THE SHINING, NIHIL BAXTER
D-Frankfurt am Main, Raumstation Rödelheim - 18. Januar 2008
They came with love - but not for peace! Unter die »losen dates« der selbstbestimmten Raumstation Rödelheim hatte sich seit langem mal wieder eine besuchenswerte Veranstaltung geschlichen: eine Hardcore/Punk-Doublette mit The Shining und Nihil Baxter. Tags darauf sollte auf dem Frankfurter Römerberg eine Demo der NPD stattfinden. Unheilschwangere Kommentare und Ankündigungen in diversen Internetforen ließen das Konzert nicht unbedingt unter einem schönen Stern erstrahlen. Es war zu vermuten, daß linke Sympathisanten sowie die Antifa die Party verwenden würden, um sich für den Kampf am nächsten Tag heiß zu machen. Es sollte alles ganz anders kommen...
 
... Wenngleich der Abend bedrückend begann: In einer Ecke der Raumstation - da, wo er früher die Plattenteller bediente - hingen zwei Bilder vom jüngst gestorbenen Fred´n. Mit einer schlichten Notiz: »Fred´n - wir vermissen dich«.
 
Die Besucherzahl belief sich auf etwa 40. Es war eine sehr disziplinierte und überaus friedliche Mischung aus Hardcorelern, Punks, einigen Metalheads und Anarchisten (auch etlichen weiblichen). Wer wollte, konnte neben dem Eintrittspreis von vier Euro noch etwas an eine linke Mannheimer Institution spenden.
»Antifa«, »Kill a Cop«, »Abschaum«, »BRD, du Opfer«: Titel wie diese sprechen für sich. Und einer aus dieser radikalen Reihe - »Praise by Dancing« - hat bereits zur Androhung eines Auftrittsverbotes geführt... Mit Filmzitaten vom Band hatten die Hardcorepunks Nihil J, Nihil F, Nihil M und Nihil A alias NIHIL BAXTER um 22:05 die Schau eröffnet. Was folgte, war ein Sperrfeuer aus 20 Teilen in handgestoppten 30 Minuten. Das Kollektiv aus dem Südwesten Deutschlands drosch uns für die Dauer einer halben Stunde harte Mörser galore um die Ohren, die nicht allein wegen ihrer Sekundenkürze eine starke Verbundenheit mit den Grindcore-Pionieren Napalm Death zu deren anarchistischer Frühphase um 'Scum' herum ausstrahlten. Definitiv keine Melodien, dafür Kampfkicks, durchgeknallte Stahltrossen, chaotisches Geknüppel, Gift und Galle, getrieben von Sarkasmus und Systemkritik am Anschlag (auch Hippies und Emos bezogen Prügel): alles war so, wie in den 1980ern, als es darum ging, so schnell und aggressiv wie möglich zu spielen. Nihil Baxter waren eine extrem coole, extrem atemlose Darbietung von vier überaus sympathischen Akteuren, von denen zwei (Sänger und Gitarrist) das komplette Programm im Publikum stehend bestritten.
»Let´s go trash! Good evening ladies and gentlemen, we are THE SHINING from Amsterdam!« Dies war um 22:50 die Salution der zweiten Krawallcombo. Als Fortsetzung der Nihilisten waren auch die Hardcoreler Robert, Mark, Rogier und Nils verdammt schwer gegen diese Welt und schwer auf die alte Schule der 80er Jahre getrimmt. Mit dem Unterschied, daß Shining das ansatzweise »melodische« Crossover der Konsorten D.R.I. Dirty Rotten Imbeciles und S.O.D. Stormtroopers Of Death auffuhren. Der kleine Club wurde nun von nicht minder vehementen Granaten aus Hardcore und Thrashmetal auf Englisch und Niederländisch bombardiert. Wobei die Akteure nach einem Fehltakt beim Einstieg in der Folge mit einer defekten Gitarre zu Recht kommen mußten. (Trotz des Versuchs des Sängers, die Gute als »goed genoeg« zu kaschieren [das Volk äffte es mit »gut genug« amüsiert nach], würde der Sechssaiter bis zum Ende mit seinem Instrument hadern.) The Shining appellierten: »Forget the nazis tomorrow! Go to Trashfest Aschaffenburg!« (Konzert am 19.01.08, d. Verf.), und kredenzten mit »Kannonenvlees« heftig krachendes Kanonenfutter für die Massen. Die ohnehin klasse Stimmung steigerte sich zum Finale noch einmal beträchtlich, weshalb die Holländer spontan zwei Zugaben vom Stapel ließen (welche aber keiner verstand, weil sie in deren Muttersprache waren). Mit diversen Kunstpausen waren die stetsnetten Stetstoleranten von der Westfront nach 41 Minuten durch.
 
Hinunter durch ein dichtes Spalier links und rechts der Eisentreppe haben wir halb zwölf die Raumstation verlassen. Dieser Konzertabend war für Peanut und mich der kürzeste und knackigste aller Zeiten: Nach der Länge eines Sonntagskrimis waren wir schon wieder daheim......
 
 
Heiliger Vitus, 20. Januar 2008
(Fotos: Hl.Vitus)
SET NIHIL BAXTER
1. Nihil Baxter
2. Antifa
3. Shiny New Wheelchair
4. Praise by Dancing
5. Girls Hate Sellouts
6. Punk is Dead
7. Galeere
8. Sick of You
9. Wall of Death
10. Kill a Cop
11. Abschaum
12. Just Die
13. BRD, du Opfer
14. Weg mit
15. We Carry
16. I Hate
17. Emo Kids
18. HKD
19. Kill Your Idols
20. Male Female Fuck You
 
SET THE SHINING
1. Luchtkastelen
2. Aftermath
3. Exercize
4. Koopziek
5. Never Sign Up
6. Got It, Lost It
7. Land of the Blind
8. Kannonenvlees
9. Masquerade
10. In a Ditch
11. Flood
12. Accused
13. Situation Remains