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DISPUT, A.C.K., UNGUNST D-Frankfurt am Main, Raumstation Rödelheim - 18. März 2003 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Frankfurt 60489 Rödelheim. Stadtrandlage im Westen. Temporärer Wohnort meiner lebenden Hülle seit 1992. Herz und Seele blieben 1984 in Dresden und sehnen sich nach Wiedervereinigung. Was gibt´s in Rödelheim? Meine Frau. Tankards Biervernichter Gerre. Bißchen Gelderwerb. Drei, vier Biergärten. Die Laufstrecken am Fluß Nidda. Ferner tummeln sich im früheren Arbeiterviertel nur Spießer, Greise oder Nichtsnutze, die sich die Tage an der »Klagemauer« mit Christian Henninger schön saufen. Für den, der nicht auf Flaschenbier steht, gibt´s drei Spelunken voller Grauer Panther. In Rödelheim hat der größte Apfelweinpresser sein Hauptquartier. Dann gibts noch das autonome Wohnprojekt »Assenland«, zwei Siechenhäuser, viele Gemüsemänner aus Istanbul, die rappenden Maulartisten Rödelheim Hartreim Projekt sowie Schwester S. Und massig asozialen Abschaum, Autodealer und Wanderhuren vom Balkan, verwahrloste Kleinkriminelle aus Multikultistan. Jeder Vierte ist kein Deutscher. - Die Subkultur vergnügt sich einerseits in der Punkerfestung »AU«. Und alle Jubeljahre richtet auch das »Jugendhaus Rödelheim« nicht nur Gangsta-Hip-Hop, sondern Punk aus. Heute war solch ein Tag. Disput hatten anläßlich ihres 10. Geburstags zur »Hometown-Subs Anniversary Tour« geladen. Zum Jugendhaus: 1993 mußte das alte Haus einem lichten Glasfassadenwürfel weichen, der heute als Herberge dient - jedoch »wegen Vandalismus bis auf Weiteres geschlossen« war. Nur der Klub »Raumstation« blieb vom multikriminellen Mob verschont. (Der Ortsbeirat erwägt, den Laden zum Absturz zu bringen...) - Nach einem Spaziergang durch den Brentanopark war die Raumstation erreicht. Ein Gang durch den Hinterhof, ein Aufstieg über eine eiserne Freitreppe, und man war drin. Mit uns wollten zirka vierzig Piepel durch Galaxia düsen. Die Hälfte Buntvolk in Spikes und Leder. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| 10 - 9 - 8 - 7... Punktgenau 21.30 Uhr wurden die Nebelmaschinen angeworfen und die Straßenpunks UNGUNST starteten die Triebwerke. Mit »Die Köpfe der Nation/Sie bauen auf Sand« ging´s ab. Irokesenträger und Nietenpunker stürmten den Raum - um ununterbrochen durchzupogen. Einer von ihnen demonstrierte, wie Gesichtsbesamung geht. Ich dockte an der Bar an. Mit Einsfuffzisch für eine Versorgungskapsel Bier konnte man der Wirklichkeit entfliehen. Das Rudel aus Offenbach grölte »Wir sind alle Terroristen« und »Eingekesselt«, und Fronter Marco vermeldete, daß ihn am nächsten Tag die Arbeit ruft und er deshalb nicht so gut gelaunt sein könne. »Pogo in der Straßenbahn« hat trotzdem Spaß gemacht. Ein abgebrochener Mercedes-Stern kollerte über den Tanzboden, und einer der Zackenpunker steckte im Gipsbein. Als Trost schob man ihn in ´nem Freischwingersessel über den blechernen Tanzboden. Ein anderer schnorrte mit weit aufgerissenen Augen die Besatzung um Bier an. Auch mich. Raserisch und rüde wie der Morgenstern Sham 69 indes das, was auf den Brettern abging: »Feuer«! Und nach »Feuer« ist´s bekanntlich »Ausgebrannt«. Ungunst schredderten »Harmonie«, »Immer das Selbe« und »Opfer-Täter« runter. Und dies schlechter, um früher fertig zu sein. »Ich lach mich tot«. Etwas Provokation gefällig? »Ja da vorne fahr´n die Bullen, ja da vorne fahr´n die Bullen...« Ungunst waren simpel, räudig und geil! Und »Wir machen durch die ganze Nacht« hat das Ganze besiegelt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Um 22.35 Uhr zündeten die Vorstadtpunks A.C.K. die Nachbrenner. A.C.K. gibt´s schon seit 1985! Nach Aufrüstung von der Troika zum Vierzack rödelten heute Mosti, Ole, Terror und Martin im Allgemeinen Chaos Kommando. A.C.K. sind sowas wie Frankfurts Antwort auf 4 Skins, Chaos U.K. und G.B.H. Sprich: Man haut in die Kerbe des Hardcore Punk! A.C.K. sind ruppige Männer mit knallharten Schreddergitarren und heiser-kruden Vokalen, welche mich an die Bremenpunker Dimple Minds erinnerten. »Falsche Freunde« und »BGS«, so nannten sich die treibenden Beschleuniger beim Abheben. Und die waren alles, nur kein Spaßpunk. A.C.K. kamen mit scharfen politischen Aussagen - die zwei Punker nutzen, sich im Engtanz auf der Bühne ausgiebig die Zungen in den Hals zu stecken. Mit Überschallgitarren zu »Wut« brachen A.C.K. die Gravitation. Den Bierschnorrer hatte es derweil aus der Umlaufbahn geschmissen. Er war in den Weiten der Milchstraße verloren gegangen und träumte von weissen Zwergen. Mit »Baskenland« folgten Erinnerungen an den Blauen Planeten, an den 97er Feldzug durch die Klubs von Nordspanien. Beim Überflug grüßte der »Märchenonkel«: »Diese Menschheit ist eine Bombe!« Darauf folgte der »Untergang«. Wann werden in der Raumstation Germanistan die Lichter ausgehen? In sechs Jahren? Oder acht vielleicht? Den 4000 am 1. Mai durch Frankfurt marschierenden Neonazis wiederum, galten die Kampfsignale »Nazis« und »Wie lange noch«. Während ich ein letztesmal an der Treibstoffdrone Binding andockte, sorgten die flammenden Hymnen »Widerstand« und »Wir leben nicht zum Letztenmal« für extraterrestrische Einschlagskrater auf der Bühne. Ja, und der explizite Slime-Speedpunker »P.S.A.S.S.« hat die Raumstation Rödelheim 23.10 Uhr in ihre Einzelteile zerlegt. Trümmer... Raummüll... Supernova... »Polizei, SA, SS«! Die Friedrichsdorfer Punkrocker DISPUT haben wir uns geschenkt. Wollten uns heut´ die Nacht nicht um die Ohren schlagen. Es drohten schwarze Löcher! Zum Wiedereintritt hat mir A.C.K.-Basser Terror im Hinterhof für einen Zehner den magnetisierenden Chaos-Silberling 'Widerstand' überlassen. Im freien Fall landeten wir in Cirith Ungol, Sektor Liebesnest. Wenig später riß uns der Wecker aus dem Schlaf. Heiliger Vitus, 19. März 2003 (Abbildungen: Hl. Vitus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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