.:: 30 Sonnenstrahlen ::.
BÖHSE ONKELZ - Onkelz wie wir... (Metal Enterprises, 1987)
Zwar kein Doom, aber Teil meines Lebens: die Onkäls! Hysterie und Hexenjagden wie damals nach Noreia konnten die 1980 gegründete Legende nicht zerstören. Einst Kult für die Skins, nahmen Stephan, Kevin, Gonzo und Pe mit dem Lied »Erinnerungen« Abschied von der Vergangenheit - und blieben Reizfiguren. 'Onkelz wie wir' sind neue böhse Lieder von böhsen Menschen; weg vom indizierten Oi!, hin zu krudem Straßenrock. Es geht um Frauen, Alkohol und Gewalt, ums Gehaßte, Geächtete und Vergötterte. Schwere Entscheidung im Dickicht der Onkelzdrogen... 'Onkelz...' sind verdammt schöne Memoiren an eine wahnsinnige Zeit in Frankfurt.
Hast Du auch schon mal Mama´s Kleider probiert / Vor´m Spiegel in Strapsen onaniert...?
BUNKUR - Bludgeon (Deserted Factory, 2004)
Jemand schreit »I drown in pain«. Alptraumhaftes Dröhnen, Poltern und gequälte Schreie folgen. Für die Dauer einer Stunde. »Ultra Doom« nennt es das Selbstmord Service Überdoomkommando Bunkur. Bunkur rekrutieren sich aus M07 (Drones & Todesgeschrei), K03 (Wehklagen & Drones), T13 (Trommel) und F21 (Orgel). Heißt: Propaganda, Bässe und keine (!) Gitarre. Bei Bunkur verschiebt sich das Raum-Zeit-Kontinuum total. 'Bludgeon' (Knüppel) ist eine Parabel aus zwei Fellationen von transparenter Länge: »Bludgeon« (65:08:61) und die Burzum-Salution »Erblicket die Töchter des Firmaments« (16:16:16). Achtung: Bunkur ist keine extremistische Gruppe!
What is this life but perpetual torment I see nothing, I hear nothing, I feel nothing, my life was nothing
BURZUM - Filosofem (Misanthropy, 1996)
So umstritten Varg »Count Grishnackh« Vikernes´ nordische Ideologien auch sein mögen: Der Black Metal um sein singulares Einsatzkommando Burzum ist wertfrei und einzigartig. 1993 wegen Kirchenabfackelungen und dem Mord an Euronymus zu 21 Jahren Kerker verurteilt, entstanden einige Burzumalben hinter Mauern. 'Filosofem' ist kein reines Schwarzmetallwerk, aber das Zauberischste. Fiebrig halluzinierende Gitarren kreuzen sich mit düsteren Trommeln und transzendentalen Orgeln, dazu heult und schreit der Graf wie bei einer ganz üblen Exorzion. Das Resultat ist eine Aura, die an Dunkelheit, Mystik und Faszination nicht zu übertreffen ist.
I wonder how life will be with a death that I shall never see / I wonder why life must be a life that lasts eternally
CATHEDRAL - Forest Of Equilibrium (Earache, 1991)
Lee Dorrian ist der Freigeist des Doom. ´89 dem Napalm-Death-Grind abgeschworen, war Lee fortan Zeitlupen-Junkie. Dumpfe Überlängen, drückende Riffwälle, Flöten und ein spezieller, sehr morbider Beigeschmack auf 'Forest...' und 'Ethereal...' läuteten für mich das Wiedererwachen des Doom ein. Mit 'Carnival Bizarre' und 'Supernatural Birthmachine' folgte Blumenkinderstoff. Surreale Filmchen handelten der Kathedrale den Ruf »Disco Doom« ein. 'Caravan Beyond' wiederum, wurde zur Reflexion der kosmischen Odysse. Mit 'Endtyme' ging es zurück in die Schatten der Wälder, und 'VIIth Coming' wurde zur Ode an den Rock. Bloß keine Fesseln!
Together we have discovered the Languid fatigue of love...
