doom /du:m/ [n] 1 das Verhängnis; das Schicksal; to meet one´s doom vom Schicksal ereilt werden [kein pl] das jüngste Gericht doom /du:m/ [v] verdammen/-urteilen; to be doomed to failure zum Scheitern verurteilt sein; to be doomed to die dem Tode geweiht sein.
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I´ve been gone forever, lost in my own zone.
Wandering a wasteland, trapped here all alone.
(Saint Vitus)
 
.:: VORWORT ::.
Reden über Doom ist wie Tanzen über Licht und Schatten. Haß oder Liebe - nichts dazwischen. Dies ist ein Aufklärungsversuch.
 
Nüchtern gesehen ist Doom ein Substil einer Subkultur namens Heavy Metal. Doom ist die dunkle, die langsame Stilart des Metal. Heavy Metal - lange Haare, kreischende Gitarren, primitiver Krach? Doom ist mehr. Doom ist Spiritualität. Ein Lebensgefühl. Der Doomer lebt die Musik. Es soll Leute geben, die haben ihr ganzes Leben dem Doom gewidmet. Man redet von Karma!
 
Die Wurzeln des Doom liegen im Jahre 1967. In Birmingham. Einem rauhen Moloch mit Lärm und Ruß am Himmel. Und einer Band. Black Sabbath. Black Sabbath waren anders. Osbourne, Iommi, Butler und Ward waren nie Freunde von viel Frieden und freier Liebe gewesen. Als Arbeiterkinder standen sie stets im Schatten des Lebens. Fauchender Sturm, Regen, Donnergrollen, eine Totenglocke. Dazu eine dröhnende Gitarre, zermalmende Bässe und eine schaurige Stimme mit okkulten Botschaften: 'Black Sabbath' schlug ein wie eine Bombe - und blieb der Masse für immer verschlossen...
 
... weil diese Musik aus dem Untergrund kam. Aus dem unsichtbaren Grund. Den es gibt, weil das Darüber defekt ist. In einer Zeit voller Gleichschaltung und Kontrolle wird alles Unbequeme, alles schwer zu Verstehende - wie der Doom - immer stigmatisiert. Langhaarige geistern durch Presse, Funk und Fernsehen. Außenseiter, die menschenverachtender, lebensverneinender Musik huldigen. Satanisten werden im Doom vermutet. Von schwarzen Messen ist die Rede. Soviel Dummheit und Unwissen. Doch selbst renommierte Szeneblätter tragen Scheuklappen. Auch bei denen steht der Doom im Regen.
 
Zirka 1000 Anhänger hat der Doom in Deutschland. Konzerte finden nicht selten vor gerade mal fünfzig Leuten statt. Ein kleiner Zirkel. Und um so mehr eine verschworene, eine sehr bewußte Gemeinschaft. Denn alle verbindet eine Liebe - die zum Doom.
 
Diese Kolumne soll Informationen zur verkannten Szene liefern, sie unterstützen, ihr zu Respekt verhelfen. Und wer weiß - vielleicht entdeckst auch Du Dein Herz für die berührendsten Klänge dieses Planeten...
 
.:: GESCHICHTE ::.
Die 1960er: Love & Peace und Blumenkinder
 
Die Wurzeln des (Doom) Metal liegen im Gitarrenrock der Endsechziger. Bei The Who, Jimi Hendrix und MC5. Blue Cheer öffneten 1967 mit 'Vincebus Eruptum' dem Heavy Metal die Türen. Und Led Zeppelin stießen sie zwei Jahre darauf mit »Whole Lotta Love« laut krachend auf. Nicht zu vergessen: Iron Butterfly mit »In-A-Gadda-Da-Vida«. Das waren eigentlich die ersten harten Klänge der Musikwelt. Woodstock ´69 war ein großes Fest. Doch Drogen forderten ihren Tribut. Mit dem Tod einiger ihrer charismatischen Köpfe starb auch ein Stück weit die Hoffnung auf eine friedliche Revolution, auf ein »Flower Power«. Aber das Ende der noblen Ideale war auch ein Neuanfang. Eine Trotzreaktion in Form noch härterer, noch riffbetonter gespielter Instrumente setzte nun ein: der Hard Rock war geboren.
 
