WOLVES IN THE THRONE ROOM
D-Frankfurt am Main, Elfer Music Club - 19. Juni 2009
(((O))) Ein Faible für Burzums 'Filosofem': Wer dieses besitzt, fand in jener Mittsommernacht in Frankfurt den Himmel, respektive die Hölle, auf Erden. Wolves in the Throne Room, die neue Post-Black-Metal-Legende aus USA, die einzig legitimen Nachfahren des vier Wochen zuvor - nach 16 Jahren Kerker - entlassenen Count Grishnackh, gaben sich in Hessen die Ehre. Nahezu ohne Bewerbung, ohne Flugblätter und ganz ohne Vorgruppe. Schändlicherweise hatte man die Wölfe nicht in den ihnen gebührenden Thronsaal gesteckt, sondern in das Erdloch unter der »Batschkapp«, in dem sich gewöhnlich pickeliges Emo- und Screamo-Gesindel beim Violent Dancing die Rübe einschlägt. Wie befürchtet, war der »Elfer« dann auch viel zu voll. 160 Besucher waren da, 20 über dem Maximum! Von der lokalen Prominenz wurden u.a. »Promotusse« Devilin, Ron vom »Not An Emergency«, Ephemerol-Dronerocker Engl, der Darmstädter Konzertveranstalter El Pulpo, sowie ein Jüngling von Streaks Records/Ufo Gestapo gesichtet.
Von 21:45 an, erfüllte ein »Intro« aus unheilvollem Gedröhn und sterilem Fiepen aus der Konserve das stickige Verließ. Und dies für über eine halbe Stunde, bis die Spannung schon unerträglich war. Dann die Bühne: Viel zu klein. Aber flankiert von zwei Stelen voller dicker weisser Kerzen. 16 waren es vor mir. Und weisser Rauch war da, der in mythischen Wällen über die Planken waberte. Schließlich war es soweit...
Punktgenau um 22:20 nahm die Kommune um die Brüder Nathan (Gitarre und Gesang) und Aaron Weaver (Schlagzeug), dazu Will Lindsay (Gitarre) und Ross Sewage (Bass) ihre Seance in Angriff. Und zwar wort- und grußlos und - wie in der Folge - auf sämtlichen Durchsage-Zinnober vollständig verzichtend. Und sich statt dessen in den knappen Pausen zwischen den Liedern mit tiefen Zügen an germanischem Zauberelixier labend. Von irgendwo, aus den eremetischen Wäldern im State Washington, waren die WOLVES IN THE THRONE ROOM angerückt. Verschrobene, nahezu unscheinbare Gestalten mit Vollbärten und schlichten schwarzen Fetzen über den Leibern (dem Bassisten hatte jemand eins mit Aufdruck »Don´t mess with Hessen« gestiftet). Vier Männer, die dem Vernehmen nach einer öko-spirituellen Lebensart nachgehen. Man hat sich der humanoiden Zivilisation sozusagen entzogen. Ab 22:20 gab es für die Zeitdauer von 60 Minuten Tonkunst pur. Einen epischen Fluß aus Black Metal versetzt mit Partikeln des Drone Doom, eine Rhapsodie in Killerschwarz. Flirrend schnelle Gitarren voller bezaubernder Tiefe kreuzten sich mit gelegentlich knirschender Langsamkeit und verzweifelt verzerrten Schreien. So wie einsame Werwölfe mit dem Gekeife von Vampiren. Dazu diese unglaubliche Hingabe der Protagonisten: Der Sänger und der Bassist von Beginn an mit klitschnassem Haar als wilde Blickfänge; der Gitarrist sich in Trance in und über seinem Instrument biegend; dazu der kaum sichtbare Trommler, dessen Arbeit im verdunkelten Winkel nur vage zu erahnen war. Alles sehr feierlich, unerhört esoterisch und mit Funkenflug am Anschlag. Es war eine Aura voller Endgültigkeit, die sich in gleichem Maße auf das Publikum übertrug, welches die Schau wie auf einer inneren Andacht begleitete. Als Nicht-Eingeweihtem ist es für mich schwer, die Titel zu rekapitulieren. Aber ich vermute mal, »I Will Lay Down My Bones Among The Rocks and Roots« und »Vastness and Sorrow« vom atmosphärischen Doppelschlag 'Two Hunters' waren dabei, und der »Wanderer Above the Sea of Fog« sowie »Ahrimanic Trance« vom Neugewerk 'Black Cascade', welches auch wieder beim Doom-Label Southern Lord erschien, haben sicher nicht gefehlt. Die »Wölfe im Thronsaal« waren die pure Magie. Meine Flamme (die wahrlich kein Black-Metal-Fan ist) brachte es auf den Punkt: »Wie Burzum. Musik wie aus der Hölle. Wahnsinn!«
 
 
((((((Heiliger Vitus)))))), 22. Juni 2009
(Fotos: Hl.Vitus)