27. HAMBURG-MARATHON, 29. April 2012
¤
AUFBAUKÄMPFE:
Mörfelden-Halbmarathon, 12.2.12
Bienwald-Marathon, 11.3.12
Rodgauer Osterlauf (25 km), 9.4.12
STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER
Die Ballade von Vitus und Peanut (Heulen, leiden, siegen)
 
 
Manche Dinge im Leben werden von fremder Hand geführt - und manch eine Mühle arbeitet langsam. Manche Dinge bereits angestoßen, hatten Peanut und ich Anfang 2012 noch kein Zeichen für die Zukunft. Doch von Heute auf Morgen konnte sich alles wenden - oder auch nicht... Diesen Frühling wollten wir erstmal noch mit Marathonlaufen weitermachen. Wir waren verdammt dazu, und so ganz konnten wir sowieso nicht davon lassen. Aber es wird immer schwieriger... das Alter... der Verfall... der Kampf an vielen Fronten... und eine unerwartete Nachricht konnte zum sofortigen Abbruch des Unternehmens führen!
 
Peanut wollte schon immer mal nach Hamburg. Zusammen mit Berlin, Frankfurt, Köln und München, zählt die Elbestadt zu den Großen Fünf von Deutschland. Hamburg ist Gründungsmitlied der German Road Races. Viele Jahre hatte die Metropole im Norden den zweitbedeutendsten Marathon Deutschlands, neben den Landesmeisterschaften von Hamburg und Bremen wurden hier mehrmals die nationalen Titelkämpfe ausgerichtet, und mit 17
 502 Marathonläufern im Ziel war Hamburg 2005 die Nummer 10 weltweit. Seitdem nimmt die Finisherzahl allerdings ab. Viele Namen trug der Marathon bereits. Dabei waren »hanse-Marathon« oder »Hamburg-Marathon« aus dem Premierenjahr 1986 lange eine gültige Marke. Doch seit 1991 kamen und gingen die Gönner wie die Freier der Herbertstraße. 1991-97: »Shell-hanse-Marathon«, 1998-99: »Shell-Marathon«, 2000-02: »Hansaplast-Marathon«, 2003-05: »Olympus-Marathon«, 2006-08: »Conergy-Marathon«, 2009: »Möbel-Kraft-Marathon« und seit 2011 »Haspa-Marathon«. Das Kommen und Gehen und Wegfallen der Sponsoren kratzte nicht nur am Nimbus, auch die erste Garnitur blieb fern, und der Nordgipfel drohte zu einem Volksfest zu verkommen. Alles nackte Fakten und vorbei. - Nach den Krisenjahren ab 2009 will die von Frank Thaleiser geleitete Marathon Hamburg Veranstaltungs GmbH in Kooperation mit den niederländischen Athleten-Managern Jos Hermens und Jurrie van der Velden den Klassiker zurück in bessere Zeiten führen. Für das Elitefeld standen 350 000 Euro Antrittsgelder und Prämien bereit. Die Teilnehmergrenze war auf 20 000 festgesetzt, die Startgebühr betrug 70 Euro, dazu bot der Marathon eine Startplatz-Rücktrittsversicherung. Es sollten sich 12 564 Läufer anmelden, doch nur 10 724 starteten - so wenig wie seit Jahren. Aber die neuen Machen hatten sich was einfallen lassen: Erstmals ins Programm genommene Vierer-Staffetten erhöhten die Gesamtteilnehmerzahl auf zirka 17 200.
 
.:: DIE STRECKE ::.
Hamburg eilt der Ruf der schönste und einer der stimmungsvollsten Marathons der Welt zu sein voraus. Seit der Erstausgabe sind die 42,195 Kilomerter durch die Hansestadt fast gleich geblieben. Nur der Start liegt nicht mehr an den Messehallen, sondern am Millerntorplatz. Über die Reeperbahn geht es zuerst durch St. Pauli und Altona zum Wendepunkt in Othmarschen ganz im Westen. Vorbei an den Villen der Elbchaussee werden die Läufer zurück nach St. Pauli und hinunter zum Hafen mit den Landungsbrücken gelotst. Darauf rückt die Speicherstadt in den Blick. Durch den Wallringtunnel hindurch werden die Läufer in die Innenstadt geführt. Über den Jungfernstieg entlang der Binnenalster geht es weiter über das Ostufer der Außenalster und durch Barmbeck in die City Nord. Das Schlußdrittel führt durch das Alsterdorf erst zum nördlichsten Punkt in Ohlsdorf, und dann über die Alsterkrugchaussee nach Eppendorf und Harvestehude. Der 40. Kilometer liegt im Stadtteil Rotherbaum, und in der Glacischaussee am Heiligengeistfeld von St. Pauli schließt sich die Schleife. Mit rund 50 Höhenmetern ist die Strecke äußerst flach, und mit zirka 700 000 Zuschauern ist Hamburg auch einer der dichtgesäumtesten Straßenläufe der Welt. 2012 sollten neue Streckenrekorde aufgestellt werden. Männer: 2:05:58 Stunden durch den Äthiopier Shami Dawit; Frauen: 2:23:47 Stunden durch Nguriatukei Rael Kiyara-Kenia.
 
