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EARTHLESS, PONTIAK, EPHEMEROL D-Frankfurt am Main, Elfer Music Club - 6. August 2009 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| [[[O]]] Am 64. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs auf Hiroshima hatten drei Trupps aus USA eine Frankfurter Konzerthalle namens »Batschkapp« in Beschlag genommen. Um unter deren Dach gleich zwei Feldzüge abzuhalten. Einen über der Erde, im großen Saal. Nicht mit Enola Gay, sondern mit New Yorks Agnostic Front. Einen unterirdisch, im Clubkeller, mit dem experimentellen Underground um Earthless und Pontiak. Den Hardcore von AF hatten wir vor einem Jahr erlebt, heute war Psych im »Elfer« angesagt! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Ab 21:30 startete der Spähtrupp durch. Drei schräge Figuren aus Hessen. Und zwar wort- und ansatzlos. Erneut wurde fast vollständig auf verbalen Firlefanz verzichtet. Das Regiment hatte wieder nur die Ton-Kunst pur. Grund für drei Knaben, bereits nach wenigen Takten die Lokationen zu tauschen und sich im Saal die Propaganda aus der Lower East Side zu geben. Von anfangs 10 Zuschauern blieben 7 übrig, wurden aber nach und nach auf 30 aufgestockt. 30 Menschen sollten das Auditorium für eins der genialsten Konzerte der jüngeren Vergangenheit bilden. Mit nicht nur einer tollen Gruppe, sondern mit drei absolut ebenbürtigen und Gänsehaut vom ersten bis zum letzten Atemzug! EPHEMEROL bestritten die Einleitung. Die nach dem Cronenberg´schen Pharmakon benannten Drone-Doomer aus Frankfurt. Und wie es der Zufall wollte, setzten ephemeroL heute exakt an jenem Punkt an, an welchem wir vor einem halben Jahr vorzeitig gegangen sind. Wir bedauern das! Denn mit »Bad Resurrection Eastern Clank« ging es von Start weg richtig zur Sache! Im Februar noch leicht dezitiert bis phlegmatisch, waren Engl, Eckhardt und Prochir heute Menschen mit Aura. Künstler, die ihre Instrumente sehr verbissen und schlau (im positiven Sinne!) traktierten! Fast nicht wiederzuerkennen! »Bad Resurrection Eastern Clank« begann artrockig und endete dronig. An zweiter Stelle positioniert, erwies sich »Hard Narcotics« als schwer pumpender und rumpelnder Koloß von monolithischen Ausmaßen, der bisweilen von einer gefrickelten Gitarre gepiekt wurde. »Zero Hole« kam dann mit einer wilden Kaskade aus allerlei Krach erzeugendem Krempel in die Gänge (der Krautrock ließ grüßen), lärmte im Mittelteil auf einem hypnotischen Riff herum, und schloß in einem völlig entrückten Gemisch aus Drone Doom, Jimi Hendrix und Free Jazz. Transzendentale Experimente besiegelten schließlich dann auch die Schau. »The Crunch«, so hieß das Teil im Endstadium. Zu Gitarre, Bass und Schlagzeug hatte sich ein viertes Instrument gesellt. Eine elektronische Black Box, welche der Bassist angestoßen hatte, und welche danach von Alpha bis Omega quälerisches Sirenegeheul und sonarähnliche Ortungsgeräusche generierte. Der Initiator selbst steuerte einen kleinen Veitstanz bei. Nach den Wolves in the Throne Room waren die 50 Minuten ephemeroL der mit Abstand stärkste Tobak, der im »Elfer« je geschah. Surrealistisch bis paranoid - und doch sehr wirklich! In meinen Augen war Frankfurts Neue Kreativelite ephemeroL nicht mehr zu übertreffen. Oder doch? | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Die zweite Gruppe legte 22:40 relativ locker und positiv los - und drehte in den folgenden 40 Minuten völlig ab! »Laywayed« war deren Prolog betitelt. Ein Lied, das mit an die Queens of The Stone Age erinnernden, trügerisch sommerlichen Vokalen anfing, um in einem nahtlosen Stream über das bizarre Klangexperiment »Blood Pride« und »Wax Worship« fortzuführen, und schließlich zwölf Minuten später im wüsten Chaos der »Headless Conference« verendete. »Thank you! We are PONTIAK from Virginia!« ließ man verlauten. Pontiak, dies sind drei Männer vom selben Blute. Allesamt mit verfilzten Bärten, schlichter Kluft und mit einer gewissen Scheu an Amisch Abgeschiedene denken lassend. Dem Farmland im Osten Amerikas entstammen sie, die Carney-Brüder Van, Jennings und Lain. Ihr nigelnagelneues Werk haben sie heute vorgestellt. 