ENDSTILLE - Dominanz (Regain Records, 2004)
Iblis: Propaganda, Wachtfels: Sturmgeschütz, Cruor: Bombenhagel, Mayhemic Destructor: Artillerie. Damit sind die Stellungen auf dem Zerstörer »Endstille« bezogen. Endstille ist die führende Black-Metal-Rotte im Lande - und die Kontroverseste. Grund: die eingesetzte Symbolik, wie Eiserne Kreuze, MG 42 und Königstiger, Infanteriegerät der Wehrmacht, Stukas und Flaks, Landser vor ausgebombten Straßenzügen, das Schlachtschiff »Bismarck«, eine V-Waffe im Sturzflug auf ein Gotteshaus, Militariatitel wie »Realm IV«, »Operation Wintersturm«, »Feindfahrt«, »Lauschangriff« oder »Endstilles Reich«, dazu das Banner in Fraktur... Fuck Hell! Hail Endstille!
The heaviest weapon for a misled nation for domination
ESOTERIC - Esoteric Emotions - The Death Of Ignorance (Unreleased, 1993)
Drogengetränkter Funeral Doom auf wagnerianischen Pfaden. Sperr dich in deine Kammer, verdunkle sie, dreh´ alle Regler nach rechts, und sinniere 82 Minuten zu acht satansschwarzen Haßtiraden galore! Die längste eine drittel Stunde, mit Worten zerdehnt über eine Minute. Die Birminghamer Esoteric sind die abstrakteste Misanthropie, die Humanoid sich auch nur vorstellen kann. Ultralangsame Gitarren schaffen Traurigkeit, Orgeln spielen mit dem Licht der Ewigkeit... doch plötzlich schiessen synthetisch-kalte Bässe in den Magen, fiebriges Gelächter, Zombiegeröchel, fauchende Vampirschreie und Morddrohungen. Todesangst wird dich penetrieren!
Look through the confusion to find knowledge / Look through the knowledge to find confusion
EYEHATEGOD - Take As Needed For Pain (Century Media, 1993)
»Hardcore Blues« benennen die fünf Sickos vom Mississippi ihren Lärm. »Sludge Core« oder »Sludge Doom« nennt es der Rest. Nenn´ es wie du willst - EyeHateGod sind die Verzapfer jener Mixtur aus Southern, Hardcore und Doom. Sie sind das Original des Aggrodoom since 1991. EHG kontaminieren mörderisch dahinmalmende Riffs mit schlagenden Trommelknüppeln und völlig paranoiden Knurrlauten. Ekel und vor (Selbst-)Haß strotzende Gedanken, verbunden mit einmal wöchentlich LSD und täglich Marijuana, schaffen den seinen Boss killenden »White Nigger«. Und der »Sister Fucker« leert ´nen Kübel Eitergeschwulst über die Nichtigkeit des Humanoiden.
Do you love the things of this world, or have they caused you pain?
IMINDAIN - And The Living Shall Envy The Dead (Weird Truth, 2007)
Leichenreden und Schönrednerei, Mißklänge und Unterbewußtsein, verschlüsselte Echos, Unterschall-Kugelblitze und Todesgehämmer: Die zum Einsatz kommenden Instrumente reden für sich. »Crushing Funeral Death/Doom« titulieren die Engländer ihren Todesmarsch. Imindain (Qual, Marter) haben mit 'And the Living...' das in meinen Augen todessehnsüchtigste Album aller Zeiten abgeliefert. Keines bannt die Wertlosigkeit und Nichtigkeit des Menschen authentischer in Töne. Sich fies dahinschleppende Gitarren kreuzen sich mit bestialisch herausgeröcheltem, gekeiftem und geheulten Weltekel. Sag´ Nein zu diesem Kerker namens Leben!
De fue volant la machination, Viendra Troubler au grand chef assiegez, Dedans sera telle sedition.....
MAGOG - Weisheit und Ahnenkult (Christhunt Productions, 2002)
Unheiliges Deutsch Black-Metal-Gewerk aus der Heimat Sächsische Schweiz. Prozessionsbeschuß total. Schon die Namen - Andhrimnir, Krieger, Arr und Zorrn - lassen vermuten: Magog haben wenig Freude im Sinn. Magog sind mit raserischen Schwarzmetalläxten ausgezogen, in den Krieg gegen die verblendeten Schafe Jahwes, gegen alle, deren Religion und Ansichten sie nicht teilen. Magog kämpfen für die Besinnung auf heidnische, naturgegebene Werte, für ihr Land. Das Feuer lodert. Magog, mit einem haßerfüllten Hail auf den Lippen, schlagen, treten und zerstören sie all die Feindeshorden. Am Ende der Schlacht ist die Erde blutnass.