Virtuelle Führungen:
>> Interaktive Karte
>> Animierter Film
 
.:: DIE VORBEREITUNG ::.
FRANKFURT 2011 war für uns so was wie der Endpunkt im Marathonlauf. Während Peanut den Kanal von der Hatz nach Minuten und Sekunden bereits vor Frankfurt voll hatte, war der Ausstieg für mich als schleichender Prozeß in den Folgewochen gekommen. Nach drei Feierwochen, darauf zwei Wochen Darben für den Nikolauslauf in Haßloch, und dann wieder fünf durchzechten Wochen, waren die Organe vergiftet und die Form weg. Ich hatte mir zwölf Pfund Winterspeck angefressen, mich von Spiridon entfremdet und auch im Geiste Abschied vom Leistungslaufen genommen. Meine äthiopische Leidensschwester Haimanot, mit der ich zumindest in Gedanken immer zusammen unterwegs war, hatte endgültig keine Lust mehr auf lange Strecken. Allein knallhart weiterzumachen, dafür fehlte mir die Kraft. Damit war der Ausstieg aus der Suchtspirale gelungen. Eigentlich...
 
Durch die Vorbereitungen auf HAMBURG wollten wir uns nur für größere Aufgaben gesund halten. Während Peanut jetzt nur noch vier anstatt fünf Mal in der Woche lief (maximal »eine Einheit reinschob, wenn es zeitlich paßte«), bin ich weiterhin täglich die Wege an der Nidda rauf und runter gerannt. Allein schon, um einen »Streak« aufrecht zu halten. Ein langwieriges Zwicken in den hinteren Oberschenkeln war wie durch ein Wunder am ersten Tag der Vorbereitungen verschwunden. Alles würde jetzt aus dem Bauch heraus geschehen!
 
Ein Trainingsbeispiel - Vitus´ Woche vom 30. Januar bis 5. Februar 2012:
 
Mo.: 19 km mit 15-km-Tempodauerlauf
Di.: 23 km zügiger Dauerlauf
Mi.: 20 km mit drei Tempostücken (3000, 4000 und 4000 m)
Do.: 23 km zügiger Dauerlauf
Fr.: 7 km ruhiger Dauerlauf
Sa.: 40 km langer Ausdauerlauf mit schnellerer zweiter Hälfte (bei 9 Grad unter Null)
So.: 18 km ruhiger Dauerlauf als Lokomotive für Peanut
Trainingsunfall durch Kollision mit Hund in der letzten Januarwoche. Die Folgen für den Besitzer und das bellende Tier sind unbekannt.
 
.:: DER 1. AUFBAUKAMPF ::.
 
35. HALBMARATHON DER SKV MÖRFELDEN, 12.2.12
Die Kältekammer durchstanden
 
Nach fünf Monaten war es mir gelungen, die kleine Äthiopierin Haile aus der Versenkung zu holen und für einen Wettkampf zu mobilisieren. Zwar hatte Haimanot aus Angst und Schrecken vor der deutschen Kälte die letzten zwei Wochen nur geschlafen und überhaupt nicht trainiert, aber ich sollte sie am Sonntagmorgen um 5.45 Uhr wecken - und dann hörte sie sich nach Kneifen an. Haimanot war tags zuvor extra nach Isenburg gefahren, um sich dort Handschuhe aus lila Frottee (...) zu kaufen, und hatte dabei erbärmlich gezittert. »Ich sei ja in Deutschland aufgewachen, sie sei aber aus Afrika«, hatte sie zu mir gesagt. Aber bei 12 Grad unter Null friert jeder! - Um 6.00 Uhr hatte ich Weckdienst für Peanut. 6.15 Uhr hatte Haimanot gefrühstückt und sich dabei zum Start entschlossen. Um 7.43 Uhr wollten wir uns auf dem Frankfurter Bahnhof treffen. Die Rolltreppen zu den bitterkalten Tiefgleisen runtergefahren, stand dort seit einer Viertelstunde leibhaftig Haimanot rum. Sie hatte die zwei Kilometer zum heimischen Bahnhof in Dreieich per pedes zurückgelegt und eine Bahn früher genommen.Um ein Haar hätte ich die Äthiopierin gar nicht wahrgenommen: Haimanot hatte sich Rastazöpfe einschnüren lassen und sah heute wie Whoopi Goldberg aus.
 
Zum Kampf. Mit seiner 35. Austragung zählt der Halbmarathon von Mörfelden zu den Kultläufen in Hessen. Aber die Läufer wurden mit dem kleinen Jubiläum nicht warm. Bei schönstem Sonnenschein und nur wenig Wind, jedoch sibirischer Kälte, hatte es nur an die 350 vor die Tore Frankfurts verschlagen. Fast alle trugen Mützen, Räubermasken, Handschuhe und lange Trikots und Hosen. Am Ende war einer mit kurzen Hosen vorn. Seriensieger Skalsky triumphierte mit riesigem Vorsprung in 1:13 Stunde. Zwei blutjunge, mit beweglichen Spikes laufende Engländer, hatten mich sieben Kilometer lang durch den Winterwald pilotiert. Immer mal wieder tauchte vor und hinter mir auch der Odinwälder Schweitzer auf, der sich in Mörfelden den letzten Schliff für den Marathon in Kandel besorgte. Mit gefrorenem Augenwasser, hochdrehendem Puls und Blutgeschmack im Mund, lief ich schließlich nach 1 Stunde 28 ins Ziel. Haimanot mußte sechs Frauen den Vortritt lassen, und kam acht Minuten nach mir an. Trotzdem war das Mädchen aus Gamo-Gofa »in Frieden« damit. Peanut konnte sich mit Eisperlen in den Wimpern und nur noch vier Wochentrainingstagen mit Ach und Krach gerade noch unter zwei Stunden ins Ziel retten. Dazwischen hatte die gewohnte Runde aus zweimal zehn Kilometern durchs Gebüsch, mit je einer Ellipse im Waldstadion zur Halbzeit und am Schluß gelegen.
 
