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29. BADEN-MARATHON KARLSRUHE, 18. September 2011 ¤ AUFBAUKÄMPFE Hausener Volkswaldlauf (Halbmarathon), 31.7.11 Koberstädter Waldmarathon (Halbmarathon), 28.8.11 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Zusammen-wachsen Karlsruhe war mein 35. Marathon - und eine neue Erfahrung: Ich war Trainingskamerad, Wasserträger und Betreuer für eine Läuferin aus Äthiopien. Die in Gamo-Gofa aufgewachsene, vor vier Jahren nach Deutschland geflüchtete, und mit mir bei Spiridon Frankfurt trainierende Haimanot Haile hatte mich um eine Startvermittlung für den Köln-Marathon gebeten. »Du bist mein Manager«, hatte sie zu mir gesagt. Haimanot wollte in Köln um die Preisgelder mitlaufen. Um bare Euros, mit denen sie die Familie im Heimatland unterstützen wollte. Aus Köln kam jedoch die Antwort, »daß nur Athleten mit einem Athletenvertrag Anspruch auf das Preisgeld haben. In diesem Jahr ist unser Athletenfeld aber leider schon voll.« Selbst mit einem Sieg wäre Haimanot eine Geldprämie verwehrt geblieben... Da ich bereits für Karlsruhe angemeldet war, ergab sich ein Kontakt mit dem dortigen Leiter. Angesichts Hailes Zeitziel um 2:55 Stunden hatte Herr Bachl eine vordere Platzierung in Aussicht gestellt. Nach einer Probe über 40 Kilometer war Hailes Start im Südwesten Deutschlands festgezurrt. Und zwar als Nachmelder per Schneckenpost. Weil Haimanot in Karlsruhe ihren ersten Marathonwettkampf lief - der Einstand im Frühling in Mainz war in die Hose gegangen - bekam sie einen Freistart und hatte 45 Euro gespart. Des Guten nicht genug, stellte uns Karlsruhe als Hilfswerk für Ostafrika eine Kiste mit einer Serie älterer Trikots mit Jahreszahl zusammen, die wir in der Europahalle abholen sollten. Überhaupt... Karlsruhe... 1983 als Großübung für das Deutsche Rote Kreuz ins Leben gerufen (Einsatzpläne, Funkverkehr und Versorgung sollten im Echtbetrieb geprobt werden), ist der Baden-Marathon heute der drittälteste Stadtmarathon hierzulande. Die Startplätze sind begehrt und auf 10 000 begrenzt (für den Marathon standen 3500 Plätze bereit, im Halbmarathon waren es 6500). Damit zählt Karlsruhe zu den größeren Laufveranstaltungen Deutschlands. Neben großer Volksnähe - alle unsere Telefonate und Briefe mit dem Marathonbüro verliefen äußerst herzlich - wird in Karlsruhe auch eine gewisse Kreativität gelebt. Wo sonst gibt es Wunsch-Startnummern, Kilometerschilder mit Themenkunst, das Kulturprogramm »Marathoniade«, von Dächern und Balkonen »Klangstrahlen« aussendende Musiker, »Tanz-Marathonis« und »Marathonengel«, die einen auf den letzten Kilometern in den »Runner´s Heaven« führen? | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Marathon wurde auf zwei unterschiedlichen Runden ausgetragen, die aneinandergereiht eine riesige 8 ergaben. Start und Ziel befanden sich an der Europahalle im Südwesten. Von dort aus ging es in der ersten Schleife durch die Karlsruher Oststadt nach Durlach. In Durlach bog die Route über den Oberwald ab und führte durch Rüppurr, Bulach und Beiertheim zum Europa-Sportpark. Bis hierhin war es asphaltiert und schnell zu laufen. Auf der zweiten Hälfte waren zuerst sechs Kilometer auf dem Uferweg der Alb zu laufen. Über die Nordweststadt ging es zurück in die Innenstadt, wobei die Strecke durch die Schloßanlage und ab Kilometer 36 über die zentralen Straßen und Plätze des »Fächers« zum Ziel im Beiertheimer Stadion führte. Wegen