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89. RUND UM DIE LANDESKRONE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT EINER STRAßE MASTERS LANDESMEISTERSCHAFT SACHSEN EINER STRAßE Görlitz, 28. Juni 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Prolog Wiedermal kämpften Ende Juni in Görlitz die Masters um die weißen Deutschlandtrikots im Straßenradsport - derweil es für die Akteure aus Sachsen überdies um die Landesmeister im Straßenrennen ging. Zusammen mit den Fahrern des Lausitz-Cups versammelten sich zweihundertsechzig Velominatis zum Traditionsrennen Rund um die Landeskrone. Doch diesmal kam ein riesiges Problem auf: ein über Europa gestülpter HITZEDOM. Nachdem das Quecksilber täglich um ein Grad stieg, wurde in Brandenburg und Ostsachsen am Renntag ein neuer Hitzerekord aufgestellt: 42 Grad! Viele Veranstaltungen fielen der Glut zum Opfer, so der Hamburger Halbmarathon, für den 24 000 Läufer gemeldet waren. Die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt wurde verkürzt. „Muß erst was passieren?“, sorgte sich jemand. In Görlitz indes entschied man nach einer letzten Lagebesprechung am Vorabend der Meisterschaften, alle Rennen wie ausgeschrieben durchzuführen. Allerdings durften rund um die Strecke Getränke gereicht werden, Im Schlaurother Berg halfen Anwohner mit einer Nebelbrause. An einem weiteren Tag in der Hölle... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Am Ende der Welt in Görlitz erwartete die Fahrer ein knackiges Gelände mit wenig Atempausen. Kurze, giftige Rampen - allen voran die steilen Anstiege bei Friedersdorf und am Schlaurother Berg - prägen den Tag und sprengen das Feld. Kräftezehrend und zermürbend sind die vielen welligen Abschnitte durch kleine Waldstücke und über windgepeitschte Äcker. Allein zu sein ist da tödlich. Das Rennen startet zwischen der Endstation „Landeskrone“ und dem Hotel „Burghof“, einer alten Villa im Süden der Neißestadt. Umringt von den Hügeln der Oberlausitz durchquert der Kurs anschließend als asphaltierte 17,5-Kilometer-Runde die Dörfer Kunnerwitz, Jauernick, Friedersdorf, Pfaffendorf und Schlauroth. Die Zielgerade Promenadenstraße ist achthundert Meter lang, ansteigend und acht Meter breit, und bietet damit genug Platz für ein spannendes Finish am Fuße der Landeskrone. Der Gesamtanstieg pro Runde beträgt 243 Meter. Damit ging es im Rennen der Masters 4 siebenhundert Meter in die Höhe verteilt auf 52 Kilometer. Zu kurz für ein klassisches Straßenrennen, in dem es um Stehvermögen geht. Doch ein gefundenes Fressen für Puncheure, Fahrer mit der Kraft, giftige Hügel aggressiv zu drücken. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE VORBEREITUNG ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Bis zu den Meisterschaften fuhr ich diesjahr elf Lizenzrennen und 8300 Trainingskilometer - 1500 weniger versus Vorjahr. Mit vier Podiumsplätzen fiel die Bilanz wider Erwarten freundlich aus. Doch der Wegfall des Bahntrainings und mangels Beteiligung auch der Mittwochsrennen auf der Rennbahn in Heidenau, war verheerend. Kraft, Schnelligkeit, Geist, Glaube: Alles war verloren! Zuletzt explodierte ich in jedem Hügel. Und von denen wimmelte es in Görlitz! Ich wusste nicht, woran es lag. Ein Doktor sprach von zu wenig roten Blutkörperchen. War das ein Angebot für EPO? Keine Luft in der