Kurioserweise hatten Haimanot, Peanut und ich mit unseren Leistungen jeweils den 3. Platz in unseren Altersklassen gemacht. »Als Coach müßte ich für Hailes Urkunde zumindest einen gescheiten Bilderrahmen springen lassen«, hatte ein neben uns sitzendes Läuferpärchen aus der ZDF-Sportgruppe mir empfohlen. Haimanot bekam aber immerhin einen Freistart spendiert, ich hatte ihr ein zweites Paar Handschuhe gegen die Kälte geliehen, für die gesamte Aktion Mörfelden mußte sie nicht einen Cent berappen, und sie konnte sich dort sogar an Äpfeln und Bananen mal richtig satt essen.
 
 

ZAHLEN UND ZEITEN
 
Wetter:
sonnig, -12ºC, leichte Brise
 
Teilnehmer am Start:
ca. 350
Teilnehmer im Ziel:
309 (M: 246 / W: 63)
 
Männer:
1. Martin Skalsky (Team Mainzer Laufladen) 1:13:10
2. Manuel Ruhland (LG Neu-Isenburg) 1:16:07
3. Marc Börkey (LC Olympia Wiesbaden) 1:18:00
24. Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) 1:27:55 (3. M50, 26. Gesamt)
 
Frauen:
1. Natascha Schmitt (LG Eintracht Frankfurt) 1:21:29
2. Lea Bäuscher (TV Friedberg-Fauerbach) 1:27:21
3. Nicole Benning (EK Schwaikheim) 1:29:03
7. Haimanot Haile (Spiridon Frankfurt) 1:35:40 (3. W20, 67. Gesamt)
39. Peanut (Spiridon Frankfurt) 1:59:04 (3. W50, 216. Gesamt)
 
Ergebnisse:

LG Mörfelden-Walldorf
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
 
.:: DER 2. AUFBAUKAMPF ::.
(Klick aufs Emblem öffnet den Bericht)
 
37. BIENWALD-MARATHON KANDEL, 11.3.12
Peanut bei einem 36-km-Dauerlauf am Fluß Nidda in Frankfurt (nach ca. 30 km)
 
.:: DER 3. AUFBAUKAMPF ::.
 
34. RODGAUER OSTERLAUF,
9.4.12
(25 km)
Dunkle Helden auf leeren Wegen - Indemin walatschu, Rodgau!
 
Die hessische Stadt Rodgau lag heute unter Regen und frostigen Temperaturen: In der Nacht zum Ostermontag war Polarluft eingeströmt, am Morgen hatte das Thermometer drei Grad angezeigt, dazu wehte ein lausiger Wind. Gleichzeitig waren Peanut und ich heute aber auch von warmen afrikanischen Gefühlen umgeben. Trotz horrenden 15 Euro hatte sich unsere Äthiopierin Haimanot für die 25 Kilometer im Rodgau melden lassen und auch noch Landsfrau Eman sowie deren Freund Sami mitgebracht. Dabei wäre der Start fast an der Kommunikation gescheitert. Als Treffpunkt war der Frankfurter Hauptbahnhof ausgemacht - und der ist groß. Dazu hatte der Zug der Afrikaner Verspätung. Doch wir fanden uns im Keller gerade noch zur Abfahrt der einzigen Schnellbahn nach Rodgau. Im Wagen führte Haimanot mir ihre Wettkampfschuhe vor. Dabei waren die Innensohlen nicht nur von einem anderen Hersteller, sondern auch noch links gegen rechts vertauscht (im selben Material hatte sich Haimanot beim Karlsruhe-Marathon üble Blasen gerieben).
 
Pünktlich mit der zehnten Stunde begann es zu regnen. Auf dem Aufwärmkilometer vom Veranstaltungszentrum Maingau-Energie-Stadion zum Startbanner am Waldrand bei Hainhausen pfiff ein eisiges Lüftchen. Das Teilnehmerfeld war übersichtlich: nur sechs Tage später stieg die DM im Halbmarathon im nahen Griesheim. Gut zweihundert dick Eingemummte hatten sich um 10 Uhr zum 25-Kilometer-Kampf aufgestellt. Zur Orientierung: Haimanot und ich wollten zusammen laufen und die Kilometer im Schnitt von 4:05 Minuten zurücklegen, das Zeitziel lautete: 1:42 Stunde. Peanut wollte die aus der Mode gekommene und von uns erstmals gelaufene Distanz in 2:20 Stunden schaffen; Eman startete um 10.30 Uhr beim 10-Kilometer-Lauf. - Zehrende Forstschneisen, leichtfüßige Jugend, die schwimmenden, radelnden und laufenden Litfaßsäulen, sonstige Körperfetischisten und von Ehrgeiz zerfressene Greise, Einsamkeit, Selbstzweifel und pure Ernüchterung: Die zwei 12 ½-Kilometer-Runden im Wald zwischen Rodgau, Dietzenbach und Heusenstamm boten schließlich die ganze Palette volksläuferischer Scheußlichkeiten. Haimanot, die heute wieder aussah, als würde alles Leid der Welt auf ihren schmalen Schultern lasten, konnte mir nicht folgen. Vielleicht war das auch der Preis für einen Kirchengang am Vortag, bei dem sie ihre afrikanischen Götter besingen mußte. Haimanot siegte bei den Frauen mit zehn Minuten Vorsprung. Ich selber wollte unter die ersten drei Männer. 18 waren besser. Im Endteil rettete ich wenigstens den 2. Platz meiner Altersklasse. Peanut gelang ein mittleres Wunder, indem sie sich trotz verminderten Trainings mit 2:19 Std. die Möglichkeit auf einen Hamburg-Marathon in 3:59 Stunden bewahrte. Lange vor uns war Eman als Fünfte des 10-Kilometer-Laufs ins Stadion am Weichsee eingelaufen. 41 Min. - ohne große Vorbereitungen...
 