einigen Brücken und Naturwegen ist die zweite Runde schwieriger als die erste, weshalb Karlsruhe nicht zu den allerschnellsten Marathons gehört (insgesamt sind es 158 Höhenmeter). Die Bestzeiten halten Joel Kiptoo aus Kenia mit 2:09:07 Stunden (2009) und Irene Cherop mit 2:35:53 Stunden (2008). GPS-Strecke >> GPSies | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Mit Haimanot war ich im Bahntraining von Spiridon und auf langen Dauerläufen entlang der Nidda zusammen gewachsen. Marathona Peanut war ja schon immer dagewesen... Während es für Haimanot um alles ging, war Karlsruhe für Peanut und mich »nur« ein Vorkampf für FRANKURT Ende Oktober. Hier meine 10 TRAININGSWOCHEN vom 11. Juli bis 18. September: 01. Wo. (122 km): Training 02. Wo. (133 km): Training 03. Wo. (101 km): Halbmarathon (18. in 1:27:25) 04. Wo. (150 km): Training 05. Wo. (140 km): Training 06. Wo. (160 km): Training 07. Wo. (105 km): Halbmarathon (17. in 1:24:11) 08. Wo. (161 km): Training 09. Wo. (124 km): Training 10. Wo. 0(98 km): Angepaßte Erholung - KARLSRUHE-MARATHON (38. in 2:58:57) Gesamt: 1294 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: DER MARATHON ::. 29. Fiducia BADEN-MARATHON KARLSRUHE, 18. September 2011 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Freitag, 16. September Angefangen hatte der Marathon für uns uns drei Spiridonläufer am Freitag. Am Abend war die Äthiopierin völlig unerwartet in unserer Frankfurter Behausung aufgekreuzt, um noch dies und jenes am Computer zu erledigen, da sie selber keinen besitzt. In der neunten Abendstunde habe ich Haimanot zum Bahnhof in Rödelheim begleitet. Wenige Stunden später würden wir uns auf dem Frankfurter Hauptbahnhof wiedersehen... Sonnabend, 17. September Als Treffpunkt für Haimanot, Peanut und mich, war 10.30 Uhr ein Schnellrestaurant bei den Fernbahnsteigen abgemacht. Über Funktelefeon hatten wir uns gefunden, um 10.50 Uhr ging die Eisenbahn, und pünktlich um 11.58 Uhr war das Badische Land erreicht. Mit dem offiziellen Athletenhotel »Ibis Karlsruhe City« hatten wir einen wunderbar sanierten Altbau gebucht. Dort, in der Lobby, war auch eine Tafel mit der Starterliste der Spitzenläufer aufgestellt. Wir nächtigten unter einem Dach mit den Kenianern und Äthiopiern, die anderntags den Marathon dominieren sollten: mit den Frauen Barosio, Reda und Tefera und den Männern Mutai und Maswei, mit zwei Rotichs, mit Kolbo und Aboye, zwei Kosgeis und Lokochol, dazu dem Deutschen Pyka. Neben den illustren Läufern buhlten in der Lobby auch einige halbseidene »Manager« um Geld. Unsere Spitzenfrau Haile hatte sich im Freundeskreis einer äthiopischen Familie ganz in der Nähe einquartiert. - Um eins haben wir uns zwecks Sicherung der Startunterlagen zusammen zur Marathonmesse aufgemacht. Die Europhalle hatte sich in Marathonschmuck gehüllt. Schon von Weitem machte sich bei mir ein fast vergessenes Kribbeln im Bauch breit: sowas wie M a r a t h o n f i e b e r! Leider hatte Haimanot ihren gelben Zeittransponder verloren, weshalb wir einen Leih-Chip erstehen mußten. Dafür gewannen wir an einem Glücksrad drei Marathonbücher im Wert von je 25 Euro. - Zurück im Hotel beschloß das übliche Programm aus Proviantbesorgung, einem Lockerungslauf, dem Abendessen, dem Richten des Materials und etwas Muskelpflege den Tag. Haimanot hatte felsenfest an den z w e i t e n Platz geglaubt. Sie wollte noch ihren G o t t anflehen und bat uns, auch für sie zu beten. Trotz größtmöglicher Zurückhaltung blieb am Ende Erschöpfung. Eine halbe Stunde vor Mitternacht lagen wir in der Heia. Um uns nicht gegenseitig wachzumachen, hatten wir dem Hotelmädchen ein zweites Bettuch vom Wagen geklaut. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Sonntag, 18. September BADEN-MARATHON! Um fünf wurde ich von Regengüssen geweckt. Das Tröpfeln auf dem Vordach war bis ins Bett durchgedrungen. Nach einem leichten Morgentrab rüttelte ich Peanut wach. Peanut fühlte sich wie gerädert. Zum Frühstück hatten wir daheim gebackene Muffins aus Mais-Mehl und Trockenobst, dazu ein türkisches Sirupgebäck namens »Baklava«. Haimanot wollte »Sebeibe« essen (genau so hatte sie es mir aufgeschrieben), aber es war dann deutsches Schwarzbrot mit Marmelade und etwas Milch. Während Freunde sie im Auto zum Start brachten, erfolgte die Anreise von Peanut und mir getrennt mit der Straßenbahn 2E. Kurz vor acht hatten wir die Umkleideräume in einer Schule neben der Europahalle erreicht, und pünktlich mit unserem Aufbruch zur Startaufstellung hörte es auf zu regnen. Wind bewegte die Blätter. Etwa 8000 Läufer hatten sich bei herbstlichem Wetter auf den beiden Fahrbahnen der Hermann-Veit-Straße eingefunden. Leider war ich spät dran, so daß mich der Blockwart von Start 1 nicht mehr zu Haimanot durchließ. Während sich die Äthiopierin zwischen der schwarzen Phalanx auf der Startlinie formiert hatte, wurde ich in die zehnte Reihe gescheucht. Auf den letzten Drücker stieß noch der Sieger des Halbmarathons von Bad Kreuznach, Dirk Karl, zu mir. Kilometer 0 bis 10: Von der Europahalle durch die Südstadt und den Osten nach Durlach Um 9 knallte der Peng. Von Beginn an entwickelte sich der Kampf nicht in unserem Sinne. Angeführt von ihren Freunden war Haimanot in einer Mischung aus Gabe, Selbstbewußtsein und Harakiri bald uneinholbar aus dem Blick enteilt. Und für eine lange Zeit sollte ich die kleine Afrikanerin auch nicht mehr sehen. Denn Haimanot lief zu schnell. Und mit Gewalt dranbleiben - um später bitter zu bezahlen - das wollte ich nicht riskieren. Peanut bewegte sich sowieso in ganz anderen Sphären. Über die Brauerstraße führte die Route zuerst nach Norden, um dann einige Kilometer auf der Kriegsstraße durch die nicht sonderlich ansehnliche Südstadt in die markgräfliche Residenz Durlach zu leiten. Bis Durlach war ich mit Sichtkontakt zu Dirk Karl Kilometer in 3:55 bis 4:05 Minuten gelaufen. Nach 38:42 Min. ging Haimanot an der 10-Kilometer-Marke durch und wäre bei gleichmäßiger Geschwindigkeit nach 2:42 Std. im Ziel gewesen. Damit wäre sie gleich bei ihrem Debüt aufs Treppchen gekommen! Ich selbst folgte zwei Minuten später und wäre damit unter 2:52 Std. geblieben. Peanut lag mit einer 53er Zeit auf einer Marathon-Endzeit um die 3:45 Stunden. Aber Hätte, Wenn und Aber gibt´s im Sport nicht. Die Realität schimmerte grau. Schon früh zwickte die Achillessehne und meine Beine waren von Anfang an voller müder Muskelkätzchen. Noch schlimmer sollten die Frauen für den Tag zuvor büßen... Kilometer 11 bis 20: Vom Oberwald durch Rüppurr und Bulach zur Europahalle in Beiertheim Das zweite Viertel wurde von einem Waldstück eingeleitet. In meinem Rücken tauschten zwei Angeber ihre Bestzeiten aus und berechneten ihren heutigen Marathon mit 2:50 Std. - um dann nach 21 Kilometern von der Strecke zu gehen. Die Route führte durch Rüppurr, dem Start- und Zielort der frühen Jahre. Beim 1. Internationalen