DAUTPHER PFINGSTPREIS DER RSG BUCHENAU
Dautphetal, 24. Mai 2026
Prolog
 
Das letzte Rennen vor zwei Wochen, dazwischen nicht ein richtig hartes Training, zuviele Ausschweifungen, und obendrein auch noch ein kaputter Rücken nach ungewohnter Gartenarbeit (ich konnte meinen Kopf nicht mehr nach links drehen): Im Grunde war Dautphe dem Untergang geweiht. Aber die Rennschlacht der RSG Buchenau war die Einzige weit und breit und für längere Zeit. Sie sollte heiß werden, sehr heiß!
.:: DIE STRECKE ::.
Vom Bürgerhaus in der Hauptstraße und einer schnellen Abfahrt auf der Lindenstraße ging es im rechten Winkel in den Rothesteinweg, der dort sofort merklich ansteigt. Direkt darauf folgte eine Senke im Übergang zwischen den beiden Straßen bei deutlichem Tempowechsel. Nach der Rechts-Links-Kurvenkombination ging es dann weiter kurz, aber knackig hoch zur Zielgeraden. Die Strecke war mit 850 Metern sehr kurz, jedoch stellt die „Dautpher Höhe“ eine echte Herausforderung dar. Denn pro Runde waren vierzehn Höhenmeter zu überwinden. Ebenso wenig erspart blieben den Fahrern die zahlreichen Kanaldeckel und Straßenschäden.
.:: DAS RENNEN ::.
Zum inzwischen fünften Mal hatte Peanut mir mir einen Ausflug ins grüne Hügelland zwischen Frankfurt und Kassel unternommen - in eine Landschaft wie Tolkiens Auenland. Halb neun ging´s los, um zehn trafen wir bei Gluthitze, stahlblauem Himmel und sengender Sonne in Dautphetal ein. Unterwegs kreuzten sich unsere Wege mit denen von „Leschi“ Leschert, der uns nach der Autobahn überholte, dem das Navi in einem Kreisverkehr jedoch eine andere Ausfahrt zeigte. Vor Ort plauderten wir über vergangene und kommende Rennen, und begegneten uns wie Magneten in der Stunde vorm Start auch mehrmals beim Warmfahren. Nach einer Stunde bei 44 Grad in der Sonne schoß die Brühe aus meinem Helm heraus, klebte das Lycra als zweite Haut an mir. Der Peng ansich verschob sich um eine Viertelstunde auf 12 Uhr 15. Zur Entzerrung des gemeinsamen Rennens der Masters und der Jugend schlug der Mainzer Baumann am WA-Wagen spontan (oder schon sonnenverbrannt?) einen um dreißig Sekunden zeitversetzten Start der siebzehn Masters-3 und vier Juvenilen vor. In buchstäblich letzter Sekunde stieß der spätere Dritte Waniek aus Polen dazu.
Sechs Masters 4 waren es, die sich kurz nach zwölf Uhr auf der Startlinie zum Dautpher Ausscheidungsfahren zusammenfanden, darunter die Favoriten Slavik aus Nordhessen und der aus dem vorpommernschen Pasewalk stammende und fürs Radroo-Team antretende Leschert. Die Beiden übernahmen nach dem Startschuß die Führung vor mir. Doch sofort war der kleine Dürener Malon dicht hinter mir. Slavik und Leschert waren alte und gefährliche Gegner, die ich nicht aus den Augen ließ. Ein Unbekannter war indes Malon, der bislang unterm Radar fuhr. Damit war die Spitzengruppe formiert. Dem mehr und mehr verschärften Tempo nicht folgen konnte der Mainzer Baumann, der mich unlängst im Nachbarort Breidenbach kaltgemacht hatte. Lindner spielte keine Rolle, Guellering war garnicht angetreten. Nach etwa zehn Runden wurden wir von einem Überfahrer, dem Masters-3-Solisten Hauschke, aufgeraucht. Drei weitere der jüngeren Masters folgten. Derweil sich Slavik, Leschert und Malon anhängen konnten, mußte ich reißen lassen. Doch auch meinen drei direkten Rivalen ging auf der baum- und schattenlosen Runde schon bald die Luft aus. Mehrere Runden fuhr ich nun allein und pedalierte später zusammen mit einem Versprengten der Master 3 im Niemandsland des komplett durcheinander gewirbelten Feldes. Zur Rennmitte überrollte uns Slavik, und wenige Runden später kam uns von vorn das schwarze Radroo-Trikot von Leschert entgegen. Leschert war komplett explodiert und wurde von mir doppelt überrundet. Unmittelbar vor Ultimo rief Peanut „Du bist Dritter!“, und dann die Anzahl der restlichen Ellipsen: „Noch acht!“ Ich roch die Gefahr eines Defekts oder Sturzes, ehe der Kampf eine unerwartete Wendung nahm. In der Vermischung dreier Rennklassen konnte ich Malon im Sog vierer Jugendfahrer unbemerkt abfangen. Dann erklang die Glocke zur letzten Runde für die Masters 4. Die jungen Wilden führten mich auf die Zielgerade. Dort kreuzte ich als Erster unserer Gruppe die entscheidende Linie vorm Dautpher Bürgerhaus.
Epilog
 
