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HERMANO, SPOILER D-Frankfurt am Main, Nachtleben - 22. Juli 2002 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Streikende Busfahrer auf dem Weg in die Tretmühle des Geldverdienens. Später dann unzählige prämenstruale Schreckschrauben, ein defekter Rechner und nervige Möchtegernregierer: Heut´ war mal wieder ein Tag voll von diesen Dingen und Gestalten, die einem das Erdendasein verhageln. - Das Leben beginnt immer erst ab vier! - Nach dem miesen Vorspiel im Tageslicht würde heute die Ikone des Stoner Rock, Señor John Garcia höchstpersönlich, als Stimmungsaufheller nach Frankfurt kommen. Im Klub »Nachtleben« warteten Amphetamine pur. 280 Anhänger freuten sich und machten die kleine Schwester der Batschkapp proppevoll. Gegen 21.10 Uhr griff die Vorhut zu den Instrumenten. Eine Kapelle aus dem Land von Kanabis, Kaas und Klompen, gute Freunde von John: SPOILER aus Utrecht. Spoiler waren unter Zuhilfenahme zweier Leute von Candybar Planet der Asche der bekannteren Groove-Rocker 7Zuma7 entstiegen und servierten ein dreiviertelstündiges Set aus derzeit angesagtem, geradeaus nach vorne bretternden Heavy Rock, der von einer diskreten Kante Stoner Rock veredelt war. Dies leider mit nicht mal mäßigem Tiefgang. Du kennst das Musical »Grease« mit Olivia Newton-John und John Travolta? Ein buntglitzerndes Zitat der Superschnulze »Electrifying (You´re the one that I want)« redete für sich. Und ehrlich gesagt: Spoiler und all der Kram um Muckis, Mösen und Motoren haben mich sowieso noch nie interessiert. Die Niederländer waren Luftleitbleche ohne Bodenhaftung, Heineken light, Mädchenkram, Geräuschkulisse zum Höhleputzen. Mehr nicht. Ein Pluspunkt unter den Oranjes: ihr charismatischer, nach Chris Cornell klingender Sänger, Jascha van Roij. Und meine Kirsche spendete den vier Easyriders gar 15 Gulden für eine CD von 'Mud´n´Glitter'. Genug gesagt... ... Pause... mit Biervernichten... und... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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...uhh yeah... der Mann, für den die Leute angerückt waren, trat ins Licht: John Garcia! Nachdem sich die innovativen Kyuss viel zu früh aufgelöst hatten, die Zauberlehrlinge Slo Burn jung zu Asche verbrannten und auch den explosiven Unida kein langes Leben beschieden war, ist Garcia in einem neuen Projekt aktiv. HERMANO (Bruder) ist der Name der 1998 gegründeten und über ganz Amerika verstreuten Stoner-Connection mit Hauptquartier Ohio. Gruppengründer ist eigentlich der kahlköpfige Dandy Brown vom Orchestra Del Desierto. Der wiederum scharte Afghan Wigs-Trommler Steve Earl, Black Cat Bone/Supafuzz-Gitarrist David Angstrom, Disengaged/Earshot-Glatzenklampfer Mike Callahan und eben jene Wunderstimme Garcia um sich - und Hermano waren geboren. Die Amis präsentierten heute die ursprünglich für Unida gedachten Kompositionen um den Superkracher »Landetta (Motherload)«. Das ganze Werk nennt sich 'Only A Suggestion'. Um 22.22 Uhr ging es ab - und nach wenigen Takten war klar: Hermano besitzen nicht das Fluidum von Kyuss. Nein, das erreicht ohnehin keiner mehr. Die Hermano-Songs fuzzrocken weniger geheimnisvoll, sondern knochentrocken, zackig-punkig auf den Punkt. Aus dem einst Pestmasken tragenden Schlaks John ist ein stattlicher Zweizentner-Mexicano geworden. Doch gestern wie heute - was auch auch immer er anpackt - sein einzigartiger, orgiastisch-orgastischer Kojotenblues degradiert das Gros der Vokalisten zum Fußvolk. Und seine Coolness sucht seinesgleichen. Gewandet in schwarzem Satin und lässig das lange Haar wippend, ließ sich der eher stille John heute selbst einen Bauchklatscher mitten in die Meute nicht nehmen. Eine neue tolle Stoner-Combo sind Hermano allemal. Und ja doch: Hermano zogen den Sombrero vor Kyuss: Die »Green Machine« war auserwählt. Lange schon drückte das Quecksilber im hitzigen Szenario auf die 100 Degrees. Zur Abkühlung etwas kalten Stahl? Hermano intonierten Iron Maidens »The Number of the Beast«. Kurz nur, aber immerhin. In voller Macht und Schönheit jedoch, rauschte eine Nummer der Misfits-Horrorpunks durch die flirrende Luft. Und am Ende standen Hermano mit ihren Kumpels Spoiler vereint auf der Bühne. Um mit »T.N.T.« von AC/DC einen lässigen Abschied zu nehmen. John Garcia schämte sich nicht seiner Gefühle und verschwand alsbald im Volk. Seine Komplizen irrten suchend nach ihm durch die Nachtleben-Gemächer. Gerüchten zufolge, sollen mehrere weibliche Anhänger einen besonders nahen Kontakt zu ihrem Idol gesucht haben... Letztlich erschien John mit seiner »Love of my life« an der gut besuchten Bar. Beim standesgemäßen Absacker bekamen wir den Maestro ein letztesmal flüchtig zu Gesicht. Es war ein Hauch von Magie, der süchtig macht. Zur Geisterstunde gingen wir raus, in die Hitze der Nacht. Heiliger Vitus, 23. Juli 2002 (Abbildung: Hl. Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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