Karlsruher Rotkreuzmarathon 1983 kamen immerhin schon 691 Läufer ins Ziel. Durch Gartengrün und stille Siedlungen im gehobenen Stile ging es weiter. Wie aus dem Nichts türmte sich dabei auch immer mal wieder ein Brückchen auf. Erst muskelschändend steil rauf - und dann gelenkmarternd steil wieder runter. An einem dieser Biester würde der favorisierte Pyka seinen heutigen Halbmarathon verlieren. Meine Suche nach dem Eigengetränk am Kilometer 18 blieb ebenso erfolglos, wie die an den Verpflegungsstellen davor und danach. Von vier Flaschen konnte ich nicht eine greifen. Auch Haimanots blieb unberührt. Nach Bulach neigte sich die erste Streckenhälfte dem Ende zu. Wobei die Läufer kurz vor der Halbmarathonweiche entschieden, ob sie den Kampf nach der Hälfte beenden und dann in die Wertung des Halbmarathons kamen. Anstatt sofort nach rechts abzubiegen, bin ich geradeaus an der Europahalle vorbeigelaufen. Damit war ich Marathonläufer. Kilometer 21 bis 30: Nach der Europahalle an der Alb lang in die Nordweststadt Für die erste Hälfte hatte ich 1:27 Stunde gebraucht. Eine Gratwanderung. Denn diese Zeit ließ die Tür für einen Marathon unter drei Stunden offen. Doch es durfte nichts schiefgehen. Aber jetzt war der Rubikon sowieso schon überschritten und der Weg voraus lief sechs Kilometer weit über die schmalen und teils aufgeweichten Uferwege der Alb entlang. Links erstreckte sich der Rheinhafen, aber einen Jubelsturm sollte man hier nicht erwarten. Statt dessen war ich allein auf weiter Flur, nur im Zwiegespräch mit der Uhr. Und die redete eine ernüchternde Sprache. Der 26. Kilometer fiel auf 4:33 Minuten ab. Unwahrscheinlich, so noch eine Zeit unter drei Stunden zu schaffen. Schlagartig machte sich Hoffnungslosigkeit breit. Ich dachte über einen vorzeitigen Ausstieg nach - der zugleich das Ende meiner Laufkarriere bedeutet hätte. Zwei Aufgaben in Folge wären der K n o c k o u t gewesen! Haimanot wiederum spielten die Schuhe übel mit. Nach 25 Kilometern hatte sie sich Blasen gerieben. Und Peanut war ohne erkennbares Zeichen schleichend müde geworden. Die Alb hatte ihre Spuren hinterlassen... Kilometer 31 bis 40: Von der Nordstadt durch den Schloßgarten in die Innenstadt und den Süden Hinter dem Alten Flugplatz, ganz im Karlsruher Norden, registrierte ich einen Zweig, der sich in meiner Sohle verfangen hatte und den ich bis ins Ziel als klappernden Ballast mitschleppte. Doch nun kam mir die Macht von oben zu Hilfe. Aus dem Hintergrund waren drei frische Läufer aufgetaucht. Nach der langen Schwächephase im zweiten Viertel konnte ich nun von Windschatten profitieren und einen neuen Rhythmus finden. Es waren diese Unbekannten, die mich aus dieser bedrohlichen Lage befreiten. Vom 32. Kilometer an konnte ich das Tempo selber noch mal anziehen und in der Schloßanlage wuchsen mir förmlich Flügel. Auf einer Allee im östlichen Schloßgarten kam es zur ersten Begegnung mit Haimanot nach 35 Kilometern, die sich nur durch einen Flanierstreifen getrennt auf der Gegenspur vorankämpfte. Ausgangs der Schloßanlage hatte ich die Marathonroutine ausgespielt und zu Haimanot aufgeschlossen. Haimanot konnte mir nicht mehr folgen. Haimanot war im Kopf leer und alle Leidenschaft fürs Laufen verflogen. Haimanot hatte sich übernommen und war in der Niederlage vielleicht auch im Stolz verletzt. Damit war das Fiasko perfekt. Im Endkampf zwischen den Kaufhäusern und Straßenbahnschienen der Innenstadt verlor sie ihren fünften Platz und auch die Zeit unter drei Stunden war passé. Kilometer 41 bis 42,195: Finale im Europa-Sportpark Mit der Ankunft in Beiertheim ging es noch mal durchs Grün längs der Alb, eine letzte Mulde unter einer Straße hindurch war durchzustehen, die Europahalle wurde gestreift und nach einem Spalier aus Zäunen und Zuschauern hatte ich kurz vor zwölf Uhr das Marathontor des Beiertheimer Stadions erreicht. Nun war bloß noch die Gerade vorbei an der Tribüne zu meistern. 