'Maker' heißt es. Und wuchtig dröhnenden Psychedelic bis Stoner Rock und Stoner Doom von großer Power, knietief in den Siebzigern enthält es. Darunter den viertelstündigen Titelsong: einen sonnenheißen Ambient Stoner Doomer, der durch eine obsessive Performanz und die höchste Spielkunst des Sechssaiters Van bestach. Mal waren da geistesverkehrende Wah-Wah-Riffs, und mal ein sporadischer Blueschor zu dritt. Und wenn es krachte, dann krachte es richtig! Und dies sehr oft! Das Finale begann als Hommage an die alten Pink Floyd (denke an die Unergründlichkeit der Sternenwelten), es surfte über hitzeflimmernde Tarantino-Gitarren hinweg, und krepierte schließlich - forciert von einer abgewrackten Whiskyröhre á la Lemmy - in einem kruden Motörheadrocker vorm Herrn. »Shell Skull«, wie dieser stockfinstere Part im Abgang hieß, vollendete um 23:20 die Show der Carneys. Auf die Ostküste... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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... folgte der Überflug an die Westcoast der USA. Ab 23:35 stand das Jamprojekt EARTHLESS aus San Diego, California, auf der Bühne. Und zwar erstmals im Leben auf einer deutschen. Und dies mit innigen Dankes- und Grußworten an ephemeroL und ihre »Brothers in arms« Pontiak! Was ist zu Earthless zu sagen? Isaiah Mitchell, Mike Eginton und Mario Rubalcaba teilten beim Roadburn-Festival im Frühjahr mit niemand anders als Saint Vitus die Kanzel, und Earthless waren nach Frankfurt gekommen, um rein instrumentalen Psychedelic Sludge zu zelebrieren. Zwei Teile hatten sie dabei. Den »Sonic Player«. Und »Godspeed«. Beide zusammen liefen über eine Dauer von 45 Minuten, wovon »Godspeed« allein weit über eine halbe Stunde beanspruchte. Damit dürfte alles gesagt sein. Earthless waren ein exzessiver Trip in die Psychowelten. Vor uns standen drei absolute Freaks, jeder schwerstens charismatisch auf seine Weise. Derweil der Gitarrist vehement an den kojotig-coolen und doch so zerbrechlichen Tom Phillips von While Heaven Wept erinnerte, war es wiederum der zwergenwüchsige und verschärft tätowierte Bassist, der als absoluter Kontrapart mit unglaublich stoischer Attitüde sein Ding durchzog, und wiederum der Bandgründer hinterm Schlagzeug, dem allein schon für seinen körperlichen Kraftakt allerhöchster Respekt gebührte! Earthless waren ein Tornado aus gelifteten Doomrockern irgendwo aus der metallischen Frühzeit von Saint Vitus und deren »White Stallions«, aus staubtrockenen, heftigen Gitarren, drückenden Bässen und explodierenden Gedanken in den Untiefen des kosmischen Himmels. Und dies alles war gemacht mit den minimalistischsten Mitteln die man sich vorstellen kann. Drei Instrumente, sonst nichts! Und würden die Psychbrüder von Pontiak weiter germamisches Zauberelixier reichen - die Amis hatten ihre helle Freude selbst beim Vernichten von billigem »Hansa-Pils« - so würden Earthless wohl noch heute im »Elfer« stehen und ihre wunderbare Musik jammen. »Godspeed« gipfelte in einem wahren Rausch der Geschwindigkeit. Es war, als wenn der Mond auf die Erde stürzt. Mit einem akzentfreien »Dankeschön« war um 0:20 alles vorbei. Dieses Konzert gehört für mich in die Top 3 des Jahres 2009 weltweit! Drei Bands komprimiert auf knapp drei Stunden. Jede Sekunde davon der helle Wahnsinn! Am Rande: ... Derweil Pontiac spielten, waren mit Rene und Dirk zwei Mitglieder der Doom-Rocker Wight aufgekreuzt. Wight waren extra für dieses Konzert aus Darmstadt angereist - und Rene hatte mich im Publikum sofort verortet. Nur leider ich ihn nicht (die verheerende Menschenblindheit...). In einer Art hellseherischer Wiedergutmachung hatte sich aber mein Mädel heute ausgerechnet einen Fetzen von Wight übergestreift... ... Wight wollten mit ephemerol einen Deal machen. ... Maxim Engl und Van Carney schrieben mir in schöner Schrift die Abspiellisten ihrer Gruppen nieder. ... Der Freundeskreis der Amis blechte ohne Murren und mit Trinkgeld 20 Euro für drei winzige Büchsen »Jacky-Cola«. ... Und meine Freundin und ich, wir haben uns um 0:30 aus dem Staub gemacht. ... An der Haltestelle Heddernheim wurden wir von zwei sternhagelvollen Besuchern des Agnostic Front-Konzerts angepöbelt. Der eine mit Glatze und sich notorisch die Hose runterlassend, der andere mit langen Loden und den Schimpfwörtern »Scheiß Headbanger! Nazischweine! Bastards!«, dazu »Hardcore! Wir kriegen euch alle!« ((((((Heiliger Vitus)))))), 8. August 2009 (Fotos: Hl.Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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SET EPHEMEROL 1. Bad Resurrection Eastern Clank 2. Hard Narcotics 3. Zero Hole 4. The Crunch SET PONTIAK 1. Laywayed 2. Blood Pride 3. Wax Worship 4. Headless Conference 5. Maker 6. Sun on Sun 7. Shell Skull SET EARTHLESS 1. Sonic Player 2. Godspeed a) amplified b) passing c) trajectory d) perception e) cascade | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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