Ich sah Verzweiflung, Angst & Wut, der Menschen in Dresden, ihr Hab & Gut. Roms Horden brachten den Tod.
METALLICA - ... And Justice For All (Phonogram, 1988)
Lars Ulrich ging 1982 nach Kalifornien und gründete mit James Hetfield die »Metal Militia«. Mit der Kreuzung aus der Energie des Punk mit der Muskelkraft Heavy Metal schufen Metallica ein neues Klanginferno: den Speed Metal. 'Kill ´em All' glich einer Revolution. Die zweite pfeilschnelle Riffattacke entlud sich mit 'Ride The Lightning' und 'Master Of Puppets' glich einem Fausthieb in die Magengrube. Noch aggressiver und endlos giftig kam '...And Justice For All' daher... Ein Spektakel jagte das nächste! Doch das Ende nahte: Das Schwarze Album wurde zur Demontage eigener Ideale und der Verrat am Metal. Die alten Helden sind tot. No more Alcoholica!
Darkness imprisoning me / All that I see / Absolute horror / I cannot live / I cannot die / Trapped in myself...
MIRROR OF DECEPTION - Mirrorsoil (The Miskatonic Foundation, 2001)
Kaum jemand kleidet meine Gefühle so perfekt in Töne wie die Unorthodox Doomer um Fopp und Siffermann und Konsorten. Mit 'Mirrorsoil' schuf der Trupp aus dem Ländle nach einer Dekade seiner Existenz sein erstes Langeisen und auf Anhieb einen Meilenstein im traditionellen Doom Metal. Mit Liedern voller Einsamkeit und Niedergeschlagenheit, mit von Metaphern gespickten Texten, und der deutschen Doomhymne »Weiss«, zählt 'Mirrorsoil' zum Berührendsten, was je das Licht der Welt erblickte. Erhaben flirrende Gitarren und ein verletzliches Timbre schaffen die Melancholie in Vollendung - genau das Richtige für einen neblig-tristen Tag.
Ich kann in deine Augen sehen und weiß, die Kraft der Gefühle unterschätzt man so leicht...
OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Jumping Once Too Often Into The Ocean That Had Always Been Our Inspiration (µ.org, 2004)
»Was wir bieten, ist Fleisch und Blut. Schlichte Wirklichkeiten, die den Wurzeln unserer Schöpfung Nahrung geben. Musik, die einen Wind mit sich führt, der die toten und hohlen Bäume umbläst.« Perfekter als diese Aussage lassen sich Osdou nicht beschreiben. Dieser mantrische Doomer wurde in echt und 100% analog aufgenommen. Man erlebt alles so, wie es war: die Geräusche im Raum, die schlechte Luft, die schweren Köpfe in der Nacht und eine unter die Haut gehende Leidenschaft. Das ist das Karma des Doom: pur und ungefiltert!
Your masterplan is a suicide pact / It was this that made us switch... Armageddon inside.
OVERKILL - Taking Over (Noise/Megaforce, 1987)
Das beste Metal-Album aller Zeiten. Aggressiver als Metallica, ehrlicher als Megadeth, zumindest so vehement wie Slayer und intensiver als alle Eisenfresser zusammen. Die ollen Motörhead-Fans Overkill machten Speed und Thrash mit geilen Melodien, beißenden Lyriks und einer gewissen Spur Doom. Zum Geniestreich wurde Opus drei. »Deny The Cross«, »Wrecking Crew«, »Fear His Name«, »Fatal If Swallowed« und »In Union« sind schlicht Überhämmer. Seit mir Basser D.D. Verni anno 1988 - vor Slayer auftretend - tief in die Augen blickte, komm´ ich nicht los von Overkill. Der »Flying Skull« von der Plattenhülle deflorierte als erstes Tattoo meine weisse Haut.
A deadly poison, a hot and heavy load / Fatal if swallowed, a love you can´t resist!
PARADISE LOST - Gothic (Peaceville, 1991)
Anno 1988 begannen fünf Angelsachsen mit einem unter Agoraphobie leidenden Sänger schwermütige Musik zu machen. Grottentiefes Todesmetallgeröchel unterlegt von schleppenden Heavygitarren und der elfenhaften Kehle einer Opernsängerin, dazu hupende Kirchenorgeln, schufen einen ganz neuen, weinenden Nazarener am Kreuz: den Gothic Metal. Das Original wurde kopiert bis es seinen bittersüßen Reiz verlor. PL selbst mutierten später zu armen Depeche-Mode-Replikaten. 'Gothic' indes bleibt das Meisterwerk der dunklen Schmiedekunst und das perfekte Szenarium für stimmungsvolle Düstermessen mit Kerzen und Rotwein.
