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COLOURFUL GREY, TRIP FONTAINE, PILLOW FIGHT CLUB, LEX LUTHOR D-Frankfurt am Main, Sinkkasten - 23. Dezember 2005 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wintersonnenwende. Julfest. Ende der dunklen Zeit. Rückkehr der Sonne und damit auch Ende des Hungerns. Eine Zeit auch für schutzanrufende Rituale im Bangen ums nackte Überleben. Das alles zwölf Nächte - die sogenannten Rauhnächte - lang. So war das mal bei unsren heidnischen Ahnen. - - Später - vom Christentum zum »Weihnachtsfest« umbenannt - nur noch Kommerz, Konsumterror und scheinheilige Familienfeste. In der zweiten Rauhnacht (23. Dezember) hatte mich die jährliche Einsamkeit eingeholt. Ich war allein in der großen Stadt, weitab der sächsischen Familie, verdammt in Frankfurt, daß nie meine Heimat sein wird. Zur Flucht aus dieser Isolation war eine Anti-Weichnachtsveranstaltung unter Gleichgesinnten auserkoren: das »Support Your Scene 66« im Sinkkasten. Vor der heimischen Anlage mit Doom, Kräutersaft und Zauberelixier vorgeglüht, schlug ich mit gehöriger Verspätung im Stadtkern von Frankfurt ein. Zur Strafe wartete auch noch etwas Ärger mit den bösen Onkels vom Einlaß, die meine Kartenvorbestellung einfach ignorierten und statt dem Vorverkaufs- den Abendkassenpreis einforderten. Aber dafür durfte man sein Jäckchen an der Garderobe abgeben, was auch nicht jeder Klub bietet. Mit 450 Leuten war der antiquierte Laden ausverkauft. 450 Leute, die sich aus 90 Prozent Gymnasiasten, Diskoschnitten und Backfischen, 8 Prozent Eltern auf der Suche nach der verlorenen Jugend und 2 Prozent Musikfreaks und einigen Zeilpunkschnorrern rekrutierten. Ich war sowas wie der Methusalem und der einzige Langhaarige. Im Übrigen nur kopfbeschnittene Clearasil-Front soweit das Auge sah. So, als hätte man einen Schulhof im Sinkkasten abgeladen...... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die erste Formation aus der neuen Generation »Sturm und Drang«, der unbekannte »Special Guest«, lag schon im Endstadium. Dal ich praktisch den ganzen Auftritt verpaßt hatte, hier die gespielten Titel in der Selbstumschreibung der Band. «How to Dance«: Disco/Party/Dance...... »Scaramanga«: Abgeher...... »Let Go«: Sphäre...... »Climac«: Ran/Abgeher...... »Crash Kisses«: Lower...... »Backdoors«: lower/Pop...... »Vamp«: Rock´n´Roll...... »Lately«: Anfang low/Party/Pop...... »Bellarocka«: Rock´n´Roll/Dance...... Gegen 22.25 Uhr, also nach einer knappen Zeigerumdrehung, waren die vier durch. Ich stecke sie mal in die Schublade Alternative Rock. Kurios, daß keiner wußte, wer überhaupt auf der Bühne gestanden hatte. Der Gitarrist klärte mich auf: »LEX LUTHOR«. Und (das Fragezeichen auf meiner Stirn erkennend): »Kennst du nicht? Den Typ von Superman: Lex Luthor?!« Schande über mich! Hätte es wissen müssen: der irre Superschurke aus einem der Meisterwerke US-amerikanischer Filmkunst. Es sollte ein Abend furchtbarer Langeweile werden. Ich als Doomer umgeben von Nesthäkchen, die sich alle einander kannten. Von Girlies auf dem Rühr-mich-nicht-an-Trip und von blutleeren Typen die artig an bonbonfarbenen Vitamindrinks nippten. Mit dem Hirn in der Hose und dem Geist im Glas, beschloß ich, mich zu betrinken. Bei dem kultigen Schankburschen, der mit seinem Pilzkopf wie der letzte Lebende der Ramones wirkte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Ab 22.45 war Puppenalarm. Standen doch im nach David Finchers Film benannten PILLOW FIGHT CLUB zwei Diwotschkas an der Front. Alternative Post Punk hat sich der im Raum Frankfurt ansässige deutsch-italienisch-spanische Vierer auf die