Die Siegerehrungen fanden in einem Zeltverhau auf dem Stadiongelände statt. Wegen Problemen beim Urkundendruck (die Vordrucke waren ausgegangen) wurden die Auszeichnungen der 25-Kilometer-Läufer auf 13.30 Uhr verschobenen. Jene haben wir nicht erlebt, wir hätten uns im Zelt den Tod geholt. Großzügigerweise wurden Haimanot und mir die
Pokale, Urkunden und Sachpreise (Rabatte für Runnerspoint) vorab ausgehändigt (mir eine Behelfsurkunde in Schwarz-Weiß). Haimanot erhielt als Frauensiegerin zudem einen Gutschein über 50 Euro und dank eines Gönnergeschenks braucht sie sich nun für eine lange Zeit keine Brausegels, Cremes und sonstige Körperschmiere mehr kaufen. Damit war das übel auf den Magen geschlagene Startgeld wieder reingeholt. Dehna hunu, Rodgau!
 
 

ZAHLEN UND ZEITEN
 
Wetter:
stark bewölkt mit etwas Sprühregen bei 3 bis 5ºC, mäßiger bis frischer Wind aus Süd
 
Teilnehmer gemeldet:
ca. 500
Teilnehmer im Ziel:
419 (25 km: 209, 10 km: 210)
25-Kilometer-Läufer im Ziel: 209 (M: 166 / W: 43)
 
Männer:
1. Timo Grub (TV Hergershausen) 1:28:03
2. Christian Alles (Team Salomon) 1:33:28
3. Hans Grohmann (TV Wersau) 1:34:55
19. Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) 1:44:40 (2. M50)
 
Frauen:
1. Haimanot Haile (Spiridon Frankfurt) 1:47:47
2. Marion Ihrig (TSV Höchst) 1:57:38
3. Bärbel Fischer (RLT Rodgau) 1:59:08
23. Peanut (Spiridon Frankfurt) 2:19:52 (5. W50)
 
Ergebnisse:
Max-X-Timing
Streckenplan:
GPSies
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
Hier unsere Kilometerleistungen der 16 TRAININGSWOCHEN vom 9. Januar bis 29. April 2012:
 
01. Wo. (Training): Vitus 130 km / Peanut 62 km
02. Wo. (Training): Vitus 131 km / Peanut 74 km
03. Wo. (Training): Vitus 140 km / Peanut 75 km
04. Wo. (Training): Vitus 150 km / Peanut 76 km
05. Wo. (Halbmarathon): V.: 1:27:55, Training: 113 km / P.: 1:59:04, Training: 59 km
06. Wo. (Wiederherstellung und Training): Vitus 140 km / Peanut 80 km
07. Wo. (Training): Vitus 151 km / Peanut 83 km
08. Wo. (Training): Vitus 130 km / Peanut 75 km
09. Wo. (KANDEL): Vitus: DNF, Training: 87 km / Peanut: 4:22:13, Training: 75 km
10. Wo. (Wiederherstellung und Training):
Vitus 110 km / Peanut 67 km
11. Wo. (Training):
Vitus 154 km / Peanut 83 km
12. Wo. (Training): Vitus 134 km / Peanut 83 km
13. Wo. (Training): Vitus 120 km / Peanut 77 km
14. Wo. (25-km-Lauf): V.: 1:44:40, Training: 160 km / P.: 2:19:52, Training: 105 km
15. Wo. (Direkte Wettkampfvorbereitung): Vitus 120 km / Peanut 80 km
16. Wo. (HAMBURG): V.: 4:13:44, Training: 96 km / P.: 4:13:44, Training: 74 km
Gesamt: Vitus 2066 km / Peanut 1228 km
 
.:: DER MARATHON ::.
 
27. HASPA MARATHON HAMBURG, 29. April 2012
Mittwoch, 25. April
 
Pest Frankfurt! Ungewöhnlich früh im Jahr hatte der P o l l e n f l u g eingesetzt. Ausgerechnet in der Marathonwoche litt ich unter einer laufenden Nase und brennenden Augen. Und dann versagten beim Abschlußtraining auch noch die Schutzgeister kümmerlich. 400 Meter vor der eigenen Wohnunungstüre hatte ich mir Stunden vorm Marathon eine M u s k e l v e r l e t z u n g im hinteren Oberschenkel zugezogen. Vier Monate hatte ich trainiert, bei jedem Wetter, ob Regen, Sonne oder Sturm, bis in die Dunkelheit mit der Leistungsgruppe von Spiridon, allein oder mit Vereinskameradinnen am Main und an der Nidda, war zu Wettkämpfen gereist, um im entscheidenden Augenblick durch eine Verletzung um die Früchte gebracht zu werden. So unglaublich es auch klingt: Ein falscher Schritt und der Traum von Hamburg war vorbei, ein neuer Rekord war futsch und - was noch schlimmer ist - vielleicht der letzte Angriff auf die Bestleistung vergeben! Die Möglichkeit auf einen Marathon eröffnet sich nicht oft, und ab einem unbestimmten Punkt ist es zu spät. Nach der Aufgabe in Kandel waren mir damit beide Frühjahrs-Marathons zerstört. Hamburg konnte für mich nur ein neues Gomorrha werden. Das sprichwörtliche Sportlerpech sollte auch andere treffen...
 
