V8WANKERS, NIETNAGEL
D-Frankfurt am Main, Die Halle - 6. Juni 2007
[666] Ein 6.6. ... und tags darauf Happy Cadaver Day ... sprich frei sein: Hell yeah, eine wahrlich feine Gelegenheit für ein Frontvergnügen. Zudem die Möglichkeit, die Volksverdummung hinterm unheiligen Zaun von Heiligendamm für einige Stunden zu vergessen! - Macht und Ohnmacht auch in Frankfurt: Der kapitale Monopolverein »Rhein-Main-Verkehrsverbund« hatte zwei U-Bahnen ausfallen lassen. Mein Mädel und ich, wir hatten die erste Formation schon in den Wind geschrieben...
 
... als wir gegen halb zehn in der Bunkerhalle der Wächtersbacher 84 eintrafen. Und hatten Glück gehabt! Trotz der kursierenden Einlaßzeit von 19 Uhr war noch nichts passiert. Und weil wir unter den ersten 50 waren, bekamen wir am Einlaß sogar zwei »Hate People/Love Cars vs. Under Sperrfeuer«-Platten geschenkt. Heute war Release-Party! Unter vielen tätowierten Rockern und Metallern befand sich auch ein junges Glück, daß sich den ganzen Abend ausdauernd befummeln würde.
Eine ratternde MG 42 und der Gruß »Guten Abend meine Damen und Herren, wir sind NIETNAGEL!« bedeuteten um 22.15 die Einleitung. Nietnagel waren der Grund unsres Kommens. Denn deren Myspace-Auftritt verprach Death- und Black Metal der alten Schule! Versprochen - und gehalten! Offiziell formiert anläßlich der Terrorattacken vom 9. September tragen die Nietnagel-Akteure die illustren Decknamen Kenny Muerte, Panzerpapst und Lord Iron Nail; sie sind Satan, Odin und Gott, eine Panzerdivision und ein Nagelkommando aus der Hellcity Offenbach. Alles zusammen. Und das wichtigste: Sie machen Mördermusik im Geiste Venoms, Burzums und Endstilles. Angefangen von den raserischen Wirbelsprengern »Vamos a la Slayer«, »Under Sperrfeuer« und »Total War« über die »Hauptkampflinie«, die hymnische Wikingerpersiflage »Wicky« ( »Hey, hey, Wickie...« ) bis hin zum »Satanic Werwolf«: Nietnagel, dies war rohes Wolfsgeröchel, scharf schießende Gitarren, brutal rasende Blastbeats, schwarz-weiße Leichenbemalung, Tarnkluft und Patronengurte, eine Kombination aus Provokation und Propaganda, Okkultismus und Extremismus, kurz: ein Inferno des Bösen. Wenngleich nicht todernst gemeint, so hatte meine Unheiligkeit dann auch zackig Feuer gefangen, heftig den Schädel geschleudert - und zum Dank Panzerfausts von Blut und Schweiß durchtränktes Hemd vor die Füße geschleudert bekommen. Eine Bombe namens »War Machine« und letzte rituelle Instrumentensolis der drei Jagdpanzer aus Walhalla, Heaven and Hell haben nach einer halben Stunde den Sommersturm zum Weltkrieg 666 beendet. Dubioserweise haben NN keines ihrer bösen Totenkopfhemden verhökert.
»Aus dem Proberaum der Nietnagel, die beste Band der Welt: die V8WANKERS!« So lautete um 23.15 die Ansage der Hauptgruppe aus dem Rocknroll-Hauptquartier Offenbach. Gefolgt von Bekenntnissen wie: »Wir sind Hardrocker. Und wir lieben die Musik!« Und: »Wir waren vor zweieinhalb Jahren hier und sind nun zwanzig Kilo schwerer.« (Ratschlag: Ein wenig tattoostraffende Körperertüchtigung kann nicht schaden.) Als umtriebige Tourer haben sich die V8Wichser die Rampen dieses Erdballs schon mit Legenden wie Motörhead, Rose Tattoo und Turbonegro geteilt. Und auch wir durften die Ganzkörperillustrierten bereits zweimal in Aktion bewundern (die makabren Vorgänger Lore dazugenommen, drei Mal). Außer einer Modifizierung der Pseudonyme - nach Veröffentlichung von drei Langrillen hat es die Welt anno 2007 zu tun mit: Boss Wanker Lutz Vegas, Latino Wanker Vulcanus, Big Wanker Schmuddel, Sexy Wanker Rico Dandruff und Dirty Wanker Dirty Dick - hat sich beim Speedclub aus der Hauptstadt der Multikriminalität nichts geändert. Was auch? Man steht zu seiner Trueness. Die Wankers fahren hochtourige Achtzylinderboliden mit ölverschmierten Polstern, fetten Reifen, breiten Spoilern und üppigen Bikinidamen auf der chromblitzenden Haube. V8W verschrauben Speed und Power, wilde Herzen und simple 08/15-Melodien zu whiskeytriefend-fetzigem Groschenheftlocknloll. Schön, bunt und schnell - doch für Manchen auch nach kurzer Zeit seicht und ranzig. Aber dies wußten wir schon vorher. Wir haben Nietnagel gesehen und um Mitternacht, nach »This One is for You«, das Weite gesucht.
 
Im Hinterhof gab´s noch einen Zusammentreff mit Nietnagels abgeschminktem Lord Iron Nail, der aus dem Brandenburger Land stammt und der mir seinen Drumstick signierte.
 
 
Heiliger Vitus, 10. Juni 2007
(Fotos: Hl. Vitus, Plakate: mit freundlicher Genehmigung von Nietnagel)
SET V8WANKERS
1. Bad Ass Boys (Drive Bad Ass Toys)
2. Baddest Ride in Town
3. Bad Ass / SS
4. Rockin´ Horse
5. Prolehead
6. Blitzkrieg Burnout
7. Put the Lever in D
8. Rock´n´Roll Dictator
9. Demolition Man
10. Great Racer
11. Autobahn Outlaw
12. Detroit Steel
13. This One is for You, Baby
14. We Went Rocking
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15. A Rat that Roars
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16. Wankers Without a Cause