Fahne geschrieben. Poppige Lieder in Form »als Liebesbriefe getarnter Briefbomben«, wie das Debüt 'Heart-shaped Bombs' frei übersetzt heißt. Was aber bei den schlappen Einleitungen »Overdrive« und »Let Me Decide« ein wilder Wunsch blieb. Die Engelsflügel tragende Valentina erkundigte sich, wer den Weihnachtsstreß schon hinter sich habe, um sich darauf durch die Deluxe-Version des Östrogenrockers »Do It« zu garsten und zu lispeln. Viel kindsfrauliches Gebiestere, aber kaum Kampfclub auch bei den »Monsters in the Street«. Doch zumindest offenbarte sich der Gitarrist unter all den Straight-Edgern als radikaler Biertrinker. Dann gab es den »deutschesten Song von der Platte (aber kein Wunder - es gibt ja nur einen).« Er trug den kryptischen Titel »Gurkenmenschen from Hell« und war - wieder kein bißchen Punk. Statt dessen schrecklich verkopft und vertrackt. »Nova« spazierte dann zumindest vom Takt etwas flotter daher. Und vor »Happy Grey« schließlich, gab es die Aufforderung, die Hände zum Himmel zu strecken. Eine halbe Stunde vor Mitternacht - nach der Neunummer »Mirror Star« - verabschiedete sich die pastellene Kommune mit der Ankündigung »zwei der besten Bands, nicht nur aus Frankfurt, sondern aus ganz Deutschland sehen zu können: Trip Fontaine und Colourful Grey.« In der Pause dann wieder Seelentrost und Küsschentausch mit zwei bis vier kühlen Blondinen namens Pils. Schließlich feierten wir das Fest der Liebe! Und bald schon war die Welt um mich herum völlig wuschig und vernebelt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Als sich 23.53 die Rodgauer Post-Hardcoreler TRIP FONTAINE in ihre fünfzigminütige Schau stürzten, befand auch ich mich auf einem Trip. Auf dem Trip in den Solitudetod. Wieso nennt man sich auch Trip Fontaine? Wenn man ursprünglich als IRON COW, als Eiserne Kuh unterwegs war?! Klaus, Timo, Flo, Basti und Alex waren auch wieder von einem Film inspiriert. Der obercoole Herzensbrecher aus Coppolas faszinierendem Mädchendrama »The Virgin Suicides« war der Anlaß zur Umbenennung. Der Film gipfelte ja im Suizid der fünf jungen Nymphen... Auch wenn Iron Cow - respektive Trip Fontaine - mich nicht wirklich umbrachten, so blieben sie mir zumindest als die schnellste und härteste Gruppe dieser Nacht in Erinnerung. Trip trippten zwischen allen Gipfeln und Tälern der Gefühle. Mal wurde geschrien, mal bitter gegrindet und mal psychedelisch-süß geschrammelt. Es war also sehr experimentell. Der nette Lichtonkel vom Sinkkasten brachte dann auch noch Licht ins Rätesel der Liedernamen. Hier die Abfolge und wie Trip sie selbst sahen: «Selling the Summer«: sehr langsame Steigerung, unterlegt von dunkel-blauem Licht...... »Lilith«: beginnt abrupt nach dem Intro mit Snare-Schlag. Laut-Krach-Geballer. Weisses Licht. Mitte des Soongs atmosphärische Steigerung. Grünes Licht. Danach: Laut-Krach-Geballer...... »Nummer 5 lebt«: hektisch! Lila!...... Übergang zum nächsten Song fliessend...... »Klopper«: schnell, aggressiv!!...... »Chemical«: ruhiger, warm, am Ende laut...... Fliessender Übergang zum nächsten Song...... »Pancakes«: poppig. Pinkes / türkises Licht...... »Panpipes«: laut, hektisch - Atmo Intro...... »In Full Bloom«: Lichtmischerimprovisation!! Juryvorgabe: kein rot. Danach Feedback - Übergang in...... »Instrumental«: psychedelisch. Drogen & Sex. rot...... »Insomniacs«: poppig. Pinkes Licht. Sehr langes Outro. Lange Steigerung / Melancholie! Ende sehr laut / Chaos. Geht tierisch steil mein Lieber! - Ende - Vielen Dank, Deine Trip Fontaine Boys! Nach den Eisenkühen dann wieder orales Einführen von blondem Gift und... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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... 1.02 Uhr die Bekanntgabe: »Wir sind COLOURFUL GREY«. Die farbig-grauen Kings of Emo aus dem Frankfurter Vorkaff Höchst also. Der Grund meines Erscheinens. Zwei Jahre zuvor hatte ich CG schon mal gesehen. Am selben Ort. Und war von ihrem bittersüßen Gefühlspunk schwer angetan. Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben. Die fünf sind reifer geworden. Und haben dabei etwas von ihrem ungestümen, adreanalingeladenen Extraordinärem verloren. Vielleicht war ich zum Showdown aber auch zu arg zugedröhnt. Und dabei hatten die Kerls dem einsamen Heiligen doch ihr Neuwerk mitgebracht. Eins, dessen Titel allein schon das Weihnachtsleid teilen sollte: 'Songs For Solitary Soccer Stars'! Die »Lieder für die einsamen Fussballhelden« also. Tja, Pech gehabt: Die Erinnerungen sind diffus und suspensiv wie der heutige Auftritt von CG. Deshalb hier wieder das Gedankenprotokoll vom Lichtmeister: «The Spirit of Green«: Anfang ruhig. Grüntöne, ruhiges Licht. Mittelteil rhythmisch, Bassdrum betonen mit Weiss. Ende laut, mehr Abwechslung...... »This World«: Rot-weiss, im Refrain wildes Licht...... »All Fall Down«: ruhiger Anfang, Licht auf Sänger. Wenns lauter wird, Band beleuchten. Blautöne, evtl. lila...... »Till Death Do Us Part«: rhythmischer Song. Rot, gelb, fröhlich...... »Autumn Rites«: Feedback-Anfang. Eher düster. Wenn Drums einsetzen hektisches Licht...... »Boulder Dash«: sehr ruhiger Anfang, eher dunkel, Blau-Lila-Grüntöne. Ende wird lauter, durch mehr Licht unterstützen...... »Scared«: schneller, lauter Song. Hektisches Licht. Düsterer Mittelteil, weniger Licht. Wird danach wieder lauter...... »A Long Time Short«: Anfang eher düster, Bassdrum betonen. Refrain sehr laut. Rot-Töne...... »To End All Songs«: ruhiger Anfang. Licht auf Keyboard und Sänger. Wenn der Song laut wird, wildes Licht...... »Temporarily«: CHAOS!!! TERROR!!!...... Als Philipp, Boris, Simon, Jan und Jan um 1.48 endeten, war ich zu den weissen Mäusen mit den roten Augen weggedriftet. Ich stolperte in die kalte Nacht. Die letzte Bahn war lange über alle Berge. Aber in einem Pub brannte noch Licht. Es war die Tuntenbar »Birmingham« auf der Zeil, in der ich einen Taxiwagen orderte. Einige schwarze Suppen aus Irland zerstörten die allerletzten noch intakten Hirnstrukturen (aber wenigstens hat man nicht seinen Arsch verkauft). Der 24. Dezember war drei Stunden jung, als ich heim kam. Gegen halb vier fiel ich in einen Totenschlaf von 30 (dreißig) Stunden. Der »Heiligabend« ´06 hat für mich nie stattgefunden. Kurz vorm Verdursten erwachte ich. GOD JUL! Heiliger Vitus, 27. Dezember 2005 (Abbildungen: Hl. Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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ABSPIELLISTE LEX LUTHOR 1. How to Dance 2. Scaramanga 3. Let Go 4. Climac 5. Crash Kisses 6. Backdoors 7. Vamp 8. Lately 9. Bellarocka ABSPIELLISTE PILLOW FIGHT CLUB 1. Overdrive 2. Let Me Decide 3. Monster in the Streets 4. New Ressources 5. Do It 6. Gurkenmenschen from Hell 7. Nova 8. Happy Grey 9. For This 10. Mirror Star ABSPIELLISTE TRIP FONTAINE 1. Selling the Summer 2. Lilith 3. Nummer 5 lebt 4. Klopper 5. We Are All Chemical 6. Pancakes 7. Panpipes 8. In Full Bloom 9. Instrumental 10. Insomniacs Unite ABSPIELLISTE COLOURFUL GREY 1. The Spirit of Green 2. This World 3. All Fall Down 4. Till Death Do Us Part 5. Autumn Rites 6. Boulder Dash 7. Scared 8. A Long Time Short 9. To End All Songs 10. Temporarily Untitled | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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