie Startkarten für New York 2006 zu vergeben. Vergabe nach Buchungseingang!« Aber Berlin rief schon: Die Anmeldebestätigungen sind eingetroffen! 8. Wo. (100 km): Woche zwei nach dem Halbmarathon von Karben. Zugleich die Woche vor dem Halben in Bruchköbel. Eine Phase der Wiederherstellung und Vorbereitung in einem. Ein Drahtseilakt zwischen zwei Wettkämpfen und dem Endziel Berlin voraus. Es hieß, die Zügel nicht locker zu lassen, aber auch nicht am Anschlag zu rennen. Trotzdem kam ich nah an die Zeitvorgaben heran. Die Form stimmte also. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER 2. AUFBAUKAMPF ::. 23. BRUCHKÖBELER STADTLAUF, 26.8.06 (Halbmarathon) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Der Lauf in einer BILDERTAFEL... anklicken............ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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9. Wo. (119 km): Nachdem nun auch die zweite Tempospritze gesetzt war, hofften wir, den Organismus im Bereich Kraftausdauer für eine gute Zeit gestählt zu haben. Wir waren uns ziemlich sicher. Meine 2500-Meter-Tempoabschnitte waren 45 Sekunden schneller als noch vor drei Wochen. Das alles Beherrschende dieser Woche war aber weniger körperlicher, sondern vielmehr seelischer Natur. Ein Zwischenfall und Steß während eines Konzertbesuchs drückte mir arg aufs Gemüt. Daher ein Wink an alle Leidensgenossen: Niemals während einer Wettkampfvorbereitung von etwas ablenken lassen. Alle Kraft und Aufmerksamkeit muß mit fester Entschlossenheit nur einer Sache dienen! 10. Wo. (111 km): Nahrungsergänzung! Auch wieder so ein heikles Thema. Angesiedelt in einer Grauzone aus pharmazeutischer Substanz und Lebensmittel, und profaner Nahrungsaufnahme und legalem Doping, mit dem Gedanken, den Sportler über eine Extradosis Mineralien, Vitamine und Spurenelemente zu unterstützen (Magnesium, Calcium, Kalium, Eisen, Zink, Jod, Vitamin B, C, D und E, um einige zu nennen). Ein Mangel kann sich ebenso nachteilig auswirken, wie ein Zuviel. Doch wie ohne ständige Blutkontrolle die rechte Dosierung treffen? Nach der neunten Woche waren bei mir Herzstolperer aufgetreten. Da ich aber organisch gesund bin, konnte die Störung nur von außen kommen. Zuviel Magnesium! Angehäuftes Mg hatte meinen Motor in Überaktivität versetzt - und ich war heilfroh, daß nach Absatz der Chemikalie alles war wie zuvor. Am Donnerstag folgte dann auch noch eine zweite Einladung als Nachrücker nach New York zu fliegen. Aber nun fahren wir nach Berlin! Und am Wochenende stand ein alles ausradierender Trainingsrekord über 35 Kilometer in 3:04 Std. mit Temposteigerung im Schlußdrittel bis unter 4:40 Min./Kilometer. 11. Wo. (91 km): Zwei Wochen vorm Wettkampf treten die Vorbereitungen gewöhnlich ins Endstadium ein. Damit sich der Körper erholen kann, müßen die Umfänge um ein Drittel verringert werden. »Tapering« (auf den Punkt bringen) nennt man diese Phase. Die Kunst, einerseits die Spannung zu halten, andererseits nicht zu übertreiben. Statt sechs oder sieben Trainingstagen genießt der Läufer nun plötzlich zwei Ruhetage. Zwei Tage des Nichtstuns, zwei Tage voll schlechten Gewissens, Tage, an denen man nicht mit Endorphin belohnt wird, zwei Tage, an denen kein Dopamin durchs Hirnkästchen schießt. Beim Tapern durchleidet ein Marathonläufer die Symptome eines Süchtigen auf Entzug. Ich fühlte mich dabei latent leicht unwohl. 