Donnerstag, 26. April
 
Da wir Startnummern, Reise und Quartier schon mit 680 Euro bezahlt hatten, sind Peanut und ich am Donnerstagmorgen trotzdem nach Hamburg gefahren. Schließlich hatte auch meine Partnerin vier Monate geübt und war gesund durch die Zeit gekommen. Donnerstagmittag war die Unterbringung bezogen. Wir residierten in einer vollausgestatteten Einzimmerwohnung in einem der unzähligen Nackriegsbauten des Stadtteils Hohenfelde, nur einen Katzensprung vom pollenfreien Läuferparadies Rund um die Außenalster entfernt. Der Kontrast zur eigenen Behausung im üblen Frankfurt-Rödelheim war wie Himmel und Hölle. Am liebsten wäre ich gleich in Hamburg geblieben! Vom Quartier aus hatte ich in der Hoffnung auf Hilfe meinen Trainer angerufen, der aber leider unerreichbar blieb. Aus Enttäuschung habe ich mich abends auf dem Balkon mit zwei Sechserpacks Astra (in Hamburg »Herrenhandtasche« genannt) vollaufen lassen.
 
Freitag, 27. April
 
Zwei Tage vorm Kampf waren wir zur Startunterlagenausgabe auf der Messe. In den Hallen ergab sich auch ein kurzer Plausch mit Jo Schindler, dem großen Macher des Frankfurt-Marathons, der auf der »Endurance ´12« sein eigenes Rennen bewarb (und in echt sonderbar still wirkte), sowie mit Interair-Chef Wricke. Leider bestand im Rahmen der Hamburger Marathonmesse keine Möglichkeit zu einer medizinischen Beratung. Der Heimweg führte uns durch den Volkspark »Planten un Blomen« (Pflanzen und Blumen).
 

Sonnabend, 28. April
 
Eine letzte Härteprüfung verlief negativ. Trotz Schmerzmitteln kollabierte der Muskel immer schon nach hundert zügigen Metern. Damit war ich endgültig kaltgestellt. Es blieben mir nun folgende Möglichkeiten:
 
1. Volle Granate anlaufen und aufs Adrenalin und das überhöhende Publikum setzen (das manches Leid kaschiert).
2. Beim ersten Schmerz sofort das Tempo rausnehmen und auf P. warten (die im Mittelfeld startete).
3. Am 10. Kilometer aussteigen und das Kilometerchen von den Landungsbrücken zum Millerntor spazierend zurücklegen (um im Ziel als Andenken wenigstens eine »Finisher-Medaille« zu erbeuten).
4. Startverzicht und den Marathon als Zuschauer mit kühlen Getränken erleben (Gram inbegriffen).
5. In St. Pauli und an der Alster eingrooven und in Eppendorf und Rothenbaum dann zuschlagen (und vielleicht unter vier Stunden durchkommen).
 
Ich habe mich für die 5. Version entschieden, und mich als Lok und Wasserträger für mein Mädel aufgeopfert.
Ein schöner Tag an der Alster (© Hamburg-Marathon)
Sonntag, 29. April
 
Moin
HAMBURCH! Um 4 Uhr 44 wurde ich vom Paulchen Panther unseres Telefons geweckt, ich hab den üblichen Morgentrab unternommen, gebraust, mit Peanut zusammen gefrühstückt, und kurz nach 7 Uhr haben wir uns zum U-Bahnhof Lübecker Straße aufgemacht, von wo aus wir direkt zur Station St. Pauli durchfahren konnten. Gegen 8 Uhr haben wir uns auf dem Startgelände Heiligengeistfeld auf der Ostseite des Millerntor-Stadions umgezogen, und um 8.50 Uhr mit Gruppe F die 6. von 14 Startgruppen auf dem Millerntorplatz bezogen. Das Wetter gab sich bombig. Zumindest für mich. Zu erträglichen Temperaturen strahlte die Sonne, dazu wehte eine stramme hanseatische Brise, die im dichten Feld aber kaum spürbar war. Peanut, die einstellige Werte präferiert, war es schon zu schön. Nachdem tags zuvor bereits 6000 Knaben, Mädeln und Jedermänner das »Zehntel« gelaufen waren, wurden heute knapp 11 000 Athleten, Sportler und Aktive sowie 1000 Startläufer für die Staffeln von dem niedlichen Lied »Jede Zelle meines Körpers ist glücklich« begrüßt. Worauf ein aus den Lautsprechern hämmernder Puls die letzten Sekunden herunterzählte.
 
Kilometer 0 bis 10:
Von St. Pauli über Altona zum Tor zur Welt
 
Punkt 9 Uhr wurde per Glocke zum START »angeglast«. Waffen, auch Startpistolen, sind auf St. Pauli schließlich verboten! Mit meiner Entscheidung für weise Zurückhaltung bekam ich heute die einmalige Gelegenheit, die Schicksale und Leiden im Feld weiter hinten mal mitzuerleben (wobei dort keine Luschen wie andernorts unterwegs waren). Erstaunlicherweise war der Marathon dort viel harmonischer und gelassener als in der oft von ungesundem Ehrgeiz getriebenen erweiterten Spitze. Zur Vermeidung des Schmerzes wollte ich die komplette Distanz auf dem Vorfuß laufen. Das sollte 40 Kilometer wunderbar funktionieren. Lästig waren mir nur eine Luftblase im Darm, dazu ein Rückenschmerz vom Gepäckschleppen, der sich aber verflüchtigte. Hinter den »Tanzenden Türmen« ergab sich gleich auf den ersten Metern ein saugemütlicher Zuckeltrab über die Reeperbahn. Auf den Fassaden, die nach Einbruch der Dunkelheit mit Leuchtreklame zu Sex und Suff und wilden Spielen laden, zauberte jetzt der Sonnenkranz ganz phantastische Lichterspiele. Die verruchte Boxerkneipe »Zur Ritze« und die Große Freiheit blieben rechts zurück. Wenn auch von Anfang an etwas angestrengt atmend und die Arme einsetzend, lief bei Peanut alles bestens, wir legten gleichmäßig jeden Kilometer in 5:20 bis 5:30 Minuten zurück, und mir blieb alle Zeit der Welt zu erquickenden Betrachtungen. Nach dem Ottenser Marktplatz, einer ersten Verpflegungsstelle und der westlichen Wende im Halbmondsweg von Othmarschen, thronten Backbord die Villen der Reichen - Hamburg hat nicht nur Hausbesetzer sondern auch die meisten Millionäre hierzulande -, Steuerbord öffnete sich eine herrliche Aussicht auf den von turmhohen Ladekränen und Schiffen gespickten Hafen: Das war die Elbchaussee. Nach gut zehn Kilometern führte die höher gelegene Palmaille außergewöhnlich stark nach unten zum Hafengelände. Der Altonaer Fischmarkt mit »Aale-Dieter« und dem letzten oder ersten Gerstensaft des Tages blieb wie jeden Sonntagmorgen den Nachtschwärmern und Frühaufstehern vorbehalten. Heerscharen von Menschen standen am Rande.
 
