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7. HASENRASEN OFFENE LANDESMEISTERSCHAFT STRAßE BRANDENBURG Kloster Lehnin, 6. April 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Prolog Zu Lehnin kam ich wie die unbefleckte Muttergottes zum Kind. Beim Rennen letzte Woche in Leipzig hatte Dauerrivale „Grossi“ meine Frage nach seinem nächsten Start mit „Hasenrasen“ beantwortet. Es sei von Dresden „elendig weit“, aber er wollte hinmachen. Kein Wunder, wenn der Weg nur halb so lang ist... Vier Stunden weiter, kurz vor Meldeschluss, nominierte der Chef meines Dresdner SCs drei Mastersfahrer für das Straßenrennen am Ostermontag im Truppenübungsplatz Lehnin. Damit war Lehnin in einer Hauruckaktion geritzt!... Eigentlich hatte die Radkommune Cyclemania das Ding ursprünglich für Sonnabend ausgeschrieben, dann jedoch abgesagt, auf Montag verlegt - und dabei gleich noch das Startgeld von 20 auf 29 Euro erhöht. Neben Jedermännern stand es erstmals auch Lizenzfahrern offen. Im militärischen Sperrgebiet fand Meister Lampe letztlich eine Bühne für weit über dreihundert Pedaleure. Ferner wurden hier die Brandenburgischen Meister ermittelt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Die Rennen stiegen in den Kiefernwäldern des von der NVA unter dem Decknamen „Dunkelkammer“ errichteten, und nach der Wende von der Bundeswehr als „Bereich Truppenübungsplatzkommandantur OST“ übernommenen Militärgeländes südwestlich von Potsdam. Nach dem Auftakt in einer 2,3 Kilometer langen STARTRUNDE führte der Weg in die 27,7 km lange PLATZLANDRUNDE. Diese musste je nach Wettkampf einmal (Schüler) bis sechsmal (Elite) bewältigt werden. Rechtsrum. Für die Mastersklassen ging es final in die ZIELANFAHRT, die Teil der Start- und ZIELRUNDE war. Überwiegend breite Straßen, glatter Asphalt und wellige Abschnitte machten die Waldkämpfe nicht sonderlich brutal und selektiv, jedoch mental sehr anspruchsvoll. Eine Runde hatte 110 Höhenmeter verteilt auf einige Zieher ohne große Prozente, und war wie angelegt für Puncher und Roleure. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: DAS RENNEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Ostermontag begann für die acht im Vereinsbus gemeldeten Fahrer des DSC indes mit keinem „Hüpf, hüpf, hurra!“, sondern mit einem bösen Erwachen. Halb vier nachts aus dem Laken gequält, traf ich pünktlich zum Beladen im Stockdunkeln vorm Stadion um 5 Uhr 45 auf einen konsternierten Betreuer: Das elektronische Schloß zum Rollenraum war außer Betrieb - und darin lag der Schlüssel zum Bus. Das zweite Fahrzeug, ein Leihauto, stand garnicht erst am Platz. „Das war ein Satz mit X“, befand Jens - dessen Opel-Van indes für sechs Sportler mit Rennrädern ausgerüstet war. Und weil drei nicht erschienen, passten alle rein: vorn die Masters Kunath und ich, hinten die Amateure Schneider und Kiesewalter, sowie Junior Wünsch. Kurz nach acht in der Frühe trafen wir im 240 Kilometer entfernten Kloster Lehnin ein. Ein Sohn der Gemeinde war ein als „Rosa Riese“ oder „Bestie von Beelitz“ bekannt gewordener Serienmörder, der in den angrenzenden Wäldern der Mittelmark sechs Frauen tötete. Irgendwie gruselig. Passend dazu zeigte sich der brandenburgische Petrus zwar sonnig, im Wald jedoch schattig, rauh und eisig kalt, dazu wehte wechselnder Rücken-, Gegen- und Kantenwind. Von einem intensiven Warmfahren konnte keine Rede sein. Ich hatte mich zeitlich verzettelt, trug zu dünne Kleidung, und fror den ganzen Tag. Aber irgendeinen Tod müssen wir ja sterben. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| 9 Uhr 45 hatte der dritte Kampf des Tages zur Fron im Sattel Stellung bezogen: Elf Jugendliche gegen neundunddreißig nimmersatte Silberrücken, die es in alter Frische krachen lassen wollten. Manche hatten schon vorm Start mit einer Schlacht der Generationen gerechnet. Und tatsächlich brachten gleich die ersten tausend Meter kleine Vorentscheidungen. Angesichts der eines Straßenrennens ansatzweise würdigen Streckenlänge von sechzig Kilometern war ich voller Hoffnung, hatte aber bei dem höllischen Anfangstempo der Juvenilen zusammen mit ein paar anderen an der ersten Steigung den Anschluß verloren und fiel zurück. Eine lange, verzweifelte Verfolgungsjagd folgte. Manchmal war ich fast dran, doch dann beschrieb die Straße einen Bogen, und der Wind blies mir voll in die Seite. So zog die halbe Hundertschaft Meter um Meter davon. Und dann stand ich fast am Ende des Grals, fast schon allein und verlassen im dichten, dunklen Dschungel, getrennt von allen Rennfahrern. Bei der Jagd hatte ich mich so verausgabt, daß mir nach sechs Kilometern die Kräfte zu schwinden drohten. Aber dann kam es doch noch zu einer gütigen Wendung: Auf einer der unendlich langen, schnurgeraden Zementpisten durch die finsteren Kiefern tauchte am Horizont ein helles Licht auf. Keine Fata Morgana, sondern das Jersey eines Rennfahrers. Nach zermürbenden Kilometern war es eingefangen, das schwarz-weiß-rote Trikot des ruhmreichen TSC Berlin. Doch der abgehängte Jugendfahrer brachte nicht genügend Ehrgeiz zur Verfolgung auf, und allein schaffte ich es sowieso nicht. So verkam das 60-Kilometer-Straßenrennen für mich final zu einem 50-Kilometer-Paarzeitfahren im Wald. Zu zweit pedalierten wir weit nach dem Feld ins Ziel. Dort war es zu einem Massensprint gekommen. Auf der Zielanfahrt pirschte der alte Fuchs Großegger rechtzeitig im langgezogenen Feld nach vorn und ergatterte dank seines unwiderstehlichen Antritts den zweiten Platz. Den Sieg eroberte der in bestechender Frühform befindliche Kühnelt aus Wittenberg. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Finale Jens steckte schon in warmer Kluft, als ich im Parkplatz eintrudelte - um mit mir ein mitgebrachtes hellenisches MYTHOS-Bierchen zu stürzen. Nach einem für ihn erneut unerwarteten Mittelfeldplatz will der Querfeldein-Spezialist nun schauen, ob er vielleicht was auf der Straße reißen kann. Bei der Bestenehrung traf ich Grossi. Der war völlig aus dem Häuschchen, es in diesem Leben überhaupt nochmal aufs Treppchen geschafft zu haben. Er war gut positioniert, und bei einer Zielankunft mit Rückenwind sind die vorderen Reihen nun einmal entscheidend. Der Leipziger Matzel nahm seine Holzmedaille mit Humor. Bester im Bus des Dresdner SC war U23-Nationalmannschaftsfahrer Paul Schneider, der im Kampf der Elite triumphierte, und dafür einen hölzernen Hasen-Pokal erhielt. Paul war vor vielen Jahren von Jens im Mountainbike-Bereich trainiert worden, und ringt nun um einen Platz in einem Kontinental-Team. Halb fünf kehrten wir nach Dresden zurück. Ein weiterer Tag war dem Radsport geopfert. Aber was würde man sonst tun an einem Ostermontag? Vitus, 7. April 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: heiter, 7ºC, frische Brise aus West (31 km/h) Typ: Straßenrennen Länge: 60 km Am Start: 309 Elite Amateure: 66, Masters 2: 20, Masters 3: 31, Masters 4: 8, U19: 14, U17: 11, U15: 14, U13: 21, U11: 21, Weibliche Klassen: 17, Jedermann: 86 Im Ziel: 263 Elite Amateure: 64, Masters 2: 16, Masters 3: 30, Masters 4: 8, U19: 12, U17: 11, U15: 14, U13: 21, U11: 19, Weibliche Klassen: 14, Jedermann: 64 Masters 4 Meldungen: 11 Am Start: 8 Im Ziel: 8 1. Harry Kühnelt (RSV Lutherstadt Wittenberg) 1:24:04 2. Marco Großegger (SC DHfK Leipzig) + 0:01 3. Heiko Latocha (RSV Peitz) 1:38:12 + 0:02 4. Jens Matzel (RFC Markkleeberg) 5. Sven Darmer (Berliner RC Zugvogel 1901) 6. Karsten Lenzner (Velo Club Avanti Berlin) 8. Mario Voland (Dresdner SC 1898) + 18:50 Ergebnisse Rad-Net | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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