12. Wo. (37 + 42,195 km = Gesamt 1271 km): Das buchstäbliche Sahnehäubchen kriegt der Finisher in spe zwischen dem 7. und 4. Tag vorm Rennen. Dann nämlich regiert der Schwede Saltin die Speisekarte. Es setzt Fette und Eiweiße pur, nur um Himmelswillen keine Kohlenhydrate! Zur Wahl stehen Joghurt, Quark, Eier, Käse, Nüsse, Avocados, Kohl, Tofu, toter Fisch, toter Vogel, mal eine Kiwi und etwas Knäckebrot. Und dies drei Tage lang. Bis sich der Magen verkehrt (und der Haussegen schief hängt). Nach einer letzten straffen Übung am Mittwoch werden Nudeln, Reis, Kartoffeln und Bananen gespachtelt, bis sich die Balken biegen. Und Trinken muß sein. Nur kristallgelber Urin ist guter Urin! Dies tut man, um die essentiellen Glykogen-Brennkammern komplett zu entleeren und sie mit der folgenden Kohlenhydrat-Mast überzukompensieren. Mit diesem Verfahren soll der Läufer länger auf den schnellen Kohlenhydraten rennen. Man nimmt paar Pfund zu, geht aber mit zum Explodieren vollen Tanks an Start. In der Summe habe ich in der direkten Vorbereitung 1300 Kilometer gemacht. Dies waren sechs Tage und Nächte - oder auch 1300 Stunden Einsamkeit und Martyrium in der Natur. Peanut hatte es auf 820 Kilometer gebracht - ein Pensum, welches so manche Lusche, die sich Mann nennt, im ganzen Leben nicht schafft. All die Aufwendungen am Rande: Man redet einfach nicht drüber. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Mit funkelnagelneu - nur 60 Stunden vorm Peng - implantiertem Titan im Kiefer, in banger Erwartung, doch sicher und mit gefletschten Zähnen sind wir am 22. September in den Kampf gezogen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER MARATHON ::. 33. real,- BERLIN-MARATHON, 24. September 2006 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Freitag, 22. September Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin... Es war ein gewöhnlicher Freitagvormittag - und doch ein ganz Spezieller. Frauenstarterin Peanut und ich lagen im Anflug auf die Hauptstadt! Heut war Anreisetag zum Berlin-Marathon... und die Eisenbahn auf dem Weg in den Osten rappelvoll! Ungeachtet einiger als Notarzt kostümierter Spaßvögel verlief die Überfahrt jedoch ruhig. Um 12.19 Uhr rollten wir im rechtzeitig zum Sommermärchen fertiggestellten Glaspalast des Lehrter Hauptbahnhofs ein. - Noch 45 Stunden bis zur entscheidenden Stunde. Vielleicht ein zu knapper Vorlauf? Berlin ist groß, die Wege sind lang, und vor allem die aus den 1930ern stammenden, rolltreppenlosen Zugänge zu den S- und U-Bahnen (wie der in der Friedrichstraße) haben es in sich. Wer einen Zentner Kohlen mehrmals vom Keller in den vierten Stock gewuchtet hat, weiß was ich meine... Unser erster Anlaufpunkt lag im Schatten des Funkturms. Die Hallen mit der Startnummernausgabe im Ausstellungsgelände der Messe Berlin hatten sich in Marathonschmuck gehüllt. Obwohl wir uns nun inmitten der größten Sportveranstaltung Deutschlands befanden: keine Spur von Aufregung, Geschäftemacherei oder sonstiger Last unterm »Langen Lulatsch«. Alles lief locker wie am Schnürchen und die Helfer des SC Charlottenburg waren regelrecht persönlich. Zudem ließ es Berlin bereits bei der Zusammenstellung der Starterbeutel krachen. Boten diese doch nicht nur werbende