Kilometer 11 bis 20:
Vom Hafen entlang der roten Stadt an die Alster
 
Nach einem nochmaligen Gefälle waren am elften Kilometern die besetzte Hafenstraße und die Kaianlagen mit den Landungsbrücken erreicht. An jeder Verpflegungsstelle besorgte ich Peanut einen oder zwei Becher vom Hamburger Brunnenwasser. Zusammen hatten wir ein schönes Zeitpolster vor der Vier-Stunden-Marke aufgebaut. Voraus lagen die roten Lagerhäuser der Speicherstadt, das Millionengrab der Elbphilhamonie und das neu entstehende Quartier Hafencity. In einem der Türme hat sich ganz oben auch einer der Klitschkos eingenistet. Über den Doovenfleet strömte das bunte Läuferkaleidoskop durch die Neustadt und in die lange, dunkle Röhre des Wallringtunnels hinein. Wieder im Licht, machte Peanut erstmals ein bedenkliches Gesicht. Das war nach 14 Kilometern. Weiter ging es über die Promenade Jungfernstieg und auf der Kennedybrücke zwischen den Wasserspiegeln der kleinen Binnen- und großen Außenalster hindurch nach St. Georg. Entlang des Ostufers der Alster wurden die Läufer nun an unserem Marathonquartier in Hohenfelde vorbeigelenkt, welches zwischen den Streckenkilometern 17 und 18 am Schwanenwik lag. (Andenkenjäger sollten tags darauf die Schilder mit »Laufstrecke« klauen.) Nach 18 Kilometern verließ die Strecke den Asphalt um auf der Schönen Aussicht direkt am Ufer der Alster entlang über den Feenteich zu führen. In diesem Bereich saßen auch die Damen mit den Schampuskelchen und Hüten. Ich hätte ja nach etwas Prickelndem fragen können, hatte das elegante Kränzchen jedoch zu spät bemerkt... Während Peanut meinem Tempo nicht mehr folgen konnte und immer stärker nachließ, bogen die Läufer nach Steuerbord ein und der Weg führte von Uhlenhorst nach Barmbeck.
 
Kilometer 21 bis 30:
Durch Barmbeck und die Nordstadt ins Alsterdorf
 
Nach 1 Stunde und 56 Minuten gingen wir als Tandem bei Halbmarathon in der Schleidenstraße durch. Damit waren die vage angepeilten 3:59 Stunden weiterhin machbar. Nur Peanut schrieb die Zeit schon ab. Zur Halbzeit beschloß ich einen Stopp im Gebüsch am Stadtpark. Dabei ergab sich eine lockere Unterhaltung mit einem Nordlicht. Im nördlichen Teil Brambecks verlor die Strecke vorübergehd etwas an Pracht und Glanz, die Reihen im Feld lichteten sich, und ab der City Nord (Kilometer 26 und 27) ging Peanut im Wortsinne die Puste aus. Auf dem Weg durch den Hamburger Norden verspielte mein Mädel den ganzen Vorsprung, und nach 28 Kilometern klagte es erstmals über Atemnot. Irgendwo hier, auf dem Schlenker um die beschauliche Gartenstadt Alsterdorf, war auch die allerletzte deutsche Olympia-Hoffnung, Falk Cierpinski, verloschen. Seitenstechen. Nach einer Leistenoperation, der fälligen Wiederherstellung, dem monatelangen, harten Training, dem Aufwand für die Reise nach Iten und so fort, hatte der Sohn des zweimaligen Olympiasiegers aus der DDR erneut die Verletzlichkeit des Systems erfahren müssen. Von einem Reporter befragt, äußerte der im Staub sitzende und sichtlich geknickte Junge aus Spergau: »Ich weiß nicht, was der liebe Gott noch mit mir vorhat«. Die letzte Möglichkeit zu einem Flug nach London war vertan.
 
