FITZCARRALDO
D-Frankfurt am Main, Clubkeller - 30. Dezember 2009
Daturah waren da. Peanut und ich. Dazu weitere 50 Sinn- und Unsinnsucher, die im gemütlichen »Clubkeller« für fünf Euro in den Silvester hineinfeierten. (Manche kamen erst zu vorgerückter Stunde, als die Kasse abgebaut war.)
Die Helden des Abends waren nach einem Streifen mit dem verrückten Kinski benannt. FITZCARRALDO riefen sich die vier Männer aus dem schönen Aschaffenburg. Ein wenig verrückt wie der Hauptdarsteller im Film (die Indianer sollen dem Regieführer damals sogar angeboten haben, den Kinski kaltzumachen), so war auch die Klangkunst der Franken. Jan, Uli, Daniel und Heiko praktizierten Postrock und Noisecore-Attacken am Anschlag. Los ging das um 22.25 Uhr sehr ruhig und ein wenig hakelig. Man war wohl noch auf der Suche... bis nach zehn Minuten die »Treibjagd« so was wie den ersten Hit setzte... der von »Siebentausend Meter« noch überboten wurde. »7000 Meter« war das einzige von der Schallrille 'Herbst' zelebrierte Teil. 'Herbst' ist der absolute Hammer! Und »7000 Meter« versteigerte sich nach einem meditativen Auftakt mit einer Frauenstimme vom Band - jede Fitzcarraldo-Nummer wurde von einem Sample eingeleitet - zu einem alles mitreißenden Sturm aus treibenden Trommeln und wehmütigen, tiefgestimmten Schrammelgitarren. »Ruine« wiederum, war dann fast schon ein dunkel glimmender Doomer in der Machart von Reverend Bizarre. Die ersten Laute aus Menschenmund waren in der »Ruine« zu hören: ganz am Ende, und nur leise hingeflüstert. Depression, Isolation und Zorn - drei Hauptmerkmale in der Musik von Fitzcarraldo - dann auch wieder durch ein Filmzitat, daß sich etwa so anhörte: »Ich bin ein menschliches Wesen, verdammt nochmal! Mein Leben hat einen Wert!« »Hoffnung/Abgrund« lief dann schon tief in der elften Abendstunde. Ultralangsame Gitarren von ungeheurer Tiefe dominierten dieses Stück - bis der Gitarrist alle aufgestauten Emotionen in einem Gewitter aus entzündeten Schreien ins Mikro blies. »Hansestadt« und »Q« waren dann zwei unerwartete Zugaben, die alle stiltypischen Kennzeichen des Postrock in sich vereinten. Ein paar elektronische Verzerrungen, sonst nur traurigschön flirrende Gitarren und harsche Trommeln. Sonst nichts! Der Auftritt von Fitzcarraldo währte 70 Minuten. Die Bodenständigkeit erhob diese Gruppe über das stromlinienförmige Gros der Szene. Auf das im März 2010 erscheinende Album bin ich extrem gespannt!
 
In den ersten Stunden des Silvestertags luden die DJs Katinka & Timida zu Blues, Chanson, Country, Folk, Experimental, Gypsy, Psychedelic und Punk-Beats, die unter dem Motto KONTROLLIERTES KREISELN MIT MUSIK liefen.

 
 
Heiliger Vitus, 2. Januar 2010
(Foto: Hl.Vitus)
SET FITZCARRALDO
1. Lass sein was ist
2. Nichts
3. Treibjagd
4. Siebentausend Meter
5. Ruine
6. Olympiade
7. Momentaufnahme
8. Dämonen in uns
9. Prima 5S
10. Pneumonie
11. Hoffnung/Abgrund
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12. Hansestadt
13. Q