Prospekte und Proben sondern auch Nützliches, wie funktionale Laufsocken und einen Naßrasierer der neuesten Generation. Obendrein trafen wir auf die allenorts präsenten Kameraden vom Oberelbe-Marathon, die ihr Rennen heute mit einem Stand in Berlin bewarben. Am späten Nachmittag war der Einzug in der seit Langem angemieteten Ferienwohnung in Steglitz abgeschlossen. Die Unterkünfte sind zur Marathonzeit rasch vergriffen und Steglitz erwies sich - wenn auch als wenig erquickend - ein heimisches Gör sprach gar vom »Rentnerkiez Steglitz« - so doch zumindest als läuferfreundlich. Einkaufsmöglichkeiten gab es gleich um die Ecke und mit dem Teltowkanal lag eine der schönsten Laufstecken Berlins unmittelbar vor der Haustüre, Hundescheiße inbegriffen. Sonnabend, 23. September Der Sonnabend stand ganz im Zeichen der Erholung vom Vortag und dem Horchen der Wettervorhersage. Nach dem tropischen Juli und dem durchwachsenen August rollte im September ein heißer Altweibersommer übers Land. Der Renntag sollte der wärmste Septembertag seit 100 Jahren werden. - Mit einer letzten Energieaufladung am späten Nachmittag (ich: Polenta, Peanut: Preußenknollen) war das Mögliche getan. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Sonntag, 24. September BERLIN-MARATHON! Um 4.15 Uhr war Wecken. Mit 5 ½ Stunden Schlaf machte ich mich etwas gerädert ans Frühstück. Die Nerven lagen derart blank, daß Peanut und ich getrennt saßen. Es gab »Lance-Schrippen«, Brötchen wie sie Lance Armstrong bevorzugt: mit Erdnußbutter, Banane und Ahornsirup belegt. Halb sieben streckten wir die Nasenspitzen in die Berliner Luft und machten uns per Taxi und S-Bahn ab Rathaus Steglitz in Richtung Unter den Linden. - Um sieben war diese Station erreicht und wenig später standen wir unterm Brandenburger Tor. Obwohl es jetzt nur noch hundert Minuten bis zum Start waren, verlief alles ohne Hetze, Geschubse oder Geschiebe. Eine letzte Verrichtung auf einer der Latrinen beim Brandenburger Tor? Kein Problem, alles lief wie am Schnürchen! Aber der Kampftag wurde wie befürchtet ein Schöner. Mit Bombenwetter schon am Morgen. So mußte man sich aber nicht in eins der Zelte quetschen, sondern konnte sich im Grünen vorm Reichstag umziehen. Um 8.15 Uhr (45 Min. vor Kampfbeginn) hatte ich mein Bündel am vorgesehenen LKW abgeliefert. Obwohl es nun schon ordentlich wimmelte, lief alles völlig kontrolliert ab. Zehn Minuten später waren auch Peanuts Habseligkeiten abgeliefert, und wir waren im Strom der Menge vor der gigantischen Startrampe des »17. Juni« angelangt. Um 8 Uhr 50 trennten sich die Wege: Peanut bewegte sich zum Blockeingang G, ich mich zum Block B. Auch die vermeintlich letzte Hürde, der Zutritt zur großen Volks- und Feststraße, auf der im Juli auch das »Sommermärchen« der WM sein Ende fand, war keine! Mit einem Riesenschwarm Schmetterlingen im Bauch zählten wir die letzten Minuten unter den 33 000 Marathonläufern aus 105 Ländern herunter..... Kilometer 0 bis 10: Tiergarten, Moabit und Mitte Zur festgesetzten neunten Stunde gab »Balins Rejierender« Wowereit bei stahlblauem Himmel und Sonnenschein den Marathon frei: START! Um die gewaltige Heerschlange zu entzerren, wurde sie in drei Kolonnen im Abstand von zwei Minuten abgelassen. Angeführt von Fabelläufer Haile Gebrselassie und seinem Gegner