In agony we are now / Twisted unblessed we must strive...
REVEREND BIZARRE - Magick With Tears (Tyrannus, 2008) [2-LP]
Die Schallrille mit der längsten Reise aller Zeiten. Nach zwei Jahren, vier Monaten und sechs Tagen war eine der weltweit 153 Kopien von 'Magick' von der Isla de Maipo, Chile, in Deutschland eingetroffen. 'Magick' kann als Demo von Witchfinder, Vicar und dem Earl of Void bezeichnet werden. Die Stücke vom Dezember 2000 sind auf 'In The Rectory' - und das wilde, unbehauene Vinyl ist ehrlicher noch als das Album. 'Magick' ist ein Fegefeuer von Urgewalt, Kraft und Misanthropie. Ton um Ton türmt sich ein monströser, nach Schwefel stinkender Koloß auf. Oft langsam - bis ein Mörser alles wegsprengt. Wuchtig, düster, pompös und unheilvoll wie eine Wagneroper!
Remembering the days of joy, not so long ago / Those memories just increase grief...
 
RORCAL - Heliogabalus & Prelude to Heliogabalus (Division Records, 2011) [2-CD]
HLGBLS: Sechs Insiginien auf Schwarz zieren die Hülle zum Ultra Doom. Kapitel eins, »Heliogabalus«, währt 70 Minuten, »Prelude« als dröhnende Verklärung des lasterhaften Römers, weitere 34. In echt erlebte ich Rorcal beim »Low Frequency Assault«. Da hatten sie Kerzen entflammt, das Podium vernebelt und sich hinter ihre Apparte verkrochen. Von den Fünfen war fortan nichts mehr zu sehen. Rorcal performten eine einmalige Abwandlung aus Drone, Doom und Black Metal. Halluzinierende Gitarren kämpften gegen polternde Trommeln an, dazu fauchte sich der am Boden liegende Vokalist die Seele aus dem Leib. Jede Sekunde war spirituell, esoterisch und emotional aufs Äußerste packend, eine Katharsis für die Ewigkeit.
......
SAINT VITUS - V (Hellhound, 1989)
Weil Vitus Gott mehr als alles auf der Welt liebte, sperrte man ihn in des Reiches düsterstes Verließ, folterte ihn mit siedendem Öl und hetzte Löwen auf ihn. Der gepeinigte Vitus vollführte ekstatische Bewegungen - Veitstänze. Dem gleich ist die Musik der Reinkarnation, der Sakrosankten des Doom. Im heißen Höllenfeuer zelebrieren die finstersten Gringos Kaliforniens schwarze Stories um Tod und Teufel, Drogen und Depressionen. Legende Wino paralysiert mit knarzigreinem Timbre, Jesus Chandler peinigt den Sechssaiter und mein Seelenbruder Lord Chritus hatte mit den Erzengeln einen Flirt. Die Ahnen des Doom sind verstummt. Für immer.
Dreams were made for mortals / None were left for me / So I´m living backwards / The past is all I see
SALEM - King Night (Iamsound Records, 2010)
»Perverse Spiele im Nonnenkloster«: Die Schlagzeile einer konservativen Zeitung hatte mich Ende der Nullerjahre auf was Neues, Geheimnisvolles gebracht. Witch House hieß das Ding, das sich tarnt und nicht zu »googeln« ist. Heather Marlatt, John Holland und Jack Donoghue aus Chikago hatten das erste Liedwerk der Stilart hingelegt. Ein Schlag wie eine Bombe. Dröhnende Bässe, Hupen und obskure Orgeln schleppen sich da zu einem finstren Gewölk zusammen. Darüber haucht eine geisterhafte Frau und ein narkotischer Rap ist auch darunter. S4lem sind Dunkelambiente und die 'King Night' knarzt und schluchzt und ist in ihrer Kahlheit und Größe nicht faßbar.
