SHOKEI, FUCKUISMYNAME
D-Frankfurt am Main, Café ExZess (Keller) - 6. Januar 2006
Eigentlich wollte mein AWO-Bruder Jochen heute seine Indianerin in den Planet Punk einweihen. Eigentlich. Denn frau schwächelte. Und so mußte ich mal wieder im kleinen Tandem mit Kumpeline Peanut losziehen. 21.45 Uhr schlugen wir in der roten Bastion zu Bockenheim ein. Genauer gesagt im »Café ExZess«. Wo uns eine Tschekistin mit ´nem einsilbigen »Im Keller« gleich wieder rauskomplimentierte. Das Konzi würde also nicht in der Ex-Halle sondern im Keller steigen. Also ab durch den Hinterhof unter die Erde...
 
... wo allerdings noch sibirische Weiten herrschten. Ein bekanntes Gesicht klärte auf: Oben im Saal stünden irgendwelche russische Diwotschkas auf der »Dramatischen Bühne«. Halb elf sei das Theater durch, dann dürfte im Keller gelärmt werden. - Wir schlugen die Zeit im Keller um die Ecke - im knuffigen »Celsius« - tot, und stiegen drei Aufwärmbiere später wieder um - von der einen in die andere Katakombe. Zu spät...
SET FUCKUISMYNAME
1. Catelbow
2. Monkeys in Love
3. Trans Radio
4. Betrug im Kasino
5. Hip Hop
6. Horse »Pfad«
7. Hit von Torello
8. Neuestes Key.
9. Sommerhit
10. Freddie´s Trumpet
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11. Catelbow
... denn als wir 22.50 Uhr im Ex eintrudelten, ritt der Eröffner FUCKUISMYNAME bereits auf halber Strecke über den »Horse Pfad« dem Ende entgegen. Aus Trier waren sie angerückt, die Herren Premm, Hengel, Blumann und Naumann. Aufregend unaufregend die Namen, aufregend unaufregend ihre Kluft (einzig Wollpullover haben gefehlt), aber umso aufregender ihre Chose. PostOiRocknRoll sagt man wohl dazu. Zu jenem Chaos aus hysterisch herausgeschrieenem Kauderwelsch und auf voller Pulle schrägschreddernden Krachgitarren. Mit viel Verve und Esprit, aber etwas steril, ohne den punkrockigen Rotz zelebriert. Ein wenig wie ein kalter Abgesang auf die seelenlose Zukunft. Der »Sänger« entschuldigte seine Heiserkeit mit der langen Anreise und beklagte anständig, daß er Frankfurt nicht sehen könne ( »Ihr müßt ins Licht treten« ). Kurz nach elf durften Fickdichistmeinname in eine Verlängerung gehen. Weil sie noch nicht mehr Nummern draufhaben, kredenzten sie die Nummer vom Vorspiel nochmal. Im Klartext: Der namensgebende, rasende Kahlkopf vom Debütwerk, der »Catlebow«, mußte ein weiteres Mal ran. »Danke! Tschüß!« 23.07 waren die Fucker aus Westdeutschland am Ende.
 
Im Päuschen dann neues Flaschenbier besorgen. Und bissel Gucken: Zirka 60 Kellerkinder waren im Schatten des ausgedienten Leuchtreklameschriftzugs »Schmodder« zugegen. Aber heute weder welche mit aufgestellten noch mit bunten oder langen Haaren (außer einem natürlich). Es wurde ein entspannter Abend an einem dunklen Ort.
Passend zu den Heiligen Drei Königen trug der Trommler eine Papstmütze mit Rallystreifen in bayrischem Blau-Weiss. Dazu eine Bermudahose. Schließlich war Winter. Der Basser wiederum hatte etwas von Harry Potter auf Acid; und der Sechssaiter mimte den letzten noch lebenden Popper. Dies sind: Heinrich (Menschen, Tiere, Sensationen), Wehner (Messer, Gabel, Schere, Licht) und Gehret (New York, Rio, Tokyo), oder auch SHOKEI aus Bad Bocklet bei Würzburg. Shokei erwiesen sich dann auch klanglisch als noch schrägere Vögel, als ihr Support. Ihr Stil wird als New Wave Post Hardcore bezeichnet. Aus den Lautsprechern donnerten gehetzte Gitarren, psychotisch-verzweifelte Harakiri-Schreie (Screamo genannt) und irre Attacken auf den Paiste-Kesseln. Was Shokei machten, das war ein vertrackt-schneller Mix aus Avantgarde, Jazz, Noise und Punk. Texte: Fehlanzeige! Man sang - respektive schrie - weder auf Deutsch noch auf Englisch noch auf Japanisch oder in Affenlauten. Es war einfach ein verzweifeltes Gekeif´. Überwiegend dreistimmig. Mit mal kryptischen («Koro«, »Kotw«), mal humorigen («Hauptfeuerwehrmann«, »Steckdose«), mal bizarren Themen («Bukkake«, die japanische Sexpraktik, bei der mehrere Männer das Antlitz einer Frau bespritzen). Ab der Halbzeit wurde die Schau dann etwas griffiger, garagiger, punkiger. Wobei der heimliche Star in meinen Augen der Trommler mit seinen rüde herausgeblafften »Oi! Oi! Oi!«s war. Ja, und Shokei bewiesen Geschmack. Veredelten sie doch erwähntes »Bukkake« mit einem Riff der Altmeister des Doom, mit Black Sabbath´ »Iron Man« [sic!]! Was aber die wenigsten im Volk geschnallt haben dürften... Genauso wenig wie das Grußwort an den »Hanau Hardcore«. Mit »Traktor« prügelten die Unterfranken dann noch einen regelrechten Ohrwurm in die Meute. Worauf zwei jeweils sechzigsekündige Grindcoregewitter einen atemlosen Gig besiegelten: »Hot Topic« und die Zugabe »Hohes C«. 13 Lieder binnen 25 Minuten - das war Speed! Servus Shokei!
 
23.55, nach dem Ende von Shokei, noch etwas Geldlassen an deren Händlerstand. Welches ein echtes Erlebnis war. Denn passend zu den schrägen Geräuschen gab´s in präcomputerzeitlichen 5,25-Zoll-Floppydisk-Hüllen steckendes 5-Zoll-Trennvinyl, und auf 300 Einheiten limitierte 7 Zöller und Silberlinge. Ich erwarb die handgeschriebene Nummer 666 (kein Mist!).
 
Weil mein Auftrag, am folgenden Sonnabend einen 14jährigen Albaner am Frankfurter Flughafen in einen Zug nach Dresden zu setzen, kurzfristig abgesagt wurde, konnte ich mit meinem Mädel noch bis in die Puppen feiern. Wir taten das an einem der letzten noch freien Tische im Univiertel, im »Café Plazz«. Das anvisierte Stoner-Rock-Konzert von The Great Escape im Lorbas Gelnhausen mußten wir wegen den Rauschfolgen leider ebenso streichen.
 
 
Heiliger Vitus, 9. Januar 2006
(Abbildungen: Hl. Vitus)
SET SHOKEI
1. Koro
2. Kotw
3. Hauptfeuerwehrmann
4. Baumarkt
5. Where Fear
6. Abstieg
7. Ponyhof
8. Bukkake
9. Messen-Steuern-Regeln
10. Steckdose
11. Traktor
12. Hot Topic
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13. Hohes C
Ein- und Ausstieg Leipziger Straße 91, HH