THE ATOMIC BITCHWAX, TERRA FIRMA
D-Frankfurt am Main, Nachtleben - 2. Dezember 2001
:.V.: Ich bin Doomjunkie. Und auf das kleine STONED GODS FESTIVAL war ich sehr gespannt. Hatten doch die Schwedendoomer Count Raven vor zehn Jahren einen anderen Sänger. Genau den, der auch das Saint-Vitus-Album 'C.O.D.' einsang. Gemeint ist Christian »Lord Chritus« Linderson. Auch die Vikingdeather Unleashed hatten mal einen anderen Sechssaiter, nämlich Freddie Eugene. Beide waren Wegbereiter in ihrem Metier - der eine im Doom, der andere im Death Metal. Vereint sind sie die Denkfabrik der Stoner Rocker Terra Firma. Und die weilten heute am Main.
 
Mit Zauberelixier im Blut und meinem Mädel zur Seite, hatte ich das unter der Erde von Frankfurt liegende »Nachtleben« betreten. Fünfzig weitere Stonerlunatics sorgten für ein sehr intimes Bunkergefühl. Ganz im Gegensatz zu den üblichen Rockstars hing Lord Chritus weder bis zur letzten Minute im schwarzgetönten Bus ab. Auch verschanzte er sich nicht im Sperrgebiet »Backstage«. Nein, Chritus lehnte so allein im Halbschatten an ´nem kleinen Bistrotisch und hatte sofort einen Riesenstein bei mir im Brett. Eine kleine Unterhaltung ließ ich mir natürlich nicht nehmen. Es waren nur kurze Augenblicke, doch die haben mein Leben schon etwas verändert. Chritus, ein Held für mich, erwies sich als ergreifend einfaches Geschöpf, als einer, der von Fortuna nicht gerade verwöhnt wurde. Allüren braucht er keine. Chritus hat den Blues im Blut und die Coolness in der Stimme.
 
Leider stand der heutige Auftritt unter einem schlechten Stern: Chritus war vergrippt und litt unter Stimmproblemen. Doch TERRA FIRMA zogen ihr Ding durch. Die nach dem Werewolves-On-Wheels-Song »Never Coming back to Terra Firma« Benannten hatte ich 1999 vor Orange Goblin und Cathedral auf deren »Cosmic Caravan«-Tour erlebt. TF sind weg vom progressiven Doom Rock, den sie damals zelebrierten. Ihr Zweitling 'Harms Way' huldigt dem Heavy Stoner Rock. Vielleicht ein Kompromiß zum Nerv der Zeit... Wie auch immer: Die vier Männer aus Stockholm hatten das Podesterklommen und liessen nun die Röhrenverstärker brennen. Freddies Gitarre dröhnte lässig und doch tonnenschwer, die langhaarigen Izmo Ledderfejs hinterm Schlagzeug und Nico Moosebeach am Bass sorgten für tiefen Donner, und Lord Chritus, der vom irdischen Sein ausgemergelte Schlaks, lebte den harten Sound intensiv emotional. Immer wieder fiel er unter klagendem Gesang ekstatisch in sich zusammen, kniete im Bühnenstaub, raffte sich auf, zerrte an seinem Shirt als wolle er sich das Herz aus der Brust reißen... und dann schimmerte diese atemberaubende, beschwörende Magie des Doom durch... Funkenflug, Tiefgang, Wahnsinn! Mit dem Nackenbrecher »Dust Parade« schraubten die »Festländer« (wie tf übersetzt heißt) das Tempo hoch, der heavy Triprocker »Groundman« verwirbelte die Umwelt, und das angedoomte »The 8th Seal« ließ meine Glückshormone endgültig überschwappen und die Sinne ins Nirwana driften. Schamesröte dürfte mein Antlitz überzogen haben, als Chritus mit einem Fingerzeig das Letzte ausgerechnet meiner Unheiligkeit widmete: das metallisch angehauchte »Steel Scale«!
 
Im Anschluß schenkte ich Chritus einen silbernen Ring, der revanchierte sich mit einem Langärmer aus dem privaten Arsenal, und wir vernichteten gemeinsam noch diverse deutsche Biere. Von manchen Menschen möchte man sich nie, nie mehr trennen! Das waren sie, die ganz großen Gefühle, die Zeit blieb kurz stehen und meinetwegen hätte die Welt untergehen können. *seufz & schluchz*
 
Schweres Unterfangen für die im Anschluß rappelnden THE ATOMIC BITCHWAX. »Awesome exploding Wah Wah pedal 70´s space rock feat. Ed Mundell from MONSTER MAGNET« vermeldete ein kleiner Sticker auf deren neuem Album. Triebkraft bei den Space Boogie Rockern aus New Jersey ist neben erwähntem Monster-Magnet-Sechssaiter Ex-Godspeed-Tieftöner und Sänger Chris Kosnik. Erweitert wird der Trupp um Keith Ackerman an den Drums. Gesang gab´s allenfalls fragmental. Der zentral auf der Bühnenmitte agierende Schlaghosenbeauty Mundell entpuppte sich als allzu dominante Figur, als egozentrischer Riffvirtuose und seine Rockstarposen waren einfach nur nervig. Bei »Liquor Queen«, »Cold Day in Hell« und »Spit Blood« wurde ganz auf Gesang verzichtet, und Nummern wie »Get Your Gear« erfuhren nur sporadische Auflockerung durch Kosniks Bluesvokale. Im Übrigen wie gesagt: Gitarrengefrickel von Herrn Mundell. AC/DC haben sie zitiert: »Dirty Deeds Done Dirt Cheap«. Und sonst? Sonst war die »Atomare Wachsschlampe« ein Soloding mit zwei Komparsen. (Nicht nur bei mir trafen die Amis auf wenig Beachtung.) Zwei Tage darauf führte die Tour sie nach Dresden, in die »Scheune«. Nach dem Gig schlenderten drei Langhaarige um den Spacelord mit geschulterten Klampfen an Dresdens Metalbar Nummer 1, dem »Heavy Duty«, vorbei. Besuch auf ein Bier? Pustekuchen! Dies nur marginal, doch aus sicherer Quelle... und auch ´ne Meinung zu Sex, Drugs & Rocknroll...
 
Was bleibt, ist die Erinnerung. Noch am Tag nach dem Konzert haftete Chritus´ Geruch an mir. Und es fiel mir unglaublich schwer, ihn abzuwaschen. Seit dem 2. Dezember 2001 weiß ich, daß auf dem kalten Planeten ein Seelenverwandter existiert: Lord Chritus!
 
 
Heiliger Vitus, im Dezember 2001
(Foto von Holy Vitus & Lord Chritus - für die Ewigkeit: Peanut)
SET TERRA FIRMA
(ohne Gewähr)
1. Rainbow Ride
2. Dust Parade
3. Fifth Wheel
4. Groundman
5. ... And The 8th Seal was Her´s
6. Harms Way
7. Steel Scale