2:58:57 Stunden bedeuteten den 38. Platz, die Egalisierung meiner Zeit aus Mainz, und die 5. Stelle in der Altersklasse. Kurz nach mir kreuzte Dirk Karl die Linie. 93 Sekunden nach mir lief Haimanot ins ZIEL. Nur eine Ellipse auf Tartan - doch durch die Schallmauer der »2« und »3« vorm Doppelpunkt getrennt. Haimanots erster Marathon endete nach 3:00:30 Stunden. Sie nahm das erstaunlich gelassen hin. Nur die Platzierung war von Interesse, nicht die Zeit. Haile war (vorerst) nur Sechste geworden und wollte deshalb auch von der Rose, die jede Frau hinterm Strich kriegte, nichts wissen. Nachdem wir schließlich von Krämpfen geschüttelt und vor Kälte wie Espenlaub zitternd die Umkleide erreicht hatten, schleuderte Haimanot das Corpus Delicti zu Boden. Die Innensohlen ihrer Schuhe waren schuld. Das letzte Renndrittel mußte sie mit riesigen Blutblasen auf beiden Fußsohlen laufen. - Peanut hatte das Motiv gefehlt. Sie wäre gern unter vier Stunden geblieben, aber letztlich war Karlsruhe nur eine Übung für Frankfurt in sechs Wochen. Auf einen verheißenden ersten Halbmarathon in 1:56 Stunde folgte ein verheerender Kräfteabfall. Trotz der erstmals startenden »Genuß-Läufer«, die ab elf Uhr bei Kilometer 21 ins Geschehen eingriffen - und damit nicht nur den touristischen »Fächer« zwischen Schloß und Innenstadt besichtigen durften, sondern auch Hilfe für die Marathonis im Mittelfeld sein sollten - war ihre zweite Hälfte um 20 Minuten langsamer gewesen. Maß aller Dinge waren erneut die Berufsläufer aus Ostafrika. Die bei uns im Hotel untergebrachten Neun besetzten am Ende die Plätze 1 bis 6 bei den Männern - mit 2:13 Stunden stieg der unbekannte Maswai aus Kenia zum Matador auf - und die Plätze 1 bis 3 bei den Frauen. Sally Barsosio fuhr 2200 Euro ein, Maswai bekam 3600 Euro. Amos Rotich, dem ich am Morgen in der Unterkunft noch viel Glück gewünscht hatte, wurde in 2:25 Stunden Achter. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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EHRUNG UND SCHLUSSFEIER Zwischen 13 und 14 Uhr wurden in der Europahalle Lorbeer und Runner-Trophäen verteilt. Während ich mich zum benachbarten Stadion verabschiedete, um Peanuts letzte Meter in den »Runner´s Heaven« zu verfolgen, wurde auf der Hauptbühne Haimanot für ihren 6. Platz bei den Frauen geehrt. Neben einer Urkunde hätte sie auch ein Anschreiben mit der Bitte um Mitteilung des Bankkontos erhalten müssen (für die Leistung über 3:00 Std. war ein Geldpreis von 50 Euro ausgelobt). Gestörte Kommunikation verhinderte jedoch die Übergabe. Dafür würdigte Herr Bachl in einer sehr persönlichen Geste Haimanots Leistung im Nachhinein mit 100 Euro. Ein schöner Stundenlohn für die Äthiopierin - und es sollte noch Nachschlag geben (am Ende mehr dazu)... Peanut und ich durften uns gegen halb drei zu den Afrikanern setzen - ins Reich der Manager und schwarzen Koryphäen. So saß mit der hübschen Äthiopierin Reda, einer Freundin von