Nach dem Höllenritt erwarteten mich einige erstaunliche Dinge. Ich war ZWEITER! Dafür drückte mir der Kassenwart im Bürgerhaus einen Umschlag mit 30 Euro in die Hand. Und dann offenbarte sich der Funktionär von der Anmeldung als Dresdner aus Reick, dem Nachbarviertel meiner Prohliser Jugend. Dessen Gattin wiederum verkaufte draußen im Festplatz Bons fürs lokale Bier der Brauerei Bosch. Doch der schöne Tag bekam Risse, als ich zufällig von besonderen Vorkommnissen im Rennen erfuhr. Von Blut auf dem Asphalt und einer Strafe wegen einer weggeworfenen Trinkflasche war die Rede. Und dem Protest eines Fahrers gegen die Wertung. Dieser betraf mich: Im Festplatz diskutierte Malon mit Slavik die Reihenfolge der Platzierungen. Malons Gattin hatte sich am Streckenrand ausgeruht und stach mir nun das Messer in den Rücken. Peanut indes verteidigte mich und die unanfechtbare Transpondermessung. Die Frage lautete: Schaf oder Wolf. was wäre mir lieber? Ich entschied mich in dieser Frage: WOLF! Rennchef Bastian Jäckel bat um Deeskalation am Kampfrichterwagen. Dort mußten wir uns nackt machen und einen Vortrag der Kommissäre über „Detektionen und Pufferungen von Transpondern“ über uns ergehen lassen. Malon sollte offiziell Einspruch einlegen - der jedoch mühselig und erst am Folgetag entschieden werden konnte. Letztendlich nahm Bastian die Ehrung im Festplatz anhand des Transponderergebnisses vor. Nach einer Stunde mit heißen Köpfen wurde dem Zweiten und Dritten eine Gerbera-Blume überreicht, der Sieger staubte eine Trophäe in Form eines Kettenblattes ab. Dautphe war ein klassischer Fall, wie wir aus verschiedenen Wahrnehmungen und Spekulationen unsere Realität konstruieren. Sei es als Rennfahrer oder Zuschauer. Doch was Sportsfreund Malon aufführte, war eine Unverschämtheit. Der und seine Natter haben den Erfolg total zerstört, es war mein dritter 2. PLATZ in Folge. Peanut äußerte: „Die waren mir schon mit ihrem großkotzigen BMW-SUV unsympathisch.“ Dieser stand hinter uns - und mit jenem stoben sie nach dem Kampf wutentbrannt davon. Auf der Strecke hatte ich lange Zeit nichts von Malon gesehen. Unheimliches zeigte die Ergebnisliste. Demnach war der Melsunger Axel Hauschke zwei Rennen gefahren: Masters 3 mit 50 Runden (42,5 Kilometer) in 1:12 Stunde, und vier Stunden später Elite-Amateure mit 85 Runden (72,3 Kilometer) in 2:03 Stunde. Sprich: 135 Ringelpieze mit 115 Kilometern bei über vierzig Grad in der Sonne. Die NADA war nicht vor Ort. Doch am Rande erfuhr ich von der Dopingsperre des Gesamtzweiten der deutschen Masters-Rangliste 2025.
 
 
Nachhall - Aussage des Rennleiters
„In meiner Rolle als Vorsitzender des Kommissärskollegiums habe ich den Einspruch gegen das Senioren 4 Ergebnis mit Hilfe der Transponderrohdaten abschließend geprüft. Dem Einspruch wird nicht stattgegeben. Das Ergebnis ist, so wie es am Veranstaltungstag verkündet und die Siegerehrung gemacht wurde, korrekt. Fahrer mit Startnummer 132 auf Platz 2 und Fahrer mit Startnummer 136 auf Platz drei.
Der Fahrer mit der Startnummer 132 war zwischenzeitlich deutlich schwächer und hatte bis zu 50 Sekunden Rückstand auf Startnummer 136. Er hat diesen Rückstand aber in den letzten 10 Runden des Rennens kontinuierlich (mindestens 5-6 Sekunden pro Runde) aufgeholt (oder der andere Fahrer ist eingebrochen). Zum Beispiel in Runde 38 hatte Fahrer 132 eine Rundenzeit von 1min 38s und Fahrer 136 eine Rundenzeit von 1min 51s. Fahrer 132 hat 13 Sekunden pro Runde aufgeholt! Die Runden und Rundenzeiten sind lückenlos durch die Transponder erfasst. Im Ziel war Fahrer 132 dann 1 Sekunde vor dem Fahrer mit der Startnummer 136. Er befand sich in der gleichen Runde wie der Fahrer mit der Startnummer 132.
Diesen Einspruch haben wir ohne die obligatorische Gebühr geprüft (sowohl am Veranstaltungstag, als auch jetzt nochmal mit allen Daten im Nachgang). Gegen diese Prüfung kann gerne bei dem zuständigen Sportgericht geklagt werden.“
 
 
Danke!
Chefkommissär Marius Keppler
Bastian Jäckel und allen helfenden Händen der RSG Buchenau
Meine Peanut, dem besten Mensch der Welt
 
 
Vitus, 26. Mai 2026, Bilder: Peanut
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: sonnig, 32ºC, leichte Brise (6 km/h) aus Ostsüdost
Typ: Rundstreckenrennen
Länge: 38,3 km
 
Am Start: 88
Elite-Amateure: 10, Amateure: 16, Masters 3: 17, Masters 4: 6, U17: 4, U15: 4, U13: 4, U11: 9, Jedermann: 18
 
Im Ziel: 81
Elite-Amateure: 9, Amateure: 12, Masters 3: 17, Masters 4: 6, U17: 4, U15: 4, U13: 4, U11: 9, Jedermann: 16
 
Masters 4
Gemeldet:
7
Am Start: 6
Im Ziel: 6
1. Viktor Slavik (Melsunger TG 1861) 1:08:48
2. Mario Voland (Dresdner SC 1898) +0:59
3. Thomas Malon (RSV Düren) +1:01
4. Peter Bauman (RV Mainz-Finthen) - 3 Rd.
5. Andreas Leschert (RC 07 Fulda)
6. Thomas Lindner (Zweiradgemeinschaft Kassel)
 
Ergebnisse

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