![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
21. KRITERIUM RUND IN DER ALTEN MESSE LEIPZIG Leipzig, 29. März 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Prolog Alle Jahre wieder rief der Sportclub DHfK Leipzig Ostdeutschlands Rennfahrer zum Frühjahrsauftakt nach Nordsachsen. Vierhundertfünfzig (!) folgten und kämpften in zwölf Rennen von morgens bis abends um Siege und Punkte. Den Schlußpunkt setzte wie jedes Jahr das Rennen der Elite-Amateure und Amateure. Hier kam es zum Kampf der beiden Ost-Bundesliga-Mannschaften Schnelle Stelle des SC DHfK Leipzig und den Teams Standert Brandenburg und Rad-net Rembe Pro Cycling aus Hagen. Nach der Ernüchterung im Westen vor Wochenfrist bedeutete Leipzig für mich erneut die Prüfung der eigenen Konkurrenzfähigkeit im Osten: Wer sind die dortigen Gegner im neuen Jahr? Quo vadis, Rennschlachten? | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tausend Meter, vier Kurven, zig Runden und volle Action - typisches Crit-Racing. Das Rennen stieg auf der vierspurigen, von Deutschem Platz und Völkerschlachtdenkmal umrahmten Ost-West-Achse „Straße des 18. Oktober“. Aus der Vogelperspektive glich es einem Rechteck mit zwei kerzengeraden Endlosgeraden, welches im Südosten vom Oktoberfestgelände und im Nordwesten von der Perickstraße begrenzt war, und je nach Wettkampf zehn (Schüler) bis sechzig Mal (Elite) zu durchfahren war. Und zwar gegen den Uhrzeigersinn linksrum. Das brettebene Terrain, glatter Asphalt, die breite Fahrbahn und technisch relativ leichte Kurven hielten die Geschwindigkeit ununterbrochen hoch. Allerdings bot das offene Messegelände viel Angriffsfläche für den Wind. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DAS RENNEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Am Montagabend (sieben Tage vorm Rennen) war ich nach elendigen Stunden auf der Autobahn in Dresden angekommen. Wenig später meldete sich in einer Mischung aus Telepathie und Geisterhand der Chef meines Dresdner SC, ob ich zum Rennen in Leipzig mitfahren will. Der DSC reiste mit zwei Bussen, ich fuhr im zweiten halb elf am Sonntagvormittag. Neben den Mastersfahrern Kunath, Benedix und mir, dem Amateur Heidner und den Frauen Schlittermann und Tuchscherer quetschte sich im letzten Augenblick ein unangemeldeter Übungsleiter in das Fahrzeug. High-noon trafen wir auf dem hundert Kilometer entfernten Parkplatz vom Zweirad Stadler ein. Beim Schlangestehen vor der Anmeldung ergab sich eine Unterhaltung mit dem unverwüstlichen Deutschen Masters-Meister Keller. Angesichts des unaufhörlichen Sterbens von Radrennen äußerte „Kelli“, daß 2026 wohl seine letzte Saison wird. „Was soll ich für vier oder fünf Rennen im Jahr noch trainieren?“ Jedermannstarter Küttner schimpfte, daß er „seit zwei Stunden im Ziel sei, aber die völlig überlastet sind und keine Ergebnisliste zustande kriegen“. Zuweilen fast winterliche Kälte und starker Wind hatten das Oval in der Alten Messe in eine regelrechte Kältekammer verwandelt. Der Himmel war grau, doch nachmittags sollte die Sonne scheinen... Kurz oder lang?: Das war die Frage des Tages. Ich entschied mich für einen langarmigen Einteiler und ein Unterhemd nebst kurzer Hose. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| In Front: Blau, Weiß oder Grün. Wo immer im Osten Radsportler aus Leipzig teilnehmen, bestimmen sie deren Ausgang entscheidend mit. Und meist haben Akteure im blauen Trikot von Bauauf oder im grünen Trikot der DHfK am Ziel die Nase vorn. So ähnlich war es auch beim Messekriterium. 