FEIST, ELVENPATH
D-Frankfurt am Main, Café KoZ - 18. November 2005
«Gut laut - Metal Night für Akzeptanz und Toleranz«: Unter diesem Leitspruch hatte der Allgemeine Studierendenausschuß (AStA) ein Konzert gegen Rechts ausgerichtet. Waren es im Vorjahr Rap und Hip-Hop, so durfte nun der Heavy Metal zeigen, was ein lauter und antirassistischer Campus ist. Phantastisch. Endlich mal ein Beitrag zur Überwindung von ethnischen und religiösen Vorbehalten. Und dies bei drei Piepen und bei günstigen Getränken im »Café KoZ«. Nichts wie hin, dachten wir uns... Doch vor die Völkerverständigung hatte die Internationale erst mal den Anmarsch gesetzt. Dreitausend Meter Luftlinie sind es von Rödelheim zum Campus Bockenheim. Ein Katzensprung zu Fuß. Verläßt man sich aber auf die Frankfurter U-Bahnen, ist man verlassen. Nach vergeblichem Wartens sind wir per Taxi hin - zum sozialistischen Froindschaftspreis von einem »Heiermann«. Zwanzig Minuten zu spät, wie uns das kleine Komitee am Einlaß eröffnete...
ELVENPATH aus Frankfurt hatten Punkt 21.15 Uhr begonnen. Till, Cris, Heiner, Markus und Kosma, fünf in Bandshirts von Unleashed [sic!], Metallica und Gamma Ray steckende Langhaarige, die Metal der Alten Schule machten. Power Metal, um genau zu sein. Mit pfeilschnellen, filigranen Gitarren, einem kräftigen Organ, viel Melodie, und - wie es Gruppenname und Emblem vermuten ließen - Hang zu Tolkienscher Mystik. Die Hymne »Burning Skies« und der epische Schlachtruf »The Land that Could Not Be« waren die ersten Teile, die wir verspätet zu hören bekamen. Elvenpath kamen speedschnell wie Blind Guardian und superhymnisch wie Iron Maiden daher, nur leider ohne den notwendigen Druck und die entsprechende Lautstärke. Um nicht zu sagen, die Beschallungsanlage des KoZ war zum Kotzen blechern. Und noch ein Makel - bei aller Toleranz -: der glatzköpfige Sänger aus Rumänien paßte optisch gar nicht zu Elvenpath. Weil seine Gefährten wirklich Metal waren und diesen auch auslebten (wobei der kreuz und quer über die Bretter tobende Riffhexer Oberboßel unter allen herausstach. Schließlich ließ er sich auch ein Bad in der Meute nebst Kuß mit Freundin nicht nehmen). Nach einer Stunde und dem True-Metal-Marsch »Metalwar« waren die Eisenschweine aus Mainhattan durch. Bedenkt man, daß die Quinte mit stetig wechselnden Mitgliedern kämpft und heute auch nur kurzfristig einsprang, war das eine überaus passable Schau. Elvenhail, Elvenpath!
 
In der Pause »Run to the Hills« von Iron Maiden. Gucken hier, Gucken da. 80 Besucher waren laut Ausrichter da. Zur Hälfte der Freundeskreis der Musiker. Mamis und Papis, Omis und Opis. Der Rest bestand aus Studenten und anderen Leuten ohne Ahnung von Metal. Entweder zu alt, oder in den Achtzigern noch nicht geboren. Zu allem Ärger appellierte der Saalschutz, den Greisen auf den raren Sitzplätzen nicht die Sicht zu versperren. Wir wurden verscheucht - und das auf einer Toleranzveranstaltung! Wenigstens unser Freund, Jugendarbeiter Jochen, hatte mal wieder den Weg zur Gitarrenmusik gefunden. Zumindest ein Lichtpunkt am heutigen Abend.
FEIST. Deutsch der Name. Deutsch das Hauptquartier. Multikulti die Besetzung. Gesang und Gitarre: Persien, Baß: Jugoslawien, Schlagzeug: Timbuktu. Akzeptiert und toleriert! Mit »Save Me« und »Waiting for Evil« entpuppten such Feist ab 22.35 Uhr als fies wie Exodus, stampfend wie Priest und schmutzig wie AC/DC, irgendwo zwischen Thrash, Heavy Metal und Hard Rock. Sehr simpel gestrickt, manchmal etwas stumpf, manchmal etwas sperrig, aber nicht verkehrt. Nur zum Hinschauen wenig geeignet. Denn außer dem glaubhaften, mit seinem Wesen und dem rauchig-kreischigen Metalorgan stark an Exodus´ »Zetro« erinnernden Sänger Khochisma, standen Feist wie Salzsäulen in der Gegend rum. Diverse Feuerzeugnummern und Liedzitate - mal von den »fuckin´« Priest, mal von AC/DC - peppten die Chose etwas auf. Doch alles in allem kam lange Zeit kaum etwas in die Gänge. »You want some more?« keifte Khochisma gegen 0 Uhr 12 ins Gaffvolk. Und ja: Es gab mehr. Drei an der Zahl. Und die machten vieles gut. Bei »Breaking the Law« stürzte sich einer von der Bühne, und einer namens Vitus wirbelte mit viel Bier im Blut den Schädel einen Meter tiefer. Auf dem »Highway to Hell« waren vierzig Überlebende schließlich nach 110 feisten Minuten in der Hölle angelangt. Der Tanz im Namen der Menschenrechte war aus...
 
... und eine Dritte Halbzeit wartete um die Ecke - in der Komakneipe »Doctor Flotte«. Dort eingeschlagen, trafen wir auf abstoßende Typen. Manche an der Theke fläzend, andere voll bis zum Gehtnichtmehr oder schon tot? Drei von ihnen auch im Schwarz-Rot der Eintracht. Der Bindingadler schwang aus dem Zapfhan. Nur Wirt Rainer genoß nach jahrelang täglich drei Flaschen Gin Tonic fortan seine Rente im Abseits. Aber das hätte wohl auch Charles Bukowski toleriert. Wir betranken uns in düsterem Licht. Und als die Droschke anrollte (so gegen 2 Uhr), stürzte uns einer der Eintrachtler hinterher, und äußerte (mit Fingerzeig auf mich) zu Peanut: »Ey, paß auf den auf. Der is´ okay!«
 
 
Heiliger Vitus, 21. November 2005
(Abbildungen: Hl. Vitus)
ABSPIELLISTE ELVENPATH
1. Thunderode
2. Angel of Fire
3. Priests of War
4. Act the Innocent
5. Eternal Quest
6. Burning Skies
7. The Sorceress
8. The Land that Could Not Be
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9. Metalwar
 
ABSPIELLISTE FEIST
1. Save Me
2. Waiting for Evil
3. 3rd World
4. Resurrection (Judas Priest)
5. Grinder (Judas Priest)
6. Will You Be There
7. Shame On You
8. Calling
9. Girls Hot Rhythm
10. Bass Solo, Heavy Metal Fantasies, Drum Solo
11. Living After Midnight
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12. More
13. Breaking the Law (Judas Priest)
14. Falling Down
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15. Highway To Hell (AC/DC)