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FLIEHENDE STÜRME D-Wiesbaden, Kulturpalast - 16. November 2006 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Eine meiner absoluten Heldengruppen, die Fliehenden Stürme, sind - nachdem sie 2003 nach Portugal ausgewandert waren - nach Deutschland zurückgekehrt. Schwer für die Heimkehrer, schön für die Hiergebliebenen! Doch dann herrschte erst einmal Konfusion und Diffusion allernorts, wann mit dem Wiedersehen zu rechnen sei. Die Auskünfte des lokalen Ausrichters reichten von 19.00 Uhr Einlaß über 22.00 Uhr Beginn bis 23.15 Uhr Ende. Irgendwann sozusagen - und verdrießlich, ist man von der Zugfahrt zurück abhängig. Damit nicht genug, war es meine Wenigkeit, die den Ausrichtern über die Absage der geplanten Darkwaver SUBSTANCE OF DREAM informieren mußte (die Freundin des Sängers war verfrüht Mutter geworden). Mit dem Risiko eines verpaßten Anfangs hatte ich um 20.50 Uhr mit meinem Weib den am Wiesbadener Kurpark liegenden »Kulturpalast« erreicht und für sechs Euro das vierköpfige Einlaßkomitee passiert. Glück gehabt: Nichts verpaßt! Etwa 80 Zahlende waren da, als wir kamen, später sollten es rund 100 sein. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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In schwarzes Tuch gehüllt und nur spärlich beleuchtet: die Bühne. Schwarz gekleidet, die Augen geschlossen und nahezu regungslos: die Musiker. Schwarz die Lieder, schwarz die Seelen. Das Davor und das Dahinter: alles schwarz und drückend im vormaligen »Kleinen Tattersaal«. Und dann - ein trockener Gruß. »Wir sind FLIEHENDE STÜRME. Wir freuen uns, daß ihr hier seid. Substance of Dream können leider nicht hier sein. Glück für uns. Damit können wir länger spielen.« Aus dem »länger spielen« wurden 135 Minuten! Ein Totentanzmarathon in 30 killerschwarzen Akten! Zelebriert von Andi Münch hinterm Schlagzeug und den Kahlköpfen Stefan Kniehl am Viersaiter und Sechssaiter und Stürmestimme Andreas Löhr. »Systemstörung«, »Alles Falsch« und »Tag der Armut«: mit drei harten Wavepunkern vorm Herrn stieg das Kommando aus Stuttgart ein. Die Zeiten als Chaos-Z dazugezählt, sind es 26 Jahre, die Löhr derb aufs Gemüt drückenden und zugleich befreienden Krach macht. 22 davon unter Fliehende Stürme. Sein krudes Organ ist es, das die Stürme so einzigartig macht. Diese manische, fast arrogant nüchterne, und doch so eindringliche Stimme, die zu einem redet und einen im Inneren berührt. Löhrs ultimative Abrechnung mit dem Humanoiden, diese Verachtung und Gleichgültigkeit, dieser Zynismus fürs System. Drastischer Nihilismus im Verbund mit unglaublichen Melodien zwischen Aggression und Morbidem machen aus fast jedem Stürmelied ein Teil, daß sich für immer einbrennt. Wie »Das Chaos brütet« etwa. Was neues, das mit einem sarkastischen »Etwas für die werdenden Eltern unter euch« angekündigte »Kind«, knallte in den Raum. Und dann wieder unschlagbare Altigkeiten. Nicht schnell gespielt, aber umso tiefer unter die Haut gehend: »Blauer Mond«, »An den Ufern«, und das beim Tod des Bruders entstandene »Springen«. Und spätestens ab dem hämmernden »Killerblau« war für mich die Zeit reif, nun auch körperlich nah bei den Stürmen zu sein. Die drei da oben waren verschwitzt, ich war es, und beim einsamen »Die aus dem Schatten springen« waren es auch die pogenden Punker neben mir. Das laut mitgeschriene »Himmel steht still« vollendete nach 1 ¾ Stunde das reguläre Programm, und mit »Trümmergemüt« ging es in die Fortsetzung. In die erste von vieren, in denen sich mit »Trinkerherz« auch eins aus Chaos-Z-Tagen geschmuggelt hatte. Das Allerletzte war ein neues, ein Zeitensprung über zwanzig Jahre, das komplett desillusionierende »Nullsignal«. 23.35 Uhr war die dunkle Legende im Ziel. Absolut nüchtern, so wie die ganze Darbietung über, stiegen die drei vom Podium. Wäre es nach uns gegangen, hätte alles noch mal von vorn beginnen können. Auf dem Abmarsch noch eine Unterhaltung mit dem Händler von Subway To Peter, einem Landsmann aus Sachsen, und der fetten Rechnung am Ende... ... Die letzte S-Bahn des Rhein-Main-Verkehrsverbunds hatte uns die Schlußleuchten gezeigt. Ein Taxi wurde fällig. Von Wiesbaden nach Frankfurt. Peanut hatte den Preis von 55 auf 50 Euro heruntergehandelt. - - »Ich hab das Lachen gehört, und hab den Wahnsinn probiert. Ich hab die Tränen gespürt, und am Ende war alles still.« Peanut hatte die Zeilen von »Gestern« vierundzwanzig Stunden später noch immer im Sinn. Heiliger Vitus, 18. November 2006 (Foto: Hl.Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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ABSPIELLISTE FLIEHENDE STÜRME 1. Systemstörung 2. Alles Falsch 3. Tag der Armut 4. Maschinentrauma 5. 25 Stunden 6. Das Chaos brütet 7. Kind 8. Blauer Mond 9. An den Ufern 10. Springen 11. Erinnerung 12. Killerblau 13. Satellit 14. Zwischen Liebe 15. Gestern 16. SchlafWandel 17. Umarmung 18. Die aus dem Schatten springen 19. Zerstörung 20. Himmel steht still ****** 21. Trümmergemüt 22. Status 23. Spieler 24. Sturm 25. Mein langsamer Tod ****** 26. Höhlen sind dunkel 27. Trinkerherz 28. Zeiten 29. Kleines Herz ****** 30. Nullsignal | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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