15 Punkte waren die Grundlage, daß diesmal allerdings der Magdeburger Baumgarten die Pokaltrophäe gewann - einen Preis, den die ausrichtende DHfK nur an den Sieger vergibt. Auf Platz zwei folgte der im Deutschlandtrikot antretende Keller. Der vor einem halben Jahr schwer gestürzte Bauauf-Fahrer Kühnelt eroberte Rang drei - und musste sich wie Kelli mit einem Strauß Blumen und einem Händedruck zufrieden geben. Eine halbe Stunde zuvor war mit leichter Verspätung um 13 Uhr 40 der Peng für die von neunzehn blutjungen Ladies gerahmten Methusalems der Masters 4 gefallen. Die Rundenanzahl war ohne Angabe von Gründen von 25 auf 20 verkürzt worden, alle vier läutete die Glocke zu einem Wertungssprint. Mit einer Restlänge von zwanzig Kilometern und insgesamt fünf Wertungsrunden war das Rennen eines für Bahnfahrer oder SPRINTER. Erschwerend waren die Frauen den Männern in der Aufstellung vor die Nase gesetzt worden. Nach Problemen beim Einklicken ins Pedal musste ich der Schar gleich zu Beginn hinterhecheln. Doch rechtzeitig zur ersten Wertung war ich drin - hatte aber gegen die spritzigen Dinger nicht den Hauch einer Chance. In der entscheidenden Phase zur Rennhälfte beging ich den Fehler, die Meute in zwei Gruppen aufbrechen zu lassen, ohne zu erkennen, daß diese Situation die Reihenfolge völlig durcheinanderwirbeln würde. Die Elitefrau und spätere Fünfte Nele Reis von der DHfK setzte energisch nach, konnte die Spitze aber trotz allen Einsatzes und meiner Kooperation nicht mehr einholen. Im weiteren Verlauf zersplitterte die Meute immer mehr, den Frauen ging schon bald der Saft aus. „Grossi“ Großegger wurde überrundet und gab auf. „In der Kälte krieg ich keene Luft“, gestand er im Ziel. In Runde vierzehn gab ich mit meiner Komplizin entnervt auf, wir büßten zum „Feld“, welches zugleich die Spitzengruppe stellte, eine halbe Runde ein. So war am Ende der gleiche Umstand wie vor Wochenfrist zu erkennen, daß Gewinner immer aus den vorderen Positionen kommen. Eine entscheidende Rolle spielte heute die richtige Rennkleidung. Es war ein Fehler, es war meine Entscheidung, ich war ziemlich enttäuscht. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Epilog Direkt nach mir gingen die Mannschaftskameraden Kunath und Benedix in ihr Rennen, dem ungleich schweren, da gemeinsamen der Mastersklassen 2 und 3. 37 Akteure hatten hier gemeldet, darunter Granaten vom Ur-Krostizer-Nachfolgeteam Marx Städter-Bikescheune sowie Bauauf-Lawi. Jens landete auf der 18. Stelle und äußerte augenzwinkernd „Ich lege keinen Einspruch ein.“ Robert gab drei Runden vorm Ende entkräftet auf. Beide hatten sich auf einem Rollentrainer warmgefahren, jedoch viel zu kurz. Unser Amateur Heidner mußte endlos lange auf seinen Start um 16 Uhr warten. Er hatte die Startnummer 13 gezogen, und dem Aberglauben und den Regeln des Radsports folgend, verkehrt herum auf dem Trikot befestigt. Dafür wurde er nach der Zielankunft auf Platz 30 vom Wettkampfausschuß verwarnt. Eine angenehme Plauderei entwickelte sich mit dem frisch in meine Altersklasse aufgestiegenen Leipziger Bethke. Was ich bislang nicht wußte: René ist Chef der renommierten Renngemeinschaft LE Masters. Nach einem langen Tag, der halb acht in der Frühe begann und um sieben abends im Halbdunkel endete, musste ich den mit meiner Frau angepeilten Konzertbesuch bei den Stoner- und Progrockern Orange Utan und Space Pilgrim im Zentralwerk Dresden streichen. Vitus, 31. März 2026, Bilder: Reinhard Rohrmann | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Wetter: bewölkt, 7ºC, schwache Brise aus Nordwest (17 km/h) Typ: Kriterium Länge: 20 km Gemeldet: 450 (lt. Veranstalter) CT+Elite-Amateure: 44, Masters 2+3: 37, Masters 4: 9, Junioren: 36, U17: 38, U15: 36, U13: 25, U11: 17, Weibliche Klassen: 58, Hobby: 27, Fette Reifen: 27 Im Ziel: 322 CT+Elite-Amateure: 32, Masters 2+3: 38, Masters 4: 9, Junioren: 24, U17: 26, U15: 22, U13: 22, U11: 16, Weibliche Klassen: 61, Hobby: 32, Fette Reifen: 40 Masters 4 Gemeldet: 11 Am Start: 10 Im Ziel: 8 1. Toralf Baumgarten (RSV Osterweddingen) 13 Pkt. 2. Ralf Keller (RSG Muldental Grimma) 9 Pkt. 3. Harry Kühnelt (RSV Wittenberg) 7 Pkt. 4. Jens Keßler (RSV AC Leipzig) 3 Pkt. 5. Jens Matzel (RFC Markkleeberg) 2 Pkt. 6. Michael Kirsche (RSC Nordsachsen) 8. Mario Voland (Dresdner SC 1898) Ergebnisse Rad-net | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||