DORNENREICH, AHAB, FJOERGYN
D-Frankfurt am Main,
Nachtleben - 25. Mai 2009
(((O))) Vorweg: Mit diesem Rapport soll niemand verletzt werden. Aber ich war nur für AHAB gekommen! Der Rest hat mich nicht interessiert.
 
Eine zweite Gruppe, die mich interessiert hätte, die aber »aus terminlichen Gründen« die Tour absagten, wären die Engländer FEN gewesen. Fen versprachen transzendentalen Black Metal im Geiste Burzums - sollten aber leider nicht sein...... An Bord des »Nachtleben« waren geschätzt 250 Menschen. Damit war das Erdloch gut voll. Wir hatten es mal wieder mit einem drückend heißen Schwitzkasten zu tun!
Die Rolle von Fen aus UK hatten FJOERGYN aus Thüringen eingenommen. Flankiert von zwei hohen Leinwandbildern mit herbstlicher Kahlheit und den Insignien ERDE und MENSCH hämmerten vier Männer eine brachiale Mixtur aus Venom, Rammstein und In Extremo in den Raum. Als Dark Metal mit Ausflügen ins Schwarzmetallische würde ich das stilistisch einstufen. Die Lieder waren auf Germanisch, der Gesang oft mehrstimmig, mal melodiös, mal grunzend, mal röchelnd, und die Intrumentarien sehr bombastisch bis schwülstig, mitunter auch jagend schnell. Lieder mit Namen wie »Des Winters Schmach« und »Ich sah den Himmel weinen« reden ja eine deutliche Sprache. Das Letzte war mit einem unterwürfigen Dankeswort dem Frankfurter Publikum gewidmet. »Sade et Masoch« hieß es, und vereinte in zehn sehr melodramatischen Minuten die komplette Welt der Männer aus den Wäldern im Osten. Rufe nach einer »Zugabe« ertönten. Fjoergyn wollten - durften dies aber wegen einem engen Zeitplan nicht. Der Einsatz des Spähtrupps währte von 20.45 bis 21.20 Uhr.
 
Eine gewisse Zeit lang verquatschte ich mit dem Gitarristen der hessischen Black-Metaller Deadwood. Grom hatte mir beim Betreten des Kellers auf die Schulter getippt. Wenig später gesellte sich noch Schlagzeuger Anti-Chris(t) hinzu. Auch Deadwood waren speziell für den Doom aus dem Odinwald angerückt.
Nach einer angemessen spannungsaufbauenden Untermalung aus dem Film »Moby Dick« schlug um 21.37 die Glocke für das bayrisch-badische Konglomerat AHAB. Ahab waren mit einer nicht ganz unerheblichen Last gekommen: Mit Gitarrist Hector war eins der Gründungsmitglieder nicht an Bord. (Christian setzte die komplette Tour aus, wie mir das Mädel vom Händlerstand sagte. Ersatz war ein gewisser Markus Sailer von den Death-Metallern The Exorial.) Somit verblieb nur Daniel Droste von der Urbesetzung. Bassist Stephan Wandernoth und Schlagzeuger Cornelius Althammer machen Deutschlands Nautik-Doomer Nummer 1 seit geraumer Zeit komplett. Ahab präsentierten heute ihr letztes Kapitel zur Walfänger-Trilogie um den tyrannischen Kapitän aus dem berühmten Roman. 'The Divinity Of Oceans' heißt es. Drei Stücke davon haben sie gebracht, dazu eins vom Vorgänger. Wobei Letzter - verteten durch »Old Thunder« - morbider und dräuender daherkam. Aber noch immer steckten Ahab voller abgründigem Tiefgangs, voll von diesen allesbegrabenden Wogen, die zum Ende hin von stürmischen Schlägen aufgepeitscht werden. Gleichwohl Ahab nach den kolossalen Untiefen von 2006 - Doom Shall Rise! - nun auch durch etwas leichtere, sphärischere Gewässer brausten, und sich in Drostes Geröchel manchmal sogar gesungene (!) Melancholie schlich. Ahab lieferten eine sehr stoische und extrem glaubhafte Darbietung ab. Der doomige Strudel hatte mich von Beginn an mitgerissen. Es war sehr reinigend, sich fünfzig Minuten headbangend mit dem blonden Käpt´n das Rückgrat zu malträtieren. Leider wurden die ganz tiefen, hautnahen Gefühle durch ein paar in der Frontreihe verwurzelter, blutiger Groupies zerstört. Seltsam auch das doomunübliche Davonschleichen der Protagonisten. Ahab wurden weder vor noch nach der Schau gesichtet. Kein Wunder bei diesem Volk...
SET AHAB
Intro
1. Redemption Lost
2. Old Thunder
3. The Divinity of Oceans
4. The Hunt
Ein weiteres Intro vom Tonband. Zwei langlodige Finsterlinge betraten die Bühne. Schelmisch grinsend. Der eine öffnete ein geheimnisvolles Täschchen und nestelte eine kleine Geige hervor. Dann verliessen diese Herren die Bühne. Das Licht verlosch. Und die Herren kamen nach wenigen Sekunden wieder und machten eine artige Verbeugung ganz nach Wiener Schmäh: Leicht wunderlich stellte sich der Auftakt von DORNENREICH ab 21.50 dar. Es waren aber nicht zwei von der Partie, nämlich Evíga und Ingve, sondern auch noch ein unbekannter Dritter hinterm Schlagzeug, der gar nicht zur Gruppe gehört (zwei schwarzgewandete Turteltäubchen, die Ahab übrigens nicht sonderlich gut fanden, hatten mich aufgeklärt). Und dann die ersten Töne. Zelebriert in geflegter Sitzplatzunterhaltung. Mittelalterliche Minnesängermelodien, Gekrufte mit subtil-folkigem Anstrich. Man kann es göttlich finden - oder haßen. Ich habe die Darkies aus Austria nach wenigen Augenblicken verlassen. Nachfolgend die tiefgründigen Titel aus dem Dornenreich......
SET DORNENREICH
Intro
1. Drang
2. Jagd
3. Eigenwach
4. Grell und dunkel strömt das Leben
5. Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz
Midtro
6. Flammentriebe II
7. Der Hexe flammend´ Blick
8. Leben Lechzend Herzgeflüster
9. Trauerbrandung
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10. Wer hat Angst vor Einsamkeit?
Outro
((((((Heiliger Vitus)))))), 16. September 2009
(Fotos: Hl.Vitus)