TANKARD, SQUEALER
D-Frankfurt am Main, Batschkapp - 29. Mai 2002
{666} Neben Kreator, Sodom, Holy Moses und Destruction zählen Tankard zu den Anstiftern des deutschen Thrash Metal. Nur die Heimat Frankfurt ließ das ziemlich kalt. Fünfzehn Jahre mußten Tankard durchstehen, bis sich die Türen der heiligen Krachhalle der Stadt erstmals für sie öffneten. Heute durften Sänger Andreas »Gerre« Geremia, Gitarrist Andy Gutjahr, Basser Frank Thorwarth und Schlagzeuger Olaf Zissel in der »Batschkapp« Geburtstag feiern - den 20.! Und viele kamen. Mit 800 machte die IG Schwermetall die Maybachstraße 24 rappelvoll. Mitten im Getümmel auch Tankard-Fronter Gerre. Entdeckt und gleich wiedererkannt, umarmte er mich und dankte für meine Urlaubskarte aus Dresden. (Wer mich mag, kann kein schlechter Mensch sein!) Auch der wegen Kind und Mädel nach Berlin gezogene, langjährige Gitarrist Andy Bulgaropulos wurde gesichtet.
 
Die Powermetaller SQUEALER durften das große Fest eröffnen. Das Kommando aus dem SEK Schwalmstadt gibt´s schon seit 1984. Squealer zählen gewissermaßen zu den alten Eisen der Szene. Und trotzdem besitze ich keine Platte von denen. Verteten Squealer doch jene Stilart, die mich nie wirklich begeistern konnte: den teutonischen Melodic Speed Metal in Machart von Helloween und Gamma Ray. Das Quintett um Gitarrist und Sänger »Henner« machte sein Ding aber höchst engagiert und kam überaus sympathisch rüber. Unter anderen Vorzeichen wären Squealer sicher gnadenlos abgefeiert worden. Doch in dieser Nacht das Volk lechzte nur nach Tankard, nach Tankard - und niemandem sonst. Irgendwie taten mir Squealer leid. Im Finale hämmerten die Männer aus Nordhessen den Melodicspeedster »Under The Cross« in die Massen. Vermutlich so etwas wie die Hymne der »Petzer«.
 
In Memoriam
Squealer-Kopf Andreas Allendörfer starb am 16.1.05 bei einem Autounfall auf dem Weg zu einem Auftritt seiner Coverband BORN WILD. Henner wurde 38 Jahre.
In der Pause lernte ich den alten TANKARD-Schlagzeuger, Oliver »OW« Werner, kennen. Wir tranken zwei große Milch zusammen. Was soll man in einer Pause sonst schon machen? Von Tankard alles erzählen, hieße Wasser in die Sahara tragen. Wer kennt sie nicht, die Wünsche und Sehnsüchte von der Trauminsel »Beermuda«? Wo das Bier in den Palmen wächst und keiner arbeiten gehen muß! Schöne Visionen von den vier Bembel-Kämpen und Verfechtern des Reinheitsgebotes von 1516. Jeder kennt sie. Tankard sind enorm romantisch und gegen Drogengebräue jeglicher Herkunft resistent, und waren folglich die großen Heroen meiner Jugend. Sicher, ihr Höhepunkt - der musikalische - lag in der metallischen Blüte der 80er und Anfang der 90er Jahre. Doch ungeachtet aller Trends haben sie ihr Ding - den THRASH METAL - bedingungslos durchgezogen. Und das schreit nach Respekt. - Als Tankard obligatorisch mit der Hitsingle »Alien« einstiegen, war das Scharmützel eröffnet. Vom Anfang an ließen Tankard die Fetzen nur so fliegen. Die vier gaben sich gewohnt spielfreudig und das Zusammenspiel lief taff. Tankard düsten im Zeitraffer durch zwei bierschäumende Jahrzehnte samt allen von ihnen verzapften Glanzlichtern des Thrash - von der 'Zombie Attack'... über 'Chemical Invasion'... 'The Morning After'... 'The Meaning Of Life'... 'Stone Cold Sober'... 'Two-Faced'... 'The Tankard'... 'Disco Destroyer'... bis zu den 'Kings Of Beer'. Schweißtriefende Leiber verwandelten die Kapp in einen Schwitzkasten. Gerre stichelte wie gehabt seine Zoten über seine betrunkenen, fetten und häßlichen Komplizen. Und Andy, Frank und Olaf rifften, zerrten und verprügelten ihre Instrumente nach allen Regeln der Kunst. Die Mähnen kreisten, Extremitäten flogen... ha... nur der Centerfold des Playgirl, der ist für Lendengott Vitus reserviert. Vom demnächst aus dem Presswerk rumpelnden Rundling 'B-Day' gab es »Rundown Quarter«, einen Thrasher über das gefährliche Viertel, in dem die Burschen aufwuchsen. Und auch der Seitensprung namens Tankwart kam zu öffentlichen Ehren. Lautete der Wunsch an die Headbangerschaft doch einfach nur »Himbeergeist zum Frühstück«. In Halbzeit zwei wurde mit der Eintracht-Frankfurt-Hymne »Schwarz-weiss wie Schnee« noch ein echter Ranglistenstürmer unter die Devoten gedroschen, und irgendwann hatten alle tüchtig einen im Tee. Im Endstadium ließ es die Horde dann noch mal richtig krachen - mit dem alles schrottenden Speedfuck »(Empty) Tankard«. Nach zwei Stunden war das Rambazamba vorbei. Selbst wenn Tankard nicht mehr so notorisch chaotisch unterwegs waren, wie zu Glanzzeiten, und Gerre wegen Übergewicht auch keine Purzelbäume mehr schlug: scheißegal, die Stimmung war absolut genial. Einziger Wermutstropfen: die unglaublich hohe Hoolpräsenz. Ein bulliger Springteufel machte die Tanzfläche zum Nahkampfboden und moshte den Pit derart auf, daß Kopfwackeln nur unter größter Gefahr für Leib und Seele möglich war. Auch wenn Gerre passionierter Eintracht-Anhänger ist: Tankard gehört den METALLERN!
 
Für die Ultras unter den Kampftrinkern machte in der Dritten Halbzeit DJ Albrecht (Rock Hard) noch ein Faß auf. Augenzeugen zufolge, so sind die letzten Die-Hard-Fans in der vierten Stunde ins Freie gestolpert. Ich selbst war schon mit Tankards Abgang vollgetankt. - Zeugen eines furiosen Abends im Hochgeschwindigkeitszug waren blaue Flecken, eine Beule an der Stirn, eine gewisse Amnesie und der immer wieder gern erlebte Kater am Morgen danach. Doch kein Problem, war der doch mit dem Gegengift Weißbier hurtig austrickst. Cheers!
 
 
Heiliger Vitus, 30. Mai 2002
(Weil in der Batschkapp Fotografieren untersagt war, o.a. eine Autogrammkarte von Tankard)
ABSPIELLISTE TANKARD
1. Alien
2. Dark Exile
3. Don´t Panic
4. Queen of Hearts
5. Mercenary
6. Space Beer
7. Nation over Nation
8. Dancing on Your Grave
9. Maniac Forces
10. Rectifier
11. The Morning After
12. Death by Whips
13. Alcohol
14. Tattoo Coward
15. Zombie Attack
16. Rundown Quarter
17. Chemical Invasion
18. Freibier
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19. Poison
20. Schwarz-weiß wie Schnee
21. Sternenhimmel
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22. (Empty) Tankard