Lunge lässt daran denken. Ich probierte es mit Eisen-Pillen - ein Rohrkrepierer! Als Trainingsbeispiel die vorletzte Woche vor Görlitz vom 15. bis 21. Juni: Mo.: 66 km Straßentraining im Osterzgebirge mit 1200 Höhenmetern Di.: 30 km unteres GA mit dem Mountainbike Mi.: 86 km Straßentraining im Osterzgebirge mit 1200 Höhenmetern + 18 km MTB Do.: 69 km Straßentraining im Osterzgebirge mit 850 Höhenmetern Fr.: Ruhetag Sa.: 3. Platz bei der Landesmeisterschaft Berg in Cunewalde (9 km + 33 km) So.: 64 km GA mit dem Mountainbike auf dem Elberadweg | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: DAS RENNEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Hochsommer im Juni. Seit Wochen kein Regen, die letzte Nacht eine Tropennacht, das Bett ein nasses Wäscheknäuel, das Thermometer in der Blauen Stunde zwischen Nacht und Dämmerung auf 32 Grad, dicke, schwere Luft: Schon in der Frühe wußte ich, was die Stunde geschlagen hat. Halb sieben ging Frau Peanut mit mir auf Achse, kurz vor acht trafen wir in der Neißestadt ein. Wir parkten erneut eingangs der Zielgerade in der Talstraße. Stand vor einem Jahr der nun Dopinggesperrte aus Moers neben uns, waren wir diesmal vom Tschechenbus des Team Unlimited, dem starken Polen Waniek und seinem Teamchef von Radroo umrahmt. Die Einschreibekontrolle leitete der Sohn des früheren Dresdner Radsportmäzens Rudi Schwab. Es herrschten Death-Valley-Bedingungen, als sich in den Vormittagsstunden des letzten Sonntags im Juni 156 Mastersfahrer aus allen Winkeln in Deutschlands östlichster Stadt einfanden. Baumgarten, Ernst, Gericke, Großegger, Keller, Kiefl, Matzel, Schlude, Schmelz, Slavik, Sopp, Wellner: Oh, alle meine Peiniger aus Ost und West standen bereit. Still war es nur um die Fahrer meines Dresdner SC geworden. Ich war der Letzte einer ehemals großen, vor Ehrgeiz strotzenden Mannschaft. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Halb zehn erfolgte der START der Masters 3, vier Minuten später starteten die Ältesten: die Masters 4. Das Riesenrennen der Masters 2 über mörderische sieben Runden und 121 Kilometer folgte High Noon. Nach mentalem und körperlichem Niedergang war ich schwach auf der Brust, und mit einem acht Kilo schweren Aerorad ins Rennen gegangen. Und schon nach den ersten Anstiegen erfüllte sich das befürchtete Geschick. Ich bekam keine Luft und kaum Kraft aufs Pedal, während von hinten die Pfälzer Baumann und Rommelfanger vorbeizogen, und die Spitze mit unerbittlichen, kräftigen Tritten auf das Tempo drückte und dabei das Feld mitzog. Der erste und zugleich letzte große, dramatische Moment ereignete sich bereits nach drei Kilometern hinter Kunnerwitz. Hier pedalierte das Fahrerrudel geschlossen einen leichten Zieher hinauf - während ich abfiel, dadurch völlig die Fassung verlor, und in einem Schwächeanfall sogar über eine Aufgabe nachdachte. Auch ein K.o. durch die Jury wäre denkbar gewesen. Aber letztlich ist jeder von uns selbst für seine Gesundheit verantwortlich. Ich saß zwar nach wenigen Augenblicken wieder ruhig im Sattel und versuchte, der unaufhaltsam um hundert Meter enteilten Meute zu folgen. Doch der Wille zum Kampf war zerbrochen. Der Windschatten, den die Vordermänner gaben, war verlorengegangen. Nur „Hutmacher“ Jahn lag hinter mir. Und so blieb es. Die restlichen fünfzig Kilometer quälte ich mich