Und der Doom? Man schrieb das Jahr 1967. Die Musiker hießen Tony Iommi, Bill Ward, Geezer Butler und Ozzy Osbourne. Der Name ihrer anfangs dem Jazz und Blues zugetanen Combo lautete Earth. Aus Earth wurden die nach einem Boris-Karloff-Horrorfilm von 1935 benannten Black Sabbath. Black Sabbath waren ihrer Zeit Lichtjahre voraus. Alles andere ist Geschichte.
 
Die 1970er:
Vorgänger mit ungestümen Fantasien. Psychedelica und Hard Rock
 
Im Februar 1970, an einem Freitag, den 13., ließen die Vielzitierten ihr Erstwerk auf die Menschheit los. Eine Platte die sich unheimlich und schwarzmagisch dahinwälzt, um schließlich in einem lauten Klirren zu erstarren. Man fröstelt und kriegt gleichwohl heiße Wellen durch den Leib gejagt. 'Black Sabbath' war der Ursprung von Heavy Metal, Psychedelic Rock und Doom in einem! 'Black Sabbath' und die Folgealben 'Paranoid' (1970), 'Master Of Reality' (1971), 'Vol 4' (1972), 'Sabbath Bloody Sabbath' (1973) und 'Sabotage' (1975) blieben auf Jahre in punkto Finsternis unerreicht. Der bleierne »Iron Man« gilt als erster Doom-Titel der Geschichte, und noch heute übt das Vinyl aus der Ozzy-Ära einen kolossalen Einfluß auf den Doom aus. Led Zeppelin, Deep Purple und Uriah Heep komplettierten die allmächtigen Vier des harten Rock. Die inspirierten ganze Heerscharen von Gruppen mit illustren Namen wie AC/DC, Alice Cooper, Hawkwind, Kiss, Motörhead, Rainbow und Van Halen. Doch nicht allein jaulende Stromgitarren prägten die Siebziger. Auch der Urknall des Punk lag in jener Dekade: 1974 wurde der New Yorker Club »CBGB« gegründet. Die Hausgäste Patti Smith, The Ramones und The Stooges lösten dort mit ihren direkten und aggressiven Nummern eine Welle gegen das System aus. Rebellion kurz darauf auch in England 1976: The Sex Pistols mit »Anarchy in the U.K.«.
 
Neben Black Sabbath allenfalls marginale Bedeutung, genoß der doomige Untergrund. Doch es gab sie, nennen wir sie Ur Doom, die erste Generation um die Acidrocker Atomic Rooster und Stone Bunny, und die okkulten »Invocators to Doom« um Pentagram und Bedemon mit ihrem 'Child Of Darkness' (1973). Und da war noch eine Gruppierung in USA. In Kalifornien beheimatet, erst Tyrant und später Saint Vitus genannt. Die wiederum zelebrierten mit ihren ersten Probeaufnahmen 1979 den ersten reinrassigen Classic Doom. Jene völlig im Untergrund operierenden Gruppen waren es, die mit ein paar genialen Düsterriffs den Weg für die Söhne der Zeitlupe bereiteten.
 
Die 1980er:
Metal im Zenit. Speed, Thrash und Death. Die Inkarnation von Doom-Legenden
 
Es begann mit einem Abgrenzungsversuch und endete als welterschütterndes Spektakel: 1979 geboren, verwandelte die New Wave of British Heavy Metal binnen fünf Jahren den angestaubten Hard Rock mittels Punkinfluenzen in ein neues Element - den Heavy Metal. Angel Witch und Judas Priest hießen sie, und Iron Maiden war ihr Flaggschiff. 1983 war die NWoBHM tot. Spandexjeans und Haarspray waren Utensilien des kommerziell erfolgreicheren US-Sleazerock um Guns ´N Roses und Mötley Crüe. Der wiederum wurde von der aufkommenden Hardcore/Crossover-Bewegung vernichtet. Die schneidenden E-Gitarren der NWoBHM gekreuzt mit dem Zorn des Punk ergaben einen neuen grellen Cocktail: den Thrash Metal. Thrash war noch eine Spur aggressiver als der ohnehin schon extreme Speed Metal. Exodus, Metallica und Slayer waren 1982 die Vorreiter. Megadeth komplettierten die Großen Vier der »Bay Area Scene«. Von der Ostküste revanchierten sich Overkill und Anthrax mit raserischen Granaten gen Kalifornien. Die Thrashwelle schwappte über den Atlantik. In Germania lärmten Kreator, Tankard, Sodom und Holy Moses. In Großbritannien waren es die Geistesahnen des Black Metal, Venom und Onslaught, in der Schweiz Celtic Frost und Coroner, und in Lateinamerika Sepultura. Ende der Achtziger explodierte die von Death und Obituary initiierte Todesblei-Invasion. Aus den Sümpfen der Everglades krochen sich in Brutalität und Geschwindigkeit übertreffende Berserker wie Morbid Angel, Deicide und Atheist. In Schweden röchelten Entombed und Unleashed, in England Napalm Death und Bolt Thrower, und auf dem Festland Morgoth und Pestilence.
 