Kilometer 31 bis 40:
Von Ohlsdorf über Eppendorf und Harvestehude heimwärts
 
An der Südseite des Flughafens Fuhlsbüttel vorbei, ging es zurück nach St. Pauli. Mein Mädel steckte nun in großer Not. Der große dramatische Augenblick ereignete sich am 33. Kilometer, als Peanut stoppen und sich an meinem Arm festhalten mußte, da sie Angst hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Aber ein Marathonläufer stirbt nicht so leicht. Nachdem wir uns durch einen längeren ruhigen Abschnitt längs zum Eppendorfer Moor gelitten hatten, tauchte ungefähr nach 36 Kilometern - da wo vor Jahren Dieter Baumann ausstieg - eine neue Gefahr aus dem Hintergrund auf: Wir wurden vom rund 50köpfigen Rudel um den 3:59-Tempoläufer eingeholt und überrollt. Mitgehen aussichtslos - und Gelegenheit für einen zweiten Ausflug ins Grüne. Eppendorf versprühte pure Gänsehaut, Eppendorfbewohner hatten am baumgesäumten Streckenrand Picknicktische mit allerlei Zauberelixieren aufgebaut, und der Hexenkessel im Klosterstern war sowieso der donnernde Höhepunkt. Was hätte das für ein Marathon werden können... Das im Krieg schwer zerstörte Harvestehude mit den für die Briten errichteten Grindelhäusern wurde passiert. Zum Ende wurde es happig. Peanuts Oberschenkel waren »hart wie Beton«, dazu knickte ihr sogar einmal das Bein weg. Kilometerschnitte von weit über 7 Minuten redeten eine deutliche Sprache. Doch nun haben wir die Sache bis zum Ende durchgezogen. Nach einer schier endlosen Durststrecke rückte auf der Alterglacis die so herbeigesehnte letzte V-Stelle in den Blick. Es gab da nicht nur einen letzten Schub durch Affensteaks sondern auch durch braunes Flieberbier. Wie erquickend Cola sein kann... und wie schändlich 40 Kilometer auf unelastischem Asphalt. Mein Knöchel sollte am neuen Morgen ein Lied davon singen...
 
Kilometer 41 bis 42,195:
Ankunft bei Sankt Pauli
 
Über den sacht ansteigenden Gorch-Fock-Wall - der aber auch ein Berg sein kann -, und durch Planten und Blomen hindurch, war die Zielgerade erreicht. In der Glacischaussee war für die Läufer erstmals ein roter Teppich ausgelegt. Die eigens für die Staffeln eingerichtete »Sammelbox« 300 Meter vorm Strich konnte uns nun auch nicht mehr beeinträchtigen. Von den Tribünen getragen, liefen Peanut und ich nach 42,195 Kilometern durch Hamburg zum ersten Mal Hand in Hand ins ZIEL. Und zwar ex aequo nach 4 Stunden, 13 Minuten und 44 Sekunden auf den Plätzen 6681 und 6682 im Gesamtklassement, was nach 42195 Metern auch eine Kunst für sich ist! Daß ich überhaupt aufrecht gehend durchkomme: daran hatte ich am Vortag nicht zu glauben gewagt. Ich habe nicht mal geschwitzt! Peanut war froh, daß es vorbei ist. Ihr erster Weg führte zum Zielbüfett auf dem Heiligengeistfeld. Dort konnte man sich an frischem Obst und allerlei Süßgebäck und Herzhaftem satt essen, dazu an giftfreiem Bier laben.
 
Äthiopien dominierte den Norden. Zum Helden stieg der am Donnerstag mit seinem Kumpel Dadi Yami angereiste Shami Dawit auf. Für die 42,2 Kilometer benötigte der kleine, ausgemergelte Ostafrikaner 2:05:58 Stunden. Als Lohn für ein mutiges Solo ab Kilometer 30 erhielt Dawit insgesamt 62
 000 Euro Preisgeld: 12 000 für den Sieg und 50 000 Euro Prämie für den neuen Streckenrekord unter 2:06 Stunden. Damit ist der 27jährige in Addis Abeba - wo man mit 50 Euro im Monat gut lebt - ein Reicher! Als Dank schickte er ein Stoßgebet gen Himmel. Dritter wurde Ronoh aus Kenia. Bei den Frauen war´s genau andersherum. Hier siegte - mit ebenfalls neuer Rekordmarke - die Kenianerin Rael Kiyara vor zwei Läuferinnen aus Äthiopien. - Für zwei Männer aus Deutschland ging es in Hamburg um die Olympischen Spiele in London. Für diesen Marathon hatten Falk Cierpinski und Martin Beckmann unter anderem ein Höhentrainingslager in Kenia absolviert. Beckmann streckte nach 21, Cierpinski nach 28 Kilometern die Waffen. (Mit Fitschen scheiterte ein Dritter wegen Oberschenkelproblemen am selben Tag in Düsseldorf, Pollmächer war bereits während den Vorbereitungen in Mexiko auf die Hüfte gestürzt.) Schnellster Deutscher war der in unserem Frankfurter Hochhaus wohnende und sträflich verkannte Kah als 14. in phänomenalen 2:14:25 Stunden. Sören hatte ein ähnliches Programm wie die Genannten absolviert: Ende Januar zwei Wochen Trainingslager an der Algarve, Mitte März dann drei Wochen Höhencamp in Iten, vier Wochen vorm Marathon zurück nach Deutschland, dazwischen (14 Tage vor Hamburg) noch die DM im Halbmarathon.
 
 
FAZIT
 

Für mich ist Hamburg der Marathon mit der schönsten Ausstrahlung weltweit. Ganz im Gegensatz zu ihrem ansonsten eher nüchternen Naturell, gaben sich Hamburgs Zuschauer am Kampftag äußerst frenetisch, zuweilen schon zu direkt. Viele Freunde hatte man in der fremden Stadt, weil der Vorname auf der Nummer stand... Durch die Mitwirkung des niederländischen Machers Hermens war die Organisation - wie von Rotterdam und Amsterdam bekannt - aufs Notwendige beschränkt. Außer dem im Starterbeutel liegenden Programmheft war praktisch keine Information auf Papier gedruckt. Auch die Urkunden mußte sich jeder selber aus dem Netz ausdrucken (sofern Computer vorhanden). Die Strecke war schnell, vorzüglich präpariert und versorgt, und sucht in ihrer Führung durch das schöne und oft mondäne Hamburg ihresgleichen. - Für die Materialinteressierten: Peanut trug Asics Gel-3010, Vitus Adidas adiZero Boston. Wirkung: Hammaburg war der Hammer - und im neuen Jahr werde ich dort meine Bestzeit aufstellen!
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
SCHLUSSFEIER & KULTURLEBEN
 