allein durch die sengende Hitze in der ostdeutschen Pampa unter der Landeskrone. Gegen die Länge der Strecke. Und gegen die eigene Schwäche. Dreimal galt es, die glühenden Bestien von Friedersdorf und Schlauroth zu bezwingen. Mal leistete ein Krad der Polizei Führungsarbeit, mal eskortierte mich ein Gefährt der Jury im Rücken. Mentales Doping lieferte Peanut, die mich pro Runde zweimal zwischen der Verpflegungszone und der Zielgerade anfeuerte. Eingangs der Schlußrunde rollte mir der ausgestiegene Wuppertaler Wellner entgegen. Eine Kapitulation kam für mich nie in Frage. Nach einer Stunde und vierundvierzig Minuten - davon anderthalb Stunden als versprengter Solist - kreuzte ich auf der 32. Stelle der Deutschen und Platz 6 der Sachsenmeisterschaft ins ZIEL. Außer „Kelli“ Keller, der den Endspurt ums Deutschlandtrikot gegen neue Unheimliche knapp verlor, gingen die Sachsen leer aus. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Finale Während Fähnchen wehten, die Ersten Lorbeerkränze erhielten, und das Deutschlandlied und „So seh´n Sieger aus“ erschallten, traf ich hinter der Linie und bei einem kühlen „Landskron“ auf viele Bekannte. Der von einem Schaltungsschaden betroffene Matzel erzählte mit lakonischem Witz, daß er nach dem Verlassen der Rennstrecke von einem Dopingkontrolleur der NADA verfolgt und zur Abgabe einer Probe aufgefordert wurde. Leipzigs Kirchner hatte nach zwanzig Rennjahren die Motivation verloren, freute sich dennoch über einen vierten Platz in der Landesmeisterschaft und einen Sprintsieg über Großegger. Viele waren für das größte Rennen des Jahres schon am Vortag angereist, und hatten in Görlitz übernachtet - Rommelfanger und Schlude etwa. Von ursprünglich 298 Gemeldeten waren unter den denkbar ungünstigsten Umständen nur 242 bereit, die ungeheuren Strapazen auf sich zu nehmen. 69 Fahrer fielen aus. Nach einer Höllenfahrt über die Autobahn lag ich bis zum neuen Morgen fiebernd und leer in der Horizontalen. Vitus, 30. Juni 2026, Bilder: Peanut | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: sonnig, 40ºC, leichte Brise aus Ostsüdost (7 km/h) Typ: Straßenrennen Länge: 52 km Meldungen: 298 Masters 2: 86, Masters 3: 68, Masters 4: 45, Jedermann U40/Ü40: 56, Jedermann Ü50/Ü60: 22, Frauen Masters: 19, Fette Reifen: 2 Am Start: 242 Masters 2: 62, Masters 3: 57, Masters 4: 37, Jedermann U40/Ü40: 59, Jedermann Ü50/Ü60: 23, Frauen Masters: 4 Im Ziel: 173 Masters 2: 36, Masters 3: 39, Masters 4: 33, Jedermann U40/Ü40: 42, Jedermann Ü50/Ü60: 20, Frauen Masters: 3 Deutsche Meisterschaft Masters 4 (52 km) Meldungen: 49 Am Start: 43 Im Ziel: 38 1. Bernd Brune (RSV Gütersloh) 1:26:51 2. Harry Kühnelt (RSV Lutherstadt Wittenberg) 3. Toralf Baumgarten (RSV Osterweddingen) + 0:01 4. Ralf Keller (RSG Muldental Grimma) 5. Matthias Lang (RSC Schönaich) + 0:02 6. Bernd Schmelz (TSV Ippinghausen) + 0:01 32. Mario Voland (Dresdner SC 1898) + 17:31 Landesmeisterschaft Sachsen Masters 4 1. Ralf Keller (RSG Muldental Grimma) 1:26:53 2. Uwe Kiefl (SSV Torgau 1952) + 0:18 3. Holger Pregel (1. RV Leipzig 1990) + 6:28 4. Steffen Kirchner (RSV AC Leipzig) + 11:23 5. Marco Großegger (SC DHfK Leipzig) 6. Mario Voland (Dresdner SC 1898) + 17:30 Ergebnisse Rad-Net | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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