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CORONER, SCHIZOPHRENIA, TAR POND D-Dresden, Chemiefabrik - 5. Oktober 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Für jemanden, der seit langer Zeit von tiefen Sorgen geplagt wird, und der Konzerte mit mehr als zwei Gruppen am Abend inzwischen meidet, war es eine ziemliche Überwindung, nach Kanadas Low Orbit binnen zwölf Tagen gleich zweimal in die „Chemo“ zu stapfen. Aber wenn ein Kultakt wie Coroner ruft, dann ist man als Thrash-Maniac der Achtziger natürlich zur Stelle. Vor allem wenn sie mit Tar Pond Freunde im Schlepptau hatten, die lupenreinen DOOM versprachen. Rund zweihundert Kutten bevölkerten die heilige Halle hinterm Großenhainer Platz. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Ich muß gestehen, von TAR POND bis zu jener Nacht keine einzige Platte besessen zu haben, und damit überhaupt nicht vertraut gewesen zu sein mit ihrer Musik. Ich hatte mir nur paar Sachen im Netz reinlaufen lassen, und vernommen, daß sie vor zehn Jahren vom amerikanischen Hellhammer- und Celtic Frost-Bassist Martin Eric Ain (R.I.P.), dem ehemaligen Coroner-Trommler Marky Edelmann sowie dem Metallstich-Künstler Thomas Ott als Doom-Projekt kreiert wurden - und damit Legendenstatus genossen. Die ersten Rituale der Schweizer stiegen in einem Züricher Pornokino namens „Kino Roland“. Ihr heutiges hier in Dresden war eine Wucht. Die Truppe um Vokalist Ott, die Sechssaiter Stefano Mauriello und Daniele Merico, sowie Chris Perez und Marky Edelmann an Bass und Schlagzeug brachte eine Mixtur aus schleichendem Ultra-Doom und abgründigem Funeral auf technisch brilliantem Niveau rüber. Umweht war das Ganze von Nebel und Melancholie, manischen Bewegungen und dem Haarewirbel der Gitarristen. Alles wirkte äußerst atmosphärisch und als Rookie der Gruppe fühlte mich von der ersten bis zur letzten Sekunde schier wir weggeblasen. Tar Pond zelebrierten drei Lieder. Alle mit epischer Überlänge, alle tief unter die Haut gehend. Zuerst das gotisch angehauchte „Bomb“ vom letzten Werk 'Petrol', gefolgt von zwei Stücken ihres Erstlings 'Protokoll ständiger Traurigkeit': die verfilmte Gänsehautsingle „Please“; sowie das finstere „Damn“. Letzteres widmete Ott seinem Gefährten Ain. Und wie vor jedem Lied musste ein Stoß Asthmaspray helfen. Doch bei „Damn“ legte er mit hinterm Kopf verschränkten Händen seine Seele in die Frontfigur geradezu. Seine Ansage ging so: „Martin was a member of the band. He died - what we all do. But he died before.“ Nach nur dreiunddreißig Minuten verließen uns Tar Pond schon wieder. Tar Pond waren schier unfassbar und tiefschwarz wie ein „Teerteich“! Im Nachhall durfte ich mit Thomas Ott sprechen. Der entschuldigte sich für die etwas diffuse Optik - „Habe ich zuviel Nebel gemacht?“ - und bestätigte mir den tragischen Tod Martins, der beim Sprint zu einer Zürcher Straßenbahn einen Herzinfarkt erlitt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Im Sandwich der Schweizer begaben sich zur Prime-Time Belgiens Death-Thrasher SCHIZOPHRENIA auf die Bühne. Auch die vier Underdogs aus Antwerpen waren gewiß nichts für fröhliche Abendstunden. Aber wer auf eine raserische, atemlos erzählte Geschichte und eine authentische, perfekt zusammenpassende Horde stand, war hier genau richtig. Ricky Mandozzi, Romeo Promos Promopoulos, Marty Van Kerckhoven und Lorenzo Vissol schienen sich in der Chemo pudelwohl zu fühlen, waren verdammt motiviert, machten Vollgas, und wirbelten und rotierten die Matten wie verrückt. Der Death Metal der Belgier atmete stark den Geist der späten Achtziger, kam roh und brutal rüber, und wenn sich die Akteure und Fans stilecht in Muskelshirts, engen Jeans, Nieten und knöchelhohen Turnschuhen Nasenspitze an Nasenpitze begegneten, war die Euphorie des Moments förmlich zu greifen. Im Mittelteil stellten sie der Meute eins von Morbid Angel oder Slayer zur Wahl. Und weil jemand „SLAYEEEEER!“ schrie, wurde es „Necrophiliac“. Nach einem fünfundvierzigminütigen Massaker waren Schizophrenia durch. Der Bandname hielt was er versprach: Starteten irre, endeten hochirre! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Trotz starker Vorgruppen mussten CORONER nicht fürchten, daß ihnen jemand den Ruhm stiehlt. Ihre Musik bewegte sich schon immer an den - etwas verkannten - Rändern des Genres. Sie ist eine Kollision aus Tempo, Struktur und Kontrolle. Auf turbulentem Thrash Metal aufbauend, integrierten die Züricher avantgardistische Finten, Komplexität und die kalte Mechanik des Industrial. Zum anderen genossen Coroner mit ihrer Gründung 1986 und sechs Langeisen im Gepäck ohnehin Legenden-Status. Nicht wenige Shirts zeigten, für wen die Fans angereist waren, manche sogar mit Karre aus dem fernen Jena. Der abgesehen vom langmähnigen Tommy Vetterli optisch in die Jahre gekommene Dreibund aus Ron Royce, Tommy T. Baron und Diego Rapacchietti verzichtete in natura auf jeden Schnickschnack, trug schlichte Hemden, und wenn Ron sang wie eh und je, war der Meute schnurzpiepegal, ob eine glänzende Glatze wirklich THRASH METAL ist. Handwerk statt Show, war hier die Devise! Flankiert von Rhytmus-Gitarrero Daniel Stössel und düsteren Liedern jüngeren Datums fand Mister Ron Royce einen perfekten Einstieg ins Ritual. Und genau dies war zugleich mein persönlicher Wermutstropen. Leider vertrauten die Schweizer allzu sehr auf ihr neues, geschliffenes Material von 'Dissonance Theory', das ich überhaupt nicht brauchte. Was heute definitiv und schmerzlich fehlte, war Stoff von „Punishment For Decadence'. Außer „Masked Jackal“ wurde das gigantische Thrash-Monument aus dem Jahre 1988 mit keinem Lied bedacht. Doch dieses war der Hammer, einfach unvergleichlich! Mit dem ersten unverkennbaren Riff hatte ich mich durch den schwitzenden Menschenknäuel vor ans Geviert gekämpft. Die Quittung: Noch Tage danach schrien meine Nackenwirbel vor Schmerz vom Headbanging. Das Ende nach achtzig Minuten Coroner war schließlich total absurd | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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.:: ABSPIELLISTEN ::. TAR POND (19.00-20.03) 1. Bomb 2. Please 3. Damn SCHIZOPHRENIA (20.15-20.57) 1. Souls of Retribution 2. Schizophrenia 3. Divine Immolation 4. Onwards to Fire 5. Stratified Realities 6. Necrophiliac (Slayer) 7. Cranial Disintegration 8. Structure of Death CORONER (21.21-22.40) 1.Oxymoron 2. Consequence 3. Sacrificial Lamb 4. Divine Step 5. Serpent Moves 6. Masked Jackal 8. Semtex Revolution 9. Tunnel of Pain 10. Metamorphosis 11. Grin 12. Renewal / Prolonging Outro ****** 13. Reborn Through Hate 14. Die by My Hand | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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... und DER MORGEN DANACH WURDE ZUM MORGEN DAVOR! Die wohl surrealste Geschichte meines Lebens schrieb der Morgen nach Coroner. Denn beim Blick ins Handy registrierte ich geschockt das Verschwinden meiner Radrenn-Lizenz. Das Plastekärtchen war mir mindestens so wichtig wie der Perso oder eine EC-Karte - es war mein Lebenchen! Getrieben von einer Eingebung schwang ich mich sofort aufs Rad in Richtung Chemo. Das Eisentor war verriegelt, doch irgendwie kam ich aufs Gelände. Und tatsächlich: Die Tür zum Innenraum stand offen. Drin traf ich auf zwei Typen, die gerade frisch durchgewischt, aber kein Kärtchen gefunden hatten. „Is scheiße, aber guck draußen. Am Zaun stehen zwei Müllcontainer, ein schwarzer, ein gelber, im schwarzen ist der Müll der letzten Nacht.“ Ein winziges Kärtchen in einem Container für über tausend Liter?: Das war die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heu. Doch just in dem Moment, als ich den ersten durchühlten Müllsack zurück in den Container legen wollte, blickte mich zwischen Unmengen an Dreck, Abfall und Scherben wie in einem unwirklichen Moment plötzlich mein eigenes Passbild an - die Lizenz von „German Cycling“, mein Schatz! Die wahnsinnigsten Geschichten schreibt eben nicht die Fantasie, sondern das echte Leben! ((((((Heiliger Vitus)))))), 8. Oktober 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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