THE KILLS
D-Dresden, Star Club - 20. Mai 2005
Der Star-Club Dresden hat im elften Jahr seiner Existenz das größte Unheil abgewendet. 92 000 Euro Mietschulden und Fördergelder dürfen in »kleinen« Raten getilgt werden. Damit hatte sich der schwarze Stern über Dresdens bestem Rockschuppen vorerst mal verzogen. An jenem Sonnabend im Mai stieg im schwarzen Klub mit der roten Bar das Konzert des Monats.
 
Nach einer zweistündigen Odyssee vom Osten in den Westen der Elbestadt, war ich mit meinem Mädel in Altbriesnitz angelangt. Für 14 Euro durfte der Fan den Stars huldigen.
THE KILLS waren angerückt, den mit 400 Leuten gefüllten, knackevollen Saal aufzumischen. Es war 22.30 Uhr, als sich ein zerstörerischer Wall vor Dresden aufrichtete, um sich langsam aber mit Macht auf die Menge zuzubewegen. Ein Monstrum aus garagigen Gitarren und polternden Electronika. Sein Name wie das brandneue Werk: »No Wow!«. Die Erzeuger selbigem: Alison Mosshart alias VV aus Florida und Jamie Hince alias Hotel aus London. Angloamerika suchte Dresden heim - sechzig Jahre »danach« mit krachigem Art Punk, der von Anbeginn für atemlose Stille und Gänsehaut sorgte. VV muß man sich als weibliches Ebenbild von Joey Ramone vorstellen: verschwitzte, schwarze Mähne, in die Augen hängender Pony, bedruckter schwarzer Fetzen auf den Schultern, dazu abgewetzte Bluejeans. Hotel dagegen wirkte mit Rockabilly-Frisur, Schlips und schniekem Hemd eher wie der smart-schräge Tommy. VV und Hotel sangen und malträtierten die Saiten - und ein Computer stiftete Bässe und Trommeln. The Kills waren also nicht ganz handgemacht. Was der Faszination aber kaum weh tat. Denn zwischen VV und Hotel knisterte es nur so vor Sex und Adrenalin. Mal schlang sich VV wie eine Schlange um den Mikroständer, mal sprang sie katzengleich auf die Lautsprecher, mal wälzte sie sich als triebhaftes Luder zu Hotels Füßen. Und Hotel schaute verklärt zu. Doch nicht nur fürs Auge waren die zwei geil: VV entlockte ihrer rauchigen Röhre mal die böse, mal die bluesige Variante (und beide waren schön). Und Hotel schraubte sich innig am Anschlag in seinen Sechssaiter. Egal, ob die Lieder ruhiger Natur waren - wie das an Dead Moon erinnernde »Cat Claw« oder die ministryartigen »Kissy Kissy« und »Fried my Little Brain« - oder aggressiv nach vorne polterten, wie »I Hate the Way U Love« und das tarantinohafte »Love is a Desaster«. The Kills hatten Dresden tierisch in den Bann gezogen, und mußten selbstredend in die Verlängerung. Und da war noch mal die dunkel glühende Indiewelt der Kills im 'No Wow!' vereint: »Wow« durch melodiöse Harmonie mit »Rodeo Town«, »No« durch finstere Agonie mit dem »Drop Out Boogie«. VV schrie nicht nur einmal: »Fuck the People!« 23:30 war die Liederstunde mit den Kills um.
 
Der Plan der DVB erlaubte es, daß ich mit Peanut noch das eine und das andere »Dresdner Felsenkeller« für volksnahe 1,50 Euro killen konnte. Der Star-Club liebt seine Dresdner eben. Und sie ihn. No Wow!
 
 
Heiliger Vitus, 15. Juni 2004
(Abbildungen: Hl. Vitus)

Der Star-Club nach den Kills
ABSPIELLISTE THE KILLS
1. No Wow!
2. Cat Claw
3. Dead Road 7
4. Hate the Way U Love
5. Hate the Way (Part2)
6. Good Ones
7. Kissy Kissy
8. Passion is Accurate
9. Fried my Little Brain
10. Love is a Desaster
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11. Rodeo Town
12. Drop Out Boogie