In loving memory … You were dyin´
SLAYER - Live Undead (Metal Blade, 1987)
Krass, krasser, Slayer! Der schwarzen Staffel Slayer war die Welt im Jahre 1982 zu langweilig. King, Araya, Hanneman und Lombardo suchten das Ultimative, den Gipfel des Metal. Einzige Konsequenz: vernichtender Speed Thrash aus messerscharfen Riffs, apokalyptischen Bässen und bitterbösen Lyriks. Das Kokettieren mit NS-Symbolik, ein Mengele-Lied, der Fanclub »Slaytanic Wehrmacht« und rassistische Aussagen fanden im sensibilisierten Germania keine Gegenliebe. Gilt 'Reign In Blood' als brutalstmöglichstes Stück Musik aller Zeiten, so ist 'Live Undead' das faszinierendste Livewerk für immer. Nach Slayer kommt verbrannte Erde.
Cursed / Black Magic Night / We´ve been struck down / Down in this hell...
SOLITUDE AETURNUS - Into The Depths Of Sorrow (Roadrunner, 1991)
Himmelfahrtssymphonie Epic Doom! Extremst heavy kriecht dieser Monolith aus den Lautsprechern. Mittels einer erdrückenden Riffwand und einer berührenden, engelsreinen Stimme erzeugen fünf Texaner eine Atmosphäre voll von unendlicher Isolation, Einsamkeit, Trauer und Ausweglosigkeit. Die Depression schaukelt sich zunehmend in die Höhe, wird schmerzhaft fast und wirkt beängstigend tief. Der Niedergang hat begonnen - Endzeit! Nur die Verlassenen, Vergessenen und Suizidbereiten wird dies nicht weiter berühren. Dies ist Musik, die man nie mehr vergißt. Ekstatisch, erschütternd und reich an Magie! Absolut nichts für labile Naturen!
I sat upon grassy linen, looking far into my thoughts... and destiny falls to ruin...
SPANCER - Countdown To Victory (Eigenproduktion, 2001)
Wer sich eine Woche nicht wäscht und lange Bärte wachsen lässt, um danach U-Boot-Seancen mit »Das Boot« sehen, Cognac saufen, Dosenbrot fressen und »Silent Hunter« (U-Boot-Simulation) zu veranstalten, kann nicht alle Hühner auf der Veranda haben. Kein Wunder, dass Spancer von der Staatssicherheit observiert wurden. Deutschlands Nordlichter York, Kappe, Kaptain666, Markus und Jan sind so ziemlich die schrägsten Freaks im Doom-Laden. Sie machen Sludge mit zwei apokalyptischen Bässen und tonnenweise Ironie, das der Lebenssaft in den Venen brodelt. Und der Kapitän klönt mit Carlos Castaneda bei Beck´s und Slivovice aus Einweckgläsern.
Der 40. Seetag. Seit einer Woche Sturm....Wasserbrecher... Wasser... Mann über Bord!!!...
SWITCHBLADE - Switchblade (Trust No One, 2006) [DVD!]
»Simply Doom«, dies der Drummer auf meine Frage zur Zuordnung von Switchblade. Der Doom von Bertilsson, Folkesson und Steen ist ein niederdrückender Wall aus monolithischen Sludgeriffs mit einigen nihilistischen Vokills. Stell´ dir vor, etwas wirklich Schlimmes, etwas Unvermeidbares wird wahr (etwa der Untergang allen Lebens): Switchblade sind die Vernissage dazu. Zur akustischen Apokalypse gesellt sich auf DVD die visuelle. Beinhaltet sind die zwei nackten Tracks vom Album 2006 (live, mit Blackmetalgekeif von E [Wotain]; respektive Stimme von Friberg [Logh]); der Super-8-Film »Pathology of Civilization«; dazu Bildersprache in Schwarz-Weiss.
The earth shudders, all the hosts of things in heaven of things on earth of things in hell do tremble and fall silent
TANKARD - The Morning After (Noise International, 1988)
Lust auf Thrash?! Die Rotte Tankard fabriziert seit 1982 Wirbelsprenger, die einem das Hirnchen wegblasen und süchtig machen. Mit dem formidabelsten Metalshouter der Welt, mit schreddernden Speedriffs und einem wahnwitzigem Schlagwerk regieren sie den Alcoholic Metal. Die Helden meiner Sturmzeit pflegten über Jahre einen äußerst selbstzerstörerischen Witz, dessen aggressiver Unterton auch etwas durchaus Befreiendes hatte. Chef Gerre ist ein Freund in meiner Rödelheimer Exklave. Mit Tankard, bierstehlenden Aliens, Zombies, fliehenden Poppern und Unmengen Zauberelixier im Blut erlebte ich unzählige Totalabstürze. Bang or die!