Im Zenit des Metal blühte auch der Doom. Die Obskurmetaller Death Row, Angel Witch und Witchfinder General, die Christenhippies Trouble, sowie die Pagan Doomer Pagan Altar (1981) waren erste populäre Vertreter. Sie nahmen das Vermächtnis von Black Sabbath auf, welche ab 'Technical Ecstasy' (1976) von Doomern zu stadiontauglichen Kunstfiguren mutierten. Trouble frönten mit 'Psalm 9' (1984) und 'The Skull' (1985) depressiven Stimmungen, erhielten aufgrund ihres Glaubens jedoch das Signum »White Metal«. Mitte der 80er Jahre befand sich der Classic Doom auf dem Höhepunkt. Massivste Influenzen verbrachen die Kalifornier Saint Vitus mit den metallisch-krachigen 'St. Vitus' (1984) und 'Hallow´s Victim' (1985). Einer der führende Köpfe wurde The Obsessed/St. Vitus-Frontmann Scott »Wino« Weinrich. Mit St. V sang er zwischen 1986 und 1989 die gewaltigsten Doomwerke aller Zeiten ein, 'Born Too Late', 'Mournful Cries' und 'V'. Nach Frust und Desillusionierung stieg Wino aus. Mit Lord Chritus wurde 1992 'C.O.D.' produziert. St. V´s finales Lebenszeichen gab es ´95 in Originalbesetzung mit 'Die Healing'. 1985 produziertem Pentagram ('Relentless') und 1986 die Trekronor Candlemass mit 'Epicus Doomicus Metallicus' finstere Meilensteine von höchster Qualität. Mönchskuttenträger Messiah Marcolin faszinierte mit seinem ungeheuren, engelsreinem Stimmvolumen. Unter den Plattenfirmen waren Hellhound Records Berlin eine immens wichtige Triebfeder. Sie verpflichteten die traditionelle Doom-Elite um Count Raven, Saint Vitus und Blood Farmers, die Psychedelicrocker The Obsessed, Internal Void, Lost Breed, Iron Man und Year Zero, sowie die Progster Revelation, Unorthodox und Wretched. Die Sachen von Hellhound waren wie Erscheinungen aus einem einzig von Feuer erhellten Schattenreich. Faszinierend, doch zu schwach gegen die allgewaltige Explosion von Speed, Thrash und Death anzukämpfen. Mit den ausgehenden 80er Jahren zog sich der Doom zurück.
 
Die 1990er:
Wechselbad der Gefühle. Gothic- und Black Metal. Stoner Rock und Doom
 
Zu Beginn der Neunziger lag der Metal definitiv im Umbruch. Fossile wie Motörhead, Maiden und Priest stürzten in schöpferische Löcher und Gottheiten wie Metallica und Megadeth waren alt und reich geworden. Vorbei war es mit dem Regiment von Speed & Thrash. Der Death Metal hatte sich mit seinem ruppigen Zwangskorsett das eigene Grab geschaufelt. Und im Black Metal wiederum, kämpfte die verschwindend kleine Legion des Inner Circle um die Einsatzkommandos Burzum und Mayhem mit Kirchenabfacklungen und Blutopfern um die Durchsetzung ihrer Ideologien. Allein, die metallische Anhängerschaft dürstete nach Veränderung. Nachdem der Versuch der Electrolurchies Ministry und Godflesh, den Karren mit maschinenkaltem Industrial aus dem Dreck zu ziehen, kläglich gescheitert war, avancierten die Seattle-Grunger Nirvana und Pearl Jam mit einem Mix aus Punk, Funk und Metal zu neuen Trendsetzern. Rekapitulierend aber, war der Metal tot. Eine Rückbesinnung auf die handgemachte alte Zeit setzte ein. Die Kalifornier Kyuss waren die Urheber des Retrostils Stoner Rock. Kyuss wurden bald schon vom Mammon gefressen. Nun schossen deren Ableger wie Kakteen aus dem Wüstensand. Fu Manchu, Nebula und Queens of the Stone Age hießen fortan die neuen Könige des R(K)iffrock.
 