Die offizielle Abschlußsause stieg ganz ungezwungen zwischen einigen vom Volksfest »Frühlingsdom« übriggebliebenen Spiel- und Gastrobuden auf dem Heiligengeistfeld. Während der Heimatverein Dynamo 400 Kilometer ostwärts in Dresden die Kiez-Kicker von St. Pauli aus allen Relegationsträumen schoß, haben wir uns in einem Zelt Namen und Zeiten in die Medaillen gravieren lassen, unter freiem Himmel mit Bier gefeiert, und die ersten Fischbrötchen vertilgt. Dabei kam es auch zu einem Aufeinandertreffen mit dem in England geborenen Spiridon-Läufer Alan Lee aus Frankfurt. Wir waren alle Sieger! Die Fete fand bei einem Italiener im ruhigen Hohenfelde ihre Fortsetzung.
 
Montag bis Mittwoch, 30. April bis 2. Mai
 
Als Resultat des ungewohnten Ballenlaufs hatte ich eine Einblutung im Schienbein und ein höllisch schmerzendes Sprunggelenk. Vor Schmerzen konnte ich kaum mit rechts auftreten. Trotzdem haben wir folgendes unternommen (sage niemand, wir wären nur zum Saufen nach Hamburg gefahren):
 
1. Besichtigung des Flakturms IV (jetzt Medienbunker) in St. Pauli. Neben der Erfahrung des Bunkerrauschens durften wir dabei illegalerweise vom 5. Stock auf das Dach des Bunkers steigen. Von dort oben hatte man einen tollen Rundblick über die Stadt.
2. Besuch der St.-Pauli-Landungsbrücken mit anschließender großer Hafenrundfahrt auf der MS »Hanseatic« durch das verwirrende Netz des Hafengeländes mit seinen dicken Pötten und der Werft Blohm & Voss.
3. Original Hamburger Labskaus-Mahl (mit Urkunde) gegenüber vom Michel-Turm.
4. Einen Trab über die von Läufern, Joggern und Prominenten heillos überfüllte 7,4-Kilometer-Runde der »Alster-Laufstrecke« (auch Kah lief uns entgegen).
5. Einkehr in einer der gemütlichen Sommerterrassen an der Alster mit Blick übers segelbootbespickte Wasser.
6. Bummel über die Flaniermeile Jungfernstieg mit dem Hotel »Vier Jahreszeiten« und vorbei am stattlichen Rathaus.
7. Kiezbesuch mit Konzert im »Molotow« nah der Davidwache auf der Reeperbahn. Der Bericht dazu findet sich hier:
...... Chelsea Wolfe
 
Am siebenten Tag mußten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück im »Alster-Café« von Hamburg verabschieden. Was am Ende zählt: Wir haben Hamburg in F r i e d e n verlassen!
 
 
Dank und Gruß an:
Marathona Peanut (für alles), Haimanot und Uli von Spiridon, an Kah (für die morgendlichen Eingebungen an Main und Nidda), unsere unbekannte Gastgeberin in Hamburg-Hohenfelde, die interessierte Frau vom »Tea Embassy« sowie die phantastischen 700
 000 an der Laufstrecke (wir kommen 2013 wieder!).
 
 
Kampfläufer Vitus, 11. Mai 2012
 
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: sonnig, Temperaturen zwischen 12ºC und 16ºC, und ein frischer, teils kräftiger Ostwind
Zuschauer: ca. 700
 000
 
Gesamtteilnehmer

Starter: 15
 063 (Marathon: 10 724, Staffeln: 4292, Rest: Handradfahrer, Rollstuhlfahrer)
Im Ziel: 14
 626
 
Marathonläufer
Meldungen:
12
 564 (Nationen: 48)
Starter:
10
 724
Im Ziel:
10
 319 (M: 8269 / W: 2050)
 
Männer:
1. Shami Dawit (Äthiopien) 2:05:58 (SR)
2. Dadi Yami (Äthiopien) 2:07:01
3. Augustine Ronoh (Kenia) 2:07:23
4. Shumi Dechasa (Äthiopien) 2:07:56
5. Ahmad Abdullah (Katar) 2:08:36
6. Fikadu Lemma (Äthiopien) 2:09:50
 
Frauen:
1. Rael Kiyara (Kenia) 2:23:47 (SR)
2. Netsanet Abeyo (Äthiopien) 2:24:12
3. Etalemahu Kidane (Äthiopien) 2:25:49
4. Beatrice Toroitich (Kenia) 2:27:41
5. Valentine Kipketer (Kenia) 2:28:02
6. Robe Guta (Äthiopien) 2:29:22
 
Kampfläufer Vitus & Peanut (Deutschland)
Startnummer:
1207 / F1829
Nation: GER
Zeit: 4:13:44
Platz:
5761 bei den Männern / 921. bei den Frauen
Platz: 761 in Klasse M50 / 117 in Klasse W50
Platz: 6681 Gesamt / 6682 Gesamt
Zwischenzeiten:
10 km: 0:54:20 (54:20)
20 km: 1:50:23 (56:03)
21,1 km: 1:56:21
30 km: 2:50:44 (54:03)
40 km: 3:57:28 (1:06:44)
Zeit pro km: 6:00
Geschwindigkeit: 9,98 km/h
 
Schummler:
Nicht alle Teilnehmer können eine vollständig registrierte Zeitmeßung nachweisen. Durch Zufall bin ich auf den Betrug der Startnummern F8 und 74 (zwei aus Portugal) gestoßen, denen die Splits am Kilometer 30 und 40 fehlen, die aber mit Platz und Zielzeit erscheinen.

 
Ergebnisse:

>> Championchip