Sammy Korir ging es in breiter Front, in einem Meer aus gelben Ballons und heroischen Tönen, ab. Erst »janz langsam« - und dann etwas flinker: Binnen 42 Sekunden hatte ich die Linie am Kleinen Stern überlaufen, Peanut erlebte den befreienden Moment mit der zweiten Welle vier Minuten darauf. Nach sechshundert Metern auf der Ost-West-Achse war der Große Stern mit der Stele der Siegessäule erreicht. Gleichwohl auch mein Nahziel. Denn ich lief jetzt im direkten Kontakt zum Leitwolf mit dem Schriftzug Pace Sub 3:00 auf mambagrünem Trikot. Nach zweieinhalb Kilometern verließ die Strecke den Tiergarten über einen weiten Schwenk in die Marchstraße nach Norden. Weiter ging es auf dem glatten Asphalt von Alt-Moabit, in einem Sog aus leichtem Schiebewind und einem phänomenalen Publikum hin zum fünften Kilometer, den die Formation »Sub 3:00« nach 21 Minuten erreichte. Fast hatte ich ein Gefühl der Schwerelosigkeit, so als ob Traum und Wirklichkeit im Kopf ineinander verschwimmen. Nach sechs Kilometern war ich auf die Moltkebrücke und somit der dritten von sieben Flußüberschreitungen transzendentiert. Der Blick fiel auf den Spreebogen mit dem Reichstagsgebäude. Eine ausladende Kurve lotste in die Otto-von-Bismarck-Allee. In ein gelecktes Quartier zwar, aber auch hier tobte ein Sturm der Begeisterung. Eine Million säumte die Strecke - so viele wie Köln Einwohner hat! Hinter der Kronprinzenbrücke wurde dann erstmals eine Stelle passiert, wo mal die Mauer war: der Marathon bewegte sich jetzt im Osten der Stadt. Auf rauhem Kampfpflaster mit brenzligen Gleisen und Gattern vorm Friedrichstadtpalast (Frau Oberem kann ein Lied davon singen). Hier, im Nadelöhr von Kilometer 8, kam ich erstmals etwas außer Puste. Wobei der Tempomacher - einerseits Dominanz ausübend, andererseits herzlich ins Publikum winkend - wenig Einfühlungsvermögen bewies (ein augenscheinlich unterforderter Kellner, welcher den Mitläufern in Schürze und Handschuhen von einem Tablett Bier aus Erding servierte, toppte die Schau allerdings um Längen). Wie auch immer: der Osten war nicht nett zu mir! Die Mittebewohner machten sich rar, und im scharfen Rechtshaken von der Moll- in die Grunerstraße hätte mich fast eine Eisenstange aufgeschlitzt. Geistesgegenwart bewahrte mich vorm Schlimmsten. Kilometer 11 bis 20: Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln In der Grunerstraße waren es dann wiederum am Rande abgestellte Baustellenbaken, die im noch immer dichten Feld die Sirenen aufheulen liessen. Doch man schlug sich durch, überschritt unverletzt die einstige NVA-Aufmarschmeile Marx-Allee, streifte den Alex (unter dessem 368 Meter hohem »Telespargel« tote Hose herrschte), kreuzte die Jannowitzbrücke und verließ am Moritzplatz den Osten. Nun führte die Blaue Linie in den Arbeiterbezirk »SO 36« Kreuzberg. Am Kottbusser Tor, dort, wo sich immer im Mai zu den Chaostagen Autonome und Krawalltouristen mit der Polizei bekriegen, dort, wo sich dank niedriger Mieten auch vor allem die türkische Mischkultur einquartiert hat, dort befand sich heute die 15-Kilometer-Kontrolle des Berlin-Marathons. Für mich gleichsam der Fakt, mit 1:03 Std. noch immer absolut im Plan zu liegen. Doch kündigte sich ein erster Schwächemoment an. Im südöstlichsten Streckenzipfel, entlang der Hasenheide, konnte und wollte ich den