MURDER JUNKIES, BORNHEIM BOMBS
D-Frankfurt am Main, Nachtleben - 19. November 2008
[-] Neben Buß- und Bettag war am heutigen Novembermittwoch vor allem eins: Fußball. Das Froindschaftsspiel Deutschland gegen England (aber was heißt bei diesen Gegnern schon Freundschaft... der Kick endete übrigens mit einer 1:2-Schmach für die Gastgeber). Schuld war es allemal, daß im »Nachtleben« Leere herrschte. Geschätzte zwanzig Kreaturen der Nacht verloren sich anfangs im Keller unter der Konsti. Am Ende sollten es fünfzig sein, die zu den Murder Junkies und damit zu einem der - wie ihn die Macher anpriesen - »kultigsten Abende in Frankfurt im Herbst 2008« kamen. Die Hälfte stellte der Freundeskreis der Vorgruppe. Peanut und ich hatten über den Veranstalter zwei Gästelistenplätze ergattert und 26 Piepen gespart. Viva Punk!
 
Weil die Kickassrocknroller THE WOLVES aus der »Boring City« Darmstadt aus unerfindlichem Grund plötzlich kollektiv erkrankt waren, hatte sich der Ablauf etwas nach hinten verschoben...
Um 21.20 Uhr schickten sich Frankfurts BORNHEIM BOMBS an, ihr Minialbum 'Laßt mich liegen, ihr kommt ohne mich durch...' auf die kleine Meute loszulassen. Biebl, Jason, Ramon und Massimo boten Deutsch-Punk in einer Linie mit den Dimple Minds und der Prominenz aus Düsseldorf (auf die sie jedoch nicht gut zu reden waren). Nach zwei entspannten Sauf- und-Spaßpunk-Nummern zum Auftakt, hatte sich das Quartett mit der Oi!-Hymne »Clowns der Business Class« warmgeboxt. In der Folge regierten zornig aufgerissene Augen, richtig kämpferische Stahlseile und das bissige Gegröle der Punkrockschule von ´77. Neben schwarzem Humor schütteten die Bombs nun auch hektoliterweise Gift und Galle über´s System und den Musikkommerz aus. Wie etwa in »Zu gut für diese Welt«, »Automaten« oder »Alle Parieren«. Die Titel sprechen ja für sich. Eine Handvoll enterbter Zeilpunker (denen ich auch noch das Bier entkappen mußte), feierte die Lieblingsmusik mit einem schönen Rempeltanz ab, und die Bombs spielten sich in einen wahren Rausch. Und weil am Ende noch Zeit und reichlich Muse für mehr war, erlaubte sich die Rotte einen Klau bei den Ahnen aus England. Und zwar mit der alten Sex-Pistols-Perle »Anarchy in the UK«, die sie in Straßenköterdeutsch umkopiert hatten, und die den Blitzkrieg der Bombs nach fünfzig Minuten beendete. Den sehenswerten Filmclip dazu gibt´s hier: »Bornheim«!
 
Im Nachgang durfte ich mit Biebl quatschen. Der klärte mich auf, daß alle Mitglieder im Frankfurter Stadtteil Bornheim beheimatet sind, und die favorisierte Kneipe ein gewisses »Backstage« ist, wo ich jahrelang gewohnt habe. Frankfurt ist eben ein Kaff. Ach ja: Biebl war noch nie Boxer, auch wenn seine Nase das noch so vermuten läßt.
ABSPIELLISTE BORNHEIM BOMBS
1. Mitte verloren
2. Wolke 7
3. Clowns der Business Class
4. Vier Bier Schönheit
5. Zu gut für diese Welt
6. Trümmerfrau
7. Macht und Arroganz
8. Bayern
9. Automaten
10. Alle Parieren
11. WC Duck
12. Bornheim (The Sex Pistols)
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13. Pariser
Kaputt, kaputter, Junkies! Um 22.28 Uhr stieg die Schau der anderen Art. Nach einem schnöden »We are the MURDER JUNKIES« hatte sich der Schlagzeuger seiner Unterhose entledigt und war als Nudist an den Bühnenrand gekommen, um seine Mitstreiter vorzustellen: FC Murder an der Gitarre, Merle Allin am Baß, PP Duvay an den Vocals, und (er selbst) Dino Sex an den Drums. Mit 14 Tagen Zeitverschiebung waren uns die Junkies also vom Hudson an den Main gefolgt. Jedoch nicht als Marathonläufer, sondern um ihrem einstigen Leader GG Allin anläßlich dessen Herointodes 1993 posthumen Totenkult zu erbringen. Bruderherz Merle und Konsorten verehrten den Jahrestag mit dem ersten Murder-Junkies-Langeisen - 'Feed My Sleaze' - samt einer Klubtour um den Erdball. Und GG hätte sich sehr gefreut. Denn es war alles so wie immer bei den Kings of Scum Punk und deren legendären (und nicht selten blutigen) Misanthropen-Orgien: Explizite, humanoidenverachtende Ergüsse im Geiste Bukowskis und die bekannte Selbstzerstörungs- und Selbstvergewaltigungs-Attitüde kopulierten mit gewalttätigen Vokalen und simpel rausgerüpelten Riffs im gedrückten Tempo zu einem schmierig-schabenden Punk-Rock-Cocktail, wie man ihn von den Amis kennt. Einer trug ein Hemd mit Triskele, einer eine stilisierte Hakenkreuz-Tätowierung (nach amerikanischen Maßstäben nicht mehr als eine Provokation), auf Pinkys Haupt thronte eine Mütze mit eingesticktem Blowjob, über seinem nachtschwarzen Rastabart blitzten zwei diabolische Augen, und Dino Sex trug - wie erwähnt - nichts außer grün eingefärbtem Haar und einen feuerroten Bart. »Feed My Sleaze« war die erste Nummer; die Junkies forderten »Burn the White House« (Revolution U.S.A.); und auch »Stiff Cold Fuck«, »Waking Up in a Pool of Piss«, sowie »Violence Now« zählen zum gesicherten Repertoire. Der Rest wurde Opfer alkoholbedingtem Gedächtnisverlustes. Nach nur dreißig Minuten, und nachdem es auch der neue Frontsicko geschafft hatte, sich die Stirn aufzuschlitzen, bliesen die Junkies leider schon zum Bonus. Welcher aus GG Allins Kultnummer »I Wanna Fuck Myself« sowie einem 13-minütigen Drumsolo bestand. Zum Höhepunkt indes avancierte um 23.24 Uhr der Abgang des splitterfasernackten Dino Sex, der sich seine zuvor mit Bier befeuchteten Trommelstöcke in die Tiefen seines Enddarms einführte.
 
 
Heiliger Vitus, 21. November 2008
(Fotos: Hl. Vitus)