MAN-MADE MONSTER, VOODOO KONG
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 5. Dezember 2008
Es waren der Zufall und die Faszination für eine Band, die den Bassisten von Voodoo Kong mit meiner Unheiligkeit zusammengeführt hatten. Nach einem Voodoo-Kong-Konzert im Mai (aus der Not geboren, denn Trash-Sounds wie die von VK hört man als Doomer nur heimlich), hatte sich King Seesar als Saint-Vitus-Fan offenbart. Saint Vitus´ Gig in Frankfurts Popperloch »Cooky´s« 1989 ist noch heute Kings geilstes Konzert aller Zeiten. Sänger Voodookong wiederum, war nicht nur Augenzeuge der legendären Show, sondern hatte St. V schon zuvor auf deren US-Tour gehuldigt. Über Voodoo Kong lernten wir uns kennen. Neben digitalen Briefen wurden Päckchen durch den Äther zwischen Frankfurt und Limburg gesendet. Banddevotionalien wechselten ihren Besitzer. Und am heutigen finsteren Dezembertag war es King Seesar gelungen, mein Gemüt im Kerker Frankfurt durch eine neue Trash-Seance etwas aufzuhellen. Heiliger Vitus stand auf der Gästeliste von Man-Made Monster!
 
Um zehn hatte ich das im Ebbelwei-Quartier liegende »Bett« erreicht. Der King erwartete mich. Wir tauchten ab in die gute alte Zeit, quatschten über Danzig, White Zombie, King´s Ex-Combo The Bossman, und in erster Linie über das Bindeglied Saint Vitus. Voll des Edelmuts hatte mir der King auch noch einen Film aus seiner Manga-Anime-Schmiede »Nipponart« mitgebracht: eine japanische Version der Spanien-Rundfahrt. Publikum war natürlich auch da. Geschätzte 40 hatten auf die kollektiven Gesellschaftsspiele am Vor-Nikolausi geschissen, und sich statt dessen zur SICK WRECKORDS PARTY zwischen Affentorplatz und Frankensteiner Platz bewegt. Denkervolk, Bohemiens mit Bier aus Bremen in der Hand!
 
Zum Auftakt ließ ab um neun DJ INGO the SICK (Sick Wreckords) die Plattenteller rotieren. Ein alter Freak von einem anderen Stern, der die Leute mit nie gehörten Perlen aus dem Underground der 60er und 70er Jahre versorgte. Mit Rockabilly-, Psychedelic- und Krautrock-Kult geritzt in ehrliches Vinyl. Und wiedergegeben von zwei kultigen Technics Zwölfzehnern. Mit was auch sonst?!
Das Konzert »Show I« kam mit leichtem Verzug aus dem Knick. Nicht wie geplant um 22 Uhr, sondern um 23.18 Uhr, legte die Garage-Trash-Gang VOODOO KONG los. Und mußte nach dem Verhallen des Intros gleich beim ekstatischen »Who Put the Voodoo on Me?« mit einer ausgefallenen Mikro-Anlage fertig werden. Die Technik gerichtet, nahm der Voodoo dann aber seinen ungehemmten Lauf und erfuhr mit dem inbrünstig servierten »Lippstick Girl« schon nach kurzer Zeit den Höhepunkt schlechthin. Voodookong, King Seesar und der als Affe verkleidete Jet Jaguar zelebrierten den Fundus ihrer Historie. Das Bett bekam 17 Nummern; 17 schwüle, prickelnde und atemlose Nummern. 17 mal den Psychobilly-Beat pur. Obskures, schrulliges Zeug in Tradition mit Gruppen wie The Meteors oder Reverend Beat-Man. 17 mal Herz und Seele in diesem intimen Raum, dessen gute Akustik und das schlichte und auf jeglichen High-Tech verzichtende Sound-System das Tragen von Ohrstöpseln komplett überflüssig macht. 17 mal auch schwarzmagischen Glitzer mit einem Schimmer Ironie. Wobei Oldies wie »Mr. Boogie« und »Devil Knee« das neuere - einen Tick schnellere - Material um »Godzilla« und »Touch My Body« für mein Gefühl minimal überragten. Mit dem »Monkey Man« hatten die Hessen zur Mitternacht den letzten Knüller gezündet.
 
Zu fortgeschrittener Stunde wurde ich dann auch noch vom Chef des Bett befragt: »Sach mal, bist Du Heiliger Vitus? Bist Du das?« Und auf mein Achselzucken: »Du siehst aber genau so aus!« Ich muß immer wieder über den Bekanntheitsgrad dieser Internetseite staunen...
SET VOODOO KONG
1. Intro
2. Who Put the Voodoo on Me?
3. Mr. Boogie
4. Lippstick Girl
5. Devil Knee
6. Scream
7. Gina
8. Lonesome Cowboy
9. Stuffed Chicken
10. Sluts
11. Hi Boys
12. Voodoodance
13. Hair Cut
14. Godzilla
15. Back-new
16. Touch My Body
17. Monkey Man
Die folgende »Show II« mit MAN-MADE MONSTER aus Sick City, Österreich, sowie DJ Black Cat (Moonshake) mußte ich wegen der letzten Verbindung heimwärts leider fallen lassen. King Seesar schrieb mir folgendes: »[...] Bin Dir hinterher, aber Du warst schon weg. Bei den MMM hat Jet Jaguar alias Monsignoire Boogalou noch mitten im Song (Go Go Muck-Cramps) die Bühne gestürmt, den Microständer kaputt gemacht, die Band zum Neuanfang genötigt, und dann selbst gesungen! So isser halt, alte Schule! Wir sind so gegen 2.45 abgehauen... [...]«
 
Was hätte das für eine Nacht werden können, wären diese schlimmen Bedrückungen nicht gewesen, die mich in jenen Tagen in ihren Klauen hielten! I bleed black!!
 
 
Heiliger Vitus, 6. November 2008
(Fotos: Geschenke von Voodoo Kong)