Ende der Achtziger wollte der Feind den Doom zerstören. Stille folgte. Doch nicht der Tod! Der Death Metal sorgte für die Wiederbelebung. Als Reaktion auf das extreme Geknüppel, Gemetzel und Geschreie fingen manche Gruppen wieder an, sehr langsam zu spielen. Mit tiefgestimmten, schweren Gitarren und schleppenden Vokalen. Paradebeispiel sind Cathedral. Deren Sänger Lee Dorrian - einst bei den Speedgrindern Napalm Death die Gurgel malträtierend - machte 1991 das genaue Gegenteil: 'Forest Of Equilibrium' wurde ein ultrazäher und gruftestiefer Kriecher. Der scharfe Kontrast der Langsamkeit des Doom zum restlichen Metal ist übrigens eine wichtige Definition des Doom. Doom wird als behäbig und unauffällig abgetan, als Deprimetal, in dem nichts geschieht. In der Tat: Doom kommt in Kriechgeschwindigkeit. Doch gerade die spartanischen bis phlegmatischen Melodien erzeugen jene Urgewalt, jene Kraft, die nur der Doom hat. Cathedral brachen später mit dieser Tugend und verblüfften mit psychedelischem Gänseblümchenrock. Ähnliche Wege gingen in USA Dream Death, die späteren Penance. Neben Count Raven und Cathedral waren es auch Solitude Aeturnus ('Into The Depth Of Sorrow', 1991) und The Obsessed, die die Fahne des Doom hoch hielten. Nicht zu vergessen sei Deutschland im Herbst 1990: ein zerbrechliches Epic Doom-Pflänzchen mit Namen Mirror of Deception erblickte das Licht dieser Erde. Und die englische Firma Peaceville brachte 1991 mit Paradise Losts 'Gothic' den Gothic Doom ins Spiel. Kaum noch Musik, doch schwer von Sabbath beeinflußt waren Earth, die mit 'Extra Capsular Extraction' die Schublade Ambient Doom eröffneten. Neue, genreübergreifende Substile, wie der kettenrasselnde Avantgarde Doom von Type 0 Negative ('Slow, Deep & Hard', 1991), und von Orgeln geprägter, schwer melancholischer Symphonic Doom mit Anathema und My Dying Bride entstanden. Die destruktive Variante lieferten die grindenden Death Doomer disEmbowelment sowie Winter mit 'Into Darkness'. Nicht minder gespaltene Gefühle hinterliessen die Amis EyeHateGod mit ihrem abgrundtief boshaften Gekreuz aus Hardcore und Southernblues. Sludge Core nannte sich besagter Drogenauswurf. Und 'In The Name Of Suffering' war sein Name (1992). Nimm 70er Heavy Rock, füge Kyuss hinzu und du erhältst den weltfremd-abgefahrenen Stoner Doom. Sleep schufen 1993 mit 'Dopesmoker' den Klassiker dafür. Mit 'Esoteric Emotions' tauchten im selben Jahr die völlig sinistren Extrem Doomer Esoteric aus Großbritannien auf. Die finnischen Sinnesgenossen hießen Thergothon und Skepticism. Und die verbrachen den endbefreienden Funeral Doom. 1994 beschritten die Briten Solstice mit 'Lamentations' folkloristisch angehauchte Wege. Die kurzlebige Welt schuf Boogie-, Jazz- und Viking Doom. Auch etliche andere Phantome traten auf den Plan, die Experimentierfreudigkeit war grenzenlos und die Grenzen fließend. Nichts schien unmöglich. Doch viele Gruppen zerfielen nicht selten schon nach kurzer Zeit wieder zu Asche.
 
Die 2000er:
Die Endzeit - Sag »Nein« zum Leben. Mit Ultra Doom.
 
Die klapprigen Karren gehen am längsten! Heavy Metal, Power Metal, Industrial und Grunge: All die Poser auf Zeit sind Geschichte und verblasen für immer. (Nu-, Post- und all der sonstige, geklonte Scheiß-Core interessieren ohnehin niemand.)
 