Tempomann nicht mehr halten. Die Gründe? Behinderungen an den Wasserstellen, und - der entscheidende - die Hitze. Das über 25 Grad pegelnde Thermometer hatte zu einem Flüssigkeitsverlust geführt und eine alte Wunde wieder aufreißen lassen. Mit einem Ruck hatte sich der Schmerz in meinen Oberschenkel gekrallt. Damit verkam auch Berlin 2006 zu einem weiteren Traumtanz. Fortan galt alles Sinnen nur noch dem Trinken. Das hatte ich ohnehin von Beginn weg getan, doch nun schüttete ich an jedem Erfrischungspunkt bedingungslos einen Becher über den Kopf und zwei in mich rein. In erster Linie das aus Berlins Wasserleitungen gelieferte Wasser (es soll das Beste von Deutschland sein), aber auch Tee und das mineralische Sportgetränk Basica. Alles was greifbar war. Zudem nahm ich jede der aufgebauten Nebelbrausen, Wasserwerfer, Gartenschläuche und Schwammwannen mit. Nach dem Lauf über die Kreuzberger Kneipenmeile Gneisenaustraße und der Unterquerung der eisernen Yorckbrücken war Schöneberg erreicht. Kilometer 21 bis 30: Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf ... die Hälfte ist geschafft! So stand es auf dem Torbogen über der Grunewaldstraße geschrieben, und mit 1:30 Std. lag ich noch immer gut im Rennen. Trotz drohender Krämpfe fühlte ich mich stark, und das Publikum trug und zelebrierte mich und diesen bittersüßen Schmerz buchstäblich um den Kurs! Um mich herum bewegten sich Läufer aus allen Teilen der Welt. Neben viel Rot-Weiß aus Dänemark, besonders Engländer, Franzosen, Italiener, Niederländer, sogar ein Kanadier. Manche der stark eingeschätzten Internationalen, die mir schon enteilt waren, standen nun mit verzerrten Gesichtern und von Krämpfen geplagt am Rande. Auch dies bewirkte - ohne gehäßig zu sein - einen Schub für die Seele. Der Balkon vom Rathaus Schöneberg blieb rechts zurück. »Ich bin ein Berliner!« Jeder kennt Kennedys Worte, die er fünf Monate vor dem Mordanschlag sprach. Etwas bescheidener wurde es auf dem Friedenauer Südwestkorso und der Lentzeallee. Das wiederum, war sowas wie ein kleines Luftschnappen vorm ekstatischen Höhepunkt - - der sich unvermittelt vor Kilometer 28 in Form einer abschüssigen Zickzack-Passage namens »Platz am Wilden Eber« auftat. Was an diesem Kultort abging, läßt sich nicht in Worte fassen. Es war ein kleines, aber völlig überbordendes Wildschwein, das die Kiezler, Trommler und Jubelgören in diesen Stunden in Schmargendorf fliegen ließen. Das geilste Berlingefühl, das man sich überhaupt auch nur vorstellen kann. Bambule am Anschlag, Koks für die Läuferköppe! Vom Nachhall des donnernden Schlaglichts getragen, ging es in einen ruhigen Kontrastpunkt, dem langen Hohenzollerndamm um den Kilometer 30 herum. Ein schniekes Vorstadthäuschen hier, ein schniekes Vorstadthäuschen da. Durchbrochen von spätsommerlichem Laubengrün soweit das Auge reichte. Zur gleichen Zeit im Ziel zerriß der Äthiopier Haile Gebrselassie mit unerhörten fünf Minuten Vorsprung nach 2:05:56 Stunden als Erster das Zielband. Sein Plan, den von Paul Tergat gehaltenen Weltrekord von 2:04:55 zu brechen, war um 61 Sekunden gescheitert. Weniger an der Dürre, als vielmehr an der Tatsache, daß er sich ab Kilometer 28 allein vorwärtskämpfen mußte (Korir mußte mit einer Oberschenkelverletzung nach 26 Kilometern aussteigen), sowie an den Windböen ab