Haimanot, auch die Zweitplatzierte direkt neben uns am Tisch. Um 14.45 Uhr wurde der Baden-Marathon 2011 als beendet erklärt. Im Anschluß haben wir uns Medaillengravuren besorgt, bei der Nudelfete »Pasta Genuß« die Bäuche mit Spaghetti vollgehauen, und die extra reservierte Kiste mit 60 gelben »T-Shirts für Afrika« abgeholt. (FJBachl hatte für die Zusammenstellung gesorgt, und durch uns wurde die Spende in Haimanots Haus nahe Frankfurt gebracht, von wo sie im Oktober den Flug nach Äthiopien antritt.) - Nach einem Feiertrunk im »Fellows« haben wir uns nachmittags um 5 von Karlsruhe verabschiedet. Die Expedition stand ganz im Zeichen von H a i m a n o t. Mit ihren 45 Kilo, verteilt auf 1,50 Meter, verkörpert Haimanot den Idealtyp des Marathonläufers. Sie ist klein und leicht und durch einen Schulweg von zwei Stunden hin, und zwei zurück, hat sie sich schon als kleines Mädel einen phantastisch lockeren Laufstil angeeignet. Als Haimanot geboren wurde, war in Deutschland schon die Mauer gefallen. Von einem Sportland namens DDR hat sie nie gehört. Ihre Unverbrauchtheit, die unsagbare Gelassenheit der Afrikaner und die Bereitschaft für schwere Strapazen mit bescheidenen Mitteln, rüsten die 20jährige für große Erfolge. Im Marathon traut sie sich 2:37 Stunden zu. Aber Haimanot muß auch mit Mehrfachbelastungen klarkommen. Hier die schwierige deutsche Sprache, ohne die keine Ausbildung möglich ist. Da der Besuch einer Schule. Dort die notleidenen Eltern in Afrika. Dazu die Entscheidung, sein Brot mit herkömmlicher (niederer) Arbeit oder als Berufsläuferin zu verdienen (bei Letztem wiederum durch Halbmarathon oder Marathon-Wettkämpfe). Im Sport hilft leider kein Gott sondern nur die bedingungslose Hingabe für e i n e Sache und ein gütiges Geschick! NACHTRAG / ERGEBNISKORREKTUR Beim nochmaligen Studium der Ergebnislisten war mir aufgefallen, daß die vormals Vierte - Juliane Machado da Silva (2:57:08) - nun plötzlich mit 4:29:57 auf dem 132. Platz auftauchte. Damit ergab sich eine neue Top 6 der Frauen, was auch eine neue Preisgeld-Verteilung bedeutete. Nachfolgend die Erklärung vom Marathon Karlsruhe e.V.: »Frau Machado da Silva war wohl fälschlicherweise auf Platz 4 geraten (Fried-Jürgen will den Fall bei unserem Zeitmesser noch klären), sie hatte auch nicht an der Siegerehrung teilgenommen und noch kein Preisgeld überwiesen bekommen. Gut für die Läuferinnen, die jetzt nachgerückt sind, und das Preisgeld, das ihnen zusteht, natürlich auch noch ausbezahlt bekommen. Für Haile überweise ich heute noch die restlichen 50 Euro - wie von Fried-Jürgen mitgeteilt, auf dein Konto. Zu euren eigenen Zeitverschiebungen kann ich nur die Email von Herrn Frielingsdorf als Erklärung beifügen. In diesem Jahr haben bei der Zeitmessung leider ein paar Dinge, die in den Vorjahren einwandfrei liefen, nicht geklappt.« Und das erklärte der Ergebnisdienst Mika-Timing (Champion-Chip): »Hallo Herr , ich habe die Startzeiten in Block D noch einmal überprüft. Das System besteht aus Master und Backup. Dabei war wohl die Uhrzeit des einen Meßsystems tatsächlich um genau 1 min zu spät eingestellt. D.h. die Läufer, die nur auf diesem System erkannt wurden (und nicht auf dem Mastersystem) hatten dann die von Ihnen beschriebene Differenz). Ich habe dies bei den betroffenen Startern korrigiert und entsprechend aktualisiert. Danke für Ihren Hinweis. Gruß Bernd Frielingsdorf« Damit war unsere Haimanot Haile auf den 5. Platz