Einzig der Doom hat die Zeiten überlebt. Terror, Gewalt, Verwahrlosung und Zerfall bestimmen das neue Jahrtausend. Die Ideologien werden extremer, die Gefühle werden extremer und die Menschheit strebt stringent ihrem Ende entgegen - noch zu unseren Lebzeiten. Der Doom stiftet den perfekten Sargnagel. Wie mit dem einzig körperlich fühlbaren Drone Doom von SunnO))) (inkl. deren Seitensprüngen). Oder dem voller Misanthropie und suizidaler Tendenzen steckenden Alptraum namens Ultra Doom von Bunkur. Daß unser Erdenball nichts für Zartbesaitete ist, bewies nicht zuletzt der Freitod von Worship-Stimme Max. »Doom isst Hoffnung« sagen Versus The Stillborn-Minded. Der Doom ist die Zukunft. Auf der Startrampe stehen Gruppen wie die mitreißenden Reverend Bizarre mit ihrem 'In The Rectory', Sludge-Ungetüme wie WarHorse oder die tiefspirituellen Hardcore-Mantras Our Survival Depends On Us. Doomshine, Dreaming, Mirror Of Deception, Spancer, Versus The Stillborn-Minded und Voodooshock erhoben Germania zur neuen Weltmacht im Doom. 2003 wurde ein denkwürdiges Jahr: Auf die Dutch Doom Days von Rotterdoom ´02 stiegen im folgenden Februar die ersten zweitägigen Doomfestspiele Europas, das Doom Shall Rise. Die Belgian Doom Night zu Gent folgte nach. Und im Juli gab es Saint Vitus´ Mythos gewordenen »United Ein Time-Gig«. Ich durfte den Unberührbaren die Hände drücken und fiel ins Nirwana. Weitere Legenden kehrten - unterschiedlich überzeugend - an die Front zurück: Trouble, Pentagram, EyeHateGod... Nach dem Ende von Hellhound fand der Doom vor allem in Southern Lord eine neue Werkstatt. Ein grandioses Album folgt nach dem anderen. Schnell wechselnde Gruppierungen aus dem Punk und Hardcore orientieren sich zum Doom hin und verleihen besonders dem Sludge und Drone Doom ganz neue, abstrakte Impulse (oft mit politischem Hintergrund). Neue Festivalserien mit vertrauten Dimensionen, ausgerichtet oftmals in kleinsten Klubs, durchbrechen die Oberflächlichkeit der Freiluftkonzerte. So wie der jährlich in Franken steigende Low Frequency Assault. Oder die ungezählten »Doom Overs« in den Städten. Der Doom atmet, er lebt und seine Klänge strahlen dunkler und mächtiger als je zuvor!
 
.:: BEGRIFFE ::.
GEDANKEN ¤ STILE ¤ KOMMUNIKATION ¤ OPTIK ¤ TONTRÄGER ¤ ÜBERWERKE
 
GEDANKENGUT
Doom ist Endzeit. Diese Musik transportiert Empfindungen in Schwarz und Weiss, Gefühle wie Schmerz, Niedergeschlagenheit und Melancholie. Das unausweichliche Ende allen Lebens spielt eine nicht unwichtige Rolle, die Nichtigkeit und Sinnlosigkeit allen Seins. Die Inhalte reichen von fiktiven Dämonen und Monstern über Alltagstristesse und Drogengebrauch bis hin zu Umweltzerstörung, Systemkritik, Gewalt und Krieg. Die neue Generation schreibt auf einem sehr persönlichen Hintergrund. Negativerlebnisse finden ein Ventil. Enttäuschungen, Einsamkeit, Ohnmacht und Selbstzerstörung sind wichtige Punkte. Aber auch Ablehnung und Sehnsucht nach einem Aufbruch. Selten hat Doom religiöse Inhalte. Und definitiv nichts hat er mit Satanismus oder Faschismus zu tun. Doom macht frei und wirkt heilend!
 
STILARTEN
Unterschiedliche Ideologien und Absichten erzeugen unterschiedliche Strömungen und Stile. Die wichtigsten sind:
 
Classic (Old School) Doom
: Ein Relikt der Ahnen von den Verfechtern der alten Schule. Das Wesen dieses Stils liegt im Niedergedrücktsein des Blues in Verbindung mit dem Rock der 70er und dem 80er Metal. Die Schlüsselrolle spielen dabei die Gitarren. Folgende Gruppen huldigen der zermalmenden Wucht im Schneckentempo zelebrierter Minimalität: Blood Farmers, Cathedral, Count Raven, Dreaming, Extorian, The Gates of Slumber, Orodruin, Pentagram, Revelation, The River, Saint Vitus, Thunderstorm, Trouble, Warning, Well of Souls, Witchfinder General.
 