dem 37. Kilometer (Haile: »The last 5k hurt«). Nichtsdestotrotz lief »Gaba« die siebtschnellste Zeit in der Geschichte des Marathonlaufs und durfte sich als Triumphator mit 250 000 Euro Antrittsgeld und 80 000 Euro Preisgeld trösten. Kilometer 31 bis 40: Charlottenburg, Schöneberg und Mitte Für die Meute führte die Strecke nun nach Charlottenburg mit der Flanierstraße Kurfürstendamm. Auf den Bordsteinen steppte der Bär, und mit einem letzten Turbo in den Muskeln ging es vorbei an Kranzler-Eck und Gedächtniskirche zum Einkaufszentrum Europa-Center mit dem rotierenden Stern auf dem Dach. Ausgangs des Ku´damms war meine Kraft aufgebraucht. Der Tauentzien und der Wittenbergplatz mit dem Kaufhaus des Westens: Rechts soll es gestanden haben, realisiert hab ich das nicht mehr... Die Strecke bewegte sich nun über die Potsdamer Straße, auf der mir eine Unachtsamkeit unterlief: Ich hatte mich in der Beschilderung geirrt und den Nachbrenner (einen Traubenzucker) zwei Kilometer zu früh genommen. Dies bemerkte ich recht bald. Der ins Blut schießende Zucker verschaffte mir am 37. Kilometer einen fixen Kick - der aber genauso fix wieder in den Keller rauschen würde! Und dann? Marathon mißt 42,195 Kilometer... Ein Rübezahl aus dem Vogtland überlief mich. Mit langem Bart, ´nem zünftigen Schlag auf mein Kreuz, und einem: »Laß dir ma wiedr de Hoare schneiiidn, harrrharrr.« Dann war er weg und die im Krieg ausgebombte Mitte wurde durchquert. Wimmelndes Leben verdeckte die nach der »Wende« errichteten Kästen aus Panzerglas. Aber auch »Bonsai-Manhattan« war schnell vergangen und vergessen und die Piste gelangte zurück in den Osten. Mild bergan ging es auf der Gertraudenstraße vorbei an Berlins mittelalterlicher Wiege Nikolaiviertel, hin zum Werderschen Markt und Kilometer 40. Zwischen Rotem Rathaus, Dom und der Abrißruine des »Palazzo Prozzi« hatte die Marathonzeitung Berliner Morgenpost ein Tor aufgebaut: Wer durchkommt, steht in der Zeitung. Ein hehrer Ansporn. Denn es kam, wie es kommen mußte... Kilometer 41 bis 42,195: Mitte und Tiergarten Mit den ersten Metern auf dem Boulevard Unter den Linden stand ich geradezu. Endbeschleuniger abgebrannt, Muskeln ausgebrannt, und diese endlos breite, endlos lange, nicht endenwollende Zielannäherung von eintausendfünfhundert Metern voraus. Als Hommage an die Frankreich-Rundfahrt war der Schlußkilometer mit einer »Flame Rouge« markiert. Der Teufelslappen, noch 1000 Meter! Das Brandenburger Tor rückte in Sicht. Greifbar nah - und doch keinen Deut näher kommend. Maximal in Zeitlupe. Zuschauer schreiend (aus Begeisterung), ich schreiend (vor Anstrengung). Weiter... mit wackeligen Knien... bis zum Pariser Platz... und dann thronte es direkt vor mir: das Tor mit der Quadriga und der Siegesgöttin! Aber noch nicht das Ziel! Denn nach dem Lauf mitten durch das Tor waren weitere 300 Meter zu durchstehen. Mit sengenden Strahlen von oben und prallen Tribünen beiderseits der Ost-West-Achse, wo drei Stunden zuvor alles begonnen hatte. Unter den Zuschauern auch das Doomkommando Kalle und Kerstin, die extra wegen Peanut und mir aus dem Brandenburger Land angerückt waren, um uns anzufeuern. Auch Haile war hier. Wie ein scheues Tier hatter er acht Minuten zuvor auf diesen Metern eine kleine Ehrenrunde gedreht. Sein Atem war fast noch zu