vorgerückt und hatte 150 Euro verdient. FAZIT Karlsruhe hatte eine grundherzliche Ausstrahlung. Alles braucht etwas länger in Fächerstadt, aber genau das macht die Dinge einzigartig und so sprichwörtlich »symbadisch«. Angeführt von sehr erfahrenen Machern verlief die Organisation mit Blick auf das Notwendige ruhig und wie am Schnürchen. Die Abgabe von Eigenverpflegung war möglich. Neben Medaille und Trikot bekam der Läufer als Andenken auch ein Buff-Schlauchtuch mit Symbolen und Emblemen des Marathons. Karlsruhe ist jedoch kein klassischer Stadt-Marathon. Die Strecke bewegte sich oft durch stille Vorstadtsiedlungen und im Grünen. Für den Fall von Hochwasser war ein Ausweichwinkel neben der Alb vorgesehen. Etliche Straßen-, Bahn- und Flußüberquerungen - besonders auf der zweiten Hälfte - vereitelten die Bestzeiten. Für die Materialinteressierten diese Auskunft: Haimanot lief einen alten Saucony Grid Fastwitch, Peanut trug Asics Gel-3010, Vitus zum sechsten Mal den Adidas adiZero Boston von 2009. Wirkung: Mein ganzes Läuferleben habe ich davon geträumt, einmal mit einem Athleten oder einer Athletin aus Ostafrika zusammen laufen zu dürfen. Karlsruhe hat diesen Traum w a h r g e m a c h t! Dank und Gruß an die Strippenzieher Hedwig und Fried-Jürgen vom Marathon Karlsruhe (für die unbeschreibliche Großmütigkeit), an die Vereinskameraden von Spiridon Frankfurt (für neue Kraft durch gemeinsame Schinderei auf der Bahn) und an Peanut und Haimanot (für neue Lebensgefühle)! Kampfläufer Vitus, 27. September / 4. Oktober 2011 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: wolkig mit etwas Nieselregen, Temperaturen um 16ºC, in Böen auffrischender Westwind Zuschauer: ca. 15 000 (eigene Schätzung) Teilnehmer im Ziel: 7481 (Marathon: 1232, Halbmarathon: 4966, Sportgeher: 77, Firmen-Staffeln: 1206) Marathonläufer im Ziel: 1232 (M: 1042 / W: 190) Männer: 1. Samwel Maswai (Kenia) 2:13:12 2. David Mutai (Kenia) 2:13:24 3. Isaiah Kosgei (Kenia) 2:13:46 4. Erick Rotich (Kenia) 2:15:01 5. Beshir Gobe Kolbo (Äthiopien) 2:16:55 6. Gosa Girma Tefera (Äthiopien) 2:19:28 Frauen: 1. Sally Barsosio (Kenia) 2:37:15 2. Ehitu Kiros Reda (Äthiopien) 2:40:01 3. Simegn Girma Tefera (Äthiopien) 2:42:51 4. Svenja Mann (Deutschland) 2:59:08 5. Haimanot Haile (Äthiopien) 3:00:30 6. Melanie Altenbeck (Deutschland) 3:14:21 Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) Startnummer: M39 Nation: GER Zeit: 2:58:57 Platz: 38 von 1042 bei den Männern Platz: 5 in Klasse M50 Zwischenzeiten: 00-10 km: 40:42 10-20 km: 41:45 20-30 km: 43:49 30-40 km: 43:13 1. Hälfte: 1:27:09 2. Hälfte: 1:31:48 Haimanot Haile (Spiridon Frankfurt) Startnummer: M10 Nation: ETH Zeit: 3:00:30 Platz: 5 von 190 bei den Frauen Platz: 4 in Klasse W20 Zwischenzeiten: 00-10 km: 38:42 10-20 km: 41:21 20-30 km: 43:33 30-40 km: 46:37 1. Hälfte: 1:24:40 2. Hälfte: 1:35:50 Peanut (Spiridon Frankfurt) Startnummer: M1404 Nation: GER Zeit: 4:12:23 Platz: 84 von 190 bei den Frauen Platz: 17 in Klasse W45 Zwischenzeiten: 00-10 km: 0:53:59 10-20 km: 0:55:52 20-30 km: 1:00:22 30-40 km: 1:07:08 1. Hälfte: 1:56:02 2. Hälfte: 2:16:21 Besonderes Vorkommnis: Ein Halbmarathonläufer war nach 18 Kilometern kollabiert, und verdankt sein Leben einer zufällig in seiner Nähe laufenden Notärztin. Ergebnisse, Galerien und Emotionen: >> Karlsruhe-Marathon | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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