Death Doom: Die Fusion der kontrastierenden Deather und Doomer hauchte dem obsoleten Doom Rock neues Leben ein. Death Doom ist nervenzerfetzend aggressiv und transportiert morbides Flair, manchmal auch einen Hauch Romantik. Der Gesang reicht von klaren Tonlagen über Gekrächze bis zu gutturalen Grunzlauten (Growls). Gruppen: disEmbowelment, Dream Death, Indesinence, Mourning Beloveth, My Dying Bride, Officium Triste, Paradise Lost, Ramesses, Winter.
 
Doom Rock: Schnell, laut und hart. Die nahen Verwandten des Oldschool Doom. Diese Sektion setzt den erdigen Spirit vom Blues- und Heavy Rock der 70er fort und würzt ihn mit einer gehörigen Portion Rhythmus und psychedelischen Passagen. Diese Sparte weiß begnadete Sänger in ihren Reihen. Gruppen: Earth Flight, The Hidden Hand, Internal Void, Lost Breed, Naevus, Pagan Altar, Penance, The Obsessed, Voodoo Shock, Year Zero, Wall Of Sleep, The Walruz, Wretched.
 

Drone (Ambient) Doom: Das Ende der Musik! Drone sprengt alle Grenzen der Abstraktheit. Ein Mahlstrom aus alptraumhaftem Dröhnen und Brummen, diffusen Klangverfremdungen und Rückkopplungseffekten, wenn überhaupt, dann verlorenen Stimmen, und definitiv keinen (!) Melodien, machen Drone maximal physisch spürbar. Inhaliere diesen Stoff mit maximaler Lautstärke!)))))) Gruppen: Black Shape Of Nexus, Boris, Earth, ephemeroL, Khanate, Omega Massif, Skitliv, SunnO))), Switchblade.
 
Epic (Power) Doom: Leise, berührend und schmerzhaft. Oft glockenreine Vokale zelebrieren voller Melancholie steckende Verlierergeschichten. Zu filigranen Melodien gesellen sich manchmal Elemente des Folk oder auch symphonische Schwelgereien. Die Lieder strahlen Mystik und Endgültigkeit aus und sind selten kürzer als sechs Minuten. Poeten des Doom: Akelei, Candlemass, Cold Embrace, Doomshine, Forsaken, Mirror of Deception, Sevenchurch, Solitude Aeturnus, Solstice, While Heaven Wept.
 

Funeral Doom: Die Tonwelt für die letzte Reise. Ein Stirb langsam, kredenzt von den Meistern der Monotonie. Funeral ist verstörend, trist, depressiv-suizide, andererseits aber auch träumerisch. Elektronische Orgeleffekte sind obligat. Gelegentlich gesellt sich Blackmetalgekeif hinzu. Die Namen einiger Bestattungsorchester: Ahab, Evoken, Funeral, Imindain, Loss, Mar de Grises, My Shameful, Pantheïst, Ras Algethi, Sinistra, Skepticism, Thergoton, Worship.
 

Sludge Doom: Terror. Ende. Zerstörung. Oder: aus tiefen, verzerrten Gitarren, distortenden Rückkopplungen und surreal-brutalen Knurrlauten gemachter Schlammschlick zwischen Hardcore und Doom. Die Inhalte sind beißend ironisch bis irritierend nihilistisch, sie haben den Charme von Groschenheften und streifen nicht selten die Grenzen des guten Geschmacks. Gruppen: Burning Witch, Buzzoven, Church of Misery, Crowbar, Electric Wizard, EyeHateGod, Fleshpress, Golden Gorilla, Grief, Heavy Lord, Iron Monkey, Low Man´s Tune, Möse, Our Survival Depends On Us, Soulpreacher, Spancer, Tekhton, Tephra, Tollwuet, Versus The Stillborn-Minded, WarHorse.
 
Stoner (Space) Doom: Die Nachhut zur Karawane der Blumenkinder. 70er Rock, Punk, Fuzz und Wah-Wah-Distortionen, gepaart mit einer lässigen Verbundenheit zu weichen Drogen, ergeben einen abgefahrenen, bewußtseinserweiternden Psychedelic-Bastard. Die Lyriks sind positiver und lebendiger als die ihrer Doomgenossen. Gruppen: Acid King, Acrimony, Goatsnake, Gorilla Monsoon, Sleep, Sons Of Otis, Ufomammut, YOB.
 
