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DIE SPACE HOBOS D-Frankfurt am Main, Batschkapp - 31. Dezember 2002 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Silvester. Im Schlaghosen-Jahrzehnt daheim im Tal der Ahnungslosen, klang das Jahr stets mit einem feuchtfröhlichen Fest im Kreise der Familie aus. Die Zubereitung der Feuerzangenbowle trug spirituelle Züge, das heilige Kristall wurde entstaubt, die heimischen vier Wände versanken unter Konfetti, Girlanden und Luftschlangen. Schneewehen überzogen das Land. Bei klirrender Kälte haben wir Raketen ins funkelnde Sternenzelt von Sachsen gejagt. - - Mit dem Schulterpolster-Jahrzehnt war ich in die Welt der Besserwessis übergesiedelt. Die war für mich nur im Rausch zu ertragen. Im Koma rutschte ich rüber - von der alten Scheiße in die neue. - - Mit den Neunzigern trat dann eine Blondine in mein Leben, die aus Silvester eine Party im intimen Rahmen machte - bis heute. 2002 hatten wir die »Batschkapp« zur finalen Sause im Jahr ausgesucht. Ab 20 Uhr sollte da eine SILVESTER SPACE NIGHT steigen. Getreu der Devise »Die Kirche ist nahe, aber die Straße ist vereist. Bis zur Kneipe ist es weit, aber ich kann ja vorsichtig gehen«, hatten wir uns in den Winter gestürzt... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Um neun öffnete sich die Pforte. Für 30 Euro ließen uns die Türsteher rein. Weitere 300 Gesichter standen neben uns. Die Kapp selbst hatte sich in Schale geschmissen: Lichterschläuche und silberne Sterne zierten die rußschwarze Halle, an der Decke schwebten Schalen mit lodernden Elektrofeuern, eine Discokugel warf Lichtpunkte in den Saal. Ein Händchen fürs Ambiente haben die Klubmacher ja. Dies gilt aber nicht für die Getränke. Auch an Silvester gab es lieblos in Cola-Becher umgeschüttetes Bier - lauwarm und für Dreifünfzig. Und nicht wenige Kappler sind hochnäsige Narzissten, die sich den lieben langen Tag im Spiegel betrachten und bestaunen und sich als Rockstars abfeiern (von den Türstehern gar nicht zu reden). Die Anhänger? Nur laufende Euros! Ich mußte an die Sprühkunst draußen an der Fassade denken. Ein WELCOME TO THE UNDERWORLD war da hingeschmiert... 22.40 Uhr (2:40 Stunden nach Einlaß) betraten die SPACE HOBOS die Bühne. Als »Hobos« werden in Amerika die blinden Passagiere auf Güterzügen bezeichnet. Die Hobos des Frankfurter Silvesters waren drei Fliegengewichte aus Berlin, keines höher als 1,65 Meter: Space M. Pfeffer, Cynthia und Tara G. Die Space Hobos waren eine Spaßkapelle. Sie coverten Film- und Volksmusik, Kindersendungen, Klassik wie auch Rockstars. Und davon haben sie viele auf Lager - 200 Stück! Alles im Hobo´schen Gewand aus Trash, Surf und Rock´n´Roll. Heute sah das so aus: Ein stylischer Gnom (der mich an Helge Schneider erinnerte) warf mit Piepsstimme viele Buchstaben unter die Gäste, und los ging die Reise über den Globus. Im heißen Mexiko, mit zwei Instrumenteneinleitungen á la Tarantino. Der Stil paßte und wurde ins eisige Rußland transportiert: Doktor Schiwago reiste mit der Transsibirischen Eisenbahn. Wasser ist Leben: Space M. Pfeffer vereinte sich trinkend mit dem Element... Die Wikinger hatten viel mit Wasser zu tun: zwei Oden an sie. Dann ging es wieder rüber über den Großen Teich in die neue Welt: »Der weiße Hai« surfte durch die Meere. »Bonanza« ritt wieder. Und die Serie »Angus McGyver« gab es ja auch noch. Da wir bei »Angus« sind - auf dem Fünften Kontinent gibt es auch einen: Angus Young... Brückenschlag zu AC/DC. Bei »Highway to Hell« und »Whole Lotta Rosie« tanzten das Trendgesindel neben uns Merengue und mir stieß bei dieser Beleidigung das Bier sauer auf. Wiedergutmachung durch Lee Hazelwoods »These Boots are made for Walking«. »Berlins schönste Drummerin«, Tara G., trug das Stück vor. Sie hat das beste Kehlchen, ihre Kollegen singen zwar auch, können es aber nicht. Die überaus erotische und göttliche Cynthia weilte im Reich der Schüchternis und konzentrierte sich auf das Zupfen der vier Saiten. Und das machte sie gut. Wechsel zum Krimi-Medley aus »Derrick«, »Der Kommisar« und »Tatort«. Wer schon immer wissen wollte, wie sich das »ZDF Sportstudio« im mexikanischen Wüstenflair anhört - kein Problem, die Hobos können es. Ach ja, Mozart verfasste seine Geniestreiche als Zwölfjähriger und Beethoven komponierte als Tauber »Die Fünfte«. Und darf´s vielleicht etwas Sternenkrieg sein... »Raumpatrollie Orion«? Und so ging das weiter bis Mitternacht. Die Hobos waren albern und cool zugleich. Space Pfeffer zählte die finalen zehn Sekunden des Jahres runter, ich schüttete mir ´nen Tequila hinter die Binde und gab meinem Mädel ein Bussi. Die Preussen nahmen sich eine Auszeit - wir haben sie nicht mehr gesehen... Auf dem Heimweg lag unser Bus vom asozialen Heddernheim bis zur Nordweststadt im Kreuzfeuer schwerer Leuchtkugeln, abgeschossen von vermummten Muselmännern. Das Glas um uns herum war stärker. Willkommen in Frankfurtistan 2003! Heiliger Vitus, 1. Januar 2003 (Wegen Fotoverbots in der Batschkapp wurde das Bild gestohlen. Das Original hängt in der »Hangover Hall of Fame« des Global Hangover Guides.) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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