Life´s too short to waste your brew / It´s plain to see - obey the rules!
TOTENMOND - Lichtbringer (Massacre, 1996)
'Lichtbringer' war eine der Erneuerungen im Untergrund der Neunziger überhaupt. Als Wermut formiert und 1990 in Totenmond umbenannt, definierten Pazzer, Senz & Co. die Grauzone zwischen Punk und Metal radikal neu. Mit dem Effekt einer ultrafeisten, ultrazerrenden Ausgeburt von grindend Schnell bis zermalmend Langsam, zwischen krudem Hoolgerüpel, furchteinflößendem Doom und bizarrer Avantgarde. Eine knarrende Tür hier, rumpelnde Instrumente da, dazwischen überfallartig losbrechende, abscheukalte Misanthropie verschlüsselt in ausdrucksstarkem Deutsch und provokanter Reichsästhetik. Mit Totenmond eint mich der Haß aufs Leben.
Peritus veritas / Sagenwelt ist das Buch der Lüge / Euer Gott ist ein Arschloch
TYPE O NEGATIVE - Slow, Deep And Hard (Roadrunner, 1991)
Nach den skandalösen Carnivore sind Type O Peter Steeles neues böses Korps. Deren Erstwerk ist an Brutalität kaum zu übertreffen. Steele kotzt und schreit seinen Frust und Haß (auch gegen sich selbst!) mit einem einzigartigen, gruftestiefen Wehrwolfsorgan ins Mikro und zieht dich in einen Strudel aus Sex, Gewalt und Suizidgelüsten. Preßluftgehämmer, Kettengerassel und Kreissägen erzeugen einen kalten Hauch von Industrial und öffnen eine neue Dimension superzynischer Doom-Welten. Nach Explizitem wie »Der Untermensch« hagelte es Faschovorwürfe. Auftritte auf deutschem Boden mußten nach Drohungen der Antifa abgesagt werden. Killer!
Trust and you will be trusted says the liar to the fool...
VERSUS THE STILLBORN-MINDED - Audibly Bleeding (Eigenproduktion, 2004)
Abstrakte Aufmachung, abstrakte Musik, abstrakte Piepel: In Pergamentpapier gehüllter Sludgecore von fünf Kampfzwergen aus Franken. Oder mit Boris, Torsten, Robin, Satti und Sturmkind eintauchen ins Karma des Doom. Ein wuchtiger Bass, ein puristisches Schlagzeug, zwei Doomgitarren und ein kräftiges, höllendüsteres Organ: mehr braucht es nicht. VTS-M sind ein gigantischer Koloß, gleich einem sich im Todeskampf windenden Wal. Mal aufbäumend, dann wieder starr, mal weinend und am Ende still. Inhaltlich geht es um Kritik am Wesen des Humanoiden, um dessen Abgründe, um Selbstzerstörung und auf Drogen basierende Illusionen.
How could it be, the eye of the storm cannot be peaceful / It always beholds destruction, so do the most of us.
WARNING - The Strength To Dream (The Miskatonic Foundation, 1999)
Einer meiner absoluten Favoriten. Fünf ultraschwere Old-School-Doom-Teile in fünfzig dramatischen Minuten. Ich bin gewiß kein Defätist; heulen muß ich nur aller Jubeljahre mal. Doch hier ist alles anders. Schon der seelentiefe Auftakt jagt einem einfach nur Schauer übers Kreuz, und Tränen ins Gesicht. Diese Welt ist eine Lüge! Und es bedarf enormer Kraft, Träume nicht jung sterben zu lassen. Pat Walkers anfangs kauzige Stimme wird zunehmend von Resignation überwältigt, und erstickt schließlich in Schluchzen. Schwermütige Gitarren begleiten ihn und lösen erhebliche Ängste aus. Ich falle in ein Meer ... die Wellen schlagen über mir zusammen.
And as I dream of all that could happen I let depression take control, I love you!