Ultra (Black) Doom: Die Handlungsanweisung zum Freitod durch Misanthropie bis in die letzte Konsequenz. Ultraschwarze, minimalistische Mixtur aus Death, Doom und Drone. Mit wie am Spieß herausgeschrieener Hysterie (Shouting), verzerrten Übersteuerungsparanoia (gestreckt bis zu einer Stunde!) und sämtlichen Reglern nach rechts gedreht. Wer ihn trotz Verstehens überlebt, verfügt über eine starke Persönlichkeit! Gruppen: Bunkur, Esoteric, Malasangre, Moss.
 
KOMMUNIKATION
Bis Mitte der 80er Jahre fristete der Heavy Metal bestenfalls ein Randgruppendasein. Die Presse schwieg sich aus und Funk und Fernsehen ignorierten den Metal komplett. Auf dem Höhepunkt der Endachtziger traten Privatsender und Sendungen wie »Mosh« (RTL), »Hard´n´Heavy« (Tele5), »Headbangers Ball« (MTV), »Hard´n´Heavy«, »Metalla« und »Virus« (VIVA) auf den Plan. Seither ist der Metal im Fernsehen erneut tot. Kaum besser ist die Lage im Äther. Gerade Doom hört man nicht so nebenbei. Viele Stücke entfalten sich erst nach sechs Minuten so richtig. Überlänge hat aber keine Chance im Rundfunk. Dazu kommt die unbequeme Natur des Doom. Doch im Untergrund existiert eine Bewegung, die den Doom auch ohne hintersinniges Trachten am Leben hält. Das bedeutendste Mittel bleiben die Tonträger. Idealisten stellen mit einfachsten Mitteln Szenehefte und Fanzines her. Und durch das Internet können Gruppen und Anhänger schnell und kostenlos Informationen über Platten, Konzerte und sonstige Neuigkeiten tauschen.
 
OPTIK
Wie trägt ein Doom-Metaller? Glaubensfrage! Bis in die 90er Jahre waren lange Haare eine Selbstverständlichkeit. Obgleich sich im neuen Jahrtausend vermehrt Kahlköpfige ausmachen lassen, sind Doomkonzerte nach wie vor die Ereignisse mit den meisten Langhaarigen. Die Anziehsachen sind tendenziell schwarz. Schwarz verbindet! Ein Muß ist das bedruckte Hemd, bevorzugt mit Gruppenname oder Plattenmotiv. Man trägt Militärhosen, aber auch Jeans oder Schlaghosen. Darunter schweres Schuhwerk. Außer Kreuzen, Pentagrammen, Eisernen Kreuzen, Thorshämmern, Totenköpfen und individuellen Talismanen ist der bei Metallern beliebte Eisen- und Nietenschmuck eher Nebensache. Ebenso Tattoos und »Corpsepaint«. Und: Zwischen Musikern und Anhängern gibt es rein optisch keine Unterschiede.
 
TONTRÄGER
Dem Inhalt entsprechend sind die Aufmachungen düster. Plattenhüllen sind nicht selten in Schwarz-, Weiss- und Grautönen gehalten. Sie können von nüchternen Kreuzen oder Kirchen geziert sein, von Fantasymotiven, aber auch von Militärgerät und endzeitlichen Landschaften. Die Booklets enthalten neben den Texten auch Einsichten zu den Künstlern und deren Freundeskreis. Manche Gruppen geben sich mystische Namen, andere philosophische, wieder andere martialisch-kämpferische. Die Gruppenlogos - vor allem die der Extremdoomer - können bis zur Unleserlichkeit verfremdet sein. Die meisten stellen Audiodateien ins Netz. Hier findest Du Verweise zu >> Gruppen, Tonträgerversand, Anziehsachen & E-Zines. Entdecke den Doom auch bei einem Konzert. In Aktion kommt die Magie des Doom erst richtig zur Geltung!
 
TODESKAPSELN
.:: 10 Doomrockepiker ::.
 
Cathedral - Forrest Of Equilibrium
Count Raven - High On Infinity
The Gates of Slumber - The Awakening
Lord Vicar - Fear No Pain
Mirror of Deception - Mirrorsoil
Reverend Bizarre - So Long Suckers
Saint Vitus - V
Solitude Aeturnus - Into The Depth Of Sorrow
Warning - The Strength To Dream
While Heaven Wept - Sorrow Of The Angels
.:: 10 Sludgedronedeather ::.
 