spüren... Und dann war es auch für mich da: ZIEL. Geschafft! In 3:08:58 Stunden. Meine bis dahin zweitbeste Zeit und ein innerer Veitstanz bei großer Hitze! Wie alle Läufer wurde auch ich nach dem Strich von den Sanitätsmannschaften strengstens beobachtet: Nur wer eine feuchte Haut hatte, hatte ausreichend getrunken und war nicht dehydriert. Während ich mit Medaille und schützendem Mäntelchen dekoriert einen Stand mit Pilsner Made in Berlin erspähte (der erste Labetrunk seit sechs Wochen, fünf Mollen für umsonst!)... ... begann für Peanut das Martyrium jetzt erst richtig. Je später der Tag desto unbarmherziger die Sonne. 27 Grad Celsius. Im Schatten. Den es aber nicht gab! Statt dessen heißen Asphalt. Und Schwachköpfe. Wie den nackten Pace-Fahnen-Träger, der seine Mitläufer nach dreißig Kilometern mit ganz und gar nicht pazifistischen Sprüchen terrorisierte. »Redet denn hier keiner mit mir?« und: »Ist das hier ein Marathon oder eine Trauerveranstaltung? So ein Trauerhaufen!« Spinner gibt´s auch beim Marathonlaufen. Und etliche Verstrahlte kippten aus ihren Pantinen. Unentwegt waren Sankas zu hören; dreimal kam der Notarzt zum Einsatz (in einem Fall mußte wiederbelebt werden); Hunderte wurden in Kliniken eingeliefert, so Frauensiegerin Wami, die sich im Ziel mehrmals erbrach. Derweil sich die Lage weiter zuspitzte, durchstand Peanut alle Dramen und stieg mit brennenden Achillessehnen erneut zur Heldin auf. Wenngleich das eigene Ziel weit verfehlt war, so reichten ihr 4:34 Std. immer noch zu einem Platz im Mittelfeld, nur zwölf Minuten nach Ex-Nationalspieler Thon und weit vor Ex-Herthaner Thom, dem sie zwölf Minuten abnahm. Letzter hatte sich durch eine wochenlange Abstinenz wahrlich seriös vorbereitet! Aus dem geplanten Bier mit Haile wurde nichts. Ebenso haben sich Kerstin und Kalle mit uns verfehlt. Und auch mein Mädel und ich hätten uns fast nicht gefunden. Denn Peanut hatte sich gleich nach dem Zielstrich neben einer großen Wanne Apfelschnitze niedergelassen. Nie zuvor haben ihr Äpfel so geschmeckt wie nach dem Berlin-Marathon...... FAZIT Wirkung: Der Berlin-Marathon ist nicht nur ein Marathon. Berlin sprengt alle Dimensionen. Berlin ist zauberisch, Berlin ist Magie und Faszination. Auf Schritt und Tritt umweht einen der Hauch der Historie. Die Stadt hat ein grandioses Publikum und bietet somit auch eine grandiose Ausstrahlung. Aufbauend auf der über viele Jahre gewachsenen Erfahrung ist die Organisation nahezu perfekt, und die Strecke denkwürdig und äußerst schnell allemal. Und wenn dann auch noch die Wettergötter mitspielen - dann Gute Nacht, ihr Rekorde! Für die Materialinteressierten noch diese Auskunft: Frau war mit Asics GT-2110 unterwegs, Mann mit New Balance 910. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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KULTURLEBEN Alle zusammen haben wir uns am Abend zu einer privaten Schlußfeier in Steglitz getroffen. In der wonnig milden Sommernacht haben wir im Garten der Trattoria Toscana gesessen. Wir haben gegessen, Grappa und einige Mollen »Weiße grün« getrunken, und gequatscht - bevorzugt über den unter die Haut gegangenen Tag mit diesem unauslöschlich ins Gedächtnis gegrabenen Ereignis. Nur der kleine Mann aus Addis Abeba fehlte. Aber der wollte sich mit einem Roten entschleunigen. Montag