WEISSGLUT - Etwas kommt in deine Welt (Sony Music, 1998)
They came with love - but not for peace! Die aus Rheinhessen stammenden NDH-Helden Weissglut faszinierten mit unglaublicher emotionaler Härte. Die Texte sind deutsch, esoterisch - und kontrovers: Neben Nietzsche verbergen sich Metaphern (für den, der sie versteht). Frontmann JK lebte die Lieder ergreifend bis aufs Blut. Seine Obsession war eine wahnsinnige Gabe, aber gleichsam Grund für Streß. Eine Vergangenheit mit Forthcoming Fire holte ihn ein, und Kontakte zum Black Metal brachen ihm das Genick. Am Ende währte der Tanz nur einen Sommer. Hymnen voller unerhörter Seelenpein blieben als Vermächtnis. Von Thronstahl sind in Stellung.
Kein Leben / Keine Liebe / In meinen Träumen bist du bei mir...
 
WINTER - Into Darkness (Nuclear Blast, 1990)
Auf Winter stieß ich durch einen Langhaarigen aus der Frankfurter Metalszene, der den führenden Plattenladen am Main Anfang der Neunziger mit Winter quälte. Der Kerl war der Zeit genauso weit voraus, wie die Neu-Yorker Alman, Flam und Gonclaves. Winter waren die Ersten, die gegen den Untergrund schwammen. Ob Punk, NY-Hardcore oder Death Metal: alles mußte schnell sein. Winter waren zwischen diesen Stilen - nur um viele Gänge runtergeschaltet. Mit derben Trossen, brutal gegurgelten Vokalen und apokalyptischen Visionen, die den Sludge auf ewig inspirieren sollten. Nach wenigen Auftritten und einem Album lösten sich Winter auf und wurden Mythos.
The stench of rotting corpse fills the air, streets now flow with rivers of blood...
WORSHIP - Last CD Before Doomsday (Weird Truth, 2004)
Zum Wucherpreis ersteigert: die rare Todeskapsel zur LP. Die schlimmsten und konsequentesten Tonteile aller Zeiten. So rar wie die Blaue Mauritius! Denn als die CD erschien, lebte der Sänger nicht mehr. Worship (ein Deutscher, ein Franzose) operierten mit minimalsten Mitteln. Die ultralangsame, depressive Endzeitgitarre vom Doommonger, dazu bestialische Grunzlaute voller humanoidverachtender, verbitterter Inhalte, erzeugen eine Aura, daß einem die Haare zu Berge stehen. Man nennt es Funeral Doom. Nach der Aufnahme stürzte sich die Stimme des Armageddon, der Beschwörer des Mondkultes, Fucked-Up Mad Max, in den Tod. Rest in Doom!
Verdamnis und Vergebung in den Armen der Leere Wiedergeburt in Schmerz...
.:: 30 überhöhte Lieder ::.
¤ BATHORY - One Rode to Asa Bay
¤ BENEDICTION - Forget in Fire (Anvil-Cover)
¤ BÖHSE ONKELZ - Schöner Tag
¤ BUNKUR - Bludgeon
¤ BURZUM - Jesus´ Tod
¤ CATHEDRAL - Cosmic Funeral
¤ DEADWOOD - Dresden
¤ ENDSTILLE - Endstille (Feindfahrt)
¤ ESOTERIC - Bereft
¤ FLIEHENDE STÜRME - Das Chaos brütet
¤ MAGOG - Unbekehrbar
¤ MAYHEM - Freezing Moon
¤ METALLICA - One
¤ MIRROR OF DECEPTION - The Ship of Fools
¤ OFFICIUM TRISTE - Headstone (Chorus-of-Ruin-Cover)
¤ OVERKILL - Fatal if Swallowed
¤ PARADISE LOST - Shattered
¤ PUHDYS - Marathon
¤ REVEREND BIZARRE - Anywhere Out of This World
¤ RORCAL - Heliogabalus
¤ SAINT VITUS - Patra (Petra)
¤ SALEM - Frost
¤ SLAYER - South of Heaven
¤ SOLITUDE AETURNUS - Destiny Falls to Ruin
¤ TANKARD - Days of the Gun
¤ TOTENMOND - Sagenwelt
¤ TYPE O NEGATIVE - Prelude to Agony
¤ WARHORSE - Scrape
¤ WEISSGLUT - Alles was dein Herz begehrt
¤ WINTER - Power and Might
Letzte Aktualiserung: 22. Januar 2012