Bunkur - Bludgeon
Esoteric - Epistemological Despondency
EyeHateGod - Take As Needed For Pain
Iron Monkey - Our Problem
My Shameful - ... Of Dust
OSDOU - One Jump Too Often Into The Ocean...
Spancer - Countdown To Victory
Switchblade - Switchblade 2005
VTS-M - Audibly Bleeding
Winter - Into Darkness
 
.:: LICHTSPIELE ::.
Elitäre Filme bei Youtube
  Black Shape Of Nexus Live - Stadtmitte Karlsruhe, 26. Feb 2007
   Buzzoven Last show ever... 1998 - Route 44, Virginia Beach
   Cathedral Ebony Tears, Video Clip 1991
   Doomraiser The Age of Christ, Live - Titty Twister, Selargius, CA, 9. Sep 2006
   Electric Wizard Supercoven, Live in USA, 2002
   EyeHateGod Jackass in the Will of God
   The Gates of Slumber Riders of Doom, Live - Double Door Chicago, 10 Jun 2006
   Gorilla Monsoon Codeine Commander, Live - Doom Shall Rise 2005, headbanging Hl.Vitus ;-)
   Reverend Bizarre Doom Over the World, Video Clip 2005
   Saint Vitus White Stallions, Live - The Palm Springs Community Center, 16. Mai 1986
 
.:: TERMINE ::.
DOOM OVER VIENNA 5
Isole & mehr
A-Wien, Escape Metalcorner, 06.11.2010
 

DUTCH DOOM DAYS IX
Place Of Skulls (US classic doom), Hooded Menace (FI doom / death), Eternal Elysium (JP stoner / doom), Desire (PT melodic doom / death), Fall of the Idols (FI classic / epic doom), Iron Hearse (UK classic doom), Evadne (ES melodic doom / death), Grimpen Mire (UK sludge / doom), My Silent Wake (UK melodic doom / death), Nephthys (NL melodic doom / death) & mehr
NL-Rotterdam, Baroeg, 06. & 07.11.2010
 
LOW FREQUENCY ASSAULT VII
Beehoover, Black Shape of Nexus, Heavy Lord, Spancer, Tekhton, Versus The Stillborn-Minded, Voodooshock & 1-2 Weitere
10. & 11.12.2010 - D-Nürnberg, Kunstverein (im Z-Bau)
 
NIGHT OF DOOM V
Black Shape of Nexus, Omega Massif, Voodooshock, Golden Gorilla, Obelyskkh
D-Stuttgart, Haus 11, 27.11.2010
 
X-MAS OF DOOM
Saint Vitus & mehr
D-Stuttgart, Haus 11, 18.12.2010
 
.:: HAILS ::.
Ahab, Autumn Of Doom (D-Obereuerheim, R.I.P.), Belgian Doom Night (B-Gent, R.I.P.), Black Shape Of Nexus, Bunkur, Condemned To Suffer, Count Raven, Dead Heart Bleeding, Debris Inc., Doom Shall Rise (D-Göppingen), Doomshine, Dreaming, Drecksau (R.I.P.), Dust, Dutch Doom Day (NL-Rottderdam), Earth Flight, ephemeroL, Esoteric, Extorian, Forsaken, Golden Gorilla, Gorilla Monsoon, Heavy Lord, Imindain, Lord of the Grave, Lord Vicar, Low Frequency Assault (D-Nürnberg), Low Man´s Tune, Malasangre, Mirror of Deception, Möse, Moss, My Shameful, November´s Doomsday (D-Langenzenn, R.I.P.), Omega Massif, Our Survival Depends On Us, Penance (R.I.P.), Pÿlon, Radare, Reverend Bizarre (R.I.P.), Saint Vitus, Semlah, Shepherd (R.I.P.), Sinistra (R.I.P.), Skitliv, Soulpreacher (R.I.P.), Space Pilgrim, Spancer, Tekhton, Tephra, The Atlas Moth, The Gates of Slumber, The Walruz, Thee Plague Of Gentlemen (R.I.P.), Thunderstorm, Tollwuet (R.I.P.), Versus The Stillborn-Minded, Voodooshock, Wall Of Sleep, WarHorse, Warning (R.I.P.), Well Of Souls, Wight, Wytchcraft.
 
Verflucht, verloren und zerdoomt ... Für immer und alle Zeiten ... Bis drüben in der anderen Welt ... Heiliger Vitus