bis Freitag, 25 bis 29. September Neben einer Dampferpartie über den Wannsee, einem Tagesausflug nach Potsdam, und einer Spreefahrt, waren wir in der Woche von Berlin auch in der Subkultur unterwegs. Der Erlebnisbericht dazu findet sich hier: ...... Gride und Lahar Zum besonderen Clou wurde indessen ein Rundgang über das ehemalige Reichssportfeld mit einer ausgiebigen Führung durch die Katakomben des Olympiastadions. Ziemlich auf den Tag genau vor 70 Jahren, hatten sich am Nachmittag des 9. August 1936 die 56 Läufer versammelt, die den olympischen Marathonlauf bestritten. Kitei Son errang damals in 2:29:19 Stunden für Japan den Sieg. Zum Schluß eine Verneigung vor Peanut (für die Liebe und das Mitziehen im letzten Vierteljahr), Kalle & Kerstin (fürs Kommen und Mitfiebern), dem Ausrichter SCC Running Events und allen helfenden Händen, den Laufverrückten, die mich aus dem Netz kennen, die mich angesprochen haben, deren Namen ich aber nicht alle kenne (für alle Ratschläge und das Rieseninteresse), und vor dem Volksfest auf den Borsteinen. Herzlichen Dank, Berlin! Kampfläufer Vitus, 3. Oktober 2006 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: sonnig, 19ºC (Start) bis 27ºC (Ziel), schwacher, mitunter böiger Wind, 40 bis 70 % Luftfeuchte Zuschauer: ca. 1 000 000 Gesamtsummen (Läufer, Sportgeher, Handradfaher, Rollstuhlfahrer, Kufenroller) Gemeldet: 48 009 Gestartet: 39 223 Im Ziel: 36 705 Marathonläufer gemeldet: 39 466 (M: 31 796 / W: 7670 / Nationen: 105) Marathonläufer gestartet: 32 479 (M: 26 174 / W: 6305) Marathonläufer im Ziel: 30 190 (M: 24 103 / W: 6087) Männer: 1. Haile Gebrselassie (Äthiopien) 2:05:56 2. Gudisa Shentema (Äthiopien) 2:10:43 3. Kurao Umeki (Japan) 2:13:43 4. Terefe Yae (Äthiopien) 2:15:05 5. Ahmed Ezzobayry (Frankreich) 2:15:29 6. Driss El Himer (Frankreich) 2:16:44 Frauen: 1. Gete Wami (Äthiopien) 2:21:34 2. Salina Kosgei (Kenia) 2:23:22 3. Monica Drybulska (Polen) 2:30:12 4. Asha Gigi (Äthiopien) 2:32:32 5. Marcia Narlock (Brasilien) 2:35:28 6. Melanie Kraus (Deutschland) 2:35:37 Kampfläufer Vitus (Deutschland) Startnummer: 22032 Nation: GER Zeit: 3:08:58 Gesamtplatz: 1407 von 30 190 Platz: 1360 von 24 103 bei den Männern Platz: 171 von 4159 in Klasse M45 Zwischenzeiten: 05 km: 0:21:17 (21:17) 10 km: 0:42:23 (21:05) 15 km: 1:03:33 (21:10) 20 km: 1:25:25 (21:52) 25 km: 1:47:45 (22:19) 30 km: 2:11:09 (23:24) 35 km: 2:34:18 (23:09) 40 km: 2:58:46 (24:27) Halb 1: 1:30:20 Halb 2: 1:38:38 Geschwindigkeit: 13,40 km/h Zeit pro km: 4:28 min Peanut (Deutschland) Startnummer: F6303 Nation: GER Zeit: 4:34:24 Gesamtplatz: 20 468 von 30 190 Platz: 3006 von 6087 bei den Frauen Platz: 706 von 1396 in Klasse W40 Zwischenzeiten: 05 km: 0:30:35 (30:35) 10 km: 1:01:49 (31:13) 15 km: 1:32:56 (31:07) 20 km: 2:05:00 (32:03) 25 km: 2:38:17 (33:17) 30 km: 3:12:15 (33:58) 35 km: 3:45:30 (33:15) 40 km: 4:20:10 (34:39) Halb 1: 2:12:26 Halb 2: 2:21:57 Geschwindigkeit: 9.23 km/h Zeit pro km: 6:30 Bilanz der medizinischen Sicherung: 1744 Hilfeleistungen wurden fällig, davon 1233 im Ziel. 103 Läufer mußten in Kliniken transportiert werden. In drei Fällen kamen Notärzte zum Einsatz, ein Mal wurde reanimiert. Ergebnisse: >> Berlin-Marathon | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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