LOW ORBIT, SUBMARINE ON MARS
D-Dresden, Chemiefabrik - 23. September 2026
Unter dem Banner „Wir feiern 25 Jahre an 25 Tagen“ zelebrierte der Dresdner Indieladen „Chemo“ von Anfang September bis tief in den Oktober hinein eine Veranstaltungsreihe von Punk über Oi!, Hardcore, Doom und Stoner Rock bis hin zu Lesungen und Filmabenden - kurzum: 25 Tage und Nächte puren subkulturellen Untergrund. Am vierten Mittwoch - pünktlich zum Herbstanfang - regierten die schweren Klänge von Heavy-Psych und Stoner-Doom. Der Einlass verlief erfreulich geschmeidig: Statt von kontrollstempelbewaffnetem Kassenpersonal wurde der Besucher von einem Schild mit der Aufschrift EINTRITT FREI empfangen. Wer das Nadelöhr hinter der dicken Eingangstür passiert hatte, stieß drin auf noch mehr Erstaunliches: Hinterm Tresen stand diesmal keine nassforsche Punkette, sondern - wie gemacht für die beiden Gruppen - ein bulliger Kerl mit langem Haar und Wallebart. Geschätzte achtzig Aficionados füllten die heilige Halle zu einem Drittel locker auf.
Als Erste betraten die westdeutschen Himmelsstürmer SUBMARINE ON MARS das Geviert. Mit ihren langen Mähnen und Bärten, galaktisch ausufernden Klangwelten aus spacigen Fuzz-Gitarren und donnernden Trommeln, war das Trio aus dem Ruhrpott musikalisch und optisch der renommierten Jam-Troika Kadavar nicht ganz unähnlich, und entfaltete auch sofort eine berauschende Wirkung, Submarine On Mars erfanden das Heavy-Psych-Rad also nicht zwingend neu, waren aber mit Herzblut gemacht und ein waschechter Vorgeschmack auf das nahende Heavy-Psych-Sounds-Festival am selben Ort. Im Anschluß zeigte sich der Bassist mit glänzendem Mondgesicht, völlig verschwitzt und erschöpft am Händlerstand.
LOW ORBIT erwiderten den Auftritt der Submarines mit einer Mixtur aus dem kruden Charme von Saint Vitus, den hypnotischen Sons of Otis, eindringlichem Gesang, niederfrequenten Trossen und rohem Wumms, Wie so häufig bei Stoner-Doomern bildete der Frontmann den kreativen Kern beim Vierer aus Toronto, In diesem Fall: Sechssaiter und Sänger Angelo Catenaro, dessen unaufgeregte, spröde, aber zugleich herzliche Art mit seinen Komplizen nicht zu vergleichen war. Während Oldboy Catenaro mich unentwegt an eine Mischung aus gefährlichem Johnny Rotten und angegrautem Peter Maffay erinnerte, bestachen Corey Jake, Joe Grgic und Emilio Mammone durch maximale Lässigkeit, Tattoos, Kappen und Bärte. Auch die von der Meute geforderte Zugabe - ein ungeplantes und erstmals live gebrachtes Lied - nahmen die Männer mit knochentrockener kanadischer Gelassenheit hin. Der heutige Auftritt war erst ihr vierter in Deutschland im letzten Jahrzehnt - und der erste in Dresden überhaupt. Auch dafür wurden sie frenetisch umjubelt. Hoffentlich war es nicht der letzte! Dieses Ritual unterm Kirchturm vom Heiligen Petri zu verpassen war wohl eine kleine Sünde! Die „Chemo“ hat über die Jahre gewiss nicht nur mich stark beeinflusst und mir viele schöne Stunden unter Gleichgesinnten geschenkt. Wie passend, daß die Kanadier ausgerechnet hier doomten. Nach einem guten Stündlein waren alle Geschichten um Zeitreisen, Fiktionen und den Weltenraum erzählt.
 
 
((((((Heiliger Vitus)))))), 25. September 2026
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
SUBMARINE ON MARS
(20.00-20.42 / Titel ohne Gewähr)
1. Red Dressed Devil
2. Arrival
3. The Acid Fueled Battle in the Frozen Deserts of Ganymed
4. Twisted Mind of Fire
 
LOW ORBIT
(21.10-22.15)
1.Cryptic Void
2. Empty Space
3. Dystopia
4. Hell
5. Dead Moon
6. Strange Loop
7. Crimson Rise
8. High Noon
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9. unbekannt